Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 33 (16.8.1907)
- Date
- 1907-08-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021710-3021744--16604-3041434- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 33 Dr. Llocb's MocbenscbrM. Sette 539 Straus ist als erster in des Präfidenten „offizielle Familie" eingetreten. In der amerikanischen Journalistik ragten die Juden hervor seit Mordecai M. Noah vom alten „Courier and Enquineer" bis zu Josef Pulitzer vom „New-Aork World", Adolf S. Ochs von den „New-Iork Times" und „Philadelphia Ladger", sowie Edward Rosewater vom „Omaha Bee". Jakob H. Schiff, Jsaac N. Seeligmann, Edward Lauterbach, Henry Siegel, Walter Damrosch und Felix Adler sind die markantesten unter den Juden, welche in den verschiedenen Arbeitsfeldern vorherrschen. Nach einer Meinung rührt das daher, daß die jüdische Einwanderung stärker als die eines anderen Elementes sei. Von den 11 Millionen Juden der Welt hat Rußland 5 Millionen, Oesterreich-Ungarn 2 Millionen und die Vereinigten Staaten 1°5 Millionen. Da die Zahl derselben in Rußland abnimmt, in Oesterreich-Ungarn ständig ist, so wächst sie rapid in den „U. S." Vor 1910 wird Amerika Oesterreich-Ungarn an Judenzahl erreichen, um 1925 wird Amerika Rußland übertreffen und den ersten Platz unter den Gemeinwesen der Welt einnehmen als eine Residenz der Nachkommen Abrahams. Die Stadt New-Iork hat 750.000 Juden, halb so viel wie U. S. zusammen, das ist mehr als irgend ein Land, ausgenommen Rußland, Oesterreich-Ungarn und U. S., siebenmal so viel wie London, dreißigmal so viel wie Jerusalem. New- Iork hat heute zwanzigmal so viel Juden als Jerusalem zur Zeit des Höhepunktes jüdischer Macht, als diese Stadt eine der großen Hauptstädte der Welt war. Jeder fünfte, den man auf den Straßen New-Iorks sieht, ist ein Jude. Und der Zahl entspricht der soziale und geschäftliche Einfluß. Oskar S. Straus hat zwei ausgezeichnete Brüder: Einer von ihnen, Isidor Straus war Generalpostmeister im Kabinett Cleveland. Natürlich bewog Roosevelt die Zugehörigkeit Straus zum Judentum in keiner Weise, ihm ein Portefeuille anzubieten, denn religiöse oder Raffenerwägungen kennt Mr. Roosevelt nicht. Mr. Straus hat seit vielen Jahren den Ruf hoher Gelehrsamkeit, weitblickenden Geistes und klarer Befehlshabergabe und sein Dienst im Kabinett wird einen Rat sehr stärken, der schon manchen tüchtigen Mann besitzt. Syrien und seine Bewohner. In seinem ersten Vortrage über Syrien und seine Bewohner hatte Professor Dr. H a r t m a n n über das Land, seine Geschichte und seine Beschaffenheit, Sprache, Sitten und Abstammung seiner Bewohner gesprochen, in einem zweiten erörterte er die wirtschaftlichen Verhältnisse dieser in vieler Beziehung so interessanten Provinz des osmanischen Reiches. Entsprechend dem absolutistischen Regimente aller dem Islam anhängenden Staaten, das der Städtebildung wenig vorteilhaft ist, haben auch in Syrien die Städte, wenn auch von den sechs Orten des türkischen Reiches, die über 100.000 Einwohner zählen, nicht weniger als drei — Aleppo, Damaskus, Beirut — auf syrischem Boden liegen, verhältnismäßig wenig Bedeutung. Das syrische Element ist in der Bevölkerung überwiegend. Handel und Industrie liegen noch arg darnieder, aber auch der Landbau trägt momentan kaum mehr als ein Prozent von dem, was er tragen könnte. Syrien, das etwa 3,200.000 Einwohner auf einer Bodenfläche von 218.000 Quadratkilometern zählt, konnte im Altertum über 9 Millionen Menschen ernähren und könnte bei guter Bewirtschaftung etwa 11 Millionen erhalten. Schuld daran, daß die Ausfuhr von Landesprodukten aus Syrien nicht stärker ist, tragen die derweilen sehr primitiven Verkehrsverhältniffe und die Beschaffenheit einiger Bahnlinien die derartig angelegt sind, daß ein Transport besonders schwerer Lasten einfach unmöglich ist. Der Export aus den drei Haupthäfen Syriens, Alexandria, Beirut und Jaffa — hauptsächlich Baumwolle und Baumwollprodukte, Seide, Vieh und im geringen Maße Getreide, hat übrigens seit zehn Jahren einen ziemlichen Aufschwung genommen, könnte aber