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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-08-09 · 32 (9.8.1907) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
32 (9.8.1907)
Date
1907-08-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 524 Dr. Liocv's Mocvenscbrm. Nr 8 erster Grund, daß sich niemand diesem Stande mehr widmet, gilt wohl die Auflösung der meisten jüdischen Schulen, denen der nationale Kampf den Todesstoß versetzte, ferner die labile Stellung in den Gemeinden und keine Altersversorgung. Viele Lehrer wanderten nach Mähren aus, wo sie mit, Freuden ausgenommen wurden und wohin noch, heute so mancher sein Ziel setzt, weil er dort eine unabhängige, definitive Versorgung findet, die chm und seinen Angehörigen eine Altersversorgung bietet, was in ganz Böhmen nicht der Fall ist. Böhmen, das geistig hochentwickelte Land mit seiner hochgebildeten, freisinnigen Judenschaft, die trotz ihres Liberalismus nicht so viel Herz und Sinn für ihre jüdischen Lehrer hat, wird ohne Streik bald es so weit gebracht haben, daß ihre Jugend ohne Religionsunterricht heranwachseu wird, wenn man auch an den schönsten Lehrplänen arbeitet. Was sollte junge Leute für den Beruf begeistern? Im Alter soll er den Wanderstab ergreifen, da man eine jüngere Kraft wünscht, sein Gehalt bleibt von der Anstellung bis zur eventuellen Kündigung fast stets konstant, die Kultusgemeinden wollen von Funktions-, Quinquennal- oder Alterszulagen nichts wiflen, wollen ihren Funktionär nicht gleichstellen den Lehrern anderer Konfessionen, eine Altersversorgung gewähren sie nicht, ja die Gemeinden wollen nicht einmal Jahresbeiträge zu dem bestehenden, von der Landesjudenschaft begründeten Pensionsinstitute leisten, weil es eben keinen Zwang hiefür gibt. Daß dieser Fond seinen Verpflichtungen nicht Nachkommen kann, ist ja einleuchtend, er hat eben noch nicht die Mittel; die armen Lehrer, die wegen ihres Alters sich pensionieren ließen, müssen, sich nach 40 jähriger Dienstzeit mit jährlich 480 Kronen begnügen, von diesem Betrage soll er im Alter eine Familie ernähren. Der Verwaltungsausschuß dieses Fondes tut alles Mögliche, um den Fond zu heben, bittet um Beiträge bei fteudigen und traurigen Familienereignissen; doch findet er zumeist taube Ohren, unsere Reichen widmen zu deutschnationalen Zwecken Tausende, um sich hinterher beschimpfen zu lasten, oder ausschließlich christlichen Vereinen, für die Not und das Elend seiner Religionslehrer hat man kein Herz und doch wäre dem Fonde mit 300.000 Kronen geholfen, er könnte dann wenigstens seine statutarischen 1200 Kronen seinen Pensionisten leisten. Wäre dieser Punkt geregelt, dann würden sich schon wieder junge Leute dem Lehrstande widmen. Natürlich müßte auch unsere vorsorgliche Regierung ein bischen Herz zeigen und nicht bloß aus der Kongrua der katholischen und protestantischen Konfession, sondern auch der jüdischen einen Betrag widmen. Der israelitische Landeslehrerverein in Böhmen hat auch in dieser Angelegenheit beim Kultusministerium petitioniert und wird auch in der Herbstsession durch einen Abgeordneten dem Abgeordnetenhause eine ähnliche Petition überreichen. Va. Israelitischer Gemeiudebuud für Böhme». Herr Dr. Brody, Direktor der Talmud-Thoraschule und der Lehrerpräpärandie hatte den Antrag gestellt, der Gemeindebund möge alle Kultusgemeinden Böhmens, sowie die größeren jüdischen Körperschaften zu einer Versammlung einberufen und bei Ihnen folgendes beantragen: Die in Prag bereits bestehende Religionslehrer-Präparandie für Rechnung der Gemeinden Böhmens zu übernchmen und zu einer Lehranstalt für israelitische Kultusbeamte, verbunden mit einem Proseminar für Rabbinatskandidaten umzugestalten, womöglich mit Begründung eines Internates für die Schüler des Proseminars. Dieser Antrag gelangte in der am 14. d. M. stattgefundenen Sitzung zur Diskuffion. Der Antrag wurde von sämtlichen Anwesenden, worunter sich auch Vertreter namhafter Gemeinden des Flachlandes befanden, angenommen. Es wurde beschlossen, das ausführliche Gutachten des Herrn Dr. Brody an alle Gemeinden und Körperschaften zu versenden. Ferner wurde beschlossen, im Zusammenhänge mit dem einzuberufenden