Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 29 (19.7.1907)
- Date
- 1907-07-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 478 Wr. Liocd s iMscderwcvrikr. Str. 39 Ebenso müßte jeder Geselle, der sich der Benefizien des Lehrlingsheims seinerzeit erfreut hat, bevor er selbständig wird, ein Meisterstück anzufertigen sich verpflichten, ganz besonders in. dem Falle, als er eines der im Handwerkerverein bestehenden St'pendien teilhaftig werden will. Gesellen- und Meisterstücke sollen in einem Ausstellungslokal des Gewerbeheims sichtlich angebracht und bei allen Gewerbeausstellungen Oesterreichs als das Produkt des Lehrlingsheims exponiert werden. 2. Der Gesellenverein. Die Gesellen, welche in oben besprochenem Lehrliugsheim den Brief der Reife erhalten, bilden einen Verein, der seinen Sitz im Gewerbehause hat. Die Tendenzen des Gesellenvereines erstrecken sich a) auf die weitere literarischeundgewerbliche Ausbildung der Arbeiter (durch Vorträge, Zeitschriften re.); b) auf die Pflege der moralischen Zusammengehörigkeit, die von verderblicher Gesellschaft abzieht und zur Nüchternheit und Mäßigkeit anhält (durch Gesang, Musik, Turnübungen, harmlose Spiele re.); c) ans die Verpflichtung, daß jeder Geselle die Aufgabe erhalte, 2—3 bei Meistern plazierte Lehrlinge zu beaufsichtigen und Bericht hierüber zu erstatten. 3. Der Gewerbeverein der Meister und Gewerbetreibenden. (Versammlungssaal, Experten- Sitzungsräume, Bibliothek, Erholungsorte rc.) 4. Abteilung der Baron Hirsch-Stiftung, die unverzinsliche Darlehen an Gewerbetreibende und Kaufleute rc. gewährt. Endlich 5. Der WienerKredit- und V o r s ch u ß-V e r e i n, der vor einem Jahre in Wirksamkeit getreten, zur Beschaffung von Darlehen an Handwerker, Gewerbetreibende. Fabrikanten rc. Diese Zentralisation aller gewerbetreibenden Faktoren durch Schaffung eines Gewerbeheims würde wesentlich beitragen, einen leistungsfähigen und gebildeten Handwerker- und Gewerbestand zu schaffen. Wenn sich nun überzeugte, opferwillige, von Glücksgütern reichlich gesegnete Männer finden sollten, die dieses denkbar schönste soziale Werk zum Wohle der arbeitenden Bevölkerung zu schaffen fich erbieten, dann wäre der Moment hiefür der geeignetste, um das 60 jährige Regierungs-Jubiläum unseres Kaisers weihevoll zu begehen. Sollten jedoch die für die Erbauung und Erhaltung des vorgezeichneten Gewerbehauses erforderlichen Mittel nicht aufzubringeu sein, dann soll das Projekt sich für dieses Jahr nur beschränken. a) auf Schaffung von Werkstätten für das bestehende Lehrlingsheim d) auf die Gründung einer Vorschule für Knaben aus den Provinzen, die fich dem Handwerke widmen. Unser gütiger Monarch, der als erhabenes Muster und Beispiel, als der rührigste und erste Arbeiter des großen Vaterlandes seinen Untertanen voranleuchtet, der anläßlich seines 60 jährigen Regierungs-Jubiläums nichts anderes von uns wünscht, als die Errichtung sozialer, wirtschaftlicher und wohltätiger Einrichtungen und Institutionen, er wird gewiß jenen Männern seine kaiserliche Huld nicht versagen, welche sich an die Spitze eines Komitees für die Errichtung dieses Muster-Gewerbeheims stellen werden. Vizepräsident Theodor Ritter v. Goldschmidt. Am 10. Juli d. I. beging Baurat Theodor v. G o l dschmidt seinen siebzigsten Geburtstag. Er wurde 1837 in Penzing geboren als Sohn des ersten Prokuristen des Bankhauses S. M. v. Rothschild Moritz Ritter v. Goldschmidt und deffen Frau Nanette geborenen Landauer. Er trat im Jahre 1853 an das Wiener polytechnische Institut, welches er 1857 mit ausgezeichnetem Erfolge absolvierte. Hierauf bezog er die altberühmte Staatsingenieurschule Ecole des Ponts et des ChausBöes in Paris, die er, mit dem Jngenieurdiplom ausgeftattet, im Sommer 1860 verließ. Nunmehr bereiste Goldschmidt zu seiner praktischen Ausbildung durch anderthalb Jahre Deutschland, Frankreich, Belgien und England, um die damals in Ausführung begriffenen großen Eisenbahnbauten, Brücken und Fabriken zu studieren. 