Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 30 (26.7.1907)
- Date
- 1907-07-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 494 Dr. Llocb's Mocbenscbrttt. Nr. 30 Ein Teil der Vorstandsmitglieder g ib unverhohlen seiner Sympathie für Herrn Moisl und seiner Anschauungen Ausdruck. Schließlich wurde über den Antrag, Herrn Moisl aus dem Vereine auszuschließen, abgestimmt und der Antrag mit geringer Majorität angenommen. Der Kampf einer Frau ums Recht. Hochgeehrter Herr Redakteur! Sie würden mich sehr verbinden und meiner gerechten Sache gewiß einen großen Dienst erweisen, wenn Sie nachsichendes Ansuchen in Ihrem geschätzten Blatte veröffentlichen würden: Es ist den geehrten Lesern aus den öffentlichen Blättern bÄannt, daß ich im Jahre 1903 aus dem Postdienste als Postmeisterin ganz grundlos entlasten wurde, seit dieser Zeit kämpfe ich um mein gutes Recht. Bei der Ueberreichung der diesbezüglichen Klage war ich von der festen Ueberzeugung geleitet, daß meine Dienstentlaffung nach den Postvorschriften gesetz- . widrig war, weil die nötigen Voraussetzungen hiezu fehlten. Die die Nachzahlung meiner Dienstesbezüge beziehende Klage wurde jedoch in den beiden Instanzen zunächst aus formalen Gründen abgewiesen, ich war daher genötigt, den langwierigen und umständlichen Weg zum k. k. Obersten Gerichtshof zu beschreiten, bevor es mir gelungen ist, überhaupt eine meritorische Entscheidung über meinen Anspruch zu erhalten. Leider ist jedoch diese Revision meiner Anficht nach ungenügend überprüft worden und ist das Urteil in der ersten und zweiten Oberinstanz gegen mich ausgefallen; die Mangelhaftigkeit besteht nämlich darin, daß über den zweiten Teil meines Klagebegehrens auf Nachzahlung einer rückständigen Forderung vom Jahre 1902, die mit meiner Disziplinierung in keinen Zusammenhang stand und worüber die zwei ersten Instanzen gegen mich entschieden haben, vom Revisionsgerichte überhaupt keine Entscheidung getroffen worden ist. — Meine Dienstesentlaffung wurde wieder bestätigt, weil die beKen Ober- .gerichte von der Ansicht ausgingem daß es sich um eine Prüfung meines Gesundheitszustandes gehandelt habe, und ganz unberücksichtigt ließen, daß eigentlich eine Untersuchung meines Geisteszustandes beabsichtigt war, zu der allerdings nicht der geringste Grund Vorgelegen ist. — Aus dem Erlaß des Handelsministeriums vom 1. Dezember 1902 geht hervor, daß über mich vom Referenten der Prager Postdirektion beim Handelsministerium angegeben wurde, daß ich angeblich nicht normal bin — und wenn dies der Fall ist, wie konnte ich dann in Disziplinaruntersuchung gezogen und noch dazu entlassen werden? — Dies zu beurteilen, überlasse ich der Oeffentlichkeit. — Durch diese Entscheidung des k. k. Obersten Gerichtshofes bin ich aufs empfindlichste getroffen worden, denn nach meiner vieljährigen Verwendung im Post- und Telegraphendienste und außerstande, jetzt in meinem 53. Lebensjahre, und nachdem ich mein geerbtes Vermögen durch verschiedene Versetzungen und ungerechte Maßregelungen zugesetzt habe, und nachdem ich, so schwer verfolgt, aller Mittel entblößt bin, einen neuen Erwerb zu finden und zu suchen, soll ich nunmehr neuerlich der Not und dem Verderben preisgegeben sein. — Das alles nur deshalb, weil ich unbequem war. — Nach unsäglichen Entbehrungen, erbarmungslosen Kränkungen, gegenwärtig von der größten Not bedrängt und in Helle Verzweiflung getrieben, wende ich mich auf diesem Wege an edle Menschenfreunde mit der innigsten Bitte, mir mit kleinen Darlehensbeträgen zu Hilfe zu kommen. Ich beabsichtige, die Wiederaufnahme der Klage zu veranlassen, um eine Aenderung meiner trostlosen Lage herbeizuführen. Daher wiederhole ich meine Bitte an die geehrten Leser und Leserinnen: verlaffet mich nicht in dieserBedrängnis, helfet mir durch noch so kleine Gaben, die ich an einem späteren Zeitpunkt dankend zurückerstatten werde. — Dem Herrn Redakteur danke ich im vorhinein für die Veröffentlichung dieses Aufrufes und zeichne ergebenst Augustine Schleißner, gew. k. k. Postmeisterin d. Z. in Prag-Zizkow. Hußstraße 15, III. St. bei Fron Therese Pollak. Prag, den 20. Juli 1907 Juden als Schöffe« und Oeschwokrre in