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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-08-09 · 32 (9.8.1907) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
32 (9.8.1907)
Date
1907-08-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 32 Dr. Bloch’s Hahrga»»XXIV Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. MklM Wrm, 9. August 1907. n LrsiDeLnt jeden Fr et tag. Brief-Adresse: Hdten, IX/H» JSerggasse 39. Telegramm-Adresse: LlocD's IMocLenscdrtft. Mien. s--:-—s A. ft. Pofispsrftassen-Arnt Clearing-ID erftebt Mr.S10.976. Drdaftlion und Administration: Wien IX/1» ffierggasse Mr. 39. Telefon Nr. 14.847 »-« »---- Bsjugayrefa für Vrstrrrrirh: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4rnal gespaltene Petitzeile 24 Heller. *. . Inhalt: Leitartikel: An die Herren Delegierten der Friedenskonferenz im Haag. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Vergani und Ruber. Van Oesteren und Hilsner. Anathema sit! Der VIII. Zionistenkongreß. Zur Lage der galizischen Juden. Hofrat Theodor Gomperz. Elise Orzeßko. Eine ungewöhnliche Karriere. Laudesrabbiner Samson Raphael Hirsch gegen einen reaktionären k. k. Bezirkshauptmann. — Korrespondenzen: Ein Schreiben des totgesagten Dichters Morris Rosenfeld. Kruschewan der Gesinnungs- und Parteigenosse Ernst Vergani's. Trostlose Zustände aus Böhmen. Israelitischer Gemeindebund für Böhmen. Braunschweig. Zwei Professoren-Auszeichnungen. Crematorium a von cremare. Aus der territorialistischen Bewegung. — Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien. Wien. Trebitsch. Holleschau. Luhatschowitz. Dukla. Bernhard Link s. A. Agitation gegen die Juden in Bessarabien. Direktor des hebräischen Gymnasiums in Jaffa. — Feuilleton: Es kommt. — Literatur. — Neue Bücher. — Inserate. An die Heere« Delegierte« der Friedrnskonfere«; im Haag. Hochmögende Herren! Der Kraft Ihres Denkens und der Größe Ihres Herzens ist eine herrliche Aufgabe anvertraut worden, an deren Lösung Sie seit geraumen Wochen mit dankenswerter Hingabe arbeiten. Sie sollen der Kultur eine Gasse bahnen, damit, sie ferne von allen Schlachtfeldern und allen Kampfplätzen der Kultur, den Höhenweg ihrer Entwicklung gehen könne. Wir wissen sehr wohl, daß dieser Weg durch ein mächtiges Gebirge von Hindernissen wird gesprengt werden müssen, daß das Gestein seit Jahrhunderten abgelagerter Vorurteile erst nach schweren Mühen wird durchbrochen werden können, daß das schleichende Gift der Volksfeinde und der Springquell nationalen Hasses noch oft genug die verzweifelten Pioniere zurücktreiben werden. Nichtsdestoweniger sind wir sicher, daß das Fortschreiten im Fortschritt unaufhaltsam, der einzige Krieg, den alle wünschen, der Krieg gegen die Unmenschlichkeit, siegreich sein wird, daß es Ihnen gelingen werde, Muttertränen und Schmerzen der Söhne zu sparen. Alle Hoffnungen und Wünsche der Völker und Menschen fliegen Ihrem großen Werke zu, alles Vertrauen verneigt sich vor Ihrem Willen zur Gerechtigkeit, Humanität und Güte. Auch wir, wir Juden, nahen uns Ihnen mit einem solchen Vertrauen, wenn wir es hiermit versuchen, Ihre Kenntnis und Erkenntnis auf die Leiden und Kümmernisse eines großen Teiles unseres Volkes hinzulenken. Leiden und Kümmernisse gibt es überall in unseren Wohnstätten. Keine Klage reichte aus, um den Zustand unserer Brüder in Rußland zu schildern. Auch diesen mit einem Worte der Humanität zu Hilfe zu kommen, wäre wohl eine moralische Erfordernis und ein historisches Verdienst der Haager Friedenskonferenz. Wo aber das Einschreiten der Haager Konferenz nicht nur nach dem Gesetze der Menschenliebe erbeten, sondern nach dem Gesetze der Ehre und des Rechtes gefordert werden kann, das ist in Rumänien und seine Ghetti. Mit jeder Kränkung der rumänischen Juden werden die Herrscher und die Völker Europas verspottet und beleidigt, jede Grausamkeit der Bojaren gegen ihre unglücklichen Juden ist ein Wortbruch. Noch steht und lebt jener Artikel des Berliner Vertrages, in welchem europäische Fürsten und ihre bevollmächtigten Minister im Namen der Völker den rumänischen Juden die vollen Menschen- und Bürgerrechte zusagten und durch die Bedingung garantierten, daß Rumänien nur nach Gleichstellung seiner Juden anerkannt werde. Gibt es eine heiligere, gibt es eine höhere Bürgschaft, gibt es eine mächtigere und zuverlässigere Instanz als die Unterzeichner des Vertrages, kann man sich stärker auf sonst irgend jemanden in der Welt verlassen? Armer Publizist, der es gewagt hätte, damals zu sagen, daß die Unterzeichner ihr Wort nicht einhalten würden — die Kerkertür hätte sich ihm zuerst in's Jenseits aufgetan. Aber Recht hätte er behalten — Rumänien dachte nicht daran, die Vorbedingung seiner Existenz zu erfüllen, Europas Auftrag auszuführen» sein Versprechen einzulösen; nein, noch mehr, um den Hohn zu steigern, quälten sie die Juden nur noch mehr, denen sie Recht und Freiheit hätten geben sollen. Die rumänischen Juden haben Europa gebeten, ihnen gegenüber sein Wort zu halten — das Wort der Unterzeichner des Berliner Vertrages blieb Schall und Rauch. Macchiavell ist noch immer Lehrmeffter der Politik. Anerkennen wir seinen Grundsatz, daß im Staatsleben zuerst der Vorteil kommt und dann die Ehre, und verlangen wir Juden, bescheiden und geduckt wie immer, keine Sonderheiten. Aber hätte es denn die Regierungen den mindesten Nachteil oder die kleinste Anstrengung gekostet, ihr Versprechen für die rumänischen Juden einzulösen? Im Gegenteil — die von ihren schweren Fesseln befreite jüdische Arbeit hätte geholfen, ein festes Bollwerk vor dem unruhigen Orient zu errichten, die Zahlungsfähigkeit Rumäniens wäre sicherer geworden, die so vielen Staaten lästige jüdische Auswanderungssrage hätte einen Teil ihrer Schärfe verloren. Sicher hätte das einmütige und entschlossene Vorgehen der diplomatischen Vertreter in Bukarest weitaus genügt, um diesen Zustand herbeizuführen. Aber die Regierungen fühlten sich zu diesem Schritte durchaus nicht veranlaßt. Handelt es sich doch nur um Juden und die Regierungen achten höher als die Gebote der Ehre den Antisemitismus, der die jüdische Moral so

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