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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-08-16 · 33 (16.8.1907) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
33 (16.8.1907)
Date
1907-08-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 534 Dr. Lwco s Mocoenscvnn. Nr. 83 Zwischen dem Heut und dem erhofften Morgen steht, die Hand an der Tür der Entscheidung, die Frau, die Mutter jenes neuen Geschlechtes. Wie viele dieser Frauen, dieser Trägerinnen unseres Schicksals, fühlen, des Verständnisses für die Sprache des Gebetes bar, beim Gottesdienste nichts, höchstens eine Leere im Gemüt, eine Leere, die die fremden Geister ruft, die des Rufes nur allzu gewärtig. Diese Frauen, sollen sie, wie der Fremde, der dem Herrn anhangen möchte, mit des Propheten Worten klagen: »Der Herr scheidet mich aus aus seinem Volke, ich bin wie ein einsam verdorrter Baum? Nein, so spricht der Herr, ich will sie erfreuen in meinem Bethaus, es soll mein Haus ein Bethaus sein für jedermann, sie alle zu sammeln zu einer Gemeinde!« Wie unser Buch nur als Notbehelf gelten will an Stelle des alten Gebetbuches, so ist es auch in seinem Geiste geplant. Der Siddur, das Machsor, sind nicht Gebetbücher im engeren Sinne. Sie sind zugleich Quelle der Belehrung. Der Pflicht, täglich aus dem Born der Lehre zu schöpfen, genügen sie durch eine Auswahl vo! Perlen aus dem gesamten heiligen Schrifttum. Was sie auf die alte Art, versucht unser Buch auf eine neue. Erinnert sei auch an die lange Reihe ehrwürdiger Muster, denen sich unser Unternehmen als Andachtsbuch anschliesst und die zu allen Zeiten die Sprache des Landes gesprochen, in der deutschen Judenheit besonders das Deutsche als »Frauensprache« gepflegt haben. Eine Erweiterung des gewohnten Rahmens . bedeutet nur das Schlusskapitel: Stimmen der Warnung vor treulosem Uebergang in fremdes Lager, zumeist in diesem Lager selbst gesammelt. Was einer glücklicheren Vorzeit fern lag, rechtfertigt ein trauriges Bedürfnis unserer Tage. Den verehrten Mitarbeitern, die das Werk durch wertvolle Originalbeiträge gefördert haben, insbesondere den Herren Oberrabbiner Dr. M. G ü d e m a n n, Rabbiner Dr. W. Münz und Ad. Frevhan, sowie Frau L. Tarlau und Fräulein Anna Lach mann sei an dieser Stelle herzlich st gedankt! So möge das Buch als ein gutgemeinter Versuch wohlwollende Aufnahme finden! Jede fromme Regung, die es auslöst, ist Erfolg, jedes Herz, das es für seinen heiligen Gegenstand erwärmt, reichster Gewinn.« Die Ueberfttzungen und Umarbeitungen der alten Gebetstücke, welche in dem vorliegenden interessanten Werke geboten werden, spiegeln durchwegs die Tiefe der Empfindung und die poetische Kraft des Originals wieder. Aber auch jener Teil, welcher der Belehrung gewidmet ist, zeigt sich überall von einem poetischen Hauch durchweht und trägt den Stempel künstlerischen Empfindens. Man hat vor Jahrzehnten das Losungswort von der „Wissenschaft des Judentums" ausgegeben. Aus unserer Vergangenheit ist ein Ehrentempel erstanden. Unser heiliges Schrifttum zu verfechten, bietet ein stattliches Arsenal scharf geschliffener Waffen. Doch eines, das Wichtigste, bleibt oft aus: Die Beziehung auf uns selbst. Der Entschluß, das kostbare Erbe der Vergangenheit wirklich anzutreten. Der didaktische Teil ist auch darum sehr reichhaltig und umschließt alle Partien der jüdischen Ethik. In einer Betrachtung über „Schema Jisroel" (S. 31—37) ergreift der Autor Gelegenheit, die weibliche Jugend in ernsten eindringlichen Worten zu mahnen, die Kenntnis der hebräischen Sprache, der eigentlichen Sprache des Gebetes, der Sprache, in welcher die nationalen Geistesschätze des Judentums aufbewahrt sind, mit Liebe zu pflegen, um durch diese Kenntnis das Bewußtsein des Zusammenhanges mit der Gesamtheit stets lebendig im Herzen zu tragen. In einem Kapitel über die zehn Gebote (S. 38 — 65) wird der Lehrinhalt des Judentums schlicht und klar vorgeführt, und in einem Kapitel: „Bilder und Zeichen