Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 33 (16.8.1907)
- Date
- 1907-08-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3020846-3021710-3021744--16600-3041430- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 33 Dr. Biocb’s MocdenscdrlN. Sette 535 Lecho daudi. Wie eine junge Braut voll scheuer Süsse Ins Haus tritt, das die Liebe ihr bestellt, So naht der Sabbat. Komm, mein Freund, und grüsse Den Tag, der dir so hold dein Sein erhellt. Und hüte ihn wie deine beste Gabe Und denke sein, wie man der Liebsten denkt, Der man so sehr sein ganzes Herz geschenkt, Dass schon Erinnern wirkt wie kühle Labe. Er, der zuerst geplant, zuletzt entstanden, Er ist des Segens Quell in deinem Sein, Er kommt — und all dein Leid, es schlummert ein, Ein Sabbattraum löst dich aus Knechtschaftsbanden. Und wieder schaust du Zions Herrlichkeit Und siehst die Stadt des Herrn in neuer Schöne Und siehst zu ihren Füssen ihre Söhne Vergessen der Verbannung herbes Leid. Sie schütteln ab den Staub der Wanderstrassen Und tuen an ein neues Feierkleid, Und sind für den Erlöser nun bereit, Den sie im tiefsten Leide nie vergassen. Es kommt aus Bethlehem des Isai Sohn Und ist ein König denen, die gestritten, Und ist ein Helfer denen, die gelitten, Die ihm aus Tränen hauten seinen Thron. Dein Stern geht auf und hell erstrahlt dein Licht, Genug der Qual, der Herr hat dich erweckt! Jerusalem, wie warst du schmachbedeckt, Nun birgst du länger dich errötend nicht. Nun beugt dich länger nicht die heisse Scham, Wie eine Fürstin strahlest du aufs neue Und lohnest deinen Kindern ihre Treue Nun, da die Stunde der Vergeltung kam. Die dich beraubt, die wurden selbst vernichtet, Die dich geschmäht, die hat nun Gott verschmäht, Wie dürres Gras, so wurden sie gemäht, Sie höhnten dich, nun wurden sie gerichtet. Du aber dehnst dich aus und streckst die Glieder Und wie der Frühling blüht, so blühst auch du, Und staunend sehen wir dem Wunder zu Und jubeln dir zum Preise unsere Lieder — So bringt den Frieden in dein müdes Herz Der Sabbat und löscht Leid und Kummer aus, Im hellen Lichterglanz erstrahlt dein Haus Und du vergisst selbst deines Volkes Schmerz . . . Wie eine junge Braut voll scheuer Süsse Ins Haus tritt, das die Liebe ihr bestellt, So naht der Sabbat. Komm, mein Freund, und grüsse Den Tag, der dir so hold dein Sein erhellt. Nachtgebet eines Kindes. Lieber Gott, Du schlummerst nicht, Wenn wir Menschen schlafen müssen. Deiner treuen Augen Licht Leuchtet über unsren Kissen. Und wir schlafen friedlich ein, Wenn die stillen Sterne scheinen, Denn wir wissen, wir sind Dein, Und Du hütest stets die Deinen. Wenn wir nur vertrauen Dir, Schirmst Du uns vor allen Sorgen, Selbst im Traume fühlen wir Dankbar, dass wir gut geborgen, Denn zu unsrer Rechten geht Michael, zu unsrer Linken Gabriel, zu Füssen steht Uriel, zu Häupten winken Rafael, des Himmelsboten, Augen uns mit mildem Schein, Aber über all den Engeln Thronest Du, o Gott, allein. Amen. ins mrp irnbx nw ratr Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, ist einig einzig. Das Buch führt den Namen der berühmten Gattin Rabbi Mair's, Beruria, welche durch ihre Geistesgaben und durch ihre Frömmigkeit in der Geschichte der Mischen Frauen hervorragt und deren Name im Talmud so oft rühmend gedacht wird, Ihr find auf den ersten Seiten