Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 29 (19.7.1907)
- Date
- 1907-07-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 480 Dr. Blocb’s MocbenscdrlN. Nr. 29 400 Kilo Baumwolle geerntet, welche, nach Liverpool verschickt, daselbst als von vorzüglicher Qualität befunden und zu sieben Pence per Pfund verkauft wurde. Dieser Erfolg hat mehrere jüdische Bauern ermutigt, gleichfalls Baumwolle zu pflanzen, mit deren Kultur sich dem Ausbau und dem Gedeihen der Kolonisation Palästinas verheißungsvolle Perspektiven eröffnen. Menschenfreunde. Tyczyn. Das Städtchen Blazowa, ein fast durchwegs von Juden bewohnter Ort. siel einer verheerenden Feuersbrunst zum Opfer, die in kurzer Zeit das Städtchen dem Erdboden gleichmachte, einen einzigen Trümmerhaufen hinter sich lassend. Neben einigen christlichen Familien wurden 200 jüdische Familien ihres Heims und ihrer Habe beraubt und es blieb ihnen nichts anderes übrig, als im Freien zu kampieren und von der Mildtätigkeit guter Menschen zu leben. In diesen furchtbaren Stunden der Not und Verzweiflung lernten die Blazower Juden die Hochherzigkeit und den Edelmut des hochwürdigen Kanonikus Pater Kwiütkowski kennen und schätzen, der seine ganze große Wohnung in der Pfarre — dem einzigen Gebäude, das der Wut der Elemente entrissen werden konnte — den armen Abbrändlern zur Verfügung stellte und, seiner kostbaren Wohnungseinrichtung nicht achtend, die Eltern der zahlreichen Kinder ersuchte, ihre Kinder nicht zu schelten, wenn sie sich mit kindlicher Rücksichtslosigkeit in der schönen Wohnung breitmächen. Rührend und erhebend zugleich war es, wie der greise Priester sich um die Armen bemühte und ihnen helfend und trostspendend zur Seite stand. Auch Seiner Durchlaucht des Fürsten Radziwill, des Besitzers von Tyczyn, sei bei dieser Gelegenheit gedacht, der sich persönlich an die Spitze der Löschaktion ' stellte und die anstrengendsten Arbeiten verrichtete, um das Unglück nicht noch größer werden zu laffen. Fürst Radziwill beteiligte sich auch in hervorragendster und munifizentester Weise an der Hilfsaktion und beteilte die armen Opfer mit Brot und Fleisch so lange, bis auch vou Seiten der Behörden in die Hilfsaktion eingegriffen wurde. NaftaliBardach. Aus der territorialiftischen Bewegung. Wilna. Die hiesigen Territorialisten haben hier eine Maffenversammlung veranstaltet, in welcher einer der Führer der Sozialisten-Territorialisten Rußlands, Herr Dr. S Y r k i n, eine groß angelegte Rede über „Zionismus und Territorialismus" hielt. Die vortrefflichen Ausführungen des Referenten wurden von einer vieltausendköpfigen Zuhörerschaft mit großem Beifall, ausgenommen und haben dem Territorialiftischen Verein in Wilna eine stattliche Anzahl neuer Mitglieder zugeführt. Ekaterinoslav. Hier haben die Territorialisten ihre erste Generalversammlung abgehalten. Nach dem geschäftlichen Teil hat sich die Versammlung mit Programmftagen anläßlich der bevorstehenden allrussischen „Jto"-Konferenz befaßt. Der Rechenschaftsbericht konstatiert ein stetiges Anwachsen der hiesigen Gruppe. Odessa. Am 2. d. M. haben die hiesigen Territorialisten im neuen Tempel eine Gedächtnisfeier zum Andenken Theodor H e r z l s veranstaltet. Der Tempel war überfüllt. Auch in allen anderen Städten Rußlands haben die Territorialisten Gedächtnisfeiern für Dr. Herzl veranstaltet. — Die Nummer 25 des „Jewreiske Golos", des Organs der russischen Territorialisten, enthält vier ausgezeichnete Artikel, in welchen die Bedeutung Theodor HeiHls für das Judentum gefeiert wird. Darunter befindet sich auch eine Skizze Israel Zangwills, betitelt „Die große Tragödie", in welcher gleichfalls Herzl als Judeustaatler und als Begründer der territorialen Lösung der Judenftage verherrlicht wird. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischairr Wien I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. Jakob Klein: Von Direktor S. Koller K 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Siegfried Fischer: Von Max Baß K. 10.-, Josef Sommer 6.—, Arthur Steiner 5.—, Karl Sommer 5.—, Emil Steiner K 5.—. Zusammen K 30.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Simon Singer: Von Jakob Theumann K 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Moriz Ger st l: Von Emanuel Adler K 20.—. Krauzablösnngsspeuden zugunsten der „Chewra-Kadischa" im XVI. und XVII. Bezirk. Anläßlich des Ablebens der Frau Therese v. Leon von Herrn David Fanto, I., Teinfaltstraße 2, X 40; von Herrn Theodor Ritter v. T a u f s i g junior K 40.—; von Herrn Richard Wiener K 25. Wien. Aus Anlaß von Aufrufen in öffentlichen Blättern kommen mir wiederholt Beschwerden über das Verhalten des Kultusvorstandes zu, über welche ich, wenn sie sich in den Mantel der Anonymität hüllen, den Beschwerdeführern die geeignete Auskunft zu erteilen nicht in der Lage bin; so beispielsweise ereignet es sich hie und da, daß sehr alte, bedürftige Leute die ihnen angebotene Aufnahme in das Versorgungs- oder Siechenhaus ablehnen und die Gewährung einer zeitweisen oder periodischen Unterstützung seitens der Gemeinde vorziehen, und so liegt auch die Sache in einem kürzlich vorgekommenen Falle, bezüglich dessen mehrfache Beschwerden anonym an mich gerichtet wurden. Der Präsident: Dr. Alfred Stern. Wien. Am 29. Juni d. I. feierte das Ehepaar Moritz und Rosa Popper in Hietzing unter allgemeiner Teilnahme aller Kreise der Bevölkerung das Fest der goldenen Hochzeit; schon zeitlich früh begann die Gratulation aller Freunde, Bekannten, Korporationen, Vereine rc., die kaum enden wollte. Der Vorstand des Bethauses von Hietzing holte das Ehepaar zu dem festlich dekorierten Tempel ab, woselbst ein feierlicher Gottesdienst das Fest verschönerte. Die Wohnung glich einem wahren Blumenhain, in welchem auch die kostbarsten Geschenke ausgestellt waren. Abends versammelten sich bei 100 Personen des intimsten Familienkreises zu einem Bankett; unter den nicht endenwollenden Toasten bildete den Glanzpunkt jener vom Sohne Herrn kaiserl. Rat Isidor Popper gesprochene Beachtung. Es fand sodann eine Theatervorstellung und eine Tanzbelustigung statt. Erst um 3 Uhr fand das schöne Fest seinen Abschluß. Wien. (Verlobung.) Fräulein Elsa Wagner, Tochter des Herrn Moriz Wagner, Firma L. Wagner und Sohn, hat sich mit Herrn Dr. Julius Neufeld verlobt. Wien. (D i e n st j u b i l ä u m.) Herr Viktor Klein feierte diese Woche sein 25jähriges Dienstjubiläum als Tempeldiener und Inkassant des israelitischen Tempelvereines für Wieden und Margarethen. Der Jubilar, der sich infolge seines stets pflichtgetreuen und ehrlichen Strebens der Achtung und Wertschätzung seines Vereinsvorstandes erfreut, wurde von diesem durch Ueberreichung eines Ehrengeschenkes und eines Anerkennungsschreibens an seinem Ehrentage ausgezeichnet. Wien. (Auszeichnung eines jungen Wieners im Auslande.) Einem jungen Wiener wurde im Auslande eine hohe Auszeichnung zuteil. Es handelt sich um Herrn Soma Richard B a k, Sohn unseres Mitbürgers Herrn Philipp B a k, Chefs der Fettwaren-Firma Brüder Bak. Herr Soma Richard Bak, welcher seinerzeit mit Vorzug maturierte, dann sein Freiwilligen-Jahr in der k. u. k. Artillerie in lobenswerter Weise absolvierte, ging vor vier Jahren als 19- bis 20jähriger junger Mann zur geschäftlichen Ausbildung nach Marseille. In kaum drei Jahren hat es der junge Mann in einer der ältesten, angesehensten und größten Oelfabriken Marseilles vom Volontär zum Sekretär gebracht. Inmitten seiner geschäftlichen Tätigkeit hat sich der junge Mann ausgedehnten Studien über