Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 30 (26.7.1907)
- Date
- 1907-07-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Dr. Lwcb's MoevenscdrM. Seite 495 Nr. 30 großen Konkurrenz beim Suchen nach Arbeit; wir versuchen, die Auswanderer über die verschiedenen Gebiete der Vereinigten Staaten zu verteilen. Ein unter dem Namen Removal Office in New-Iork eingesetztes Komitee, dem wir alle erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen, hat bereits seit mehreren Jahren diese Aufgabe unternommen und erfüllt sie mit Erfolg: im Jahre 1901 hat es 1830, im Jahre 1902 3208, im Jahre 1903 552b, im Jahre 1904 6023, im Jahre 1905 6005 und im Jahre 1906 6922 aus New-Iork nach den Städten im Innern geleitet. Die Abreise derer, denen wir helfen, bestimmt viele andere, ohne Unterstützung fortzugehen und über eine beträchtliche Zahl von Orten zu verbreiten, wo bisher keine Juden wohnten." „Ich kann es mir nicht versagen, Ihre Aufmerksamkeit einige Augenblicke auf einen Punkt zu lenken, nämlich auf den unbestreitbaren Erfolg unseres landwirtschaftlichen Kolonisationswerkes, namentlich unseres ältesten Unternehmens, das sein Entstehen dem Begründer unserer Gesellschaft dankt, die Kolonisation in der Republik Argentinien. Sie wissen, wie groß die Schwierigkeiten im Anfang gewesen find. Die Kolonisten, welche mit dem Anbau von Getreide begonnen hatten, dem klimatische Zufälle, die Invasion von Heuschrecken Schwierigkeiten bereiteten, haben es verstanden, allmälig zu der Bodenkultur weniger dem Zufall unterworfene Wirtschaftszweige hinziHufügen: Vieh- und Geflügelzucht, Luzerner-Pflanzungen, Molkerei; außerdem haben sie auf Grund von Erfahrungen die Bebauung ihrer Felder verbessert. So ist heute ihre Situation fest begründet, ihr Leben gesichert. Bei allen Schwankungen und Zufälligkeiten des Ackerbaues ziehen sie aus ihrer Arbeit Einnahmen, die nicht nur für ihren Unterhalt ausreichen, sondern auch zur Rückzahlung ihrer Schulden an unsere Gesellschaft. Die Kolonie Mosesville bietet uns dafür in diesem Augenblick einen ergreifenden Beweis: die letzten beiden Jahre waren für den Getreidebau ungünstig, und die Nachrichten, die wir vor einigen Monaten, zur Zeit der Ernte, erhalten haben, lauteten sehr beunruhigend. Indessen dank der Verschiedenartigkeit der Wirtschaftszweige hatten die Kolonisten nicht nur zu leben, sondern sie konnten uns auch eine Jahresrate von ungefähr 110.000 Franks zurückzahlen. Dem materiellen Gedeihen entspricht die Entwicklung des sozialen Lebens; dasselbe ist geordnet genug, weil man einander versteht. Wir haben gleichgeartete Gruppierungen vorgenommen, was sicherlich unsere Aufgabe schwieriger gestaltete. In den Vereinigten Staaten hat man mit der gleichen Bevölkerung ein anderes System, die Anlegung vereinzelter Farmen, genauer ausgedrückt: solcher, die mitten unter der benachbarten Bevölkerung liegen, versucht; man sieht allmälig davon ab: die Erfahrung hat gezeigt, daß die Errichtung wirklicher Kolonien vorzuziehen ist." „In Palästina bessert sich die Situation der Kolonien, deren Begründer so vielgetan hat, um sie lebensfähig zu machen, ebenfalls. Das Land ist gut, der Boden fruchtbar; die Koloni st enhabengenugBodenund ausreichend Vieh st and erhalten, um ohne jegliche Unterstützung bestehen zu können. Wir haben die meisten unserer Beamten beseitigt; die Kolonien verwalten sich selbst, und die Kolonisten arbeiten fleißig. NurdasVerwaltungsregime des Landes, die Art der Steuererhebung halten den Fortschritt der Kolonisation auf." „Unsere Darlehenskassen in Galizien gedeihen in gleicher Weise wie in Rußland. Im Jahre 1906 haben sich ihnen 1890 neue Mitglieder angeschlossen, deren Zahl gegenwärtig insgesamt 8639 beträgt; andere Darlehenskassen werden in diesem Jahre entstehen." Aus den territorialiftischen Bewegung. Unter dem Titel „Jom tow in Gralveston“ telegraphiert der Korrespondent der Newyorker „Jewish Gazette" aus Galveston eine Schilderung der Ankunft des Dampfers „Cassel", d^r den ersten Trupp der „I. T. O."