Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 33 (16.8.1907)
- Date
- 1907-08-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 33 Vr. VLortz^s WoaxrnMLrtkr. Seite 545 Vermwcbtes. Wien. Anläßlich des Allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers finden Sonntag den 18. August d. I. in den Gemeindebethäusern der israelitischen Kultusgemeinde Wien feierliche Gottesdienste statt, und zwar: Im Stadttempel, L, Seitenstettengasse 4, um V410 Uhr vormittags; im Leopoldstädtertempel, II., Tempelgasse 3, um 10 Uhr vormittags; im Ottakringertempel, XVI., Hubergasse 8, um li210 Uhr vormittags; im Fünfhausertempel, XV.. Turnergasse 22, um 10 Uhr vormittags; im Währingertempel, XVIII., Schopenhauerstraße 39, um 7 Uhr früh; im Floridsdorfertempel, XXI. Bezirk, Schindlergasse 4, um 7 Uhr früh. Im israelitischen Synagogenverein „Beth Israel", II., Leopoldsgasse 29, um '/29 Uhr früh. Wien. Der Steuer-Inkassant der israelitische» Knltusgemeinde Herr Jakob Fuchs feiert Samstag den 17. August d. I. mit seiner Gattin Johanna die silberne Hochzeit. Herrn Fuchs, der sich allgemeiner Beliebtheit erfreut, werden an diesem Tage zahlreiche Ovationen zuteil werden. Kaiser Franz Joseph-Ferienheim. In den letzten Tagen fand der zweite Serienwechsel der Kolonien Tischnowitz, Petrau und Jodbad Darkau statt. Die heimgekehrten Kolonisten weisen glänzende Erholungserfolge auf. die auch in bedeutenden Gewichtszunahmen Ausdruck fanden. Die Zahl der diesjährigen Schützlinge des Vereines beläuft sich auf nahezu 600. Während seines nun 15jährigen Bestandes hat das „Kaiser Franz Josef-Ferienheim" insgesamt 6670 Kinder in Heilbäder, Kurorte und Ferienkolonien entsendet. Der Sitz des Vereines befindet fich Wien, IX., Türkenstraße 17. Jüdischer Verein „Einheit". Dieser Verein, unter dem Präsidium der Herren S.Meis els, B. Hofbauer und M. F e l s e n b u r g. hat mit der Gründung seiner Volksrestauration, die nun bald ein Jahr besteht, einen glücklichen Wurf getan. Nahezu hunderttausend Mahlzeiten von vorzüglicher Spezialität wurden zu einem Preise, der auch für die kleinsten Börsen erreichbar ist (36 Heller Mittagmahl, 28 Heller Abendbrot), verabreicht und boten allen Jenen, die die bestehenden Etablissements nicht aufsuchen können oder wollen, Erquickung. Einen Beweis der tüchtigen Leitung lieferte der Verein in den jüngsten Tagen. Gelegentlich des hiesigen Aufenthaltes der rumänischen Emigranten betraute die „Oesterreichische Israelitische Allianz" den Verein mit der Verköstigung von 145 Personen. Obwohl dieser Auftrag erst Donnerstag nachmittag eintraf, fand die Ausspeisung Freitag mittag, Freitag abends und Sabbath mittag statt, zur vollsten Zufriedenheit der Auftraggeber und der Armen, die ihre Heimat verlassen mußten. Unsere Hausfrauen werden beurteilen können, welche Meisterleistung dies seitens der Küchenverwalterin, Frau Kamm, bedeutet. Die Erhaltung dieses Institutes erfordert bedeutende Mittel und lenken wir die Aufmerksamkeit unserer wohltätigen Glaubensgenossen auf dieses eminent nützliche Werk. Die Restauration befindet fich im Zentrum des Judenviertels, H., Floßgasse 7. Zuschriften, den Verein betreffend, werden an Herrn Bernhard Hofbauer, I., Tuchlauben 22, erbeten. Allgemeiner Kranken- und Unterstützungsverein „Montefiore". Nachdem die Tempel der israelitischen Kultusqemeinde zu den hohen Feiertagen einen derartigen Raummangel aufweisen, daß es vielen Glaubensgenossen nicht möglich ist, Eintritt zu finden, hat es sich dieser Verein zur Aufgabe gestellt, alljährlich zu den