Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 29 (19.7.1907)
- Date
- 1907-07-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 29 Dr. Lwcv's Mocdenscvrm. Seite 481 Handel und Verkehr in Tunis gewidmet und darüber sogar ein in Fachkreisen sehr belobtes Werkchen geschrieben und dadurch die Aufmerksamkeit offizieller Kreise von Tunis auf sich gelenkt. Gelegentlich der im vergangenen Jahre 1906 in Marseille stattgehabten Internationalen Kolonien-Weltausstellung war Herr Soma Richard Bak in der Lage, fich um Handel, Verkehr und Industrie in Tunis noch weitere Verdienste zu erwerben und wurde dafür vom Bey von Tunis mit dem zweithöchsten Orden, nämlich mit dem Offiziers-Kreuz des Nishan-Jftikan- Ordens ausgezeichnet. Bemerkt sei noch, daß fich Herr Soma Richard Bak gegenwärtig in New-Iork befindet, um den amerikanischen Fettwarenhandel an Ort und Stelle zu studieren. Israelitischer Humanitätsverein zur Ausstattung heiratsfähiger Mädchen Wien, H., Große Sperlgasse 34. Gar vielen armen Bräuten wird der Brautstand zur Quelle der Sorgen und der Pein, da sie, obwohl dem Ziele anscheinend so nahe, es doch nicht erreichen können, weil sie arm, meist auch verwaist und es ihnen an allen Mitteln gebricht» eine auch nur ganz bescheidene Ausstattung zu beschaffen. — Da haben fich nun edel denkende und warmfühlende Menschen gefunden, die den Israelitischen Humanitätsverein zur Ausstattung heiratsfähiger Mädchen ins Leben riefen, der sichs zur Aufgabe gestellt, heiratsfähigen, armen Mädchen oder deren Eltern zur Erreichung einer Ausstattung behilflich zu sein. — Der Verein besteht seit Februar d. I., zählt aber schon 500 wirkliche Mitglieder, sowie 800 unterstützende Mitglieder aus den vornehmsten Kreisen, und wäre diesem Vereine in seinem humanitären Wirken voller Erfolg zu wünschen. — Im Dezember d. I. werden schon die ersten Bräute ausgestattet. — Mitgliedsbeitrag für wirkliche Mitglieder K 2.— per Jahr. Der Sitz des Vereines ist II., Große Sperlgasse 34, woselbst auch täglich von 7 bis 9 Uhr Abends Einschreibungen stattfinden. Als Präsident fungiert Herr I. Gelber, als Schriftführer Herr M. K o s e l. Karl Thorsch. In Prag ist der gewesene Bankier Herr Karl Thorsch im 62. Lebensjahre verschieden. Der Verblichene genoß in der Finanzwelt hohes Ansehen und war ob seiner vornehmen Gesinnung und seiner großen Charaktertugenden allgemein geachtet und geschätzt. Thorsch wurde im Jahre 1846 in Prag geboren und trat mit 16 Jahren in die Firma M. Thorsch Söhne ein. Als die Chefs derselben im Jahre 1870 nach Wien übersiedelten, wurde Karl Thorsch Einzelprokurist in Prag. 1892 wurde die Prager Niederlaffung in eine Kommanditgesellschaft „Thorsch & Co." umgewandelt und der Verblichene wurde ihr Chef. 1905 zog fich Thorsch aus Gesundheitsrücksichten ins Privatleben zurück und die Firma wurde von der Filiale der Kreditanstalt übernommen. Der Heimgegangene erwarb sich große Verdienste um den österreichischen Export, begleitete durch 23 Jahre die Stelle eines Börserates, war bis 1905 Mitglied des Zuckerexportvereines, ferner Mitglied der Personal-Einkommensteuerschätzungskommission, Verwaltungsrat der Prag-Duxer Eisenbahn- Gesellschaft und der Falkenau-Egerer