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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-08-09 · 32 (9.8.1907) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
32 (9.8.1907)
Date
1907-08-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 32 Sette 525 Dr. Llocv s Mocbenscdr^' von tschechischen Rechts- und Geschichtsquellen finden fich naturgemäß viele bedeutsame Dokumente zur Geschichte der Juden in Böhmen. Aeußerst schätzenswert find besonders Professor Cßlakovsky's: „Beiträge zur Geschichte der Juden zur Zeit der Iagellonen", wo er unter vielen anderen auch sehr objektiv namentlich die auf der Folter erpreßten sogenannten „Geständnisse" der Juden in dem bekannten Budweiser „Ritualmord"-Falle vom Jahre 1505 kritifiert. Professor Celakovsky stand in engem, freundschaftlichem Verkehre mit dem deutschen Gelehrten JUDr. I. E. Scherer, zu dessen gediegenem Werke: „Die Rechtsverhältnisse derJudenin den deutschösterreichischen Ländern", der vortreffliche Kenner der Judengesetzgebung Böhmens, Profeffor Cölakovsky, viele wertvolle Materialien beisteuerte. In der schönen Vorrede seines prachtvollen Buches dankt Scherer seinem tschechischen Freunde und Berater Cßlakovsky an erster Stelle, gleich nach Professor B a ch m a n n, für die wirksame Förderung seiner langjährigen Arbeit. Auch mit seinem allzu früh verschiedenen Kollegen Alois Zucker verband Profeffor C6lakovskyeine langjährige und treue Freundschaft. Ist es nicht ein ganz eigenartiges Zusammentreffen, daß der antisemitische Repräsentant der tschechischen Medizin vor Gericht gleichzeitig ausgezeichnet wird mit dem objektiven Rechtshistoriker, welcher den Juden Gerechtigkeit widerfahren läßt? — Wie sonderbar muß aber die naturwissenschaftliche Weltanschauung dieser tschechischen gerichtsmedizinischen Schule beschaffen sein, wenn sie erst von der historischen und juristischen Kritik zurechtgewiesen und unschädlich gemacht werden muß! Professor Masaryk ist ein Mann von europäischem, wissenschaftlichem Rufe, hat fich aber den Haß der Klerikalen ehrlich verdient; nach dem Rezepte Professor Reinsberg's bringt man es im heutigen Oesterreich selbstverständlich viel früher zum Hofrat, auch bei wissenschaftlicher Bedeutungslosigkeit; man braucht nur der Reaktion dienstbar und gefällig zu sein. Crematorium a non cremare. Prag. 28. Juli 1907. Die „Zeitschrift.der tschechischen Aerzte" (Redakteure: Professor Dr. Rudolf Kimla und Dr. Jan S e m e r a d) bringt in ihrer letzten Nummer vom 27. d. M. unter anderem auch folgende lesenswerte Nachricht: „Eine ungeheuere Freude bereitet den Klerikalen der neue preußische Minister des Innern, Holle, mit seinem geistreichen Ferman, der der Stadt Hagen in Westphalen die Verbrennung der Leichen im neu erbauten Crematorium verbietet. Dadurch reiht sich Preußen würdig und ebenbürtig an das ultramontane Bayern an, denn nur in diesen zwei reichsdeutschen Ländern ist die Leichenverbrennung verboten. Zu diesem „jungfräulichen" Schildastückchen des neuen Herrn Ministers, dessen Arbeit offenbar darin bestehen wird, die ganze Tätigkeit seines Vorgängers von unterst zu oberst zu kehren, bemerkte der „Tschech", das offizielle Organ des tschechischen Klerus, voll freudiger Entzückung: „Am meisten eifern für die Leichenverbrennung die Juden, aber sie selbst lassen ihre Glaubensgenossen nicht verbrennen. Jeder Mensch muß die Verbrennung eines Leichnams in einem Zuge für brutal erklären; das allmälige Verwesen in der Erde entspricht weit mehr der Pietät gegen die Toten. Und wer heute in Prag und am Lande die Leichenverbrennung empfiehlt, der ist entweder ein Freimaurer oder deren Knecht." — Hört Ihr es, böhmische Freimaurer in Prag und am Lande? Eine Leiche auf einmal verbrennen ist brutal! Magister Johann Huß und Ihr zahllosen Märtyrer der heiligen Inquisition, saget doch ihr Alle, was waren dann die Taten Eurer Henker, welche Eure lebenden Leiber verbrannten? Und Du Manfred. Enkel der Kaiserin Constanzia, sprich, was war erst jenes Ungeheuer auf dem päpstlichen Throne, — welchen die Gläubigen den „heiligen Vater" Clemens IV. nannten — das Deine in Benevent ruhenden Gebeine aus der Gruft scharren und in die Abruzzen hinwerfen ließ?