Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 31 (2.8.1907)
- Date
- 1907-08-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Dr. Llocb's Mocdenscbrlrr. Nr. 31 Seite 312 Vortrag: mid ernteten reichen Beifall. Hierauf hielt der Oberlehrer I. Roditfchck an die anwesenden Eltern und die Schuljugend eine paifeudc Anrede und nah'n von den austretenoen Schulkindern Abschied. Mit d'M Absingen der herrlichen Votksbymne schloss die würdige Schlußfeier. welch: wohl ei ie bedeutungsvolle Erinnerung allen daran Beteiligten bleiben wird. AnZzeichuung eines Handelskammer-Präsidenten. Der Kaiser hat, wie aus London geschrieben wird, hem Präsidenten der „Austro-Hungarian Chamber of Commerce and Industry“ in London, S. Pollitzer, den Orden der Eisernen Krone dritter Klasse verliehen. Herr Pollitzer, der zugleich als Stadtrat der Verwaltung der City of London angehört, fungi-rte im Vorjahre während der österreichischen Ausstellung in London als Vize-Präsident des beratenden englischen Komitees. Orlau (Oesterr.-Schlesien). Freitag abends den 26. Juli 1. I. fand in unserem neuerbauten Tempel eine solenne Feier statt. Herr Tempelvorstther Markus Stern und dessen Ehegattin Frau Henriette spendeten aus Anlas; der Doktorpromotion ihres Sohnes Herrn Karl Leo Stern eine prachtvolle Schiwisitafel, welche an diesem Abende feierlichst eingeweiht wurde. Herr Kantor David K r a t k a leitete diese schöne Feier mit dem Matanwu von Sulzer und einigen hiezu gewählten P'alm'ätzen in vorzüglichster Weise ein. Mit dem Scgensspruche Schchechejonu entzündete hierauf Herr Tempelvorsteher Markus Stern die Schiwisikerzen, worauf das Maarifgebet folgte. Am folgenden Sabbathtage wurde beim Mussaphgebete der Spender a's Maftir zur Thora aufgerufen und Herr Kantor Kratka brachte einen von ihm zu diesem Zwecke selbst verfaßten Mischeberach zum Vortrage. Dieser erhebenden Feier wohnten eine große Anzahl von Herren und Damen der hiesigen Rcligionsgemeinde, sowie Vertreter aller jüdischen Vereine bei. Herr Stern und dessen Frau Gemahlin wurden allseits beglückwünscht. Zwittau. (Mähren.) Unsere Kultusgemeinde feierte am 27. v. M. ein schönes und erhebendes Fest. Es galt nämlich den 70. Geburtstag unteres beliebten und verdienstvollen Temvelvorstehers, des Herrn Nkrx Zifferer, Bruders des Wiener Architekten und gewesenen Gemeinderates Herrn Donat Zifferer, festlich zu begehen. Ein zu diesem Zwecke sich bildendes Festkomitee, an dessen Spitze Se. Eb> würden Herr Rabbiner Dr. Felix Kauter stand, ließ das Bild des Jubilars von einem hervorragenden Künstler in Lebensgröße malen. Der Jubilar wurde feierlich zur Thoia vorgerufen, bei welcher Gelegenheit Herr Kantor Ehrlich den vom Herrn Rabbiner für den Jubilar verfaßten hebräischen Mischeberach mit seiner klanorcichen, weit vernehmbaren Stimme rezitierte. Dann trat Se. Ehrwürden Herr Tr. Kanter hin und verrichtete für den Jubilar ein in Segenswünschen ausklingendes deutsches Gebet. Nach dem Gottesdienste begab sich die ganze Gemeinde, geführt vom Herrn Vorsteher Stein und deni Rabbiner in den Sitzungssaal der Gemeinde, der mit dem Bilde des Jubilars geschmückt ist. Hier hielt Herr Dr. Kanter an den Jubilar Herrn Max Zifferer eine formvollendete Ansprache, irr - der er dessen Verdienste um den Aufschwung des jüdischen Gemeindelebens und das Wiedererwachen des jüdischen Bewußtseins würdigte. Tiefgerutit dankte der Jubilar für die Beweise der Anerkennung und gelobte auch künftighin nach seinen schwachen Kräften für das Wohl der Kcrncinde zu wirken. Hierauf beglückwünschte Vorstandsmitglied Herr E. Benedek, em Enkel des berühmten mährischen Landesrabbiners Rabbi Mordchai Banet s. A., den Jubilar im Namen des Vorstandes und versprach, das Bild in den Besitz der Gemeinde übernehmend, es in Ehren zu halten. Nach der Feier wurde Herr Max Zifferer allseitig beglückwünscht. Auch wir schließen uns den Gratulanten an, indem wir Herrn Zifferer, dessen edles Herz warm für die jüdischen Ideale schlägt, einen recht glücklichen Lebensabend und recht langes Leben wünschen. Dr. K a u f m a n n. Jerusalem. Herrn Ephraim Cohn, Direktor der Lämel-Schule und des Lehrer-Seminars des „Hilfsvereines d?r Deutschen Juden", ist vom