-Emigranten an Börd führte. „Die Landung der jüdischen Emigranten," sagt er, „wurde zum Feiertag nicht nur für die jüdische Bevölkerung der Stadt, sondern auch offiziell im Namen des Staates. Die Landung dieser Emigranten wird sicherlich einen Markstein in der Geschichte bilden gleich den anderen geschichtlichen Landungen in Amerika. Es ist das erste Mal, daß Juden in so großer Zahl in diesem Hafen landen, welcher der Schlüssel zum großen amerikanischen Westen ist. Und es ist also von großer Bedeutung für den Beginn einer mächtigen Bewegung. Der Anfang einer organisierten, jüdischen Emigration unter der Führung einer Organisation, welche ihre Fürsorge den Emigranten nicht nur auf der Reise bis zum Schiff und auf dem Schiff angedeihen läßt, sondern sie auch nach ihrer Landung unter ihren Fittigen behält, verdient das Interesse der ganzen jüdischen Welt. Der erste Transport, der durch das Emigrations- Departement der „Jto" ging, bestand aus 66 Männern, 6 Frauen und 15 Kindern, vornehmlich aus Kiew, Warschau und Poltawa. Der größte Teil hat ein Handwerk erlernt. Neun Berufe waren vertreten. Sofort nach der Ausschiffung wurden die Emigranten in die Hauptquartiere des Jüdischen Emigrations-Bureaus geleitet, wo sie von Mr. Waldmann und anderen Offiziellen empfangen wurden. Biele hervorragende Juden der Stadt kamen, die Wanderer willkommen zu heißen, Ihre Landung stand in krassem Gegensätze zu jener in Ellis Island, wo die Einwanderer so vielen Leiden und Drangsalierungen ausgesetzt find. Ohne Verzug und ohne Chikane konnten sie ans Land gehen. Die erste Begrüßungsansprache hielt der Bürgermeister, der dann weitere von anderen hohen Funktionären folgten und in welchen sie in herzlichster Weise ermuntert und ihnen die glänzende Zukunft geschildert wurde, die vor ihnen liegt. Mr. Cohen übersetzte die Reden ins Jiddisch. Die Wanderer schwelgten in Entzücken. Entsprechend ihrem Berufe werden die Emigranten nach verschiedenen Städte in Missouri, Iowa und Dakota weiterbefördert und in jeder einzelnen derselben von bereits gebildeten Komitees hervorragender Juden empfangen und betreut werden. Im Allgemeinen kann die Lage als sehr günstig bezeichnet werden, denn bedeutende, jüdische Persönlichkeiten strengen all ihre Kräfte an, um die Emigranten zu versorgen. * * Infolge eines Mißverständnisses sieht sich die „I. T. O." veranlaßt, festzufiellen, daß sie an dem Prozesse der Kolonialbank, die Statutenänderung betreffend, keinen wie immer gearteten Anteil hat. Die Herren Zangwill und Salamon, welche gegen die in Rede stehende Petition Einspruch erhoben, ergriffen ihre Maßnahmen einzig und allein als private Besitzer der zionistischen Shares. * * * Der Bericht eines amerikanischen Korrespondenten einer jüdischen Zeitung über ein Gespräch zwischen Zangwill und Deakin, in welchem Letzterer Herrn Zangwill über die Unmöglichkeit einer australischen Kolonisation informiert haben soll, entspricht nicht den Tatsachen. * * New-Iork. Das Zentralkomitee der Sozialisten-Territorialisten Amerikas hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, sämtliche sozialistische Territorialisten-Ausgaben Amerikas in einem gemeinsamen Verlag zu konzentrieren, und zwar unter dem Namen „Das Volk". Zu diesem Zwecke wurden zunächst 200 Aktien zu je 5 Dollar herausgegeben, wovon 50 Stück bereits gezeichnet und voll eingezahlt wurden. Die erste Nummer erscheint am 15. August. Bremen. Der „Norddeutsche Lloyd" erließ eine Mitteilung über die erste Gruppe jüdischer Emigranten, welche durch die „Jüdische Territorialistische Organisation" nach Galveston expediert wurden. Aus diesem Bericht entnehmen wir folgende Stellen: „Die Mehrzahl der Emigranten steht im blühenden Alter und machen einen vorzüglichen Eindruck. Die Verwaltung des „Lloyd" hat die Wünsche der Emigranten in entgegenkommendster Weise erfüllt und dem Schiffskapitän