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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-08-16 · 33 (16.8.1907) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
33 (16.8.1907)
Date
1907-08-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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bette 538 Dr. JBlocb’s Mocdenscdrm. Nr 88 1. Der Lehrer. Um als Religionslehrer mit Erfolg zu wirken, taugt nur derjenige, der sich ganz mit seiner Aufgabe identifiziert. Hiermit ist nicht nur die selbstverständliche Beherrschung des zu lehrenden Stoffes gemeint, sondern vor allem jene Liebe zum Berufe, die den Lehrer und durch ihn den Schüler erwärmt, iby ganz aufgehen läßt in dem Bestreben, das Beste zu erreichen. Diese Hingebung für den Beruf tritt in mannigfacher Weise an den Tag. Der rechte Lehrer freut sich auf die Unterrichtsstunde. Sorgenfrei und heiteren Angesichts tritt er ins Schulzimmer. Ein warmer, kinderfreundlicher Blick streift die Schüler. Diese sehen in ihm den Freund, der ein Herz für sie mitbringt, nicht den Zuchtmeister, den gestrengen Herrn, der sie im Zaum zu halten weiß. Nicht nur der Arzt, sondern auch der Lehrer muß ein guter Mensch sein. Kinder sehen alles. Darum muß das Aeußere des Lehrers tadellos sein. Das Kleid des Lehrers soll auch auf den Schüler wirken. Das scheint unbedeutend und kleinlich, ist es aber in Wirklichkeit nicht. Die Kinder sind die strengsten Richter des Lehrers. Unwillkürlich lernen dann die Kinder auch auf ihr Aeußeres achten und die Weihe des Religionsunterrichtes wird hierdurch nur gehoben. Der Lehrer sei pünktlich, Kinder sollen nie allein sein. Die Minuten vor Beginn des Unterrichtes benutze der Lehrer, um seinen Schülern menschlich näher zu treten. Ueber das „wie" bedarf es doch keiner weiteren Worte. Dadurch wird der Lehrer die Individualität der einzelnen Schüler nach und nach kennen lernen und dieselben darnach behandeln. Das ist ja ein fundamentaler Lehrsatz moderner Pädagogik. Uebrigens wollen ja auch die großen Kinder „behandelt" werden. Der Lehrer achte auf seine Sprache und beherrsche strenge und genau die Sprachformen. Besser ist hier Pedanterie als Achtlosigkeit. Ein Kind, das im Elternhause eine beffere Sprache hört, wird hier die schwache Seite des Lehrers sofort heraushaben und kleine und große Kinder ertappen uns gerne bei einer Schwäche. Aber nicht nur streng korrekt muß die Sprache des Lehrers sein. Wie sein Kleid, soll auch seine Sprache einen festlichen Anstrich haben. Nicht werktagsmäßig oder gar trivial. Ernst und Würde, innere Wärme und überzeugte, folglich auch überzeugende Wahrheit werden nie ihre Wirkung verfehlen. Zum Kinde muß der Lehrer hinabsteigen, sich bemühen in kindlicher Weise, das heißt, dem Fassungsvermögen des Kindes entsprechend zu lehren. Durch die Wiedergabe des Gehörten zeigt das Kind, ob und wie es das Gehörte verstanden hat, und oft ist es das Kind in seiner Einfalt, das den Lehrer durch die Antwort überrascht und in Erstaunen setzt. Ein offenes Auge muß der Lehrer haben. Man möchte es gar nicht glauben, wie schlau Kinder sind. Der größte Schlaumeier ist gewöhnlich der schlechteste Schüler, und wenn der den Lehrer einmal täuschen kann, bereitet er nicht nur sich, sondern auch seinen Mitichülern eine Freude. So sind einmal die Kinder. Darum, so schwer es auch in der Tat ist, der Lehrer darf nichts übersehen, dann bleibt er jederzeit Herr der Situation. Temperament darf dem Lehrer nicht fehlen. Er wird es auch bei paffender Gelegenheit nicht verschmähen, eine Herzenssaite des Kindes anzuschlagen und das Gefühl desselben zu erregen. Das Herz des Kindes ist weich und empfänglich und gar leicht wird es sein, dem Auge des Kindes eine Trane der Rührung zu entlocken. Andererseits aber darf sich der Lehrer nicht hinreißen lasten, deutlicher gesagt, er darf nicht zornig werden. Gewiß, es gibt Kinder, die es meisterhaft verstehen, das Blut des Lehrers in Wallung zu bringen. In solch kritischen Augenblicken muß eben der Lehrer Beherrschung an den Tag legen. Weder durch Wort, noch weniger durch die Tat darf er seine Aufgeregtheit verraten. Für manches Kind ist es ein wahres Gaudium, wenn sich der Lehrer ärgert. Ter Lehrer soll auch den Charakter des Kindes bilden und selbstredend als Muster den Kindern voranleuchten. Persönlicher Mut, Wahrheitsliebe, Gerechtigkeit und Selbstlosigkeit muß das Kind in dem Lehrer verkörpert sehen. Nur dann wird es an den Lehrer glauben und sein Wort beherzigen. Lob und Tadel dürfen nie unverdient erteilt werden, denn das Ehr- und Gerechtigkeitsgefühl des Kindes bedarf besonderer Pflege. Häufiges Tadeln stumpft das Kind ab und macht es gleichgiltig und, wer nie zufrieden ist, der kann auch nie befriedigt werden. Voreingenommenheit