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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-08-02 · 31 (2.8.1907) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
31 (2.8.1907)
Date
1907-08-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seit- 604 Br. V!och*s WochrnjchrV. Nr. 31 Menschen zertreten usw. Nur ein Mittel gibt es, die unheilvolle Wirkung der Hexe aufzuheben: das ist das Feuer. Da es aber selten gelingen will, die Hexe auf stischer Tat zu fassen, so genügt es dem Babylonier zumeist, sie ln effigie zu verbrennen. Die meisten der babylonischen Hexenbeschwörungen (wir kennen deren achtzig) gipfeln in einem Gebet an den Feuergott, dem die Hexe überantwortet wird, nachdem ihr in aller Form der Prozeß gemacht worden. Während aber in Babylonien der Hexenglaube vielleicht niemals zur Tat schritt, man sich vielmehr mit der Verbrennung des Bildes des Zauberers oder der Hexe begnügte, hat bekanntlich dieser Aberglaube im Abendland, im christlichen Abendland, in den Hexenprozessen die grauenvollsten Folgen gezeitigt. Profeffor Delitzsch bemerkt: „Was keine Prophetie, keine Apokalypse geahnt — das Wort der Offenbarung, daß „durch Babyloniens Zauber alle Nationen berückt" würden, bewahrheitete sich in nie geahnten Umfange und in erschütterndster Weise erst, als Babylonien längst dem Untergänge verfallen war. Da erst erwachte seine volle Zauberkraft und machte die Weisesten des Abendlandes noch im achzehnten nachchristlichen Jahrhundert zu Narren und die unfehlbaren Päpste zu Anhängern, ja Vorkämpfern des unheilvollsten Aberglaubens." Wenn aber diese babylonischen Ideen innerhalb des Judentums nicht jene verheerenden Wirkungen ausgelöst haben wie im christlichen Abendland, so ist das zweifellos ein Beweis für die gesündere Natur des jüdischen Volksgeistes. Der Herr Professor der „Neuen Freien Presse" erwähnt die Verdienste, welche die Araber um die Erhaltung der antiken Wissensschätze sich erworben haben, und vermeidet jede Andeutung betreffend die Tätigkeit der Juden, welche die arabischen Schriften wiederum dem christlichen Mittelalter zugänglich gemacht haben. Wenn ein Profeffor der Wiener Universität wissenschaftliche Tatsachen lediglich aus Abneigung und Vorurteil gegen den jüdischen Volksstamm unterdrückt, so hat er das Recht verwirkt, gegen die Kirche zu protestieren, Welche wiffeuschaftliche Überzeugungen den dogmatischen Postulaten und den Interessen der Kirche unterordnet. Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann richtete an die „Neue Freie Preffe" nachstehende Zuschrift: „Geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie mir, zu den im Sonntag-Morgenblatt vom 28. Juli unter der Ueberschrift „Anathema slt!“ veröffentlichten gelehrten Ausführungen des Herrn Professors Dr. Eugen Oberhummer eine notgedrungene Bemerkung zu machen, die sich durch sich selbst rechtfertigt. Die Stellung der jüdischen Theologie zur Wissenschaft ist in christlichen Gelehrtenkreisen noch immer wenig bekannt und noch weniger anerkannt, wenn aber die katholische und die protestantische Theologie als Feindinnen der Wissenschaft hingestellt werden, dann erweist man der jüdischen Theologie, von der man sonst kaum Notiz nimmt, die zweifelhafte Ehre, sie ihnen gleichzustellen. Herr Professor Oberhummer sagt: „Es ist derselbe Geist, der Sokrates verurteilte und den Bannfluch des russischen Klerus gegen Tolstoi diktierte, der sich auch in der protestantischen Orthodoxie eingenistet hat und den finsteren Fanatiker Calvin in Genf den Scheiterhaufen für Michael Servet errichten ließ, der in der jüdischen Synagoge seit den Zeiten der Pharisäer nicht ausgestorben ist." Mit Verlaub. Man mag über die Pharisäer denken wie man will, aber sie haben niemals Scheiterhaufen für Ketzer errichtet, noch sie mit Bannflüchen verfolgt, dagegen haben sie die Weisheitslehren des Ketzers Elisa den Abuja, genannt Acher, neben den Aussprüchen Hillels und anderer in den ..Sprüchen der Väter" aufbewahrt. Daß die Schilderung der Pharisäer im Neuen Testament eine einseitige ist und daß sie es waren, die den prophetischen Monotheismus für die Welt gerettet haben, geben auch Vertreter der wissenschaftlichen protestantischen Theologie wie Reuß, Kuenen, Baumann, Wellhausen, Bouffet zu. Die Ausstoßung Spinozas — der einzige derartige Fall von Notorietät in der „Synagoge" — war sicher nicht im Geiste der Pharisäer, sondern erfolgte unter dem Hochdruck der christlichen Theologie in Holland, dem auch die Juden nachgaben. Herr