Bergbau-Gesellschaft, in früherer Zeit auch Verwaltungsrat der Elbeschiffahrts-Gesellschaft „Kette", der Smichower Mewllwarenindustrie und der Slibowitzer Zuckerfabrik. Karl Thors ch^alt auch als eifriger Förderer des Deutschtums. Ein Vierteljahrhundert lang war er Direktionsmitglied des deutschen Kasinos, an dessen Gründung er teilgenommen, Ausschußmitglied des Schulerhaltungsvereines und Schulpfeunigvereines, sowie Mitglied nahezu sämtlicher humanitärer und nationaler Vereine. Dem hohen Ansehen, das der Verblichene in der Finanzwelt und in der Gesellschaft genossen, entsprach die trotz der vorgerückten Jahreszeit ungewöhnlich zahlreiche Beteiligung von Trauergästen aus den ersten Kreisen der Prager Bevölkerung an dem Leichenbegängnis. Groß ' war die Zahl der Korporationen und Vereine, die sich an dem Leichenbegängnisse beteiligten : man sah das Präsidium der Börse mit mehreren Börseräten, eine Abordnung der Perfonaleinkommensteuer-Kommission, Verwaltungsräte der Prag-Duxer Eisenbahngesellschaft und der Falkenau-Egerer Bergbaugesellschast, sowie der Elbeschiffahrts-Gesellschaft „Kette", der Smichower Metallwarenindustrie und der Slibowitzer Zuckerfabrik, eine Deputation des Zuckerexportvereines, Direktionsmitglieder des deutschen Kasinos mit dem Präsidenten Herrn Otto F o r ch h e i m e r, die Gesamtvorstände des Schulerhaltungsvereines und des Schulpfennigvereines, der in einer Ausschußfitzung eine Trauerkundgebung für sein verstorbenes Ehrenmitglied veranstaltet hatte, und Deputationen fast sämtlicher deutscher natim aler und humanitärer Vereine, die zumeist auch prachtvolle Kranzspenden am Sarge ihres hochverehrten Vorstands-, Ehren- oder wirkenden Mitgliedes niedergelegt hatten. In dem imposanten Kondukte bemerkte man überdies folgende Persönlichkeiten: die Rabbiner Prof. Dr. Kisch, Dr. Deutsch, Dr. Grün mit vielen Rabbinern der Vororte im Ornate, den Präses der isr. Kultusgemeinde Dr. Rosenbacher mit dem Vizepräses Dr. Bendiener, die Hofräte Prof. Dr. Krasnopolski und Generaldirektor Dr. Böhm. Prof. Dr. Goldschmidt, Abgeordneten Sobitschka, den Präsidenten des Verwaltungsrates der Unioubank Kahler, Direktor der Landesbank Prochazka, Direktor Lechner. Dir. Hafenbrädl, Direktor Oberbaurat Dr. Kamill L u d w i k, sowie die Direktoren fast sämtlicher hiesiger Bankinstitute und industrieller Unternehmungen, Dr. Baron Wolf-Z d e k a n e r, die Großindustriellen Kommerzialrat Emanuel Grab, Kommerzialrat E l b o g e n und Dr. E l b o g e n, kais. Rat Falkowicz, Kommerzialrat Waldek, Dr. Kiemann, Dr. v. Ottenburg, viele Advokaten, Aerzte, Dozenten und eine große Zahl von Damen aus der besten Gesellschaft. Nachdem der Tempelchor einen Choral gesungen hatte, wurde der Sarg in den vierspännigen. mit prachtvollen Kränzen bedeckten Galaleichenwagen gehoben. Die Beerdigung erfolgte auf dem neuen israel. Friedhofe in Straschnitz. Sissek. Unserem alten, ehrwürdigen Präsidenten, Stadtphyfikus Herrn Dr. H. Fürst, ist von Sr. Majestät das goldene Verdien st kreuz mit der Krone verliehen worden. In Herrn Dr. F ü r st ist einer der besten Juden Kroatiens von der königlichen Gnade ausgezeichnet worden. Seit einem Menschenalter steht Herr Dr. Fürst in unermüdlicher und