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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-07-26 · 30 (26.7.1907) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
30 (26.7.1907)
Date
1907-07-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 30 Dr. Lwcb s MocbenscbrM. Seite 493 Rozwadow, Sadagora, Saffow, Sniakyn, Solotwina, Stanislau, Tarnow, Tysmienica, Zablotow, Zabno, Zborow, Zloczow; 22 Schulen sind höheren und 26 niederen Typus: 33 Schulgebäude sind Eigentum der Stiftung, an 15 Orten wurden Schulräume gemietet. Der Schulbesuch war im großen und ganzen befriedigend. Den Orten, in welchen nach wie vor wegen, konsequenter Ablehnung des Halbtagsunterrichtes die Frequenz insbesondere in den Nachmittagsstunden eine g ringe war, steht eine Reihe von Schulen gegenüber, in welchen mehr Schüler sich zur Aufnahme meldeten, als nach der Organisation der betreffenden Schule ausgenommen werden konnten. Welche Aenderung in den Anschauungen der Bevölkerung durch die Stiftungsschulen herbeigeführt wurde, ist auch aus dem Umstande zu ersehen, daß nunmehr alljährlich von mehreren Gemeinden und Korporationen unter Zusicherung der möglichsten Beitragsleistungen Bitten um Gründung von Schulen an das Kuratorium gelangen, welchen leider aus budgetären Gründen nicht entsprochen werden kann. Vielmehr sah sich das Kuratorium gezwungen, angesichts der finanziellen Lage der Stiftung, durch die die Ersetzung fehlender Lehrkräfte ausgeschlossen war, mit dem Schluß des Jahres 1905/1906 die Schule in Chrzanow aufzulassen. Diese Schule, welche ohnedies in vollständig unzulänglichen Räumen untergebracht war, ohne daß andere geeignete Lokalitäten gefunden werden konnten, wies im Verhältnis zur Bevölkerung und den die öffentliche Schule besuchenden Kindern eine so schwache Frequenz auf, daß es zweckmäßiger erschien, die dortigen Lehrkräfte zur Besetzung mehrerer dringlicher Apperturen zu verwenden. Von Seite des Kuratoriums wurde an den k. k. Landesschulrat in Lemberg und den Bezirksschulrat in Chrzanow rechtzeitig das Ersuchen gerichtet, die nötigen Verfügungen wegen Uebernahme der Stiftungsschüler in die öffentliche Schule zu treffen. Dem dort bestehenden Vereine „Malbisch Erumim" hat das Kuratorium zur Bekleidung dieser Kinder X 50, weiters 10 Lodenröcke und Winterhosen und 25 Sommeranzüge bewilligt. Dieser Schulauflassung werden im Hinblick auf die bedeutende Steigerung der Ausgaben und der Fruchtlosigkeit aller Bemühungen, die Subventiouseingänge zu vergrößern, noch andere folgen müssen. Trotz aller Anstrengungen.war das Kuratorium nicht in der Lage, selbst von größeren Gemeinden wesentliche Subventionen zu erlangen. Ja in mehreren Orten konnten nicht einmal die vertragsmäßig zugeficherten Subventionen einbringlich gemacht werden. Wohl wird das Kuratorium sich auch noch mit der Frage der Einhebung eines Schulgeldes beschäftigen, welche auch im Artikel VII der Statuten vorgesehen ist. Allein es ist nicht anzunehmen, daß hiedurch die finanzielle Situation eine wesentliche Besserung erfahren wird. Unter diesen Umständen konnte das Kuratorium auch nicht daran denken, an irgend einem Orte durch Aufführung von Schulbauten neuerliche Verpflichtungen einzugehen und sah deshalb auch von der Kontrahierung des von der verehrlichen Jewish Colonization Affoziation in Paris zur Verfügung gestellten Darlehens ab. Sind schon im Berichtsjahre trotz des Abganges einer ganzen Reihe von Lehrern, die nicht mehr ersetzt wurden, und ungeachtet mehrfach angeordneter Ersparungen infolge der im alten Regulativ vorgesehenen Gehaltserhöhungen, Quinquennalzulagen und Stabilisierungen die für das Konto Volksschule gemachten Auslagen von K 438.411*40 auf 454.828*11 gestiegen. so wird das in der Plenarsitzung des Kuratoriums vom 27. April 1906 genehmigte neue Regulativ ganz bedeutende von Jahr zu Jahr noch steigende Mehrkosten herbeiführen. Während bisher außer bei 25 