am Lebenswege" (S. 557—588) sind die alten Lehren und Weisheilssprüche aus Bibel, Talmud und Midrasch zu einem wunderbaren Kranz gewunden, welcher der jüdischen Frau dargereicht wird. Es soll mit allen Mitteln aus der ehrwürdigen Ueberlieferung das erlöst werden, was als unsterblicher Geist das Herz uns füllt und den Willen stärkt. Was immer als Wünschelrute dienen kann, muß uns willkommen sein. Ist erst der Quell des Glaubens im Herzen erschloffen, dann wird, wie der Strom in seinem Lauf zu immer größerer Leistung erstarkt, auch das jüdische Gefühl immer kräftiger sich erheben. So will das Buch „Beruria" durchaus Positives leisten: Festigung im Glauben an den alten Gott auf eine neue Art. Das Schlußkapitel soll zu dieser Festigkeit d i e Folie beleuchten. Es sind Urteile über den Verrat am angestammten Glauben zumeist aus dem Munde Andersgläubiger. Eine Warnungstafel am Eingang ins andere Lager. „Beruria" bildet solcherart eine wichtige Ergänzung zu den vom Wiener israelitischen Kultusvorstand eingerichteten „Historischen Vorträgen". Nachstehend lassen wir einige Proben aus den Nachdichtungen alter jüdischer Gebeistücke folgen: Ma tauwu. Herr! Wie hold sind Jakobs Zelte, Sind die Hütten schlicht und traut, Die zu Deinem Preis und Ruhme Israel, Dein Volk, erbaut. Deiner Vaterhuld vertrauend Tret ich, Ew'ger, bei Dir ein, Beuge mich in Deinem Tempel Ehrfurchtsvoll vor Dir allein. Herr! Voll heil’ger Wonnen weil' ich In dem Haus, das Dir geweiht, Weil' in Liebe an der Stätte Deiner ew’gen Herrlichkeit. Lieh' ich beuge mich in Demut, Sinke, Herr, vor Dir ins Knie, Du mein Vater, Du mein Schöpfer, Der mir Licht und Leben lieh! Lass, o Gott, vor Dich gelangen Heut1 in gnadenreicher Stund’ Meiner Seele banges Flehen, Mein Gebet aus Herzensgrund. Aus der Fülle Deiner Liebe 'Werd' Erhörung mir zuteil, Deine Gnade, Allerbarmer, Deine Wahrheit und Dein Heil! Jigdal. Töne laut, mein Sang, zu künden Ruhm und Herrlichkeit des Herrn, Der im höchsten Himmel tronet herzensnah und sternenfern. Gott, der Ewige, sei gepriesen, sei gelobt in Ewigkeit, Er, der ewig unverändert waltet über Raum und Zeit, Er, der einzig und alleinig, dem im Weltall nichts mehr gleicht, Dessen Wesen unergründlich, jedem Forschen unerreicht, Den kein Bild erfasst, kein Zeichen, der nicht Körper noch Gestalt, Der die Geister zwingt und fesselt durch des Geistes Allgewalt, Dessen Heiligkeit und Grösse strahlt in einem ew’gen Licht, Das durch aller Zeiten Dunkel hell und trostverheissend bricht. Er, der Anbeginn und Ende, ohne Werden und Vergeh’n, Er, der immerdar gewesen und der ewig wird besteh'n, Er, der aller Wesen Herrscher, gross im Kleinsten, das er schafft, Dessen Werke jubelnd preisen seine Herrlichkeit und Kraft, Der den Lichtstrahl der Erkenntnis lenkt aus seinem eig'nen Geist In die Herzen der Erkornen, denen er die Wege weist, Er hat Mose uns gesendet, Israel zu Fromm und Heil! — Keinem ward wie diesem wieder höchster Gnaden Glück zuteil; Denn sein Auge durfte schauen, was noch nie ein Aug' erspäht; Einen Abglanz von der hehren, reinen Gottesmajestät, Und als Herold dürft’ er künden Sinais Gesetze laut, Und der Tora ew'ge Wahrheit, die der Herr ihm anvertraut. Gottes Wort, es wird ertönen wandellos in Ewigkeit, Wird durch nichts vertauscht, bestehen unverrückt im Sturm der Zeit; Er, dem nichts verborgen, schauet unsres Sehnens letzten Sinn, Siebt der Dinge Ziel und Ende schon von allem Anbeginn Und er lohnt der Guten Taten in unwandelbarer Huld, Zollet Strafe allem Bösen und Vergeltung jeder Schuld. Er wird senden den Gesalbten, wenn gekommen einst die Zeit, Der aus langer Knechtschaft Banden sein getreues Volk befreit. Er wird die Entschlaf'nen wecken wieder durch der Liebe Macht, Drum in alle Ewigkeiten sei ihm Dank und Preis gebracht. Er, der thront in Himmelsfernen, siegend über Raum und Zeit, Gottes Name sei gepriesen — jetzt und alle Ewigkeit. Amen.

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