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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-08-09 · 32 (9.8.1907) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
32 (9.8.1907)
Date
1907-08-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 518 Vr. Llocb's Mocdenscbritt. Nr. 32 abgrundtief verdammt, weil ihr nicht Wort, nicht Eid zu glauben ist. Wenn sonst einer unter dem Schutze europäischer Staaten steht, darf keiner es wagen, ihn auch nur scheel auzusehen, wie es in einer Rede des deutschen Kaisers heißt. Um die Rcstforderuugeu einiger deuticher Maschinensabrikanterr einzubriugen, wurde der Hafen von Venezuela von Kriegsschiffen für den Handel gesperrt, die vereinigten Flotten haben immer die gepanzerten Lenden gegürtet, um den mazedonischen Hammeldieben ihre Reformen zu verschaffen und gerade jetzt marschieren 3000 Mann französischer und spanischer Truppen im marokkanischen Casablanca ein, um das vergoffene Blut einiger Europäer zu rächen. Die rumänischen Juden, denen Europa feierlich ihr Recht und seinen Schutz zugesagt hat, brauchen zu ihrer Befreiung keine Heere, keine Flotten, keine Kanonen. Ihretwegen muß kein pvmmerscher Füsilier zehn Pfennige Kriegszulage kriegen. Ihnen wäre mit Worten geholfen, mit einstimmigen Worten der Diplomaten, die rumänffche Regierung möge den Antisemitismus im Laude und ihre eigene Judeufeiudschaft endlich dämpfen. Man brauchte wohl nur zu sagen, daß man den ausländischen Geldmarkt für die immer wiederkehrenden Pumpversuche Rumäniens absperren werde und man würde seine Wunder erleben. Aber dieser Einfall stellt sich niemals ein. Außer einigen barmherzigen Vorstellungen der Vertreter von England und Amerika, die mau erhebt, wenn das Elend gar zu krasse Formen aunimmt, und sobald als möglich verdrießlich wieder fallen läßt, hat noch niemand auch nur einen Finger gerührt, um den Unterschriften auf dem Berliner Vertrag ihren Wert zu verleihen. Aus dem Ruhebedürfnis der Diplomatie und dem Mangel einer Notwendigkeit könnte man vielleicht diese Nachlässigkeit zu den kleinen Sünden rechnen, denen leicht verziehen wird. Aber das ist ja keine Notwendigkeit mehr, das ist eine Brandgefahr — nicht für Rumänien, nur für die rumänischen Juden. Diese feierlich aufgenommenen Adoptivsöhne Europas sind durchaus nicht anspruchsvoll. Sie würden schon auf den Knien danken, wenn mau ihnen das Leben auch nur erträglich machen würde. Aber bei ihnen ist die schrecklichste Verzweiflung in Permanenz. Im Westen ist man gegen die ewig gleichen Nachrichten darüber schon abgestumpft, aber die rumänischen Juden werden jeden Tag durch altes und neues Unglück aufgeschreckt. Man will sie gewaltsam unter die tiefste Grenze der Möglichkeit noch herunterdrücken, bei welcher ein Mensch noch leben kann, wenn er so viel Talent besitzt, von der Luft zu leben wie ein rumänischer Jude. Mit ein paar Worten sind die vernichtenden Keulenschläge gezeichnet, die man gegen die Unglücklichen geführt hat. Man hat sie vom flachen Lande vertrieben, nahm ihnen den Ackerbau. Man verschloß ihnen die Gewerbe, mau riß ihnen wichtige Zweige des Handels aus der Hand, man läßt sie nicht in die Schulen. Ist das etwas anderes als Marannenverfolgung im zwanzigsten Jahrhundert mit der Hungerfolter statt der Scheiterhaufen? Als die rumänischen Juden noch Kraft hatten, sich zu rühren, flohen sie wiederholt vor ihren Peinigern in ganzen Schiffsladungen, die Armut zwang sie aber bald zur Umkehr in das Land, wo sie sich gegenseitig den Bissen Brot vom Munde reißen und in den elenden Kellerlöchern der Judenquartiere in Massen dem Hungertyphus verfallen, während die Ueberlebenden angstvoll harren müssen, was der Haß Neues gegen sie ersinnt. Es gibt keine Gesetze zu ihrem Schutze, sondern nur Gesetze zu ihrem Verderben. Nirgendwo, auch in Marokko nicht, in der Türkei nicht, erlaubt sich die Gewalttätigkeit eine so rohe Gemeinheit wie gegen die