hohen Feiertagen ein temporäres Bethaus zu errichten. Dasselbe befindet sich seit Jahren im großen Saale des „Hotel Stefanie", II., Taborstraße 12, und verwendet die Vereinsleituna stets sehr viel Sorgfalt darauf, speziell durch Anstellung gut geschulter Kantoren den Gottesdienst recht feierlich zu gestalten. Auch heuer wurde dieses Bethaus wieder ins Leben gerufen, und ist es notwendig, sich schon jetzt die Sitze zu sichern, weil knapp vor den Feiertagen sonst nicht allen Wünschen entsprochen werden könnte. Bethaus sitze sindiu derKanzlei desBereines, II., Novaragasse 44, täglich zu erhalten. Brünn. Der k. k. Religionsplofeffor am I. Deutschen Staatsgymnafium Dr. Max Grünfeld wurde in die VIII. Rangsklaffe befördert. Beraun. Die mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehene, zweite israelitische Volksschule versendet soeben ihren dreißigsten Jahresbericht Eingeleitet wird derselbe durch einen ausgezeichneten Aufsatz des Oberlehrers M. Zinn er über das Thema: „Wie soll das Kind für die Schule vorbereitet werden?" An der Anstalt wirkten drei Lehrkräfte; dieselbe wurde von 48 Zöglingen (28 Israeliten, 20 Katholiken) besucht. Die Schülerbibliothek zählt 5(0 Bände, die Zahl der Lehrmittel betrug 304 Stück. Das neue Schuljahr beginnt am l6. September. Nagy-Beeskerek Auf Anregung des Oberrabbiners Dr. Klein und des Bankdirektors Heinrich Mayer konstituierte fich hier ein Zweigverein der zionistischen „Jto"-Organisation mit 150 beitragenden Mitgliedern. Mistelbach. (Trauung.) Sonntag den 18. August l. I. um 2 Uhr nachm, findet im israelitischen Tempel die Trauung des Fräulein Fritzi A b e l e s, Tochter des Kultusvorstehers Herrn Ludwig A b e l e s, mit Herrn Alexander Geist statt. München. Die Passauer „Donauzeitung" veröffentlicht folgende Todesanzeige: „In Gottes heiligen Willen war es gelegen, unfern innigst geliebten, treubesorgten Gatten, Vater, Bruder und Schwager Herrn Ferdinand Huber, Judenfeind in Aspertshain, nach längerem schweren Leiden usw." Feuilleton. Der nreschuggene DomiL Niemand wußte, woher er kam. Es war nichts Außergewöhnliches, ein fremdes Geficht in der Gemeinde zu sehen, es wurde im Gegenteil schmerzlich vermißt, wenn man nicht Gelegenheit hatte, an einem armen Durchreisenden, einem Aurach, die Pflicht des Wohltuns zu üben. Und so war es ganz natürlich, daß Dowid zuerst auch keine besondere Beachtung fand, als man ihn eines Morgens auf der Ofenbank des Beshamidrasch fitzen sah, um seine wegmüden. Glieder zu wärmen. Bald erkannte man aber, daß man es nicht mit einem der alltäglichen „Orclum" zu tun hatte; seine Sprache war nicht der gewöhnliche Jargon, seine Lieder nicht die Lieder der Gaffe — er sprach „hochdeutsch" und er sang: „In diesen heiligen Hallen kennt man die Rache nicht." Und doch soll es die Rache gewesen sein, die ihn, den geistig Hochstehenden, in die Welt hinausgetrieben, daß er „unstät und flüchtig" umherziehe, rechtlos und heimatslos. Der Schüler eines hochberühmten Rabbi, soll er mit einer Schar Gleichgefinnter und gleich ihm nach weltlicher Bildung Strebender von seinem Meister verflucht worden sein, daß er des Hauses Rast und Ruhe nicht mehr finden solle — so kam er, ein Verkommener, in die kleine Stadt, Rast suchend im Lehrhause und Ruhe auf der Ofenbank des Beshamidrasch. Eigentlich hatten alle Respekt vor ihm; denn ein „Verfluchter" zwar, war er doch ein Schüler jenes großen Rabbi, dessen Name ehrfurchtsvoll genannt wurde „von Eckwelt zu Eckwelt". Aber dieser Respekt mußte bald einer mitleidigen Ueberlegenheit weichen.