uneigennütziger Tätigkeit im Dienste des öffentlichen Lebens. Die sanitären Errungenschaften und Einrichtungen unserer Stadt, ihre humanitären Bestrebungen und Betätigungen find vielfach auf Initiative des Herrn Dr. Fürst entstanden. Zu allen Zeiten seines Wirkens und Schaffens hat Herr Dr. Fürst die Fahne des Judentums hochgehalten. In feierlicher Weise und mit einer begeisterten Ansprache überreichte der Bürgermeister unserer Stadt im Beisein aller Stadträte dem Jubilar den königlichen Orden. Hierauf begab fich der Kultusausschuß in eorpore in die Wohnung des Jubilars, um ihm im Namen der Kultusgemeinde die Glückwünsche darzubringen. Mit beredten Worten schilderte Stellvertreter-Vorsitzender Herr Jacques R eiß die Verdienste des Jubilars um den Ausbau unserer Gemeinde- Institutionen. Im Namen des Rabbinats, der Kultusbeamten und der Religionsschule sprach Rabbiner Dr. Heiß. In Vertretung des Frauenvereines sprach deffen Präsidentin Frau Ernestine Rosenberg. Zahlreiche Gratulations-Depeschen und Schreiben find dem Jubilar von Nah und Fern zugegangen. Möge er noch viele Jahre an der Seite seiner edlen Gattin zum Wähle und Heile der leidenden Menschheit und zum Fortschritt und Gedeihen unserer Gemeinde wirken und schaffen. Stanislau. Seitens des hiesigen Kultusrates wurde der Hebraist Herr Alexander Wittels zum unbesoldeten Inspektor des jüdischen Religionsunterrichtes an den hiesigen Volks- und Bürgerschulen ernannt, welche Ernennung der k. k. Landesschulrat auch bestätigte. Herr Wittels ist einer der gediegensten Kenner der hebräischen Sprache und jüdischen Religionsgeschichte; seine Wahl ist zweifellos eine recht glückliche. Karlstadt. (Adelsverleihung.) Se. k. u. k. apost. Majestät hat mittelst allerhöchster Entschließung vom 22. v. M. dem Großhändler und Fabriksbefitzer Wilhelm Reiner in Karlstadt und deffen gesetzlichen Nachkommen in Anerkennung seiner Verdienste auf nationalökonomischem und humanitärem Gebiete den ungarischen Adel mit dem Prädikate „de Ba ni ja" allergnädigst zu verleihen geruht. Die Familie Reiner zählt zu den angesehensten in Kroatien. Herrn Wilh. Reiner wurden, wie wir bereits gemeldet haben, aus Anlaß seines 25jährigen Jubiläums als Präsident des I. kroatischen Gesangvereines sowohl von Seite des Militärs als Zivils große Ovationen dargebracht. Ein Bruder, Herr Dr. Batroslav Reiner, Advokat, ist im vorigen Jahre zum ersten Bizebürgermeister der Stadt Karlstadt gewählt worden und ist schon durch lange Zeit Vorstand der hiesigen Kultusgemeinde. Breslau. Dem Oberlehrer Dr. Otto Rubensohn wurde der Rote Adlerorden 4. Klaffe verliehen. Herr Dr. Rubensohn, der bis jetzt im Aufträge der Generalverwaltung der Königlichen Museen zu Studienreisen in Egypten beurlaubt war, ist am 1. April 1906 zum Königlichen Oberlehrer ernannt worden. Die Ordensverleihung ist umso ehrenvoller, als er, abgesehen von zwei Herren, die als Erzieher königlicher Prinzen tätig waren, der an Lebensalter jüngste preußische Oberlehrer ist, der diesen Orden besitzt. Berlin. Die Akademie der Wiffenschaften hat die in diesem Jahre zum erstenmale verliehene goldene Leibniz-Medaille für Verdienste um die Wiffenschaft Herrn James Simon zuerkannt. 1.:' | ■t .? ■ f' ■