rumänischen Juden, welche Kriegsdienst und Steuer wohl leisten müssen, sonst aber als recht- und wehrlose Fremde behandelt werden. Diese satanische Niedertracht müßte in jedem Europäer die hellste Empörung wecken, nicht der Juden wegen, sondern wegen der Schändung der Kultur. Sie ist aber noch nicht alles. Neben der durch G-sitze geregelten Menschenverfolgung, dieser Orgie des offiziellen Antisemitismus, kommt noch die bald ausgesprochene, bald ausgeführte Drohung für Leib und Leben der rumänischen Juden seitens der maßlos unt»r Patronanz der Behörden aufgewühlten Massen. Das Parlament verfolgt die jüdische Gemeinschaft, Präfekten und Autisemitenführer werfen sich dann auf die Einzelnen. Jetzt gerade, wie zur Verhöhnung der Friedenskonferenz, hat mau in Rumänien ein Gesetz erlassen, welches jüdischen und christlichen Unternehmern gebietet, größtenteils nur Rumänen ins Geschäftsbureau zu nehmen, jetzt gerade werden unter den lächerlichsten Vorwänden Ausweisungen von Juden verfügt, die aber kein Nachbarstaat über die Grenze läßt, weil sie ja Rumänen sind, und die ohne alle Schuld so lange als Schüblinge umherwandern müssen, bis mau endlich eine Gelegenheit findet, sie heimlich ins Ausland abzuladen, ohne Vermögen natürlich, ohne Papiere, schutzlose Parias in Armut und Elend. Mehr an Leben und Eigentum europäischer Schützlinge ist in Rumänien durch die Franzosen des Ostens zugrunde gegangen als jetzt in Marokko. Bibliotheken liegen sich füllen mit der Geschichte des rumänischen Judenhasses, dessen prahlerische Frechheit in ihrem lauten Uebermut ja für niemanden mehr der Beweise bedarf und der aus den Ghettis Schlachtfelder voll Verwüstung und Verzweiflung macht, von denen niemand weiß, wie sie enden werden. Hochmögcude Herren von der Friedenskonferenz im Haag, schaffen Sie auch unseren rumänischen Brüdern den Frieden! Nichts liegt mehr in Ihrer Kompetenz. Dulden Sie doch, um der Menschlichkeit, um der Kultur, um Ihrer Ehre willen nicht, daß viele tausende von Menschen mitten auf dem Kontinent der Gesittung, im Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts verfolgt und gemartert werden, weil es einigen der Bojaren so gefällt. Sie, hochmögende Herren, sind meist Mitglieder Ihrer Regierung und Rumänien liegt in den Händen der Regierungen. Nie war eine edlere Gelegenheit, Macht zu beweisen, nie eine leichtere. Erlösen Sie die rumänischen Juden! Darum bitten wir bescheiden, wie wir Juden immer sind. Wir bitten, trotzdem wir ein Recht hätten, zu fordern und mit zorngeballtcr Faust auf den Tisch Ihrer Konferenz zu schlagen. Denn wir haben Europas Wort, meine Herren! y• Dom Jahrmarkt des Lebens. Bergani und Ruber. Das „Deutsche Volksblatt" beehrt uns mit folgender Anpöbelung: „Rabbi Bloch und Hilsner. Rabbi Bloch scheint sich die Rehabilitierung des jüdischen Mordbuben Hilsner zu seiner Lebensaufgabe gemacht zu haben. Bei jeder passenden, aber auch bei jeder unpassenden Gelegenheit rollt der glaubenstreue Rabbi die Hilsner- Affäre auf. Eine solche mehr als unpassende Gelegenheit ist die Ernennung des ehemaligen Justizministers Dr. v. R u b e r zum Präsidenten des Obersten Gerichtshofes. Diesen Anlaß benützt nun Bloch, um in der letzten Nummer seines mit Ausschluß der Oeffentlichkeit erscheinenden Blattes wieder Stimmung für Hilsner zu machen, indem er v. Ruber, den ehemaligen Justizminister, für den angeblichen Justizmord, der an Hilsner begangen worden sein soll, verantwortlich zu machen versucht. Man sieht, der wackere Anwalt des Mörders der Hruza lauert förmlich auf den Moment, wo er für seinen Schützling immer wieder eine Lanze brechen kann. Dessen ungeachtet fürchten wir aber sehr, daß das ganze Geserres „Seiner Ehrwürden" erfolglos sein wird, denn die Schuld Hilsners ist so sonnenklar erw'esen, daß ihn selbst die anmaßendste jüdische Frechheit der Justiz nicht mehr entreißen kann."

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