Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 29 (19.7.1907)
- Date
- 1907-07-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 29 Wr. Vlocix s Woltzenscyrift. Seite 4?9 allen das Kindesalter betreffenden Todesursachen. Es find dies Masern, Keuchhusten Diphteritis, Syphilis, akute Bronchitis, Durchfall und Darmkatarrh der Kinder sowie Lebensschwäche. Damit ist aber erst etwas mehr als der dritte Teil der Mindersterblichkeit der Juden erklärt. Am ausschlaggebendsten für die Mindersterblichkeit der Juden ist die Tuberkulosesterblichkeit. Diese ist bei den Juden am geringsten, mag es sich um welche Form oder Lokalisation der Tuberkulose immer handeln, sei es um Lungentuberkulose, zu der die Erwachsenen das Hauptkontingent stellen, sei es um Gehirn- oder Gehirnhauttuberkulose, an der die Kinder am meisten beteiligt find. Schon der Umstand, dass auch die im Kindesalter häufigen Formen der Tuberkulose bei den Juden eine geringere Frequenz aufweisen, spricht dafür, daß wir es mit einem tatsächlich selteneren Vorkommen der Tuberkulose bei den Juden zu tun haben. Ferner find „Erkältungskrankheiten" bei den Juden seltener. Hierher gehört der akute Gelenksrheumatismus. Da dieser zumeist Ursache der organischen Herzkrankheiten ist, begreifen wir auch deren Seltenheit bei den Juden. Die organischen Krankheiten des Herzens verhalten sich bei den Juden und Evangelischen anders als bei den Katholiken, bei denen sie das weibliche Geschlecht weit stärker als das männliche heimsuchen. Seltenheit der Herzfehler bedingt wiederum Seltenheit von Blutandrang zum Gehirn, Gchirnschlagfluß usw. Zum Teil hängen einige der bisher genannten Krankheiten mit der Beschäftigung zusammen. So zum Beispiel Lungentuberkulose, Bronchialkatarrh, Gelenksrheumatismus, Lungenentzündung. Hierher gehören auch die sonstigen gewaltsamen Todesarten, insofern in ihnen die Betriebsunfälle enthalten find. Bemerkenswert ist die geringere Sterblichkeit der Jüdinnen an Krankheiten im Wochenbette, insbesondere infektiöser Natur. Um so bemerkenswerter, als Neubildungen der weiblichen Geschlechtsorgane bei den Jüdinnen doppelt so häufig als bei den Christinnen sind. Unter den bei den Juden üblichen Todesursachen ist Altersschwäche am häufigsten. Dementsprechend können wir auch ein häufigeres Vorkommen aller jener Todesursachen erwarten, die erst oder wenigstens zumeist im vorgerückten Alter zur Beobachtung kommen: Krebse und bösartige Neubildungen, Gehirnblutung, Arterienverkalkung, Emphysem und die Erkrankungen der Prostata und viele Blasenkatarrhe. Interessant ist, daß auch bei den Juden die Sterblichkeit mit zunehmendem Wohlhabenheitsgrad ihres Wohnbezirkes sich vermindert, daß jedoch bei ihnen die Sterblichkeitsschwankungen nach Bezirken am geringsten sind und mit abnehmendem Wohlhabenheitsgrad des Wohnbezirkes sich immer mehr von der Sterblichkeit der Katholiken entfernt. Der Grund für die geringe Sterblichkeit der Juden dürfte nach Rosenfeld im wesentlichen auf bessere Pflege und Ernährung der Kinder, auf allgemein unter ihnen besser ausgebildeten Familiensinn, der häufig die günstigen Folgen der Wohlhabenheit für die Erhaltung der Gesundheit zu ersetzen pflegt, auf ihre Berufsgliederung, nicht aber auf Rasseneigentümlichkeiten zurückzuführen sein. Jassy. Aus den Reden des Herrn Grafen Sternberg, wie wir sie in den Berichten der Wiener Journale zu lesen bekommen, haben wir uns bisher, vielleicht mit Unrecht, einen eigentümlichen Begriff von der Lebensanschauung, dem Seelenadel und der ausgesuchten Erziehung, sowie von den verfeinerten Umgangsformen jener höheren Klaffe, des europäischen Adels, verschafft. Letztens leistete sich der gräfliche Mund auch den Juden gegenüber ein feines abgedroschenes Stückchen, indem er sich über das M a u s ch e l n der jüdischen Abgeordneten in spöttischer und witzigseinsollender Weise äußerte. Unter dem Ausdrucke „Mauscheln" will man eine dem Juden eigentümliche Betonung und Akzentuierung der deutschen Worte verstehen, über welche man sich ohne Kosten lustig machen kann. Unter den verschiedenen bis zur Unverständlichkeit entstellenden Nuancen der Betonung und der Aussprache des Deutschen in den zahlreichen Gauen Deutschlands selber, ist das jüdische Mauscheln noch das Reinste und Verständlichste. Wir hier unten wenigstens fangen die Erlernung der deutschen Sprache schon mit der Sprachlehre in der Hand an. Selbst der in