Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 33 (16.8.1907)
- Date
- 1907-08-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 544 Dr. Llocv s MLocvenscvrm. >Jlr. 33 im Oberhaus erst ein Jahr später angenommen. Aber die Juden waren noch immer von den Parlamenten ausgeschlossen, und hierüber entbrannte nun jener denkwürdige Kampf, der mit den Namen David S a l o m o n s und Lionel Rothschild für alle Zukunft verknüpft bleiben wird. Im Jahre 1847 wurde Baron Lionel Rothschild von der Londoner City in das Parlament gewählt, aber die damals noch für alle neuen Mitglieder obligatorische Eidesformel machte es ihm unmöglich, seinen Sitz einzunehmen. Zur Beseitigung dieser Anomalie brachte Lord John Rüssel seine berühmte Gesetzvorlage betreffend die politische und religiöse Gleichberechtigung der Juden im Unterhause ein; wiederum scheiterte dieselbe an den Widerstand des Oberhauses. Da ereignete sich im Jahre 1851 ein dramatischer Vorfall: David S a l o m o n s, der für Greenwich zum Parlaments-Mitglied gewählt worden war, nahm seinen Sitz im Hause ein und beteiligte sich an der Abstimmung, wofür er mit einer Strafe von 500 Lstr. belegt wurde. Zur Beseitigung dieses ungeheuerlichen Zustandes wurde eine Eidesvorlage nach der andern im Unterhause eingebracht, regelmäßig angenommen, aber ebenso regelmäßig vom Oberhause verworfen. (Picotto bezeichnete dieses Gebühren als „einen in direktem Widerspruch mit dem Willen der Nation stehenden Gewaltakt". Kürzlich bediente sich der Ministerpräsident Sir Campbell- Bannermann eines ähnlichen Ausdrucks und begründete damit seinen Appell an das Parlament, die Beziehungen zwischen den beiden Häusern neu zu regeln.) In den Jahren 1853, 1856 und 1857 widerstand das Haus der Peers erfolgreich der „Verjudung" der Gesetzgebung. Im Jahre 1858 beschloß das Unterhaus abermals eine Vorlage über die Eidesleistung, während das Haus der Lords eine Resolution annahm, in welcher der auf die Juden bezugnehmende Paragraph unterdrückt wurde. Das Unterhaus weigerte sich, diese Resolution gutzuheißen, und es wurde eine spezielle Kommission eingesetzt, welche ein Einverständnis der beiden Häuser herbeiführen sollte. Man einigte sich schließlich dahin, daß jedes der beiden Häuser auf Grund einer bloßen Resolution seine gewählten Mitglieder auch ohne Hinweis auf die christliche Religion zulaffen könne. Am Mittwoch den 21. Juni 1858 wurde dieser Entwurf zum Gesetz erhoben, und fünf Tage später nahm Baron Lionel Rothschild seinen Sitz im Unterhaus ein, nachdem er zuvor bedeckten Hauptes den Eid geleistet hatte in welchem er sich statt der christlichen Formel, welche ihn elf Jahre au der Ausübung seines Rechtes verhindert hatte, der Worte bediente: „So helfe mir Gott!" Jerusalem. Die Edler von Lämel-Schule, die mit ihren Schwesterinstitutionen einen bedeutenden Einfluß auf die geistige Entwicklung der hiesigen jüdischen Bevölkerung ausübt, hat sich, wie dieses in dem denkwürdigen Buche „Nach Jerusalem" von Dr. L. A. Frankl oft hervorgehoben wird, von jeher der gnädigen Huld Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreich erfteut, der die vor nunmehr 51 Jahren ins Leben gerufene Anstalt unter seinen kaiserlichen Schutz nahm. Eine vollständige Reorganisation erfuhr die Lämel-Schule vor zwanzig Jahren, als eine Verständigung zwischen dem Kuratorium der Lämel-Stiftung in Wien und dem Vorstande des Vereines zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina (Sitz: Frankfurt a. M.) herbeigeführt und Herr Direktor Ephraim Cohn zum Leiter dieser Schule berufen wurde. Dank dem gesteigerten Jntereffe, welches Wien (sowohl die Wiener Kultusgemeinde als auch die Oesterreichische Israelitische Allianz geben ansehnliche Beiträge), Frankfurt a. M. und Berlin (Hilfsverein der deutschen Juden) dieser Schule entgegenbringen, sowie dem rastlosen Eifer und der unermüdlichen Tätigkeit des Herrn Direktor Cohn ist die Lämel-Schule anerkanntermaßen ein ganz bedeutender Kulturfaktor in Jerusalem. Wiederholt haben die hiesigen Vertreter der österreichisch-ungarischen Regierung, die dieser Wiener Anstalt ein warmes Interesse entgegenbringen, Gelegenheit genommen, den hervorragenden Leistungen der Schule Anerkennung zu zollen. Gelegentlich der Feier des fünfzigjährigen Jubiläums hat der vsterr.