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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-08-02 · 31 (2.8.1907) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
31 (2.8.1907)
Date
1907-08-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite Litt Dr. Llocb's MwcbensLbrLN. Nr. 31 des Judentums" gediehen? Lächelnd schaute der große Gelehrte sich im Zimmer um, und um sich zu vergewissern, daß seine Frau ihn nicht hören könne, beugte er sich zu mir vor und flüsterte in philosophischer, heiterer Ruhe: „Sehen Sie, wenn ich noch drei Monate zu leben hätte, könnte ich damit fertig werden." Sein Auge blickte mild, sein Gesicht war verklärt, obschon hinter seinem Lehnsessel bereits der Tod lauerte, um bald dies tateureiche Leben zu ersticken! In jedem Falle ist es ein eminentes Verdienst der Witwe Lazarus, aus dem an Materialien reichen Nachlaß ihres Gatten die Bausteine zu dem großen Erinnerungswerke zusammengetragen zu haben, das vor uns in seiner imposanten Mächtigkeit und eleganter Ausführung liegt — ein Monument der Bedeutung dieser im Leben erloschenen Leuchte des Judentums und der fortdauernden Treue seiner hochbegabten Gattin. Leo Herzberg-Fränkel. Korrespondenzen. Das 50jährige Doktorjubiläum Dr. Alfred Sterus. Vorgestern feierte der Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeiude Hof- und Gerichtsadvokat und ehemaliges Mitglied des Wiener Gemeinderates Dr. Alfred Stern sein 50jähriges Doktorjubiläum. Der akademische Senat der Wiener Universität hat über Vorschlag des Professorenkollegiums der staats- und rechtswissenschaftlichen Fakultät seine Zustimmung dazu gegeben, daß Dr. Alfred Stern mit Rücksicht auf seine vielen Verdienste aus Anlaß des Jubiläums das Doktordiplom erneuert werde. Das künstlerisch ausgestattete, in einer schönen Enveloppe ruhende Ehrendiplom wurde mit einem Glückwunschschreiben des Rektors Professor Dr. Meyer- Lübke und des Dekans Hofrates Professor Dr. Bernatzik an den gegenwärtig sich in Baden bei Wien aufhaltenden Jubilar abgesaudt. In dem lateinischen Texte der Erneuerung gedenkt die Fakultät der hervorragenden juristischen Qualitäten des Jubilars, die er insbesondere als korrespondierendes Mitglied der Handelskammer und im Eisenbahnrate auf dem Gebiete des öffentlichen und des privaten Rechtes, sowie in zahlreichen, scharfsinnigen und ausgezeichneten juristischen Arbeiten gezeigt hat. Dem Diplom lag ein in herzlichen Ausdrücken abgefaßtes privates Gratulationsschreiben des Dekans der juridischen Fakultät, Hofrates Dr. Bernatzik, bei, in welchem es heißt: „Möge es Ihnen vergönnt sein, sich dieser Würde noch lange Jahre zu erfreuen und wollen Sie dabei des geistigen Bandes eingedenk sein, welches die gemeinsame Tätigkeit in derselben Wissenschaft um Ihre Jünger schlingt." Im gleichen Sinne gratulierte auch der Rektor der Univers sität, Professor Dr. Meyer-Lübke. Es verdient Erwähuuug, daß das ursprüngliche Doktordiplom Dr. Sterns von dem berühmten Kommentator des Bürgerlichen Gesetzbuches Stubeurauch unterfertigt ist, der damals Dekan der juridischen Fakultät war. Dr. Alfred Stern wurde am 29. August 1831 in Wien als Sohn des Fabriksdirektors Karl Stern geboren. Nach Absolvierung der juridischen Studien und der vorgeschriebeneu Konzipientenpraxis eröffnete er eine Advokaturskauzlei, die sich eines ausgezeichneten Rufes erfreute. Doktor Alfred Stern beteiligte sich bald am politischen Leben und tmt noch in jungen Jahren in zahlreiche Vereine ein, in denen er zur Leitung der Geschäfte berufen wurde. Im Jahre 1888 erfolgte seine Wahl in den Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Er wurde Obmann der Rechtssektion und bald nachher Vizepräsident der Kultusgemeiude. Dr. Alfred Stern ist auch Vizepräsident der „Israelitischen Allianz" und hat wiederholt in kritischen GelegenheÜen eine segensreiche Tätigkeit