Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 33 (16.8.1907)
- Date
- 1907-08-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 566 L»r. Llocv's MocvenscvrM. Nr. 33 „Dieser Gauner von einem Juden." „Juden! .... Ich hasse sie instinktiv! .... Ihre pappige Sprechweise, ihr knechtisches Benehmen, ihre Arglist! Habe ich Ihnen schon erzählt, wie so ein Hund mich zu betrügen suchte?" „Nein, wie war das?" „Vor einigen Jahren wurde in einer alten Kirche in Venedig ein Donatello entdeckt, die Madonna mit dem Kind, eine herrliche Arbeit. Der Ersteher des Kunstwerkes ließ mich rufen, da es beim Transport einen Bruch erlitten hatte. Er überwachte meine Restaurierungsarbeit mit Argusblicken, aber es gelang mir doch, ohne sein Wissen eine Kopie davon anzufertigen und diese nach Hause zu schaffen. „War er der Jude?" „Nein, Geduld — ein Anderer. Das Original wurde um 69.000 Lire verkauft — eine nette Summe, wie? . . . Ich verbrauchte zweieinhalb, beinahe drei Tage damit, meine Kopie in Terrakotta zu packen, ließ sie heimlich brennen und versenkte sie dann auf ein halbes Jahr in eine Lagune. Als ich sie nach dieser Frist wieder herausholte — welche Farbe, welches Alter .... eine Pracht! Ich konnte zufrieden sein. Ich trug sie zu einem Antiquitätenhändler, so einem jüdischen Hallunken, und Sie hätten sehen sollen, was für Augen der Hund machte! Sein Blick glühte, seine Hände zitterten, ja er küßte tatsächlich meine Kopie, als er ries: Ein wahrhaftiger Donatello! .... Ich hatte die Absicht gehabt, zweihundert Lire zu verlangen, jetzt aber, als ich sah, wie entzückt der Lump war, schlug ich tausend darauf." „Zwölfhundert Lire — ist das nicht zu teuer?" frug er. „Ich weiß nicht," erwiderte ich, „es ist das nicht meine Sache; ein Freund sandte mir das kostbare Stück, um es für ihn zu verkaufen, und sein ursprünglicher Preis war fünfzehnhundert, aber er sagte, er würde es schließlich auch um zwölfhundert laffen. Ich will ihm noch einmal schreiben und fragen, ob er es noch billiger gibt." „Danke," versetzte der geschmeidige Kerl, „aber wie immer seine Antwort ausfällt, Sie laffen mir das Vorkaufsrecht, ja!" „Ich ging heim und wartete eine Woche, um dem angeblichen Freunde Zeit zu seiner Antwort zu laffen. Dann suchte ich wieder meinen lieben Juden auf und erzählte ihm mit enttäuschter Miene, daß mein Freund an seinem Preis von fünfzehnhundert festhalte, daß. ich als Ehrenmann jedoch bei meiner Forderung von zwölfhundert bleibe, denn ich fühle mich verpflichtet, mein Wort zu halten." „Gewiß!" bestätigte der Jude und zählte mir den Betrag auf; dann ersuchte er mich in seinem singenden Jargon, ihm nur wieder Sachen zu bringen, wenn ich welche fände. Sehen Sie die Gaunerei des Kerls?" „W e l ch e n Kerl meinen Sie?" „Nun, den Juden natürlich! Er glaubte einen echten Donatello zu erwerben, er wußte, daß er fünfzigmal mehr wert war, als er mir zahlte, und so betrog er mich in dieser infamen Weise!" E. M—y. * * * Dieses wahre Begebnis wird mir von befreundeter Seite aus Venedig übermittelt. Es trägt das charakteristische Merkmal antisemitischer Logik und Moral an sich: den Juden betrügen und dann sich als Betrogenen ausgeben. Der Schurke stahl die Kopie, fälschte sie und beschwindelte den Händler. Alles das aber gilt nicht; der Gauner war doch nur der Jude! A. G. v. Suttner. Herma«« Hertzka u«d Gr«st Uergam. In der antisemitischen Presse tobt ein ungeheurer Skandal! „Ein Jud" hat ein Verbrechen begangen, ein wirkliches