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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-08-02 · 31 (2.8.1907) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
31 (2.8.1907)
Date
1907-08-02
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 514 Dr. Llocb's MocbenscbrlN. Nr. 81 Begleiter ausgearbeitete Schriftstück, daß die Juden seines Reiches zu vertreiben seien und der Bester Moses aufgehängt werden müsse, und erteilte ihm die kaiserliche Sanktion. Nachhause zurückgekehrt, erzählte in ganz naiver Weise der Sultan seiner Mutter, welchen Entschluß er in Bezug auf die Juden seines Reiches und in Bezug auf Moses den Befir gefaßt und welche diesbezügliche Verordnung er unterschrieben und sanktioniert habe. Die greise Sultanswitwe erschrack förmlich. Sie klärte ihren Sohn auf, wies ihm an der Hand geschichtlicher Tatsachen nach, daß noch kein Fürst und Kin Herrscher straflos ausgegangen wäre, der sich unterfangen hat, das jüdische Volk zu verfolgen. Um Mitternacht wurde auf Befehl des Sultans der jüdische Bester Moses in die kaiserlichen Gemächer empfohlen, um weisen Rat zu geben, wie dieser unheilvolle Befehl, in einem unbedachten Moment erteilt und sanktioniert, rückgängig gemacht werden könne. Moses, der nicht ahnte, was vorgegangen war, begab fich pochenden Herzens zum Sultan, denn am Hof desselben war es Brauch, daß, wenn jemand vom hohen Rate oder vom Herrscher selbst heimlich zum Tode verurteilt wurde, er plötzlich zum Sultan beschieden wurde. Vor seinem Herrscher angelangt, warf fich Moses zu seinen Füßen und bat flehentlich um Gnade. Doch der Sultan befahl, daß er sich aufrichte, teilte ihm den Zweck seiner Berufung wie überhaupt das Vorgefallene mit, ihn gleichzeitig um Rat bittend, um das Unglück abwehren zu können. Laut dem weisen Rat Moses wurde dem judenfeindlichen Staatsmann der Auftrag erteilt, sofort fich zum Herrscher zu begeben, den kaiserlichen Siegelring und die Aktenstücke mitzubringen. Es geschah dem so. Der Frevler wurde durch den Strang hingerichtet. Erst dann beruhigte fich das Gemüt des jungen Sultan und erst da gewann er nach so vielen aufregenden Momenten seine ftühere Gemütsverfassung, die ihm der Frevler für eine Zeit raubte. Der Baalschem erzählte dann, wie er, als er einschlummerte, den ArMeg zum Himmel machte. Dort kam er gerade während der Sitzung an, die Gott präsidierte. Und als er hörte, daß in dieser himmlischen Sitzung Höllisches über das jüdische Volk beschlossen wirb, begann er zu jammern, vergoß heiße Tränen, um Gott müde und barmherzig gegen das jüdische Volk zu stimmen, was chm auch, wie es der Verlauf der Begebenheit klar zutage förderte, gelungen war. Der Morgen graute, ein schwacher Strahl der ausgehenden Morgenröte drang bereits in das Speisegemach des reichen Juden Slambuls, der mit heiliger Andacht der wundervollen Erzählung des Baalschem lauschte, als dieser fich zum Fenster des Gemaches begab und laut hiuausrief: „Gut Jom-lov mein Herr leben!" „Der Gott allein ist wundertätig, ewig dauert seine Gnade." Der Weltschöpfer sendet uns Heil und Rettung, du aber warst der glückliche Heilbote, dessen Gott fich bediente, sein Volk aus tiefer Schmach zu befteien und von ihm das Gewitter, das über dasselbe hereinbrechen sollte, abzuwenden." Der Vorübergehende, dem der Baalschem den Morgengruß darbot, war der Bester Moses, der gerade vom Hofe des Sultans heimkchrte, wo er Zeuge von der Hinrichtung des judenfeindlichen Staatswürdenträgers war. Freude, Zuversicht, Jubel und Glückseligkeit herrschten in den Zelten der jüdischen Bewohner Stambuls. Der Baalschem dagegen wurde von diesem Tage angefangen in Konstantinopel als der heiligste Mann der Welt und als der größte Wundertäter Israels anerkannt und gefeiert. Kitrratvr. Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur 1907. HerauSgegeben vom Verbände für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland. X. Band, Berlin 1907 (M. Popelauer). Mit dem vorliegenden Band beschließt das Jahrbuch der deutschen Literaturvereine das erste Jahrzehnt seines Bestehens. Ein ehrenvolles Dezennium, reich an literarischen Erfolgen, an wissenschaftlicher Anregung. Aber die Wissenschaft, zumal die jüdische, kennt keinen Abschluß. Rastlos betätigt sie sich. In ihrer Ergänzung sucht sie Erholung. Indem sie vorwärtsschreitet, ruht sie aus. Und so tritt denn das vorliegende Jahrbuch frohgemut in das zweite Jahrzehnt seines segensreichen Wirkens. Wohl ist es sich dessen bewußt, daß es sich auf sturmbewegte See begibt, wo Feinde ringsum lauern. Alle Mann an Bord sind notwendig, um den geistigen Besitzstand schützend zu wahren, oder, um mit dem Herausgeber zu sprechen, die Ueberzeugung zu fördern, daß wir Juden bei all unserem Interesse für die Forderungen der Zeit es keinen Augenblick vergessen dürfen, daß wir als „am ba-söksr", als Bibelvolk, noch eine besondere Aufgabe haben: Das von unseren Vätern ererbte Gut zu erhalten und fortzupflanzen. (Anhang zum Jahrbuch: Mitteilungen S. 1.) Die bisherigen Jahrgänge galten gewissermaßen dem „am ba-seker" selbst, der jüdischen Wissenschaft als solcher, und sie erwiesen sich solcherart als der zuverlässige Speicher für den so reichhaltigen geistigen Segen. Wir haben dies an zwei Musterbänden dieses Jahrbuches (1903 und 1904) an dieser Stelle nachzuweisen versucht. Der vorliegende Jahrgang weist aber noch eine besondere Eigenschaft auf. Ihm ist das Gepräge der Abwehr aufgedrückt. Es weht etwas von dem Hauche der Kampfesarena in demselben, des Kampfes, der ihm aufgedrungen ward und dem es nicht auszuweichen gewillt war. Den Fehdehandschuh, den große Gegner der jüdischen Wissenschaft ihm geboten, nahm es auf. Und so bewegen sich denn die einzelnen Beiträge unseres Jahrbuches im Wendekreis wissenschaftlicher Aktualität. An der Spitze desselben ragt hervor der übliche, aber immer von Neuem interessierende „Rückblick" auf das abgelaufene Jahr aus der Feder Martin P h i l i p p s o n's. Diesmal ein gar trauriger Rückblick. Erschütternd lauten dessen Klagen und Anklagen gegen die behördlich patronisierten russischen Pogroms. Und dieser Jammer vermag nicht durch die Friedensberichte aus anderen Ländern der Kultur übertönt zu werden. Die „literarische Jahresrevue" des Herausgebers Gustav Karpeles führt mit gewohnter Zuverlässigkeit durch das Gebiet der neuerschienenen Literatur. Hier fesselt unser Interesse der Hinweis auf die neueste Schwenkung der protestantischen Forscher mit Bezug auf das sogenannte „Joch des Gesetzes". Dieser Begriff, den Wellhausen vor Jahren schon geprägt und den seine Schule ausgemünzt, er diente sozusagen zum schwarzen Mann, um mittelst desselben in Laienkreisen ein Gruseln vor dem rabbinischen Schrifttum einzujagen. Heute, nach den grundlegenden Arbeiten einesG ü d e ma n n, B a eck, E s ch e lb ach er, Perles über jüdisches Wesen und Wissen, beginnen jene Herren allmählich ihr Urteil über diesen Begriff zu berichtigen. So schreibt unter anderem Wellhausen in der gegenwärtig erscheinenden „Kultur der Gegenwart" : „Es ist jedoch nicht richtig, zu glauben, daß nun unter dem Joch des Gesetzes alle anderen Triebe des geistigen Lebens verkümmert wären" (S. 26), oder Karl Budde in seiner „Geschichte der althebräischen Literatur": „Wer mit den Apokryphen und Pseudepigraphen in eine Zeit geistiger Erstarrung des Judentums, als die man fich seine letzten vorchristlichen Jahrhunderte früher wohl vorgestellt hat, geführt zu werden glaubte, mag eines besseren belehrt worden sein" (das.). Ja, die Zeiten ändern sich und wir ändern uns mit ihnen. Einen an Aktualität bedeutsamen Beitrag liefert E. David in seinem Essay über „Buddhismus und Judentum". Bei aller Anerkennung des letzteren für seine Lehren über Selbstheiligung, über die Pflichten des Wohlwollens, der Barmherzigkeit, der Gerechtigkeit verwahrt fich der Verfasser gegen die Inanspruchnahme des Buddhismus für die Religion der Zukunft, eine Bewegung, die heute mehrfach auftaucht; und zwar im Hinblick auf die geistig sittliche Degenerierung des Buddhismus, sowie darauf, daß Unzucht aller Art, Vielweiberei und Vielmännerei, Diebstahl, Trunksucht selbst im südlichen Buddhismus auf Ceylon, in Siam und Birma grassieren. Was man heute als Buddhismus ausgibt, das ist, bei Lichte betrachtet, gar nicht der geschichtliche Buddhismus; vielmehr habe man es hier mit einer Weltanschauung zu tun, die aus modernen philosophischen und altbuddhistischen Elementen gemischt ist, deren wesentlicher

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