-ung. Konsul Herr Ritter v. Zepharovich in feiner meisterhaften Rede richtig hervorgehoben, daß die Schule „eine hohe Kulturmission für das Judentum Palästinas übernommen und zum Heil und zum Segen für Tausende ausgeführt." Bei dieser Gelegenheit erhielt die Schule vom Minister des kaiserl. Hauses und des Aeußern das Bildnis des Kaisers, und jetzt wurde dem Leiter nach zwanzigjähriger Amtierung in Anerkennung seiner Verdienste von Sr. Majestät dem Kaiser der Franz Joseph-Orden huldvollst verliehen. Diese wohlverdiente Ehrung des Herrn Direktor Cohn gewährt nicht nur seinen wackeren Mitarbeitern hier, sondern auch all denjenigen, welche an dem Ausbau der Schule mitgewirkt, hohe Befriedigung. Deutsche Unternehmungen in Palästina. Die wirtschaftlichen Unternehmungen der Deutschen in Palästina sind, nach einem Berichtdes deutschen Konsulats in Jaffa, in ruhiger und steter Entwicklung begriffen. Die „Frankfurter Zeitung" gibt aus dem Bericht folgendes wieder: Der Betrieb der Landwirtschaft in Sarona hat trotz mancher Schwierigkeit doch im Laufe der Jahre zu einem gewissen Wohlstand geführt. Zu dem Hauptbetrieb, der Weinbereitung, hat man sich in einer Genossenschaft, dem Weinbauverein, organisiert. Die deutschen Landwirte bei Jaffa gehen mehr und mehr zum Apfelsinenbau über, doch ist die Anlage einer solchen Kultur verhältnismäßig kostspielig, und die Erträge beginnen erst im 7. Jahr. Die Deutschen in Palästina haben sich frühzeitig industrieller Tätigkeit zugewendet, und sich darin eine führende Stellung erworben. Sie begannen zunächst mit mechanisch betriebener Müllerei. Zur Zeit befinden sich im Konsularbezirk acht Dampfmühlen in deutschen Händen. Außerdem werden von Deutschen eine mechanische Werkstatt und Eisengießerei betrieben, die sich schon so weit entwickelt haben, daß sie zur Zeit 40 Arbeiter beschäftigen. Bon ihr wurden auch, seitdem die Petroleummotore in Palästina zu Bewässerungszwecken Eingang gefunden haben, im ganzen 193 Motoren aus Deutschland eingeführt. Von den Hotels der Stadt Jaffa befindet sich ein gutes Haus in deutschen- Händen. Gute deutsche Hotels befinden sich ferner in Jerusalem und in Ramleh, einfachere Gasthäuser außerdem in Jaffa, in Asdod und Wilhelma bei Lydda, ferner hat das Reisebureau der Hamburg-Amerika-Linie Hotels in Nabulus und Djemin eröffnet. Die Deutsche Palästinabank hat sich im Laufe der letzten Zeit gut entwickelt und konnte sogar eine Filiale in Haifa eröffnen. Eine deutsche und eine belgische Gesellschaft haben Studien für Straßenbahnen in Jaffa und Jerusalem gemacht. Die natürlichen Bedingungen lassen für Jaffa den elektrischen Betrieb am zweckmäßigsten erscheinen, da der zwar kurze, aber nächst dem Jordan wasserreichste Fluß Palästinas, der Audsche, in einer Entfernung von noch nicht 10 Kilometern nördlich von der Stadt eine mehr als ausreichende Triebkraft abgibt. Derselbe Fluß würde auch in hervorragendem Maße geeignet sein, eine weite mit Apfelfinenbäumen zu bepflanzende Fläche zu bewässern. Bon den Falaschas. Der Oberrabbiner Dr. Margulies in Florenz, Präsident des Falascha-Komitees, hatte jüngst eine Besprechung mit Sr. Exzellenz Ferdinands Martini, dem Gouverneur von Erythräa. Martini nahm die Mitteilung von der Absicht der Gründung von Schulen für die Falafchas in der italienischen Kolonie mit großem Vergnügen auf und erklärte, daß auch der italienische Staat dieser Idee sehr günstig sei. Se. Exzellenz bezeichnete die Falaschas als: „gl' intelettuali dell' Abissinia“ und bot dem Komitee den zur Gründung der Schulen nötigen Platz an. In Begleitung des Herrn Faitlowitsch kam einer der seither in Paris weilenden jungen Falaschas nach Florenz; derselbe bleibt daselbst längere Zeit, um sich als Religionslehrer auszubilden und dann diesen Beruf in seiner Heimat zu üben. Wahrscheinlich wird dies späterhin auch der zweite, gegenwärtig in Paris weilende Falascha tun.