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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-08-09 · 32 (9.8.1907) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
32 (9.8.1907)
Date
1907-08-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Seite 519 Mk. 32 Dr JBiocDs Mtocvenscvnn. Daß Vergani mit seiner Preßmeute ausrücken wird, wenn ihr Rüber angegriffen wird, haben wir von vorneherein erwartet. Denn ein Mann, welcher es ruhig zuließ, daß die Justiz in der Polnaer Affäre nur der Form nach von den Gerichten, in Wirklichkeit von einer Horde antisemitischen Gesindels ausgeübt wurde, ist natürlich den Christttch-Sozialen ans Herz gewachsen, die ja ausschließlich davon politisch leben, daß die österreichischen Gesetze von den österreichischen Behörden nicht berücksichtigt werden. Nur sehr unvorsichtig ist es vom Mühldorfer Ehrenbürger, sich in eine Polemik für die Person seines Schützlings überhaupt einzulassen. Wir denken, die große StiÜe wird Herrn v. Ruber am besten tun. Denn vielleicht könnten sich noch mehr Leute als bisher veranlaßt fühlen, zu fragen, was es denn eigentlich heißen soll, daß der sattsam bekannte Abgeordnete Schneider dem damaligen Justizminister Ruber sehr unverblümt den Vorwurf der Bestechlichkeit machen konnte, ohne daß er im mindesten zur Rechenschaft gezogen wurde. Und wie konnte mau einen Mann zum Präsidenten des Obersten Gerichtshofes machen, von dem mehrere Blätter, am schärfsten die „Oesterrelchische Wochenschrift" verlangten, er möge vor allem seine von Schneider und Konsorten durch den Kot geschleifte persönliche und Amtsehre auf irgend einem Wege wieder zur Reputation bringen? Denn es» wäre mehr als lächerlich, wenn ein Richter au einer so hohen Stelle angeblich wegen gewinnsüchtiger Verbrechen gerichtet werden kölinte. Es ist gar nicht nötig, nachzuweisen, daß unser unter Ausschluß der Oeffeutlichkeit erscheinendes Blatt annähernd dieselbe Auflage hat wie die papierene Ablagerungsstätte Vergani'scheu Geistes. Wenn wir auch nur in drei Exemplaren erscheinen würden, jo hätte für einen Mann von exemplarisch heikler Empfindlichkeit im Ehrenpunkte — und das muß jeder Richter sein im Staate — die absolute Notwendigkeit bestanden, die Klage gegen unseren Gewährsmann, Herrn Mechaniker Ernst Schneider, zu erheben, nach dessen gütiger Information in der berühmten Landtagssitzung: „Der Justizminister (Ruber) ist. von Juden bestochen worden", wir eine Reihe der schärfsten Artikel veröffentlichten. Immer wieder erörterten wir das unfaßbare Rätsel, daß Herr v. Ruber seine Ehre dem Schneider, und die Polnaer Justiz dem Hans Arnold Schwer widerstandslos ausgeliefert hat. Diese Erörterungen werden wir schonungslos auch weiterhin unentwegt fortsetzen — in dieser Annahme hat Ehren-Bergani ganz recht. Wir werden das einfach aus dem Grunde tun, weil wir als ehrliche Publizisten, im Gegenteile zum dicksten Hausherrn in der Josefstadt, unsere Aufgabe dahin auffassen, daß wir dem Rechte, der Wahrheit und der Menschlichkeit aus allen Kräften und immerdar belstehen. Eine schuftige Verdrehung der christtichsvzialen Henkersknechte stellt jetzt den versuchten Meuchelmord an Hilsuer so dar, als wäre dieser als gewöhnlicher Mörder dem Kerker verfallen. Jedes Kind aber weiß, wie mau den Ritualmord, dessen Existenz sogar Herr Brelohlawek _ un Parlamente ableugnete, seit er sich seiner politischen Herkunft schämt, wie man den Ritualmord, dessen Neugeburt m Oesterreich wir Herrn Ruber zu verdanken haben, gegen Hilsuer anwendete. Und koste es was immer, wir werden aus allen Kräften, zu allen Zeiten dem wehrlosen Schustergesellen beistehen, aus Menschlichkeit dem Menschen. Wir