*) Und heute erfrechen fich uns Verfechter der idealen Leichenbestattung die Knechte desselben Rom an den Pranger zn schleppen, desselben Rom, das im Blute seiner ungezählten Opfer watete und die Gebeine seiner Gegner aus ihren Gräbern herausscharrte! „Heilige Gemeinheit!"**) Jedes tschechische Tagblatt, in Prag weiß es ganz gut, daß auch bei uns Juden in Böhmen einige Leichenverbrennungen bereits Vorkommen, wie auch, daß Herr Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld und die Prager Kultusgemeinde-Repräsentanz in bekannten, publizistisch seinerzeit lebhaft erörterten Fällen gegen die Feuerbestattung waren. Die Katze läßt das Mausen nicht und der „Tschech" kann ohne kraffe Verdrehung der notorischen Wahrheit seine Spalten niemals „judenvoll" genug machen. Jene ausfällige, handgreifliche Denunziation als „Freimaurer oder deren Knechte" leistet fich das fromme Organ des Weltmannes und feinen Diplomaten, des Erzbischofs Baron Skrbensky diesmal gegen den Prager Stadtphyfikus Dr. Z ä h o r, welcher der Begründer der tschechischen Leichenverbrennungsaktion ist und dafür auf dem stets gangbaren Wege jesuitischer Denunziationen kältgestellt werden soll. Aus der territorialiftischeu Bewegung. London. Nach genau zweijährigem Studium der Möglichkeiten aller Länder für eine Jüdische Kolonisation erstattete der britische Sektionsrat der „Jüdischen Territorialistischen Organisation" („Jto") — begründet am 1. August 1905 — seinen Bericht der „Geographischen Kommission", welche über das Territorium endgiltig zu beraten hat. Alle Preßmeldungen in Bezug auf die Oertlichkeit der projektierten Kolonisation find deßhalb unbegründet gewesen. Der Bericht ist von vielen hervorragenden Juden Englands gezeichnet, so unter anderem von: Right Hon, Arthur Cohen, K. C. Mr. Lucien Wolf, Mr. Solomon I. Solomon, R. A. Mr. Alfred Sutro, Profeffor Meldola, Mr. Lionel Abrams (Finanzsekretär des Indischen Departements), Mr. Edward H. Langdon (Präsident der Manchester Handelskammer), Mr, Hermann M. Kisch, C. S. I. Sir Isidore Spielmann und den Präsidenten Mr. Zangwill, ferner von Alfred Turner als einzigem nichtjüdischem Mitglied des Rates. Mr. Walter S. Cohen wurde zum Mitglied des „Jto"-Rates gewählt. Herr Cohen hat auf Cypern reiche koloniale Erfahrungen ( gesammelt und erhielt jüngst erst eine Staatsanstellung im Orange-River-Freistaat. * * * Neue Zweigvereine der „Jüdischen Territorialistischen Organisation" wurden begründet in W i s ch t i n e tz und in P e t r o w s k (Daghestan). Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugnnstcnder Chewra-Kadischain Wien I., Seitenstettengaffe 4 für arme kr anke Glaubens genoffen. Anläßlich des Ablebens des sel. Alois Freund: Von Julius Kollmann K 20.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Elisabeth Wohl: Von W. Pollaczek K 30.—, Lucie Fogos 30.—, Ferdinand Neuwirth 30.—, Familie Leopold Böhm 30.—, Viktor Wohl 30. - , Samuel Braun l0.—, Ludwig Arnstein 30.—, Samuel Pann 30. , Dr. Max Ellmann 10.—, Oskar Wohl 30.—, Alfred Taußig 20.—, Hermann *) Dante: „Fegefeuer" III. **) „Sancta aimplicitas!“, bekanntlich Hussens letztes Wort am Scheiterhaufen, heißt tschechisch „prostots-, dagegen heißt Ktem ein heit „sxrostotsvon „aproaty“ gemein, niedrig.

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