den slavischen Ländern übliche, sogenannte Jargon ist dem echtdeutschen Idiome unvergleichlich näher, als das Plattdeutsche. Sollten die alten Römer und Slaven aus ihren Gräbern erstehen, sie würden in sämtlichen europäischen Sprachenjargonen den ihrigen sehen. Ein aus dem Dänischen Kriege heimkehrender Tiroler Schütze, der auf seinem Heimwege in Berlin liebreich bewirtet wurde, äußerte sich darüber: „Der Berliner ist ein guter Kerl. Schade nur. ich habe ihn nicht verstehen können." Was den inhaltlichen Wert der gräflich Sternbcrgschen Rede betrifft, wird sie den Vergleich mit der mauschelnden der jüdischen Abgeordneten sicherlich nicht aushalten. Wäre das nationale Bewußtsein der Deutschen in der Tat so ehrlich, es müßte den mauschelnden Juden in anderer Beziehung und in anderer Weise gerecht werden. Die Juden find es, die in außerdeutschen Ländergebieten, wie in Rumänien, Galizien, Rußland rc., beinahe ausschließlich deutsche Sprache und Literatur pflegen und deutsche Kultur verbreiten. Wäre z. B. der Graf auch ein Gelehrter (?) und versetzte ihn das Schicksal in ein nichtdeutsches Land und wollte er sich daselbst um ein deutsches, klassisches oder philosophisches Werk, wie Schiller, Goethe, Kant, Schopenhauer rc., umsehen, er würde solches, mit Ausnahme der öffentlichen Bibliothek, schwerlich bei einem Deutschen, sicherlich aber beim Juden finden, und nicht gerade ausschließlich beim Doktor, auch beim schlichten Krämer. Beim Deutschen würde er selten mehr als ein Gebet-, Koch- oder auch noch ein Traumbuch finden. Es bestand hier ehemals ein deutscher Leseverein, an dem ein Protestant teilgenommen hat (vielleicht der einzige deutsche Christ). Als ich mich an einen deutschen Buchhändler (Hildebraud), der hier früher als Buchbindergeselle eingewandert war, um eine Auskunft wandte, sagte er, er kenne keinen deutschen Lescvrrkin in Jaffy. Der da drüben wäre ein jüdischer. Darauf bemerkte ich ihm: Wenn in Jaffy ein deutscher Leseverein besteht, so kann er bloß aus Juden bestehen, da die hier wohnenden Deutschen zu einem solchen Institute noch nicht herangereift find. Wer ist dann Ihre Kundschaft, wenn nicht Juden? Wer find hiernach die Leser und die Berichterstatter deutscher Journale außer den Juden? Seine Antwort darauf bestand in Schweigen. Graf Sternberg würde etwa diese Frage mit Schimpf und Grobheit beantworten. Jedoch dürfen wir uns nicht beklagen, es wäre ja jüdische Frechheit; die edle, großmütige, deutsche Nation hat doch mit dem vollen Lohn bezahlt, mit keinem beffern, nobler«, wertvollern Geschenke, als mit dem Antisemitismus, mit dem scheußlichsten Erzeugnisse ihrer hoch entwickelten Zivilisation, mit der krankhaften Ausgeburt des neurasthenisch entarteten menschlichen Geistes. Dr. Lippe. Jerusalem. Der soeben ausgegebene Jahresbericht des englischen Konsuls in Jerusalem verzeichnet einen weiteren bemerkenswerten Fortschritt in der merkantilen Entwicklung des Heiligen Landes. Der Wert der im Laufe des vorigen Jahres in Jaffa, dem Hauptstapelplatz Palästinas ein- und ausgeführten Waren belief sich auf 1,160.000 Lst. (zirka 23,300.000 Mark), d. i. 330.000 Lst. mehr als im Jahre 1905. Diese sehr bedeutende Steigerung ist hauptsächlich der guten Ernte zu verdanken, deren sich fast alle Teile des Landes zu erfreuen hatten. Was das Wachstum der Einfuhr betrifft, so hängt dasselbe natürlich zum größten Teile mit der stetig zunehmenden Zahl der Einwanderer, Pilger und Touristen zusammen. Am meisten ist die Einfuhr von Baumwollenwaren, Zucker, Kaffee, Petroleum und Baumaterialien gewachsen, und man ist der Ansicht, daß die Einfuhr im Ganzen noch weit bedeutender gewesen wäre, wenn die Waren billiger wären. Die Einfuhr von Baumwollwaren hat sich während der letzten sieben Jahre verdoppelt. Infolge der zunehmenden jüdischen Einwanderung, namentlich aus Rußland, hat auch die Einfuhr von Baumaterialien aller Art bedeutend zugenommen. Der Bericht konstatiert eine merkliche Veränderung in dem Aussehen Jerusalems und anderer Städte, indem zur Bedachung jetzt viesach Tragebalken und Ziegel benutzt werden, was sich deutsche, französische und belgische Exporteure schnell zunutze gemacht haben. Für die weitere Entwicklung der Baumwollanpflanzung in Palästina scheinen sich die Aussichten zu beffern. Ein Versuch, der in einem Dorfe zehn Meilen von Jerusalem gemacht wurde, hatte besten Erfolg: Auf einem einzigen Felde wurden