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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-08-16 · 33 (16.8.1907) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
33 (16.8.1907)
Date
1907-08-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 33 Dr Llocb s Mlocbenscbrm. Seite 541 Dem in Art. 1, lit. b der Statuten angeführten Zwecke Mädchen, die durch Sutlhit ihr grrfe Erholungsbedürfligkeit „israelitischen, insbesondere in Galizien und der Bukowina wohn-- an der Ausübung der Erwerbsbeschäftigung behindert waren, haften Mädchen, durch Errichtung von Arbeitsschulen oder durch K 500 zu Händen des Vereines „Frauenhort" und K 500 Verleihung von Stipendien zum Besuche von Handelsschulen und zu Händen des Vereines zur unentgeltlichen Verpflegung Brust- Gewährung von Unterstützungen die Erlernung und Ausübung leidender bewilligt. einer Erwerbsbeschäftigung zu ermöglichen", wurde nach ver- Außer den vorstehend angeführten, in Form von Stipendien schiedenen Richtungen Rechnung getragen. Die uns vorliegenden Berichte über die sechs Mädchenschulen in Bohorodczany, Bursztyn, Buczacz, Kolomea, Stanislau und Tarnow lauten durchwegs günstig. Die Nähschule in Bohorodczany war von 18 Schülerinnen frequentiert; 10 besuchten den niederen und 8 den höheren Kurs. In der niederen Abteilung wurde den Schülerinnen der Elementarunterricht im Nähen beigebracht, während an der höheren Abteilung die Schülerinnen im Zuschneiden, Maschinennähen und selbständigen Verfertigen von Männer-, Damen- und Kinderwäsche, sowie gewöhnlicher Hauskleider unterwiesen wurden. Außerdem wurden durch je zwei Stunden wöchentlich polnische und deutsche Sprache und durch eine Stunde Rechnen unterrichtet. Aehnlich ist die Organisation der Nähstube in Bursztyn, wo im abgelausenen Schuljahre, dank der Akquirierung besserer Räumlichkeiten, eine größere Anzahl von Schülerinnen ausgenommen werden konnte. Von fünf Absolventinnen sind drei nach Amerika aus gewandert, während zwei in ihrer Heimat in besseren Privathäusern Beschäftigung fanden. Die Mädchenschule in Kolomea legte ihr Hauptgewicht auf die Ausbildung tüchtiger jüdischer Dienstboten. Von 16 Schülerinnen wurden im abgelaufenen Schuljahre 13 als vollständig ausgebildet entlassen. Zwölf Mädchen sind in den Dienst als Köchinnen getreten, während ein Mädchen behufs weiterer Ausbildung von einer Damenschneiderin ausgenommen worden ist. Während die Mädchen in früheren Jahren nur ungern als Köchinnen in den Dienst traten und lieber als Weißnäherinnen oder Schneiderinnen ihr Brot zu verdienen suchten, ist nach dieser Richtung in letzter Zeit ein Umschwung eingetreten. Dies läßt sich darauf zurückführen, daß bei der herrschenden Dienstbotennot die Löhne bedeutend gestiegen find und die Mädchen eine bessere Behandlung seitens der Dienstgeberinnen finden. Die Schule legt das Hauptgewicht darauf, daß die Mädchen in allen Zweigen der Hauswirtschaft ausgebildet werden; sie werden daher außer im Kochen auch im Nähen, Flicken, Waschen und Plätten unterwiesen. Außerdem erhalten sie Unterricht im polnischen und deutschen Lesen und Schreiben, ferner im Rechnen, in der Religion und im Hebräischlesen. Verteilung von Stipendien und Unterstützungen. Wie im Vorjahre hat das Kuratorium auch im abgelaufenen Schuljahre an mehr als 120 israelitische, insbesondere in Galizien und der Bukowina wohnhafte Mädchen, die zum Teile in Wien, zum Teile in ihrer Heimat verschiedene Lehranstalten besuchten und sich einem Berufe zuwandten, regelmäßige monatliche Stipendien gewährt und teils Schulgeldbeiträge, teils das ganze Unterrichtshonorar bewilligt. Dem von Leopoldstädter Frauen-Wohltätigkeitsvereine unter dem Präsidium der Frau kais. Rat Dr. S. Krüger errichteten und erhaltenen Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort in Wien wurden für 25 in diesem Institute untergebrachte galizische Mädchen Stipendien von je K 20 monatlich gewährt und für den Bau eines eigenen Hauses, in welchem die Lehrmädchen auch nach Vollendung der Lehre als Arbeiterinnen gegen billiges Entgelt Unterkunft finden und den Gefahren der Großstadt entrückt find, eine einmalige Subvention von K 1000 bewilligt. Das Kuratorium hat weiters 4 im israelitischen Waisenhause in Wien