entfaltet. So sei nur an seine Intervention in Brody bei Gelegenheit der russischen Emigration in den Achtziger-Jahren des vorigen Jahrhunderts erinnert. Die Wähler des ersten Wahlkörpers in der Leopoldstadt entsendeten Dr. Alfred Stern im Jahre 1888 in den Wiener Gemeinderat, wo er bis zu der infolge der kommunalen Wahlreform eingetretenen Veränderung im Jahre 1900 verblieb. Dr. Alfred Stern entfaltete im Gemeinderat eine überaus lebhafte und von der fortschrittlichen Partei dankbar anerkannte Tätigkeit. Er war unstreitig einer der genauesten Kenner der kommunalen Finanzverwaltung und einer der sachlichsten Kritiker des jetzigen finanzpolitischen Regimes der Kommune. Auf diesem Gebiete hat er selbst bei den Gegnern das höchste Ansehen genossen. In Massen liefen die telegraphischen und schriftlichen Glückwunschkundgebungeu in der Villa Dr. Sternes ein. Sü. gratulierten für den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Landesschulrat Dr. Gustav K o h n und Hofrat Dr. Benjamin R a p p a p o r t, für das Rabbinatskollegium Oberrabbiuer Dr. Moritz Güdemann, Dr. S ch m i e d l und Dr. Grünwald, für den Beamtenkörper kaiserlicher Rat Dr. Theodor Lieben, sowie eine große Anzahl von Kultusgemeinden aus dem ganzen Reiche und viele Wohltätigkeitsanstalten, namens des Journalisten- und Schriftftellervereines „Concordia", dessen langjähriges Mitglied Dr. Stern ist, depeschierte der Präsident Edgar von S p i e g l. Ferner liefen zahlreiche Gratulationen aus politischen, Künstler-, Schriftsteller- und dramatischen Kreisen ein. Weiters gratulierten die Universitätsprofessoren Hofrat Dr. O s e r, Dr. P o l l a k,° die Bauräte S t y a ß n i und Marmorek. Viele Gratulationen kamen auch aus den Kreisen der Advokaten und politischen Parteifreunde Stern's, welche das Wirken des Jubilars im Gemeinderate und als Kämpfer für Wahrheit und Recht hervorhoben und ihn als Helfer der Unterdrückten und Förderer aller humanitären Bestrebungen feierten. Auch aus der Geschäftswelt liefen zahlreiche Gratulationen ein, unter anderen von den kaiserlichen Räten Weil, Sachs und K a u d e r s. Die Regelung der Ladensperre und die Sabbathruhe. Im Laufe dieser Woche fanden unter Vorsitz des Statthaltereirates Ritter v. Hentl die Verhandlungen der Einigungskommission unter Zuziehung von Vertretern diverser Branchen statt, welche bereits Siektzrmhrsperre erzielten. Namens jener Firmen, die ihre Geschäfte außer an Sonntagen auch noch an Samstagen und an den israelitischen Feiertagen geschlossen halten, brachte Herr Bernhard Hofbauer das Ersuchen vor, daß diese Geschäfte in der Zeit, wo für ihre Branche die Siebenuhrsperre gilt, bis längstens 8 Uhr b e i geschlossenen Verkaufsladen interne Manipulationsarbeiten vornehmen können. Diese Forderung wurde von den Vertretern der Gehilfenschaft als gerechtfertigt anerkannt. Abg. Dr. Straucher beim Ministerpräsidenten. Der Obmann des Jüdischen Klubs Doktor Straucher hatte im Ministerzimmer des Abgeordnetenhauses eine längere Konferenz mit dem Ministerpräsidenten, der ihn zu sich geladen hatte, um mit dem Jüdischen Klub — wie er sagte, trotz seiner numerischen Schwäche — in Fühlung zu treten und sich über seine Tendenzen zu orientieren. Dr. Straucher erklärte, daß der Klub auf die rückhaltlose Verwirklichung der vom Kabinetschef programmatisch verkündeten Politik der uneingeschränkten Rechtsgleichheit ohne Unterschied der Nationalität, des polnischen oder religiösen Bekenntnisses besonderes Gewicht lege. Der vom Klub angestrebten vollkommenen Gleichberechtigung und Anerkennung staatsbürgerlicher Gleichwertigkeit der Juden entspreche es, daß Präterierungen und Zurücksetzungen jüdischer Petenten für Staatsstellungen nicht mehr erfolgen. Der Klub werde gegen jede Verunglimpfung der Juden energisch auftreten

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