Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 31 (2.8.1907)
- Date
- 1907-08-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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8t* 31 Dr. Vloch's Wochrnfchrifl. Sette 511 und müsse die ehrliche Durchführung der bestehenden Gesetze fordern. Die anderen Nationen haben die Juden politisch abgestoßen, so daß diese sich endlich auf ihr eigenes Volkstum zurückziehen. Würden in Galizien freie Wahlen stattfinden, dann würde sich auch die Regierung überzeugen, daß die Juden des Ostens nur jüdisch-nationale Abgeordnete inF' Parlament zu entsenden willens find. Die Juden bleiben Juden trotz aller katholischer und nationaler Vermummung und wenn sie fich der Sprache des Volkes, in dessen Mitte fie leben, bedienen, kann daraus auf ihre Nationalität nicht gefolgert werden. Die Verdächtigungen der Zionisten wegen einer antiösterreichischen Politik beruhen auf Unkenntnis ihres Wesens und find absolut ungerechtfertigt, denn fie find wie die Jüdische Nationalpartei gutösterreichisch, staatstreu. Wenn die Juden von Land zu Land gejagt werden und nirgends ein Heim finden, wenn das eine Land sie vertreibt, das andere fie nicht aufnimmt, so ist es natürlich, daß fie auf Schaffung einer gesicherten Heimstätte bedacht sind. Die Judenverfolgungen in Rußland und Rumänien haben die Notwendigkeit solcher Bestrebungen dargetan und hervorragende nichtjüdische Staatsmänner anerkennen die Berechtigung und Zweckmäßigkeit der zionistischen Bewegung. Der Jüdische Klub wird stets alle Interessen des jüdischen Volkes wahren und erwartet Abhilfe von der Regierung dort, wo Juden in ihren Rechten verkürzt und in ihren Interessen wieder gesetzlich bedroht werden. Wenn die Regierung die vom Ministerpräsidenten in seiner Rede verkündeten Grundsätze verwirklicht, haben die Juden keinen Anlaß, regierungsfeindlich aufzutreten. Der Ministerpräsident betonte wiederholt, die Gleichberechtigung der Juden unbedingt anzuerkennen, und sagte, daß während seines Regimes Verletzungen der den Juden gewährleisteten staatsbürgerlichen Gleichheit nicht Vorkommen. Er sei selbst konservativ, gut christlich und schon deswegen allein könne er kein Gegner sein. Der Ministerpräsident erklärte zum Schluffe, daß er auch fernerhin Beziehungen mit den Jüdischen Klub unterhalten werde, um über seine Wünsche stets informiert zu sein. __ Vermischtes. Wien. (Verlobung.) Fräulein Clara Singer, Tochter des Herrn Oberkantor Josef Singer, hat fich mit Herrn Jacques Weiß, Ingenieur der k. k. priv. Nordwestbahn, Sohn des Realitätenbefitzers Herrn S. Weiß, verlobt. Wien. Dem Wunsche der jüdischen Mitglieder des Polenklubs im Reichsrate, Dr. Gold, G a l l, Dr. Löwenstein und Dr. K o l i s ch e r, entsprechend, begab sich der Obmann des Klubs, v. Abrahamowicz, zum Kriegsminister Schönaich und ersuchte ihn, die jüdischen Soldaten in Galizien von den Manövern und Uebungen im September, die Heuer mit den hohen jüdischen Feiertagen zusammenfallen, zu befreien. Der Kriegsminister hat die tunlichste Berücksichtigung dieser Bitte zugesagt. ' Silberne Hochzeit. Dem Wiener isr. Kultusvorsteher Herrn Dr. Jakob König, der bis zur Einverleibung des XXI. Bezirkes Floridsdorf in die Kultusgemeinde Wien die Gemeinde in hingebungsvoller Wirksamkeit als Präsident zur Blüte emporgetragen, seiner trefflichen Gattin Frau Julie König die im Wettbewerb aller Werke humanitärer Bestrebungen, im Frauenverein des XXI. Bezirkes mitleitend dessen hehre Ziele fördert, wurden aus Anlaß der Vicrteljahrhundertwende ihrer glücklichen Ehe seitens der Gemeinde und des Bezirkes laute Kundgebungen und Ehrungen zugedacht. Doch entzog sich das Jubelpaar zum Bedauern von Freunden und Verehrern bescheiden allen diesen Beweisen von allgemeiner Liebe und Hochachtung, und begab sich nach Sissek — dem Heimatsorte der Frau Dr. König — woselbst eine große vornehme Familie am 27. d., dem Tage der Wiederkehr der Silberehe, mit allen Zeichen der Innigkeit dasselbe umgab. Es war dem Paare unmöglich, fich dort den zahlreichen mündlichen und schriftlichen Beweisen der allgemeinen Verehrung zu entziehen. Die Gratulation des Vorstandes überbrachte Herr JacqueS Reiß. Herr