Lehrern, für welche ein Grundgehalt von K 1400 vorgesehen war, der regelmäßige Höchstgehalt von Profanlehrern K 1200 betrug, wurden im neuen Regulativ Gehaltsstufen von X 1400, X 1600 und K 1800 eingeführt. ^et^ex§ erfuhren die Bezüge der Lehrerinnen und der Hebraischlehrer durchgehends eine wesentliche Erhöhung. Den schwierigen Verhältnissen, in welchen sich ein großer Teil der Lehrerschaft befindet, trug das Kuratorium dadurch Rechnung, daß es für solche Lehrer, welche eine große Familie zu erhalten hatten und durch Krankheit oder Todesfall in eine Notlage geraten waren, Unterstützungen in der Höhe von X 8775 bewilligte und, so weit es möglich war, Gehaltsvorschüsse gewährte. Neben den Auslagen für Volksschulen im Betrage von K 454.82811 wurden für Unterstützung der Kinder durch Verteilung von 31.275 neuen Büchern, 62.927 Heften, 18.461 sonstigen Schulrcquisiten X 9159.52 verausgabt. Aus den Mitteln der Jubiläums-Stiftung gelangten an die unsere Schulen besuchenden Kinder 131.184 Mittagmahle, 2063 Lodenröcke und Hosen, 3642 reparierte Mäntel, 1263 neue und 3759 vorgeschobene, zusammen 5022 Paar Stiefel, 2511 Sommeranzüge und 4740 Hemden mit einem Kostenaufwande von X 71.714 89 zur Verteilung. An Subventionen wurde, wie im Vorjahre, für die Schulen in Brody und Zablocie der Gesamtbetrag von X 10.850 bewilligt. Abendkurse. Die Zahl der im abgelaufenen Schuljahre abgehaltenen Abendkurse betrug 17, dieselben wurden von 769. Schülern besucht und von 48 Lehrern geleitet. Die Kosten dieses Unterrichtes betrugen X 3251. In diesen Abendkursen wurden einerseits Analphabeten, die das schulpflichtige Alter weit überschritten hatten, in den Volksschulgegenständen unterwiesen, andererseits wurden Knaben, die vor Erreichung des vollständigen L-hrzieles die Schule verlaffen hatten und bei Handwerkern oder Geschäftsleuten untergebracht waren, weiter unterrichtet. Auch Knaben und Männer, die die Kenntnis der Volksschulgegenstände hatten, wurden speziell in Gegenständen unterrichtet, die ihnen bei Ausübung ihres Berufes besonders von Wert waren, wie zum Beispiel Schlosser, Drechsler. Tischler im Zeichnen, Kommis im Rechnen usw. (Slchuß folgt.) Korrespondenzen. Die Präterierrrug israelitischer Magiftratsbeamter. Äm 16. d. M. fand im neuen Rathaus eine Vorstandsfitzung des Vereines der Beamten der Stadt Wien statt, in der auf Antrag des Vorstandsmitgliedes M o i s l der Beschluß gefaßt wurde, gegen die ungerechtfertigte Präterierung jüdischer Magistratsbeamter Einspruch zu erheben. Mit der Ausarbeitung einer diesbezüglichen Eingabe an den Stadtrat wurde der Antragsteller betraut. Gleich nach Bekanntwerden dieses Beschlusses wurde von den Beamten der Magistratsdirektion und des Gemeinderatspräfidiums eine lebhafte Agitation eingeleitet, um den Ausschluß des Ausschußmitgliedes Moisl aus dem Vereinsvorstand zu bewirken. Trotz aller Anstrengungen, bei denen man weder Drohungen noch sonstige Preffionen scheute, waren von den 2000 Vereinsmitgliedern kaum dreißig Beamte zu bewegen, den Ausschließungsbogen zu unterfertigen. Als die Direktionsbeamten die Fruchtlosigkeit ihres Bemühens erkannten, meldeten sie korporativ ihren Austritt aus dem Vereine an. Inzwischen wurden Anstrengungen gemacht, um den Beschluß zu annullieren. Dieser Beschluß des Vereines hat im Stadtrate und bei der Magistratsdirektion großes Aufsehen erregt, und es wurden von seiten der leitenden Persönlichkeiten Schritts eingeleitet, um diesen Beschluß aus der Welt zu schaffen. Diesen Tendenzen entsprechend, entschied denn auch eine für Mittwoch abends in das Rathaus einberufene Vorstandsversammlung des Vereines der Beamten der Stadt Wien. Herr Moisl sollte eventuell veranlaßt werden, seinen Antrag zurückzuziehen. Die Sitzung verlief unter lebhafter, zeitweiser stürmischer Debatte und gipfelte in dem Anträge, Herrn Moisl aus dem Vereine auszuschließen.

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