Sachsen. Das königl. sächsische Justizministerium hat dem Verbände der deutschen Juden auf seine Vorstellung vom 13. Juni 1907 mitgeteilt, daß folgender Erlaß am 21. Juni 1907 an die Königl. Sächsischen Amts- und Landgerichte ergangen ist: „In der letzten Zeit sind verschiedene Stände und Bevölkerungsklassen bei dem Justizministerium dagegen vorstellig geworden, daß sie bei der Wahl zu Schöffen und Geschwornen grundsätzlich nicht berücksichtigt würden. Wie schon in der Verordnung vom 7. Oktober 1905, I. M. Bl. S. 139, ausgesprochen worden ist, würde es mit dem Geiste des Gesetzes nicht in Einklang stehen, wenn weite Kreise, der Bevölkerung von dem Ehrenamt eines Schöffen oder Geschwornen ganz oder fast ganz ausgeschlossen bleiben. Maßgebend für die Auswahl ist die Bildung, die. Urteilsfähigkeit, die Ehrenhaftigkeit und der Wert der einzelnen Persönlichkeit. Liegen diese an die Schöffen und Geschwornen zu stellenden Erfordernisse vor, so dürfen — abgesehen von den gesetzlichen Ausschließungsgründen — keine Erwägungen platzgreifen, die ganze Stände und Bevölkerungsklassen grundsätzlich von dem Amte ausschalten. Wenn daher, wie geltend gemacht und von einem Amtsgericht bestätigt worden ist, die mittleren Postbeamten lediglich deshalb, um sie nicht ihren dienstlichen Obliegenheiten zu entziehen, von dem Amte eines Schöffen und Geschwornen ausgeschlossen worden sind, so würde dies in dem Gesetze keine Stütze finden. Trifft weiter die Behauptung zu, daß in einigen Bezirken ausnahmslos oder doch in der Regel keine Juden zum Schöffen- und Geschwornendienst berufen oder Juden zwar zu Geschwornen, niemals aber zu Schöffen erwählt worden seien, obwohl dort in größerer Zahl Juden vorhanden seien, die sich nach ihrem Bildungsgrad und sonst zu Schöffen und Geschwornen eigneten, so würde auch dies dem Gesetze zuwiderlaufen. Die Auswahl der Schöffen und Geschwornen steht zwar im freien Ermessen des Ausschusses und des Landgericbtcs (GBG. 8 42, 98); das Justizministerium glaubt jedoch die Gerichte auf die mehrfach ausgesprochenen Wünsche beteiligter Kreise aufmerksam machen zu sollen." Jewish Colonization Association („Jea"). Unter dem Vorsitz des Herrn Narcisse Leven hat kürzlich die Generalversammlung der Jewish Colonization Association in Paris stattgefunden. Dev Vorsitzende hielt eine Ansprache, ans der wir die wichtigsten Stellen wiedergeben: „Infolge der Unruhen, welche in Rußland stattsanden, und des Elends, das sie im Gefolge hatten, war die russische Emigrationsbewegung im Jahre 1906 ganz besonders stark. Die Vereinigten Staaten haben 186.089 Einwanderer ausgenommen. Zweifellos findet diese Zahl zum Teil ihre Erklärung in den traurigen russischen Geschehniffen; aber die Statistik zeigt, daß die Auswanderung nach diesem großen Lande während der letzten Jahre fortgesetzt gewachsen ist. Sie gibt allein für New-Iork folgende Ziffern: 38.565 im Jahre 1901, 57.641 im Jahre 1902, 63.560 im Jahre 1903, 104.870 im. Jahre 1904, 88.533 im Jahre 1905, 156.940 im Jahre 1906. Unsere Statistik für Kanada ist weniger genau, doch kann man die Zahl der Emigranten, die sich im Jahre 1906 dort niederließen, aus 9000 schätzen. Endlich beginnt, dank unserer Kolonien, die argentinische Republik, wohin bisher nur wenige Auswanderer ihren Weg nahmen, eine große Zahl unserer Glaubensgenossen aufzunehmen: im letzten Jahre sind 13.500 dort gelandet." „Bedenkt man, daß seit siebenunddreißig Jahren Verfolgung und Jammer die osteuropäischen Juden in Massen nach dem Westen treiben, so kann man sich nicht wundern, daß jetzt die Wege vorgezeichnet find, daß ein starker Storm flutet, daß die Bewegung fortdauert, ja sich von selbst vergrößert. Diese Bewegung ist zu gewaltig, zu umfangreich, als daß unsere Gesellschaft, daß irgend eine andere, sie mag über noch so großen Einfluß und noch so reiche Mittel verfügen, den Anspruch erheben könnte, sie in Händen zu behalten, zu organisieren, zu leiten. Natürlich soll damit keineswegs gesagt werden, daß wir nicht einzugreifen haben. Zunächst ist die Anhäufung der jüdischen Bevölkerung in den großen Landungshäfen, namentlich in New- Aork, nicht ohne Unzuträgjichkeiten, abgesehen von dvr altzu