nach Ansicht des Vortragenden, leicht verdreifacht werden. Die türkische Regierung hat leider das Prinzip, ihre Bahnlinie weniger der Landwirtschaft als den strategischen Bedürfnissen nutzbar zu machen. Vielleicht will sie damit auch einer wirtschaftlichen Stärkung der ohnedies leicht unzufriedenen Bevölkerung einen Riegel vorschieben. — Dann kommt Professor Dr. Hartmann auf die Kolonisationsbestrebungen der Deutschen — es gibt fünf deutsche (schwäbische) Kolonien mit ungefähr 1600 Seelen im Lande — und der Juden zu sprechen. Während die deutschen Ansiedler recht hübsche Erfolge erzielen, geht die jüdische Kolonisation nur langsam vorwärts. Die Hauptursache dieser Erscheinung ist wohl in dem Umstande zu erblicken, daß die deutschen Einwanderer zum größten Teile geborene Ackerbauern find, während die Juden hierzu erzogen werden müffen. Eine sehr segensreiche Wirksamkeit entfaltet auch die amerikanische Mission, die an einer Verselbständigung der syrischen Bevölkerung arbeitet. Der Vortragende schloß mit dem Wunsche, daß diesem entwicklungsfähigsten Lande und seiner intelligenten Bewohnerschaft eine schöne Zukunft, wirtschaftliche und politische Freiheit beschieden sein möge, seine Ausführungen. In einem interessanten Aufsatze über „Das tägliche Brot im Altertum", den Adolf Flachs in der „Voffischen Zeitung" veröffentlicht, heißt es: „Ueber das Getreidewesen bei den Phönikiern und den Israeliten liegen gleichfalls Nachrichten vor, darunter viele, die vollen Glauben verdienen. Aus diesen geht hervor, daß die ersteren gezwungen waren, ihren Bedarf an Getreide vornehmlich in Egypten, Judäa und Cypern zu decken. Dies bereitete ihnen keine großen Schwierigkeiten, da sie ohnehin einen lebhaften Handel mit Naturprodukten und allerhand anderen Artikeln trieben. Der phönikische Getreidehandel lag fast ausschließlich in den Händen der Herrscher, welche eigene Flotten besaßen, und führte zu lebhaften Beziehungen mit dem benachbarten Jsraeliten- Reiche, welches bekanntlich jahrhundertelang ein ausgesprochener Ackerbaustaat war. In dieser Hinsicht erwähnt der Prophet Hesekiel in seiner Schilderung des syrischen Handels (Kap. 22 bis 28) unter den Hauptgegenständen des palästinisch phönikischen Handelsverkehrs zuerst des Getreides aus Minnith, einer Stadt des an Weizen reichsten Landes der Ammoniter. In Palästina kannte man schon damals mehrere Sorten Weizen, und bei der sorgsamen Pflege, die die israelitischen Landwirte auf die Weizenkultur verwandten, wurde die Güte dieser Feldfrucht im Welthandel auch allgemein anerkannt. Als die Hauptplätze des Weizenhandels in Palästina erscheinen Liberias, Sepphoris und Ascalon; vor der Zerstörung Jerusalems dürfte letzteres den anderen weit überlegen gewesen sein. Von da aus gab es fünf große Straßen, die zum Teil gut erhalten wurden. Die wichtigsten waren die nach Haurün, der Hauptgetreidekammer des Orients, und die nach Akko, der Hafenstadt. Im alten Palästina wurden die Vorräte an Getreide, wie heute noch in jenen Gegenden, in Gruben oder in natürlichen Höhlen verwahrt; damit glaubte man es geschützt gegen Wurmfraß und Diebstahl oder Raub; die Grube, einer Flasche nachgebildet, hatte eine Tiefe von 2—21/2 Klaftern und einen Durchmesser von 8 bis 10 Fuß; der Hals war 4—5 Fuß lang und 15—18 Zoll breit. Einige Tage vorher verbrannte man in der Grube reichlich Stroh. Dann wurde sie gereinigt, auf dem Boden und an den Seiten mit reinem Stroh bedeckt und hierauf fest mit Getreide gefüllt. Nun verstopfte man den Hals mit Stroh, endlich wurde das Ganze mit einem Erdhügel bedeckt. Daneben gab es natürlich auch Scheunen und Speicher, doch scheint man den Gruben den Vorzug gegeben zu haben. Sie ließen sich mit wenig Kosten Herstellen, waren vor Feuersgefahr und vor Angriffen seitens raublustiger Gesellen geschützt, nahmen kein sonst nutzbares Terrain in Anspruch und verhinderten das Schwinden des Getreides mindestens zwei Jahre lang. Dieser Vorteil setzt ein warmes Klima und vollkommene Trockenheit des Bodens und der Frucht voraus. Wie schon Johann David Michaelis in seinem