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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-08-16 · 33 (16.8.1907) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
33 (16.8.1907)
Date
1907-08-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 33 Dr. Bloch s Mochenschrirr. Seite 537 bereitungen für unsere Weiterfahrt sind bereits getroffen und noch heute geht es fort — den Mississippi hinauf. Dort erwarten uns schon andere Brüder, die uns betreuen werden. Durch Rabb. Dr. Cohen, sowie durch die Mitglieder des „I t o"-E Migration s-D epartements Meffrs. Waldmann, Bilikoff, ferner durch Mr. L i p m a n n moralisch und Physisch gestärkt, werden wir dankerfüllt und mit der festen Hoffnung auf eine glücklichere Zukunft in einem freien Lande noch heute abends unsere Weiterreise antreten. Nach Anlangen am Bestimmungsorte werden wir nähere Details berichten. Für heute aber wollen wir uns damit begnügen, dem innersten Bedürfnisse entsprechend — all jenen, die sich um uns so sehr bemüht haben, unseren innigsten, tiefgefühltesten Dank auszusprechen für all das Gute, das sie uns erwiesen. Unserem außerhalb dieses freien und gesegneten Landes wohnenden Brüdern, Genossen, Verwandten und Bekannten aber senden wir unsere herzlichsten Jto-Grüße." * * * Bremen. Am 1. d. M. dampfte der vierte Emi" granten-Transport der „Jüdischen Territorial ist i s ch e n Organisation" (I t o) nach G a l v e st o n ab. Die Familien der ersten Truppe erhielten bereits von dieser überschwängliche und zuversichtliche Berichte, die daheim außerordentliches Interesse unter den jüdischen Massen erregte. * * * Von den proletarisch-territorialistischen Parteien. Die jüngst abgehaltene Konferenz der Vertreter der „Jüdischen Territorialiftischen Arbeiter-Partei" Rußlands beschloß, die „I. T. A.-P." aufzulösen und sich mit der Partei der „Sozialisten-Territ orialisten" zu vereinigen. Mortschlachte«. Von I. Zangwill.*) Es ist ein großer Fehler unseres Volkes, über Dinge vie^ Worte zu machen, anstatt sie uuszuführen, ohne Ende zu raison" nieren und darüber die großen Fragen zu vergessen, worum es sich handelt. Das darf vielleicht nicht Wunder nehmen bei einem Volke, das mit talmudischen Diskussionen großgezogen worden, die meistenteils zum Leben unserer Zeit in gar keinem Verhältnisse stehen, sondern auf eine entfernte Vergangenheit Bezug haben. Wenn wir sogar über die gegenwärtigen Tagesangelegenheiten diskutieren, so bleiben doch unsere Diskuffionen nur zu oft von der Wirklichkeit geschieden. Wir ähneln den in England üblichen Spielparlamenten, wo sich junge Leute in der Debattierkunst üben. Alles ist da dem wirklichen Parlament genau nachgeahmt. Da gibt es eine Regierung am Ruder, wie auch eine Opposition, einen Ministerpräsidenten und einen Staatsminister. Das Parlament erklärt Krieg, erhebt Steuern und schließt Verträge. Es marschieren aber keine Soldaten aus; es werden keine Steuern entrichtet und der ausländische Staat, mit dem Krieg geführt oder ein Vertrag vereinbart worden ist, hat nicht einmal die leiseste Ahnung von den wichtigen Beschlüssen dieser welterschütternden Liebhaber. Auch die zionistische Bewegung verbleibt so ziemlich in diesem Stadium, ungeachtet der Bestrebungen Dr. Herzls, der Sache vermittelst einer Bank Realität zu verleihen. Nach dem letzten Baseler Kongreß depeschierte ein amerikanischer Zioni-Zion: „Großes Werk vollbracht." Hätte er telegraphiert: „Großes Werk unvollbracht" oder „Großartige Gelegenheit verpaßt", so wäre er der Wahrheit näher gekommen. Aber in seiner Begeisterung über den Sieg seiner Partei vergißt er, daß ein Sieg, der das jüdische Volk um ein Territorium bringt und nichts als Worte zum Ersatz läßt, nur ein scheinbar glänzender Sieg ist. *) Aus dem Jahresbericht der Lese- und Redehalle, Wien, 1907. Der Sieg bei Basel ist jedoch nicht der einzige, den unsere Papierparlamentarier über die Territorialisten gewonnen haben. Bei jeder zionistischen Zusammenkunft wird dieser Sieg von Neuem gewonnen. Es