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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-07-26 · 30 (26.7.1907) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
30 (26.7.1907)
Date
1907-07-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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« Nr. so Dr. JBlocb's Mocdenscdrin. Seite 497 Wien. (Verlobung.) Fräulein Elsa Wagner, Tochter des Herrn Moritz Wagner, Firma L. Wagner und Sohn, hat sich mit Herrn Dr. Julius H e u f e l d verlobt. Wien. Herr Oberst Alexander Ritter v. E i ß wurde zum Generalmajor ernannt. Wien. Herr Dr. Arnold Frankfurter, Prediger des XIII. Bezirkes (Hietzing), wurde vom Vorstande des Tenipelvereines des XIX. Bezirkes (Döbling) zum Prediger für den XIX. Bezirk gewählt. Luhatschowitz. Unter den zahlreichen Kurorten, womit Oesterreich gesegnet ist, nimmt Luhatschowitz in Mähren einen nicht untergeordneten Rang ein. Von Natur aus zu einem wahren Kurorte prädestlniert, ist es schön im Tale gelegen und von waldigen Bergen und Hügeln umsäumt und bildet so ein herrliches Bild. Die gepflegten vielfachen Spaziergänge zwischen duftenden Llnden- und harzigen Nadelbäumen werden von den Lnstwandlern häufig benützt. Die heilkräftigen Mineralquellen und Kohlensäuren, wie a idere Bäder haben schon so manches Leiden beseitigt oder mindestens gelindert. Der im steten Aufschwünge begriffene Kurort erfreut sich besonders in dieser Saison eines nie dagewesenen großen Besuches. Im Jahre 1901 betrug die volle Frequenz 1632, während sie bereits heule am 22. Juli l. I. weit über 3000 Kurgäste übersteigt. Der Zuzug aus allen Teilen der österreichisch-ungarischen Monarchie, sowie des Auslandes ist oft ein derartiger, daß schwer eine Unterkunft zu finden ist. Die rege Bautätigkeit ist bestrebt, diesem Uebelstande entgegen« zütreten. Die Kurverwaltung, die alles Lob verdient, ist redlich bemüht, den gerechten Wünschen der Kurgäste freundlichst zu entsprechen. So hat sie den jüdischen Kurgästen einen größeren Raum zu Betzwecken überlassen, der als Tempel dient und täglich des Morgens und Abends benützt wird. Es weilen nicht weniger als 20 Rabbiner, viele Kantoren und Lehrer daselbst. Herr M. Smetana, „Hotel Morawia", hat eine koschere gute Küche bei mäßigen Preisen. Luhatschowitz ist überhaupt einer der billigsten Kurorte. Luhatschowitz, den 22. Juli 1907. Jos. Friedl, Oberlehrer aus Wien. Turna«. Am 20. d. M. feierte der Vizepräses unserer Gemeinde Herr Richard Nowak die Barmizwah seines Sohnes K o n r a d, welcher die Haftorah in vorzüglicher Weise vortrug. Aus diesem Anlasse spendete Herr Nowak nebst einem namhaften Betrag für unsere Wohlfahrtsanstalten einen neuen prächtigen silbernen Becher für den Kiddusch. Klattau. Die israelitische, mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehene hiesige Volksschule wurde im verflossenen Schuljahre von 70 Zöglingen besucht. An der Anstalt wirkten fünf Lehrkräfte und zwar die Herren: A. Baum, M. Berka, Dr. S. Bret, N. Grünwald und die Judustriallehrerin Frl. F. Popper. Die Leh: mittelsammlung und die Schülerbibliothek wurden auch im heurigen Jahre bedeutend verwehrt. Das nächste Schuljahr beginnt am 2. Septemper. Während desselben wird Herr Berka als Klassenlehrer in der Unter-, Herr Baum als solcher in der Oberklasse fungieren. Für die Unterbringung von Kostzöglingen wird bestens Sorge getragen. Inspiziert wurde die Anstalt im verflossenen Schuljahre von dem k. k. Bezirksschulinspektor Professor H. Marek, von dem Kultusvorsteher JUDr. I. Fleischer und von dem Ortsschulaufseher JUDr. I. Steiner. Die Resultate der Inspektion waren durchwegs sehr günstig. Colmar. Dem „Elf. Kurier" wird aus Hüningen berichtet: „Im Anschluß an die hiesige Gemeinderatsersatzwahl wurde der hiesige, erst kurz vorher gewählte Vorsteher der israelitischen Kirchengemeinde, Möbelhändler Bloch, von verschiedener Seite aufgefordert, sein Vorsteheramt niederzulegen, weil er bei der Ersatzwahl mit den Sozialdemokraten marschiert, bezw. ihr Programm anerkannt habe. Da sich die Unstimmigkeiten nicht ausglichen, erschien ein