und Frau Rabbiner Dr. Heiß erschienen, die herzlichen Wünsche der Gemeinde Sissek zu verdolmetschen. Der k. k. Stabsarzt Herr Dr. Keßler, der dem Jubelpaar verwandtschaftlich nahesteht, replizierte, daß die Bescheidenheit des Paares gleich groß mit seinem edlen Wirken sei und daß die Familie in Herrn und Frau Dr. König die humanitären Traditionen aufleben sieht, welche in Frau Ernestine Rosenberg, der edlen Präsidentin des Siffeker Frauenvereines ihren Kulminationspunkt finden. Wien. (Leichenbegängnis.) Am 28. Juli fand unter reger Teilnahme die Beerdigung der verstorbenen Witwe Frau Amalie Weiß am Zentralfriedhof statt. Sie war eine edle, verdienstvolle Frau, insbesonders aber ihren Kindern eine zärtliche, hingebungsvolle Mutter. In Würdigung ihrer Verdienste widmete ihr ihr Bruder Herr Religionslehrer Daniel Skutezky tm Zeremoniensaal, in Anwesenheit von Vertretern der Chewra-Kadischa, einen warmen, tiefempfundenen Nachruf. Verein zur Gründung und Erhaltung eines jüdischen Museums in Prag. Am 30. Juni fand die erste ordentliche Generalversammlung statt. Der Vorsitzende Mag.-Rat Dr. Stein hielt dem dahingeschiedenen Kurator Herrn Hermann Jnwald einen warmen Nachruf, der von den Anwesenden stehend angehört wurde. Den Geschäfts- und Kaffabericht erstattete Schriftführer Lieben, vom Revifionsbericht wurde abgesehen. Aus dem Geschäftsbericht ist das stetig wachsende Jntereffe für die Bereinsbestrebungen ersichtlich. Mehrere Korporationen haben ihre Sympathien für den Verein durch Subventionen zum Ausdruck gebracht. Hervorzuheben ist der Gründungsbeitrag der Erben des Herrn kais. Rates Gottlieb B o n d y im Betrage von 500 Kronen, der Stiftungsbeitrag des Herrn kais. Rates Moritz Arndt im Betrage von 200 Kronen. Der Verein will im September sein Museum eröffnen. Bei der Ergänzungswahl fürs Kuratorium wurde Herr Dr. Haas auf zwei Jahre gewählt. Die Revisoren wurden wiedergewählt. Klattau. Am 28. Juli wurden die sterblichen Ueberreste des plötzlich an Herzschlag verschiedenen Oberlehrers M. Berka der Erde übergeben. Durch drei Jahrzehnte hat der Genannte in der hiesigen Kultusgemeinde als Lehrer und Erzieher mit seltenem Eifer und großer Gewiffenhastigkeit gewirkt, daher ist die Trauer um ihn eine allgemeine. An feinem Leichenbegängnisse beteiligte fich arm und reich, vornehm und gering; die ganze Gemeinde sowie alle jüdischen Vereine, deren Mitglieder und Damen gaben dem Verblichenen das letzte Gelette. Auf dem Friedhofe widmete Herr Rabbiner Dr. S. Bret dem Entschlafenen Worte innigen Gedenkens und hob seine Verdienste hervor. Stad. theol. Herr Bernhard Wolf aus Wien nahm im Namen aller Schüler von dem geliebten Lehrer Abschied. Die rituellen Gebete verrichteten Herr Oberkantor Gruuwald und Herr Kantor Beuesch. Möge dem Verschiedenen die Erde leicht sein! Teplitz. (Auszeichnung.) Dem Stadtrat und königl. preußischen Geheimen Sanitätsrat Dr. Ignaz Hirsch, Rttter des Franz Joseph-Ordens und des kgl. preußischen Roten Adler- Ordens, Primarius des israel. Badehospitals der Badestadt Teplitz in Böhmen, wurde von Sr. Majestät dem deutschen Kaiser der kgl. preußische Kronen-Orden dritter Klaffe verliehen. Die neuerliche Auszeichnung dieses trefflichen Mannes wird hier in allen Kreisen mit ungeteilter Genugtuung ausgenommen. Straßnitz. Am 1. Juli fand an der hiesigen zweiklaffigen deutschen Volksschule die Prüfung aus Religion und den hebräischen Fächern statt. Der Prüfung wohnten viele Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinde und der politischen Gemeindevertretung bei. Die zahlreich Erschienenen waren mit den Unterrichtserfolgen sehr zufrieden. Der Kultusvorsteher Herr M. Haberfeld drückte Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner A. Friedmann und dem Oberlehrer I. Robitschek den besten Dank und die vollste Anerkennung aus. Am 5. Juli fand tm der hiesigen zweiklaffigen Volksschule die Schlußfeier statt, an welcher der Ortsschulrat, die Vertreter beider Gemeinden und überaus zahlreiche Gäste teilnahmen. Zur Aufführung gelangten: »Ein Schultag", »Der Gnomenkönig", »Goldhärchen" und »Oesterreichs Krone". Die Schulkinder brachten die betreffenden Lieder und Gedichte ausdrucksvoll zum