abscheuliches Verbrechen! Ein Jude ist zum Mörder geworden. Ein Jud! Das ist unerhört! Ein solch grausames Verbrechen! Das ist unverschämt! Ein solcher Eingriff in die antisemitischen Privilegien, in die Majestätsrechte der arischen Rasse. Ein solcher Jud war bis nun unerhört. Die berühmtesten Helden Rinaldo Rinaldini, Fra Diavolo, Rozsa Sandor, Schinderhannes u. s. w. werden durch ihn in den Schatten gestellt. Wenn ein Arier einen Mord begeht, so ist das Gleichgiltiges und Alltägliches. Waren denn Raub und Diebstahl nach der Mythologie der Arier gar so schreckliche Dinge? Haben nicht Götter selbst Raub und Diebstahl geübt? Sind die Räuber in vielen arischen Ländern nicht bis zur neuesten Zeit Gegenstand eines populären Enthusiasmus? Daß aber einer aus dem Judentum in die Bahn des arischen Verbrechertums einlenkt, treibt die ganze antisemitische Preßmeute zur hellen Wut und Herr Vergani schreibt ganze Leitartikel über dieses unerhörte Geschehnis. In der Tat, Hermann Hertzka ist ein gemeines Subjekt, hat einen empörenden Mord versucht. Die Statistik des Mordes in Oesterreich gibt den Juden sonst ein gutes Zeugnis, sie stellen wenig Leute aus ihrer Mitte zu dieser Kriminal-Rubrik. Hermann Hertzka ist ein Ausnahmsjud, er ist ausgewachsen und erzogen in einer antisemitisch durchseuchten Stadt, inmitten einer Bevölkerung, welche unter antisemitischem Regime geistig und moralisch vom arischen Antisemitismus infiziert ist. Hermann Hertzka ist der Assimilation zum Opfer gefallen, er ist ein Exemplar jener angefaulten Kinder des jüdischen Volkes, welche für Einflüsse schlechter Gesellschaft nicht widerstandsfähig genug sind, dem Ariertum erliegen. Mit der moralischen Seuche geht es nicht anders als wie mit jeder anderen Krankheit; auch sie wirkt ansteckend. In einer Stadt, in welcher das „Deutsche Volksblatt" erscheint, muß auch nach Ablauf von Jahrzehnten ein Jude wie Hermann Hertzka auftauchen. Hugo Schenk und ähnliche Exemplare waren natürliche Erscheinungen, Hermann Hertzka erregt Verblüffung und Entrüstung, er ist das Resultat der Assimilation. A«» der territorialistische« Kemegrmg. Das Organ der russischen Territorialisten „Jewrejskej G o l o s" erhält vom ersten Emigrantentrupp der „Jüdisch-Territorialistischen Organisation" (Jto) nachstehenden Brief: „Nach einer 25tägigen Seefahrt kamen wir heute in G a l v e st o n an. Die Landung ist glatt, ohne jedwede Schwierigkeit vor sich gegangen und wurde uns ein herzlicher Empfang zuteil. Unsere lieben amerikanischen Volksgenossen haben sich in des Wortes wahrster Bedeutung als Brüder und Menschen erwiesen. Ihre aufmerksame Behandlung, ihre Gastfreundschaft und Liebenswürdigkeit können den deutschen Juden als Beispiel dienen. Nach Erledigung der notwendigen Formalitäten führte man uns und unsere Habe ins „Jüdische Heim". Letzteres ist ein herrliches, großes, luftiges Gemeindehaus. Hier erquickten wir uns vor allem durch ein Bad, um uns dann ein großartiges, jüdisch-bürgerliches Mahl desto besser schmecken zu lassen. Wir entsinnen uns kaum, jemals solch leckere Gerichte gekostet zu haben. Die Fürsorge und Liebenswürdigkeit, die uns erwiesen wurden, lassen sich gar nicht schildern. Der Bürgermeister, der uns durch einen Besuch auszeichnete, begrüßte uns aufs wärmste, wodann er jeden einzelnen von uns ins Gespräch zog. Beim Abschied drückte er uns die Hände und wünschte jedem gute Erfolge. Hier vergaßen wir all die Qualen, die wir daheim zu erdulden hatten. Die Vor-