Kaiser von Oesterreich der Franz Joseph-Orden verliehen worden. Mers-Kork. Aus Philadelphia wird gemeldet: Infolge der wahnsinnig hohen Fleischpreise plünderten lausende jüdischer Frauen die jüdischen Fleischgeschäfte, übergossen das Fleisch mit Petroleum und vernichteten die Kontobüber der Schlächter. Die Polizei, die einschreiten wollte, wurde mit Steinen bombardiert. Hundert Personen wurden verhaftet; viele Frauen und Kinder wurden von Polizisten verwundet. Feuilleton. Kaalschom (Drscht) in Stambul. Der Ueberlieferung uacherzählt von Dr H. E. K aufm au. u, Virovitica. Es ist wohl außer Zweifel, daß, wenn Rabbi Israel Baalschem den heiligen Boden des jüdischen Landes mit seiner prophetischen Fußfläche hätte berühren können, das jüdische Volk schon längst die Sklavenketten des Golus gesprengt haben würde. Doch der Psalmist behält Recht, indem er behauptet, daß, wenn noch so viele Gedanken des Menschen grübelnden Geist beschäftigen, noch so verschiedenartige und mannigfache Gefühle das menschliche Herz in Bewegung setzen und es höher schlagen lassen, dennoch nur der Ratschluß Gottes aufrecht bleibt, der Welten zerstört und wieder aufbaut, dieser Ratschluß Gottes, dem sich der Zaddik gerne unterwirft und der das „mene tekel“ der Frevler, Sünder. Ungläubigen und bösen Narren ist. ' Allein der Baalschem dachte sich: Heißt es doch schon im alten rabbiuischen Schrifttum, das mir und allen meinen Brüdern und Schwestern, die im Staube des Golus versunken sind, im Staube des Golus, den sie gerne von ihrer Ferse ab-, schütteln möchten, heilig ist, „der Zaddik entscheidet, beschließt befiehlt und der Heilige, hochgepciesen sei er, bestätigt und sanktioniert es". Wie wäre es, wenn ich, Baalschem,'es versuchen würde, den Willen Gottes unter den des Zaddik zu beugen? Da der Baalschem ein Mann der Tat war, blieb er bei seinen Worten nicht stehen. Rabbi Israel mit seiner Tochter, Edel (Adella) machten sich reisefertig. Ohne jeden Zehrpfennig, ohne im Besitze einiger Kopeken zu sein, traten sie die langwierige Reise nach Palästina über Konstantinopel (Stambul) an, wo - sie landeten. Es war gerade in der Woche vor dem jüdischen Osterfeste, vor dem Feste, an welchem den Juden eingeschärft wird, die Erzählung der Heiligen Schrift von der Erlösung Israels mit Begeisterung den Kindern vorzutragen, auf daß das Gefühl für Freiheit in ihnen früh wachgerufen werde. In jenen Straßen Stambuls, die überhaupt von Juden bewohnt waren, herrschte reges, geschäftiges Treiben. Arme Frauen hatten ihre Hauptsaison, indem sie, da damals die Maschine noch nicht das volkswirtschaftliche und industrielle Leben der einst berühmt gewesenen Hauptstadt des oströmischen Reiches ganz in B fitz genommen hatte, die ungesäuerten Brode für die Dauer des Passahfestes rituell zubereiteten, wofür sie sehr gut bezahlt wurden. Nur Rabbi Israel und seine fromme Tochter litten Not. Wußte doch kein Mensch in Stambul, daß der Große Israels, das Licht der Welt, dessen Macht die Himmelsbewohner respektieren, den die Dämonen fliehen, da er ihr wirksamster Gegner ist, sich in ihrer nächsten Nähe befinde, wußten nicht, warum die göttliche Vorsehung es veranlaßt habe, daß der Baalschem gerade am Passah sich in, Stambul aushalte! So blieb denn die Familie des Baalschem unbeachtet, einsam und verlassen, arm, aber nicht verzweifelt. Doch die fromme Tochter des heiligen Mannes, welche ihren Vater abgöttisch verehrte, konnte es nicht ruhig zusehen, wie er, der sein Leben dem Dienste Gottes und der Erlösung seines Volkes geweiht, darbte, hungerte und der entsetzlichsten Armut preisgegeben war. Schon nahte das Passahfest ganz heran, nur noch zwei Tage trennten von dem Feste und noch war Edel nicht im Besitze der geringsten Mittel, um nur das Notdürftigste für das Fest vorzubereiten, um es nach traditioneller Vorschrift feiern zu können. Die fromme Edel begab sich zu einer der zugänglichsten Meeresküsten, zum „Goldenen Horn", um ein Hemd für ihren Vater zu waschen, da Bescht darauf Gewicht legte, an Sabbaten und Feiertagen linnenweiße Hemden zu tragen. Während sie mit 'dem Waschen der Weißwäsche ihres Vaters, die sehr dürftig und ärmlich aussah, beschäftigt war, entquoll ihren Augen ob