Regierungsvertreter, der die Mitglieder der israelitischen Gemeinde versammelte, um diese Angelegenheit zu regeln. Nach seiner Ansicht liegt kein Grund vor, Herrn Bloch zum Niederlegen seines Amtes zu drängen, da durch das Unterzeichnen des sozialdemokratischen Wahlprogramms nicht zugleich die Zugehörigkeit zur Partei dargetan sei. Der Stimmung in der Gemeinde Rechnung tragend, legte Herr Bloch dennoch sein Amt nieder." Basel. Kürzlich fanden hier die Wahlen für das Appellationsgericht statt. Dabei enthielten sich die Sozialdemokraten der Abstimmung; Liberale und Freisinnige hatten Listen aufgestellt, aber auf beiden Listen stand Dr. P. Wolf, ein Jude, der mit 3756 Stimmen aus der Urne hervorging. Dr. Wolf ist Syndikus der Lauque toueiörs du Jura und war bis jetzt im Nebenamt Zivilrichter. Er hat sich durch Herausgabe und Kommentierung des Schweiz. Bundesrechtes, das jüngst in zweiter Auflage erschienen ist, in der juristischen Welt einen bedeutenden Namen erworben. Das Amt, zu dem Dr. Wolf berufen worden ist, hat in Basel noch niemals ein Jude bekleidet. Düsseldorf. Herr Rabbiner Dr. Bäck, Oppeln, der die Berufung nach Pilsen abgelehnt hat, ist zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt worden und hat seine Bereitwilligkeit zur Annahme der Wahl erklärt. München. Herr Staatsanwalt Dr. W. Silberschmidt ist zum Oberlandesgerichtsrat in Zweybrücken ernannt worden. Stuttgart. Durch Verfügung des K. Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens vom 17. Juli d. I. ist das Rabbinat Göppingen dem Rabbiner Dr. Tänzer in Meran übertragen worden. Rom. Der Präsident des Appellgerichtes in Ancona, Professor M o r t a r a , ist zum Generalsekretär im Justizministerium ernannt worden. Feuilleton. Die Sabtmthbrecherin.*) Von Zwangwill. Endlich kam die Todesstunde der hundertjährigen polnischen Großmutter. Der Arzt meinte, daß sie kaum noch länger als eine Viertelstunde leben könne. Der Anfall war so plötzlich gekommen, daß keine Zeit blieb, ihre Enkel, die sie stets auszuschelten liebte, zu rufen. Das Schlimmste war bereits überstanden, sie lag nun ruhig und schien friedvoll hinüberzuschlummern. Die Wärterinnen, die alle Mühe und alle schlaflosen Nächte, die die zänkische Alte ihnen verursacht, vergesien hatten, beugten sich ängstlich und liebevoll über das Bett, in dem das zusammengeschrumpfte alte Weibchen lag. Sie wußten nicht, daß die Sterbende im Geiste noch einmal die große Episode ihres Lebens durchlebte. Vor etwa 40 Jahren, sie war damals schon beinahe 70 Jahre alt und längst Witwe, lebte sie in einem polnischen Dorfe, das ihr die Welt bedeutete. Da erhielt sie plötzlich einen Brief. Dies geschah an einem regnerischen Sommertage, am Sabbathabend. Er kam von ihrem Jungen — ihrem einzigen Sohne — der 37 Meilen von ihrem Orte entfernt ein ländliches Wirtshaus besaß, längst verheiratet war und Familie hatte. In fieberhafter Erregung öffnete sie den Brief sogleich. Ihr Sohn — ihr Kaddisch — war ihr Augapfel. Die alte Frau las den in hebräischer Sprache geschriebenen Brief von rechts nach links. Dann übermannte sie eine plötzliche Schwäche, sie fiel beinahe um. Wie zufällig stieß sie in den vier Seiten des Briefes auf eine Stelle, die ihr wie mit Blut geschrieben erschien. „Ich fühle mich in der letzten Zeit nicht recht wohl; das Wetter ist so furchtbar heiß und die Nächte find so feucht und neblig. Aber es ist nichts Ernstes, meine Verdauung ist nur gestört, das ist Alles." In dem Briefe lagen einige für sie bestimmte Rubel — sie fielen unbeachtet auf den Boden. Eine panische Furcht bemächtigte sich ihrer. Das Gerücht, das in jener Zeit schneller reiste, als die langsame Post, hatte schon die Nachricht gebracht, daß in dem von ihrem Sohne bewohnten Bezirk die Cholera aus gebrochen sei. Den ganzen Tag über war sie von einer bangen Ahnung gequält gewesen; dieser Brief bestätigte *) Aus der soeben im Verlag Siegfried Cronbach, Berlin, erschienenen hervorragenden Novität „Zwangwill, Tragödien des Ghetto", deutsch von Dr. Hans Heinz Ewers. Preis 5 Mark, gebunden 6 Mark.

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