untergebrachtcn galizischen Mädchen Stipendien von zusammen K 1000, dem Waisenhause in Brody eine Subvention für 10 Mädchen von zusammen K 1200, 6 Schülerinnen der gewerblichen Fortbildungsschule für Mädchen in Storozynetz die Bezahlung des halben Schulgeldes per K 165, für 20 galizische Mädchen im Mädchenunterstützungs-Vereine in Wien, II., Kaiser Josefstraße, K 1000 und für 11 galizische und Schulgeldbeiträgen gewährten Unterstützungen hat das Kuratorium für 25 Bittstellerinnen Nähmaschinen angeschafft. Bei Erledigung der diesbezüglichen Gesuche konnte natürlich nur auf die allerbedürftigsten Petenten, zunächst auf die gewesenen Schülerinnen unserer Mädchenschulen Rücksicht genommen werden. Insgesamt wurden im abgelaufenen Schuljahre für Mädchen verausgabt K 58.889 83. Rumänische Emigranten in Wien. Eine Gruppe jüdischer Auswanderer aus Rumänien, die infolge der letzten Unruhen und der darauf folgenden Regierungsmaßregeln das Land verlassen mußten, hat sich auf dem Wege nach Amerika in Wien aufgehalten, und ist auch hier von der Polizei nicht gänzlich unbehelligt geblieben. Die Wiener Behörde hat ihre sofortige Weiterreise angeordnet. Die Emigranten waren hier durch Vermittlung der Israelitischen Allianz in einem Massenquartier im X. Bezirk untergebracht worden, das sich in unmittelbarer Nähe der Endstation der Elektrischen beim Alten Landgut befindet. Dort kampierten sie tagsüber in dem geräumigen Hofe des Gebäudes und empfingen die ihnen zugedachten Unterstützungen. Der Trupp zählte ungefähr 150 Personen, Männer, Frauen und Kinder. Viele Familienväter sind gelernte Handwerker, Schneider, Schuhmacher und Klempner, sehr viele find Erdarbeiter und an die schwerste körperliche Arbeit gewohnt, die ihnen jedoch als „Fremde" entzogen wurde. Nur wenige von ihnen waren Kaufleute. Fast alle aber sind derzeit gänzlich mittellos, und für diejenigen, die auch aus dem Verkauf ihrer letzten Habe das Reisegeld für die Ueberfahrt nicht herausschlagen konnten, hat die Allianz aus ihren Sammlungen die Kosten decken müssen. Alle diese Emigranten klagen über die schrecklichen Verfolgungen, denen sie in Rumänien ausgesetzt waren. Die ausständischen Bauern, mit denen sie kaum in irgend einer wirtschaftlichen Beziehung standen, haben auch die Aermsten unter den Juden nicht geschont und noch ärger als die Bauern trieb es bei manchen von ihnen das zur Herstellung der Ruhe aufgewandte Militär. Die Soldaten sahen, wo sie nicht unter dem Kommando von Offizieren standen, den Plünderungen ruhig zu. Die Behörden aber nahmen weder angesichts der Gefahr, noch auch später irgend eine Veranlaffung, die Beraubten vor Gewalttätigkeiten zu schützen, sondern wiesen zumeist ihre Klagen von vornherein ab. Auf diese Art haben namentlich die Kaufleute unter den Emigranten ihr Letztes verloren. Nur wenige haben aus dem Zusammenbruch einiges retten können. Die Auswanderer werden von Wien nach Rotterdam gebracht und schiffen sich hier nach kurzem Aufenthalt sofort nach Montreal ein, wo sie sich durchzubringen hoffen, da Arbeitsgelegenheit vorhanden fein soll. In Wien hat die „Allianz" für ihre Beköstigung und Bequartierung gesorgt. Trotzdem entschied die Polizei, daß sie schon nachmittags zur Weiterreise zu rüsten haben, um den Polzeirayon zu verlassen. Für diese Maßregel scheinen hygienische Gründe entscheidend gewesen zu sein. Die Emigranten wurden daher schon abends nach dem Westbahnhofe gebracht und erhielten die Karten nach ihrem Auswanderungshafen. Brünn. Verehrliche Redaktion! Von der neuesten, der 6. Auflage des Meyer'schen Konversations-Lexikons ist soeben der 17. Band erschienen, der neuerlich den Beweis liefert, daß dieses scheinbar so objektive Nachschlagewerk tendenziöse Angriffe gegen die Juden enthält. Unter dem Stichworte „Ruthenen" findet sich folgender Satz: „Doch verarmt das Volk mehr und mehr infolge der Ausbeutung der Juden und zunehmenden Trunksucht." Erinnert man sich daran, daß unter „Juden" unserem Volke Habgier, Verschlagenheit und Abneigung gegen körperliche Arbeit als nationale Charaktereigenschaften vorgeworfen werden, daß unter „Blutaberglaube" die Verübung einzelner Ritualmorde als immerhin möglich bezeichnet wird, so

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