für oder gegen ein Kind ist Sünde, denn in der Beurteilung der Kindesseele irrt man sehr leicht. Gleiche Liebe, gleiche Behandlung für alle, und Kinder sind dankbar. Sie sind dem Lehrer anhänglich und lohnen reichlich die aufgewendete Mühe. Wahrlich, es ist ein beseligendes Gefühl für den Lehrer, für den idealen Lehrer, wenn er die Saat, die er gestreut, mit eigenen Augen keimen und wachsen sieht. Wer dieses Gefühl nickt kennt, ist kein Lehrer, der ist ein Taglöhner, seufzend unter der drückenden Last. Auch das Privatleben des Lehrers muß in jeder Beziehung einwandftei sein. Das P. T. Publikum liebt es, den Lehrer zu beobachten. Ist er verheiratet, so weiß es die liebe Nachbarschaft ganz genau und manchmal auch nock mehr, wie es mit seinem Familienleben bestellt ist. Man weiß oder will wiffen, wie groß oder wie klein sein Einkommen ist, ob und wieviel er trinkt, ob er Karten spielt, Zigarren raucht rc. Kurz, jeder nimmt sich das Recht heraus, sich den Kopf des Lehrers zu zerbrechen. Darum muß der Lehrer auch über sein Tun und Lasten außer der Schule Wachen. Er wird gut tun, seinen Verkehr mit der Außenwelt so einzurichten, daß er nicht Anlaß oder gar berechtigten Anlaß zum „Bereden" gebe. Vom Besuche öffentlicher Lokale halte sich der Lehrer nach Tunlichkeit fern. Die Leute sehen es nicht gern, daß man sie beim Nichtstun sieht. Für sich nimmt jeder Freiheit in seinem Tun in Anspruch, dem Lehrer gegenüber ist das was anderes, damit muß gerechnet werden. Wohl ließe sich noch vieles sagen, allein wer verständig ist, wird das Uebrige auch von selbst herausfinden. Baden, im August 1907. Adolf Rotter. Vom Znbrmarkt des Lebens. Der moderne Jude und der deutsche Idealismus. Prof. G. v. Schulze-Gaevernitz, der Freiburger Nationalökonom, veröffentlicht in der „Hilfe" (Herausgegeben von Dr. Fr. Naumann) einige „Randbemerkungen zum deutschen Idealismus" denen man nicht beistimmen, aber Nachdenken mag. Wir nehmen daraus: „Ein aufgeklärter Jude, der sich von der eigenen gewiß verehrungswürdigen, aber rettungslos veralteten Tradition losgeschnitten hat, sucht sein Leben mit neuem Inhalt zu erfüllen. Mit Vorliebe wendet er sich — wenigstens in der Oberschicht der internationalen Finanzaristokratie — an die angelsächsische Kulturüberlieferung. Aber das Puritanertum — in herber Größe ihm ohnehin abliegend — mutet ihm als modernem Menschen den Glauben an Unglaubliches zu. Hochkirchentum und Aesthetizismus eines Ruskin wurzeln im Mittelalter, während die religionslose Aufklärung — auch sie ist ein Kind britischen Geistes — das Ideal heimatlos läßt. Die Moderne endlich eines Oskar Wilde und Bernard Shaw endet in der Vernichtung aller Werte. So kehre der heimatlose Jrrfahrer seinen Stab zum Wunderland der deutschen Hochkultur, zu der noch immer Goethe die breiteste Straße bietet. Hier findet er die Kluft überbrückt, welche das britische Geistesleben unheilbar zerschneidet. Ueberkuppelt findet er die Gegensätze von Wissen und Glauben, Erkennen und Handeln, naturwissenschaftlichem Empirismus und objektivem Wert. In den Himmel der Schönheit steigt die geschlossene Linie dieses größeren Sankt Peter, der ihnen alle Heimstätte gewährt — Juden und Judengenossen und denen, die da wohnen an den äußersten Enden von Asien. (Japanisches Weltanschauungsproblem!) Durch den deutschen Idealismus kann der deutsche Jude, wie erleuchtete Beispiele dartun, seinem Leben neuen Zweckinhalt setzen und — allen Rassenaposteln zum Trotz — jener einen sieghaften Schar wahren Fortschritts Genosse werden, welcher in grauer Vorzeit jüdische Psalmsänger voranschritten. Noch in den „Wanderjahren", findet sich das harte Wort: „Wie sollten wir ihm (dem Juden) Anteil an der höchsten Kultur vergönnen, deren Ursprung und Herkommen er verleugnet?" Aber mit offenen Armen hat Goethe, der heiter wohlwollende Weltbürger, überall dort umfaßt, wo er den Willen der Kulturgemeinschaft wahrnahm. In ähnlicher Weise setzen auch wir felsenharte Selbstbejahung jeder Art von Kulturzersetzung entgegen, gleichviel ob jüdischer oder christlicher Vorfahren; freundliches Gewährnis aber, liebevolles Fördernis walte dort, wo immer der Versuch des Kulturaufstiegs gemacht wird, wenn auch auf anderer Linie und von andern Ausgangspunkten aus, als den „unfern". _ Die Juden im öffentlichen Leben Amerikas. „Leslies Weekly" schreibt über dieses Thema: Die Juden bilden ein bedeutendes Element in der amerikanischen Bevölkerung, daher es nicht wundernehmen könne, daß einer von ihnen, Herr Oskar S. Straus, in das Kabinett Roosevelts als Staatssekretär sür „Handel und Arbeit" eintrete. Viele von den Juden, so bet; Senior-Senator Isidor Rayner v. Maryland, sind im Kongreß, im Bundesgericht, aber

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