Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 33 (16.8.1907)
- Date
- 1907-08-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 542 Dr. Llocb's MocbenscbrLN. Nr. 33 merkt man die Absicht und wird verstimmt, oder sollte es werden und als Jude nur solche Lexika kaufen, die von antisemitischen Velleitäten frei find. Um Veröffentlichung dieser Zeilen ersucht Hochachtungsvoll Jur.-Dr. Rudolf Frucht, Sekretär- Adjunkt der israel. Kultusgemeinde Brünn. Rabka. Am 18. Juli fand hier eine erhebende Feier statt. Es wurde daS von den Eheleuten Marie und Wilhelm Frankel aus Krakau zugunsten der Ferienheilkolonie für jüdische Kinder gestiftete Hospiz seiner Bestimmung übergeben. Der seit 15 Jahren in Krakau tätige Fericnkolonieverein, dessen Ausschußmitglied Frau Frankel ist, hat zur feierlichen Eröffnung die hochherzigen Stifter sammt Familie eingeladen; es kamen auch zahlreiche Gäste aus Krakau, Podgorze, Zakopane, viele Einwohner von Rabka und Kurgäste. Als in dem schön mit Reistg dekorierten Saale des Gebäudes die Festteilnehmer sich versammelt hatten, hielt Dr. Siegmund Ehrenpreis im Namen der Familie der Stifter eine schwungvolle Ansprache. Er betonte die Pflicht der Wohlhabenden, den Staat in Erfüllung seiner sozialen Pflichten zu unterstützen, und übergab namens der Stifter in feierlicher Weise das schöne Gebäude dem Ferienkolonievereine mit dem Wunsche besten Erfolges und Gedeihens. Der Vizepräses des Vereines, Herr Dr. Josef Stein berg, widmete den Mannen des Gründers und ersten Vorsitzenden, weiland Dr. Maximilian Kohn, eine wehmutsvolle Erinnerung, hob die Verdienste des jahrelaugeu Sekretärs Herrn S a l o m o n Spitzer hervor und sprach allen Wohltätern der Kolonie innigsten Dank aus, besonders dem Herrn Dr. Kaden, Eigentümer des Kurortes Rabka, und dem Badearzt Herrn Dr. Lang (beide Ehristen), der seit mehreren Jahren den Kindern der Kolonie uneigennützig mit ärztlichem Rat beisteht. Redner schildert dann die Bedeutung der Ferienheilkolonien, wie auch die Bewegung, die in letzter Zeit unter der Losm'g «Kinderschutz" entstanden ist und die in dem unlängst in Wien stattgefundenen, internationalen Kongreß Ausdruck gefunden hat. Zum Schluffe drückte er dem edlen Stifterpaare Dank und Verehrung ans und empfahl die Zöglinge der Obhut des Leiters Herrn Leon Silber st ein, Lehrers in Krakau, worauf dieser entsprechend antwortete und versprach, dem körperlichen Wohle der Kinder seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden, ohne das moralische und erziehliche Moment außeracht zu laffen. Dann hielt Herr Hofrat, Professor Dr. Jakuboswki aus Krakau als Begründer und Kurator der hier seit einigen Jahren existierenden Ferienkolonie für christliche Kinder eine Ansprache. Nachdem Redner in beredten Worten die Lage und das Gefühl armer Eltern eines kranken Kindes geschildert hatte, entwarf er ein historisches Bild der Entwicklung von Kinderheilstätten im In- und Aus-'ande, zollte der philanthropischen Betätigung der Eheleute Fränkel die wohlverdiente Bewunderung und schloß seine bemerkenswerte Rede mit einem herzlichen Appell an die gemeinsame humanitäre Tätigkeit Aller ohne Unterschied des Bekenntuiffes und mit warmen Wünschen des Gedeihens beider Schwesteranstaltcn zum Wohle der kranken Kinder. Herr Dr. Jnrowicz, Präses des Krakauer Tempelvereines, dessen Ausschußmitglied Herr Fränkel seit Jahren ist, überbrachte Glückwünsche und freudige Anerkennung aller Tempelmitglieder. Den Höhepunkt der Feier bildete die Ansprache einer kleinen „Kolonistin". Sie drückte namens aller Kinder, die in schöner Ordnung Aufstellung genommen hatten, innigen Dank aus, versicherte, daß sie nicht nur ihre eigene Gesundheit schonen, sondern auch unter ihren Angehörigen und Nachbarn den Sinn für hygienischen Lebenswandel, gestützt auf Sauberkeit und Mäßigkeit, wecken und pflegen werde; dann überreichte sie der Frau Fränkel einen Blumenstrauß, mit dem Wunsche, „ihr Glück möge so blühen, aber dauernd bleiben". Die Anwesenden waren zu Tränen gerührt bei dieser einfachen und herzlichen Nede eines armen Kindes. Nach Verlesung vieler telegraphischer Glückwünsche von zahlreichen hervorragenden Persönlichkeiten und Institutionen wurde das Hospiz, ein Werk des Ingenieurs Herrn Josef Weinberger aus Krakau, besichtigt und bewundert. Es umfaßt zwei große Schlafräume: links für 20-25 Knaben, rechts für ebenso viele Mädchen; einen Speisesaal (Aula mit prachtvollem Riesenfenster, zwei Waschzimmer, Magazine, Küche, Wohnung für den Verwalter und die Dienerschaft, zwei Gastzimmer, wie auch ein isoliertes Zimmer für den Fall einer infektiösen Krankheit. Ein Seitenbau birgt eine Wäscherei, sowie eine geräumige Spielhalle, die bei schlechtem Wetter zu benützen ist. Vor und hinter dem Hause, das mit einem Aufwande von 60.000 Kronen erbaut wurde, ist ein großer (beinahe 2 Joch messender) Garten gelegen, wo Spiel- und Turnplätze angelegt wnrden. Ein bescheidener Imbiß beschloß die schöne Feier, die gewiß auf alle Anwesenden einen unauslöschlichen Eindruck gemacht hat. Es möge hier noch betont werden, daß manche Krakauer Firmen (Karmel u. Freylich, W. Bazes, Abraham Schenker, S. Eichhorn, S. N. Spiro, B. Ganz u. a.) viele Gegenstände wie Porzellan, Küchengeschirr, Gefäße rc. gratis gespendet haben. (Die gesammte innere Einrichtung und das Ameublement wurde von Frau Fränkl bestritten. Die Verwaltung der Löwy'schen Sägemühle in Raba-Wyzina hat einige Fuhren Brennholz gespendet, wofür dem dortigen Beamten Herrn Krebs hier öffentlich gedankt wird. Zum Schluffe sei mit besonderem Danke hervorgehoben, daß die Direktion der v. Gutmann'schen Kohlengruben in Jaworzno eine ganze Waggonladung Kohle für die Kolonie beigestellt hat. Antisemitische Schmerzen. Berlin. Die „Deutsche Zeitung" klagt mit wahrer Wehmut über ein neues nationales Unglück folgendermaßen: „In holsteinischen Blättern findet sich die Mitteilung, daß der langjährige Herausgeber der im Verlage von Duncker und Humblot erscheinenden „Allgemeinen deutschen Biographie", der seit ihrer Begründung im Jahre 1872 bis zum Ende des 53. Bandes die Redaktion überwacht hat, Geheimrat Dr. Rochus Freiherr von Liliencron, wegen seines hohen Alters (er ist 87 Jahre!) nun davon zurücktrete. Das ist gewiß zu bedauern, doch muß man sich wohl oder übel damit bescheiden. Nicht ohne Befremden wird dagegen die Nachricht ausgenommen werden, daß die historische Kommission der bayrischen Akademie der Wissenschaften den Wiener Herausgeber des „biographischen Jahrbuches und deutschen Nekrologs", Herrn Dr. Anton Bettelheim, zu Liliencrons Nachfolger ausersehen haben soll. Mag die bisherige Herausgabe eines ähnlichen privaten Unternehmens mit Recht oder Unrecht als hinreichendes Befähigungszeugnis im wissenschaftlichen Sinne gelten, so kommt hier doch im hohen Grade auch das nationale Vertrauen in Frage, und dieses wird bei allen bewußt Deutschgesinnten dem Unternehmen entzogen werden müssen, wenn man einen Mann jüdischer Herkunft mit einem solchen Amte betraut. Wie man in diesem Punkte zu der getroffenen Wahl denkt, bringt uns die Zuschrift eines Mitarbeiters in folgenden Worten zum Ausdruck: „Daß nun in Zukunft auch die Nekrologe aller hervorragenden Deutschen von Juden und Juden genossen geschrieben werden soll, ist doch ein starkes Stück. Als Lebender läßt man sich ja manches gefallen, aber im Tode will man zu seinem Rechte kommen." Auch wir sind der Ansicht, daß hier eine verkehrte Wahl getroffen ist, und daß man sich auf eine bessere besinnen sollte. Denn Recht und Gerechtigkeit im Sinne eines Unternehmens wie der „Allgemeinen deutschen Biographie" kann dem Deutschen nur ein Deutschgeborner gewährleisten." — Merkwürdig, daß die „historische Kommission", in der nicht ein einziger Jude sitzt, und der greise Probst Rochus von Liliencron nicht so viel „nationalen Sinn" haben, wie die „Deutsche Zeitung", deren Klage freilich eine vergebliche ist, da Dr. Bettelheim bereits gewählt und alle maßgebenden Stimmen einhellig diese Wahl für eine sehr glückliche halten. Kattowitz Herrn Rabbiner Dr. Cohn ist eine hohe Auszeichnung zuteil geworden, welche angesichts der verdienstvollen Tätigkeit, die er seit länger als einem Vierteljahrhundert im Dienste der Verteidigung des Schächtens entfaltet, erhöhte Bedeutung erhält: Auf dem letzten Verbandstage der schlesischen Tierschutzvereine wurde Herrn Dr. Cohn „für hervorragende Leistungen auf dem Gebiete der Tierschutzsache" die von Kommerzialrat Bartsch-Striegau gestiftete Verbandsmedaille zuerkannt. Dieselbe war, wie üblich, von einem die Unterschrift des Protektors der schlesischen Tierschutzvereine, Sr. Exzellenz des Oberpräsidenten v. Zedlitz, tragenden Besitzzeugnis begleitet. Herr Rabbiner Dr. Cohn ist bekanntlich Begründer und Vorsitzender des hiesigen Tierschutzvereines. In Venedig ist am 14. v. M. der Publizist und Historiker Dr. Moriz Brosch nach längerem Leiden im 79. Lebensjahre gestorben. Brosch, ein geborener Prager, war in den Fünfziger-Jahren zum Zwecke seiner historischen Studien nach Wien gekommen. Nach Beginn der Verfaffungsära widmete er sich dort der Journalistik und wurde Mitarbeiter an dem damals ältesten Wiener Blatt, dem „Wanderer", das wegen seiner deutschnationalen Richtung und wegen seines Eintretens für das ungarische Verfassungsrecht unter dem Ministerium Schmerling vielen gerichtlichen Verfolgungen ausgesetzt war. Zu Anfang der Siebziger-Jahre ließ er sich zu bleibenden Aufenthalt in Venedig nieder, wo er historische Studien, namentlich über die Geschichte der Päpste und über die englische Geschichte betrieb. Er veröffentlichte ein Werk über „Papst Julius VI. und die.Gründung des Kirchenstaates"