Professor Oberhummer sagt ferner: „Dem Erbfeind der Christenheit, den mohammedanischen Arabern, gebührt das Verdienst, im Mittelalter die Ergebnisse exakter Forschung der Griechen gepflegt und weiter gebildet zu hchb°n, die dann erst durch ihre Vermittlung seit dem dreizehnten Jahrhundert im Abendlande wieder Eingang fanden." Richtig, aber diesen Eingang vermittelte einzig und allein die ungeheure Uebersetzungstätigkeit der Juden, von deren Großartigkeit die beiden von der französischen Akademie preisgekrönten Bände Moritz Steinschneider's Zeugnis oblegen. Aufgeklärte Fürsten, wie Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen, Robert von Anjou u. a. hatten ihre Hofjudeu, nicht etwa Finanzmänner, sondern Gelehrte, mit denen sie philosophierten und die in ihrem Aufträge die Werke der Araber übersetzten. Dazu kommen die selbständigen Leistungen des Maimonides und Avizehron (Jbn G rbriol), die in den Schriften des Albertus Magnus, Thomas von Aqnino u. a. ernste Beachtung finden. Alle diese Juden aber waren Theologen, Rabbiner, auch wenn sie diesen Berns nicht ausübten, sondern zumeist der ärztlichen Tätigkeit oblagen. Diese kurzen Bemerkungen mögen genügen, um zu zeigen, daß, wenn schon die Vertreter der jüdischen Theologie denen der katholischen und protestantischen nicht gleichgestellt werdendste hinsichtlich der Wissensfeindlichkeit gewiß nicht mit ihnen auf eine und dieselbe Stufe gestellt werden dürfen. Hochachtungsvoll Oberrabbiner Dr. M. Güdemann. B a d e n, 28. Juli 1907." Rumänische Greuel. Nach einer Meldung aus Bukarest sind neuerdings zwei in Rumänien geborene und erzogene Juden, die auch dem Rekrutierungsgesetze Genüge getan haben, ausgewiesen worden. Es sind dies die Buchdruckergehilfen Gebrüder Ghepart. Deren Ausweisung erfolgte wegen angeblicher Teilnahme an der sozialdemokratischen Bewegung. Die beiden wurden nach Predeal gebracht, wo aber die ungarischen Behörden deren Uebernahme verweigerten. Nun sandte man sie nach Bukarest zurück, wo sie nach den Angaben der Zeitung „Adevarul" in der Polizeipräfektur schwer mißhandelt wurden. Dann transpirierte man sie gefesselt zum Bahnhof und schickte sie nach Giurgiu, um den Vollzug der Ausweisung nach bulgarischem Gebiete zu versuchen. Doch auch die bulgarischen Behörden verweigerten die Annahme der Ausgewiesenen und es heißt nun, daß sie heimlich aus dem Lande gebracht werden sollen. Einer der Brüder ließ bei der Staatsanwaltschaft die Anzeige erstatten, daß die Polizei ihm und seinem Bruder alle Papiere weggenommen hat, so daß sie nun nicht ihre Staatsangehörigkeit Nachweisen können. Ferner schreibt man uns aus Bukarest: Vor einiger Zeit hat, wie bekannt, der rumänische Handelsminister an alle Industrie-Gesellschaften und Etablissements, die sich der Begünstigungen des Gesetzes zur Förderung der Nationalindusirie erfreuen, ein Zirkular erlassen, durch das gefordert wurde, daß nicht nur von den Arbeitern, sondern auch vom Verwaltungspersonal zwei Drittel Rumänen sein sollten. Gegen diesen Befehs wurde von interessierter Seite eingewendet, daß in dem betreffenden Gesetze nur von den Arbeitern die Rede sei. Die Regierung hat daher, um die im Dienste der rumänischen Industrie stehenden zahlreichen Fremden (das heißt nach Lage des rumänischen Rechts vor allem die Juden) zu beseitigen, eine entsprechende Gesetzesänderung beschlossen. Wie die offiziöse „Jndspendance Roumaine" ankündigt, wird in der Novelle ausdrücklich die erwähnte Bestimmung auf die Gesamtheit des technischen, Verwaltungs- und Arbeitspersonals erstreckt werden. Um sich diesen Bestimmungen anzupassen, wird den Fabriken, welche künftig die Begünstigungen des Jndustriegesetzes erlangen werden, eine fünfjährige Frist gewährt werden. Den Industriellen, die sich breits dieser Begünstigungen erfreuen, wird eine einjährige Frist gewährt. Me Naturalisierung in England. j London, 30. Juli. Der Ministerpräsident empfing heute eine Abordnung einflußreicher Personen jüdischer Konfession, welche ihn ersuchten, dahin zu wirken, daß die Kosten der Naturalisierung als britische Untertanen herabgesetzt werden. Ministerpräsident Campbell-Bannermann erwiderte, er wolle mit seinen Kollegen darüber sprechen. Doch dürfe man nicht erwarten, daß die Staatskasse durch Prüfung von Gesuchen um Naturalisierung Schaden erleiden soll. Er persönlich würde es gerne sehen, wenn die Tür für die Erlangung des britischen Bürgerrechtes so weit als möglich geöffnet würde.

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