werden ihm beistehen gegen das antisemitische Gesindel und dem von ihm beschützten, mächtigen Präsidenten des Obersten Gerichtshofes. Aus einem einfachen Grunde: Uns ist es gewiß, daß man Leopold Hilsner im Ernste, kein so großes Verbrechen nachsagen kann, wie es Schneider im offenen Landtage Herrn Ignaz Edlen v. Ruber vorzuwerfen wagte. „Ban O öfteren und Hilsner". Prag, am 4. August 19V7. Die heutige Nummer des Realistenorganes „6 a s" enthält folgende klassische Notiz: „Unter dem Titel „Van O e st e r e n und H i l s ner" brachte der „6ech", das offizielle Kampforgan des tschechischen Klerus, eine Lvkalnachricht, die wir wörtlich folgen laffen: „Den jüdischen Redaktionen bieten wir einen dankbaren Stoff: Der wegen seiner Teilnahme an der Ermordung eines Mädchens verurteilte Hilsner fitzt im Kerker, Van Oesteren aber schreibt Gedichte und Romane — hören wir 'mal, ist das nicht eine offenkundige Unterdrückung des unschuldigen Hilsner? Wenn Beide schuldig find, sollen Beide leiden, wenn Beide unschuldig — warum soll nur der Eine im Kerker schmachten? Findet fich nicht jemand Wohlhabender, der für die Lösung dieser Frage einen Preis von 20.000 Kronen ausschreibt? Der „Ö a 8“ (bekanntlich Professor MasarYk's Tagblatt) und das „Prävo lidu" (das sozialdemokratische Tagblatt) möchten gewiß ein so fettes Inserat gerne bringen." Wir quittieren die Sorgfalt, welche das Organ des Kardinals Skrbensky unserer Administration widmet und aus der offenkundig jene katholische Nächstenliebe herausduftet, welche in der Form des Syüaüus nicht verboten ist. Aber diese verdächtige Fürsorge des „C e ch" dürfte wohl ohne jeden Erfolg bleiben, weil jenes Rätsel, womit fich der „Lech" seinen Kopf zerbricht, für alle Leute, die etwas von Van Oesteren wissen, gar kein Rätsel ist: Van Oesteren ist nämlich ein geradeder nächsten Umge bungdes erzbischöflichen „Öech" sehr nahestehender Mensch, dieser Van Oesteren ist ja einer aus der Gesellschaft der Barone von Skrbensky, der Grafen Schönborn und noch anderer höhererHerrschaften. Die Antwort auf die Fragen des lammfrommen „C e ch" ist daher auf der Hand liegend und es ist nicht notwendig, ein Inserat auszuschreiben." Wer die ganze Hilsneraffäre mit ihrem pathologischen, klerikalen Keimboden genügend kennt, wer die Nutznießer dieses Sumpfes bei ihrem fetten Mahle sieht, der läßt, fich von dem sattsam bekannten Spiritusrektor des Prager „Lech" nicht unerwidert ähnliche Preis-Rebusse aufgeben. Nur deshalb ergänzen wir die zitierte Antwort des „Las" für heute noch mit einer einzigen Gegenfrage an die Adresse des erzbischöflichen Hetzblattes: Wo wäre es überhaupt nur denkbar, daß fromme Diebe eines 8 Millione n-F o y d e s so zart, so sanft, so schonend behandelt würden, wie es im Falle der von einem Monsignore, päpstlichenKämmerer und Theologie-Doktor, Dr. Drozd, geleiteten „St.-W enzel-Borschußkassa" geschah?!? . . . Dieselben Mächte schützen hier Van Oesteren, wie sie dort die Schuldtragenden amMillionendiebstahl der klerikalen „Zälo2na" beschützt und geschirmt haben! Der „Oech" rüttelt am Stricke im eigenen Hause. . . . Doch schon ist die Wahrheit, auch gegen die Prager Jesuiten unterwegs und wenn fie auch bei uns in Böhmen langer Zeit bedarf — die Stunde kommt, wo der innige Causalnexus zwischen der verkrachten St. DSenzelskasse und der HUsner-Affäre offen vor aller BZett erwiesen wird, und daß wir diesen ursächlichen Zusammenhang gleich vom ersten Momente der Hilsner-Affäre ganz gut gekannt — nur soviel wollen wir heute dem „Lech" auf seine freche Verhöhnung der „Oesterreichisch- Jsraelitischen Union" erwidern.

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