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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-07-26 · 30 (26.7.1907) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
30 (26.7.1907)
Date
1907-07-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 492 Dr. Mocb's Mocbenscbrirr. Nr. 30 Z«r Affimilatio«sfrage Geehrte Redaktion! Gestatten Sie mir, daß ich Ihre Frage in der Nachschrift zum Artikel des Prof. M. Steiner (Nr. 29), „ob und inwieweit die einzelne Volksgemeinschaft jüdische Assimilation oder Juden, die sich für assimiliert ausgeben, als richtige vollwertige Volksgenossen anzuerkennen geneigt find", beantworte. Ich knüpfe an Ihre Worte an: „Zur Assimilation gehöre» eben zwei Volkselemente mit der gleichen Bereitwilligkeit zu gegenseitiger Aufnahme und Verschmelzung; wenn auch nur einer der beiden Teile obstruiert, ist das Werk — trotz aller patriotischen Wünsche und geistreichen Argumente — gescheitert." Sie verstehen also unter Assimilation „gegenseitige Aufnahme und Verschmelzung", was meiner Ansicht nach ganz unrichtig ist. Afiimilieren (von dem lateinischen „similis", ähnlich) heißt nichts anderes als ähnlich machen oder ähnlich werden; Assimilation ist das Hauptwort davon, also etwa Anähueluug. Aehnlichkeit besteht in der Uebereinstimmung einzelner Elemente zweier Dinge, bei bleibender Verschiedenheit anderer. Bestünde volle Uebereinstimmung aller beiderseitigen Elemente, wäre dies nicht mehr Aehnlichkeit sondern Identität. Verschmelzung ist die — gleichgiltig ob naturgemäße oder künstlich erzeugte — Identität zweier Dinge, die, miteinander vermengt oder verschmolzen, nicht mehr voneinander zu unterscheide» fiud. Zur Verschmelzung gehört zweifellos die „gleiche Bereitwilligkeit zweier Elemente zu gegenseitiger Aufnahme und Verschmelzung". Dies ist bei beiderseits identischen Elementen von selbst der Fall. Anders verhält sich aber die Sache bei der Anähnelung. Diese hängt nicht von der Bereitwilligkeit beider Dinge, sondern einzig und allein von der Bereitwilligkeit des einen Dinges, dem andern ähnlich zu werden, ab. Mag das Musterding sich noch so dagegen sträuben, es kann nicht verhindern, daß ein anderes Ding, welches die Fähigkeit dazu besitzt, sich ihm anähnelt, assimiliert. Trotz Aehnlichkeit behalten beide Dinge, Muster und Kopie, ihre wesentlichen Eigenschaften bei. Wir Juden haben stets die hervorragende Fähigkeit beseffen, uns fremden Völkern anzuschmiegen, zu afiimilieren. Wir waren mit Abraham den Babyloniern, vielleicht früher den Sumero-Akkadern, mit Moses den Egyptern, später wieder den Babyloniern, sodann den Assyriern, Persern Griechen und Römern afiimiliert. Wir assimilierten uns im Mittelalter den Arabern, Spaniern und Deutschen. In neuerer und neuester Zeit assimilierten wir uns den ausgeprägten europäischen Nationen, den Franzosen, Italienern, Engländern, Polen, Ungarn, Tschechen, ja selbst den Russen und Rumänen. Das Ethische bei unserer Art der Assimilation besteht darin, daß wir mit der Aehnlichkeit freiwillig und sogar mit Eifer, oft mit Uebereifer die Pflicht auf uns nehmen, für die Kultur und Rechte der Musternation einzutreten, ohne Rücksicht darauf, ob die Musternation unsere Mitarbeiterschaft akzeptiert oder nicht, ja trotzdem unsere Mitarbeiterschaft oftmals grausam zurückgewiesen wird. Insoweit daher von Assimilation die Rede ist, find wir Juden, alle, ohne Unterschied der Kulturstufe, assimiliert. Der Unterschied in der Kulturstufe der Juden ist nicht in ihnen sondern in den Musteruationen zu suchen, daher jedes Volk jene Juden hat, die es verdient. Insoweit ferner die Nation oder Nationalität in gewissen charakteristischen Merkmalen besteht, wodurch sich Menschengruppen von einander unterscheiden und die Juden eben diese unterscheidenden Merkmale akzeptieren, um den Völkern ähnlich zu werden, gehören wir eben den verschiedenen Nationen und Nationalitäten an, denen wir uns assimilierten. Wir find also, ohne aufzuhören Juden