des Buches folgende Verse gewidmet: Beruria. Es war am Sabbat, als ihr das gescheh’n; Sie hatte noch voll stiller Herzensfreude Dem holden Spiel der Knaben zugeseh’n — Da sieht sie wanken, sieht sie fallen beide Wie blasse Blüten, die vom Baume webt Ein Frühlingswind, der durch die Wipfel geht. Erst glaubte sie zu träumen. Doch die Hand Befühlte tastend schon der Kinder Glieder Und als sie Wärme nicht noch Pulsschlag fand, Da warf sie jammernd sich zur Erde nieder, Um ganz und gar dem Schmerz sich hinzugeben, Dem Schmerz, der ihr nun teurer als ihr Leben. Doch ehe noch die erste heisse Klage, Das erste Schluchzen auf zum Himmel schrie, Durchzuckte sie die eine bange Frage: »Und wenn der Vater kommt, wie sag’ ich’s, wie?! Wie trägt er’s, dass der Tod ins Haus getreten, Indess er stand, vor seinem Gott zu beten.« Da nahm sie denn die leichte Doppelbürde Und barg sie unter dichten weissen Hüllen. Und als der Rabbi kam voll stiller Würde,' Zum Sabbatschluss die Feier zu erfüllen, Da brachte sie ihm selber Licht und Wein Und stimmte laut in seinen Lobspruch ein. Er aber sah der Augen heisses Brennen Und sah verhalt’nes Weh um ihren Mund Und forschte, bat, sie möge ihm bekennen, Was ihres Kummers, ihres Schmerzes Grund. Und sie: »Ein Gut, vertraut in meine Hand, Sag', Herr, muss wiedergeben ich dies Pfand?« Er zürnte: »Weib, schon Frevel ist die Frage. Was dir vertraut geworden, gib zurück!« Sie aber schluchzte: »Hilf mir, dass ich’s trage!« Und führt ihn dorthin, wo ihr ganzes Glück, Wo ihre Kinder beieinander liegen, Den Ernst des Todes in den bleichen Zügen. Und als er wild und ohne Fassung klagte, Da sprach die Fromme: »Herr, besinne Dich; Was Du mir sagtest, als ich zweifelnd fragte, Du sprachst Dein Urteil über Dich und mich. Lass uns, was uns vertraut, nun jenem geben, Der uns zum Lehen gab der Kinder Leben!« Da fasste still der Rabbi ihre Hand Und war mit seinem Schmerz nicht mehr allein. Und als allmählich Stund’ um Stunde schwand, Da sprach er in das Dunkel mild hinein: »Wer solch ein Weib hat, ist fürwahr gesegnet Auch in dem herbsten Leid, das ihm begegnet.« Beruria! Dein stilles Heldentum, Wie ist es tief in unser Herz gedrungen; Was einst Dein Gatte sprach zu deinem Ruhm, Das künden heute noch der Enkel Zungen. Und in dem Buch, das Judas Töchtern eigen, Soll sich ein Hauch auch deines Wesens zeigen! An deinem Beispiel soll der heisse Schmerz Sich fügen lernen und zur Wehmut werden, Und dein Geschick, es warne jedes Herz, Das Menschenglück ein Lehen nur auf Erden. Dein Go ttvertrauen, deine Frömmigkeit, Sie seien Vorbild uns in Freud und Leid! Und was Du Deinem Gatten bist gewesen, Des Lebens Licht, die Heilung seiner Schmerzen, Ein Kleinod, das so köstlich und erlesen, Dass sein Besitz schon Trost dem wunden Herzen, Das sei ein jedes Weib in seinem Heim, Denn in den Frau’n ruht uns’rer Zukunft Keim! Sie sollen uns den Weg zum Heile führen, Uns lehren grösser sein als unser Leid, Ihr kluges Wort soll unser Herz uns rühren Und ihre Güte enden Hass und Streit! Dann fürchten wir nicht Zeiten noch so trübe, Denn uns auch schützt Berurias treue Liebe! * * * Möge dieses literarische Werl hinausziehen in die Oeffentlichtest und es ihm vergönnt sein, in der jüdischen Familie Heimatsrecht zu erlangen, segenstiftend in den Herzen der Frauen und Töchter Israels!