Gemeindetag eine Versammlung behufs Beschlußfassung mit dem Bemerken einzubemfen, daß die beabsichtigte Gründung als Veranstaltung zur Feier des 60jährigen Jubiläums des Kaisers inszeniert werde. Aus Brauttschtveig wird berichtet: Zu den Maßnahmen, die im Herzogtum Braunschweig von dem Eingreifen seines neuen Regenten erwartet werden, gehört auch die Beseitigung eines alten konfessionellen Unrechtes in Bezug auf die jüdischen Staatsangehörigen. Es ist dies die prinzipielle Üebergehung der jüdischen Rechtsanwälte bei Besetzung der Notariatsstellen. Die Erteilung des Notariats geschieht in Braunschweig rein nach dem Dienstalter der Rechtsanwälte, so daß die Uebergehung eines einzelnen nur bei besonderen persönlichen Gründen erfolgt. Solche Gründe scheint die Regierung aber bis jetzt in der Zugehörigkeit zum Judentum erblickt zu haben. Denn in den letzten zwanzig Jahren sind die jüdischen Rechtsanwälte, trotzdem bei jeder neuen Vakanz Meldungen derselben , zum Notariat Vorlagen, grundsätzlich bei der Besetzung übergangen worden. Zur Zeit sind einige ältere jüdische Rechtsanwälte in der Stadt vorhanden, die ihrem Dienstalter nach längst Notare sein müßten. Daß bei dieser Uebergehung nur die Konfession maßgebend gewesen ist, geht daraus hervor, daß diese Anwälte allgemein große Achtung genießen und zum Teil sogar dem Vorstande der Anwaltskammer angehören. 'Wim Zwei Professoren-Arrszeichrrungen Prag, 28. Juli 1907. Unter den neuernannten Universitäts-Hofräten in Prag befindet sich auch der erste Lehrer der gerichtlichen Medizin an der tschechischen Fakultät Professor Reinsberg, der vom Klattauer Bezirksarzte zu seiner gegenwärtigen Stellung berufen worden war. — An Reinsberg's zwei Schülern, den unrühmlichst bekannten, tschechischen Sachverständigen im Hilsner-Prozesse in P o ln a, demonstrierte im Jahre 1900 der tschechische Arzt M.-Dr. V. Vohryzek in Pardubitz deren ausgesprochenen judenfeindlichen Fanatismus, welcher aller Wissenschaft Hohn spricht. In Dr. V o h r y z e k's Broschüre „Antwort an die Polnaer Aerzte Dr. Proke8 und Doktor M i ch ä lr k, enthaltend den Beweis, daß Agnes Hruza erst als Leiche den Halsschnitt erhjelt," wurde die von diesen Fachmännern so klassisch dokumentierte „Wissenschaftlichkeit" dieser Reinsberg'schen Schule einer Kritik unterzogen, welche den riesigen Kontrast zwischen Reinsberg's Lehrer, dem Wiener Klassiker der forensischen Medizin Prof. Dr. Eduard Hofmann, bekanntlich auch einem Tschechen, und dessen ersten Schüler an der neuen tschechischen Universität zu Prag gebührend beleuchtete. Prof. Dr. R e i n s b e r g's direkter und indirekter Anteil an dem Urteil beider Hilsner- Prozesse ist also nicht nur in den bekannten Publikationen Professor Masaryk's, Dr. Nußbaum's und Liszt's, sondern auch von einem der tüchtigsten, tschechischen Aerzte nach Verdienst gewürdigt worden. Und Dr. Vohryze k's sachverständige Kritik stürzte sich auf die Klassiker des R e i n s b e r g'schen Faches, vor Allem auf den Tschechen H o f m a n n, welcher auch sehr wertvolle Studien zur Geschichte der Medizin in tschechischen Zeitschriften veröffentlicht hatte, weiter auf G ü t e r b o ck, Cäsper, Maschka, Szabinsky, Ellis und Tower, Devergie und Taylor. Später benützte Dr. Vohryzek auch das Jubiläum Professor Reinsb e r g's zum Anlaß, um in seinem Wochenblatte „Rozvoj" in Pardubitz jene eigentümliche Stellungnahme Professor R e i n s b e r g's im „Falle Hilsner" neuerdings recht scharf zu charakterisieren. Soweit uns bekannt ist, reagierte wohl Dr. B a x a in seinem Leibjournale auf solche unverhoffte Schmälerung seines Geschäftes durch Einschränkungen seines „rituellen" Palmaren-Revieres, aber Professor Reinsberg ist die Antwort schuldig geblieben. Im Gegensätze zum antisemitischen Professor der gerichtlichen Medizin steht der zweite neuernannte Universitäts-Hofrat, Reichsratsabgeordneter Professor Jaromir Celakovsky, ein Sohn des tschechischen Dichters Franz Lad. Cßlak o v s k y, einer der namhaftesten unter den slavischen Rechtshistorikern unserer Zeit. Professor Cßlakovsy war lange Zeit Archivar der Stadt Prag und in seinen großen Editionen

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