zu sein, ebenso gute Deutsche, Franzosen, Italiener, Engländer, Polen, Ungarn usw. wie jene Nichtjuden, die sich so nennen. Wohl läßt ein großer Teil der letzteren uns nicht als gleichwertig gelten, dies beweist jedoch nur, daß das Prinzip der Gleichberechtigung noch nicht Zeit gehabt hat, in die Tiefe des Volkes zu dringen. Gleichwertigkeit ist übrigens ein sehr relativer Begriff. Es kann einst eine Zeit kommen, in welcher die Völker es sich als Ehre anrechnen werden, Juden zu ihren Mitbürgern zählen zu dürfen Ich fürchte und ahne, daß alle diese Argumente den Weg aller anderen „geistreichen Argumente", den Weg der Vergessenheit, wandern werden. Dann aber erlaube ich mir noch eine Frage: Welches Interesse kann das Judentum daran haben, jene Juden, welche ein (nicht jüdisch) nationales Ideal liebgewonnen haben, diesem Ideale zu entfremden? Und schließe daran gleich die weitere Frage: Welchen Ersatz bietet es für diese Entfremdung? Ich höre die Antwort: das Judentum, unsere altehrwürdige Religion! Ich antworte darauf: Judentum, Religion ist unsere Vergangenheit, nationales Ideal ist die Zukunft. Wer uns dieses Ideal nimmt, nimmt uns die Zukunft. Nicht lange nach Sinai, als die göttliche Offenbarung noch frisch im Gedächtnisse der Generation war, riefen unsere Väter nach einem König und er mußte ihnen gegeben werden. Der König, das war das Ideal. Und auch wir müssen ein außerhalb der Religion gelegenes Ideal haben. Dieses Ideal mit dem Judentume in Einklang zu bringen, das sollte das wahre Interesse des Jutentums sein. Wadowice, 23. Juli 1907. Hochachtungsvoll Dr. Isidor Daniel, Advokat in Wadowice. Kericht de» Kuratorrums der Karo« Kirsch-Stiftung zur Beförderung des Bolksschulunterrichtes im Königreiche Galizien und Lodomerien mit dem Großherzogtume Krakau und im Herzogtuwe Bukowina für die Zeit vom 1. September 1905 bis -31. August 1906. Die Stiftungen des verewigten Baron Hirsch und seiner edlen Gattin Klara veröffentlichen nachstehende Berichte, die wir auszugsweise wiedergeben, wodurch ein schwaches Bild des großen Werkes der geistigen und wirtschaftlichen Hebung des jüdischen Volkes geschaffen werden soll, das die beiden Stiftungen leisten. Volksschulen. Im abgelaufenen Schuljahre wurden in den 48 Schulen der Baron Hirsch-Stiftung von 196 Lehrpersonen, und zwar 160 Lehrpersonen für die Volksschulgegenstände und 36 Lehrpersonen für das Hebräische, in 166 Klassen 7675 Schüler unterrichtet. Ueberdies wurden die Lehrer angewiesen, außer den gewöhnlichen Unterrichtsgegenständen in schulfreier Zeit dem Unterrichte in Handfertigkeit (8I8jä), sowie der Pflege der Jugendspiele, dem Turnunterrichte und der Veranstaltung von Ausflügen ihre vollste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die im Handfertigkeitsunterrichte erzielten Resultate sind allerdings noch .nicht besonders befriedigend. Im ganzen erteilten 7 Lehrer an 7 Schulen in 12 Abteilungen Unterricht in Handfertigkeit, an dem insgesamt 116 Schüler teilnahmen. Am Turnunterrichte nahmen 4858 Knaben, an den Jugendspielen 4636, bei Veranstaltung von Ausflügen 3300 Knaben teil. Die Tätigkeit der Lehrer und ihre Leistungen wurden sowohl seitens der staatlichen Funktionäre (k. k. Landesschulinspektor, Bezirksschulinspektor, Ortsschulrat), wie seitens der durch, die Stiftung bestellten Kreisschulinspektoren überwacht und lauteten die Berichte auch in diesem Jahre zur großen Befriedigung des Kuratoriums in überwiegender Mehrzahl außerordentlich günstig. Die Zahl der Schulen, welchen seitens des hohen k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht das Oeffentlichkeitsrecht verliehen wurde, ist im Berichtsjahre gleich geblieben. Mit dem Oeffentlichkeitsrechte ausgestattet waren die Schulen in Bohorodczany, Bojan, Boryslaw, Bürsztyn, Chrzanow, Dabrowa, Delatyn, Gliniany, Gologory, Gwozdziec, Jezierna, Kolomea, Mielec, Monasterzyska, Obertyn, Ottynia, Rawa ruska,

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