wird darauf hingewiesen, wie hoch ihr Nationalismus dem unseren überlegen sei! Wir wären bloß Philanthropen, nein, wir verschmähten sogar keine Hilfe von Antinationalisten. Jede einflußreiche und maßgebende Persönlichkeit, die in ihr Lager zu ziehen den Zionisten in 7 Jahren nicht gelungen war, die sich aber jetzt den Territorialisten angeschloffen hat. wird eifersüchtig als eine Art Verräter in unserem Lager betrachtet, statt daß man sich über einen Mann freute, dessen jüdischen Patriotismus wir erweckt haben und fernerhin pflegen werden. Es ist ja wahr, daß wir nicht wie die Zionisten von Nationalismus sprechen, da wir mit etwas wichtigerem als Reden beschäftigt find: mit der Arbeit um ein Land, in dem der Nationalismus ausgelebt werden kann. Nationalismus wird weder durch talmudische Diskuffionen, noch durch Tribünendebatten oder durch eitle Prahlerei und Rhetorik bekundet. Nationalismus bedeutet wirkliches Leben, Arbeit und Sebstaufopferung auf einem wirklich jüdischen Boden. Der Nationalismus, den Juden von einem Boden getrennt sich zu pflegen bemühen, ist künstlich und ohne wahre Wuseln. Selbst ein Baseler Kongreß ist nicht imstande, russische, deutsche und italienische Juden zu einer wahren nationalen Einheit zu verschmelzen. Die einen verstehen nicht einmal die Sprachen der andern. Der wahre Nationaljude ist ein Typus, der nur auf jüdischem Boden geschaffen werden kann und dieser Typus wird das langsame Resultat gemeinsamen Lebens und gemeinschaftlicher Interessen im Laufe von Jahrzehnten und Jahrhunderten sein. Kurzum, zwischen der territorialen und zionistischen Auffassung des Nationalismus besteht derselbe Unterschied wie zwischen Schwimmen im Wasser und Schwimmen auf trockenem Boden. Die Zionisten lieben es ungemein, über ihre Liebe zum Schwimmen zu sprechen: über die Lust des Schwimmens. Sie halten Vorträge über die besten Schwimmarten und besitzen große Schwimmkämpfer. Das alles geschieht nur von der Tribüne aus, während man keine Ahnung davon zu haben scheint, wie man ins Waffer hineinkomme. Die Territorialisten dagegen sprechen nicht vom Schwimmen, sondern darüber, wie man zum Waffer gelange. Wenn wir im Waffer sind, wird das Schwimmen losgehen. Wir werden uns lustig darin bewegen, während die Zionisten noch am Ufer reden. Wir werden sie reden hören, wie köstlich es doch sein müsse, in den Jordan zu tauchen, wobei sie sich noch immer als uns überlegene Nationalisten dünken werden, weil wir von der vollen Flut nationaler Existenz getragen werden, während sie noch immer vom erhabenen trockenen Ufer aus über Zion reden. Gin neues Schuljahr i. Alljährlich nach Schulschluß beschäftigt sich die Publizistik in Ermanglung politischer Sensationen mit der Schule und der Schuljugend, und es ist ganz natürlich, daß da Anregungen und Winke gegeben werden, die Beherzigung verdienen. Schade nur, daß diese Auseinandersetzungen sich zumeist mit den Zuständen an der Mittelschule beschäftigen. Der bekannte Verfasser des „Flachsmann als Erzieher", Otto Ernst, hat es diesmal mit einer Artikelserie verstanden, das Interesse der Eltern und gewiß auch der Lehrer auf „das Kind" zu lenken und dieser Anregung verdanken die nachfolgenden Zeilen ihre Entstehung. „Die Strafe steht immer im Verhältnisse zur Schuld." Ins Praktische übersetzt soll also auch der Erfolg den ausgewendeten Mitteln entsprechen. In der Theorie ist gewiß gegen diese Thesen nichts einzuwenden. Geht man aber daran, an der Hand der Erfahrung Aufwand und Erfolg zu messe , dann stimmt die Rechnung nicht. Mit dem öffentlichen Religionsunterrichte scheint es sich ebenso zu verhalten: Großer Aufwand — und geringer Erfolg. Beweis dessen, daß aufs Neue daran gegangen wird, das Lehrprogramm zu ändern, zu verbessern. Woran liegt's? Betrachten wir vor allem die wichtigsten Faktoren die für den diesbezüglichen Erfolg in erster Linie maßgebend find: 1. Der Lehrer. 3. Das Schülermaterial. 3. Das Elternhaus.

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