1861 bis 1863 arbeitete er als Ingenieur der Chemins de fer Paris-Lyon-Möditerran6e, zumeist mit dem Sitze in Nizza, woselbst er an dem Bau der Varbrücke, des großen Bahnhofes und der Strecke Nizza-Mentone beteiligt war. 1863 trat er in den Dienst der Südbahn (venetianisches Netz'); hier führte er als Oberingenieur den Bau der Strecke Padua-Rovigno und den Brückenbau über die Etsch. 1866 kam Goldschmidt infolge der kriegerischen Ereigniffe zur Generaldirektion der Südbahn nach Wien. Als praktischer Techniker führte er gemeinsam mit dem Bauunternehmer Castor die Wien-Stadlauer Donaubrücke, ferner die Eisenbahnlinie Hatvan-Miskolcz aus. Seit 1879 vertritt Goldschmidt den ersten Wahlkörper der Inneren Stadt im Wiener Gemeinderate; hier entfaltete er eine reiche Tätigkeit und führte viele und große Referate mit Erfolg. 1891 bis 1893 war er Mitglied des Stadtrates und durch viele Jahre Mitglied des Bezirksschulrates. Seit 1889 gehört Goldschmidt dem Vorstande der israelitischen Kultusgemeind: an, der ihn zu Anfang dieses Jahres zu seinem Vizepräsidenten wählte. Theodor v. Gold schmi dt zeichnet sich durch einen hohen Grad allgemeiner Bildung, durch umfassende Sprachenkenntnisse und durch liebenswürdige Umgangsformen aus; er ist ein geistvoller Redner und schlagfertiger Debatter. Als ein wohltätiger, stets hilfsbereiter, guter Mensch genießt er allgemeine Sympathien. Einen Beweis der Anhänglichkeit und Verehrung, deren sich der Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde Wien Herr Theodor Ritter v. G o l d s ch m i d t bei den Administrativ- Beamten dieser Körperschaft erfreut, bot der siebzigste Geburtstag desselben. Das Bureau des Jubilars war in einen Blumenhain verwandelt worden und es fanden sich daselbst unter Führung des Ersten Sekretärs Herrn kaiserl. Rates Doktor Theodor Lieben sämtliche Administrativbeamte ein. Mit Worten, die vom Herzen kamen und zum Herzen drangen, gab Herr kais. Rat Dr. Lieben unter lebhafter Zustimmung der Anwesenden den Gefühlen der Beamtenschaft, als deren steter Freund und Förderer sich Herr v. Goldschmidt während seiner Zugehörigkeit zum Kultusvorstande jederzeit erwiesen, Ausdruck. Sichtlich gerührt dankte der Jubilar für die unerwartete Ehrung, deren Aufrichtigkeit und Herzlichkeit ihn besonders erfreute. Ausschreitungen der „Schwarzen Banden" in Odessa. Berlin. Aus Petersburg wird der „Vossischen Zeitung" berichtet: Odessa ist wieder in der Macht der „Schwarzen Banden". Unter verschiedensten Borwänden greifen sie auf den Straßen friedliche Passanten an, durchsuchen und mißhandeln sie und suchen sich dann in aller Gemütsruhe neue Opfer aus, ohne von der Polizei gestört zu werden. Besonders schlimm ist es seit der Abreise des Stadthauptmanns Grigorjew geworden, der, im Gegensatz zum Truppenkommandanten Baron Kaulbars und zum Generalgouverneur von Odessa, dem Verbände des „Russischen Volkes" verhältnismäßig wenig entgegenkam. Erst vor ein paar Tagen überfiel eine aus dem Verbände organisierter Matrosen bestehende Bande das jüdische Viertel, durchsuchte aufs Geratewohl eine Anzahl Häuser, ermordete einen Juden und mißhandelte viele andere, und zwar so schwer, daß sechs von den Mißhandelten in fast hoffnungslosem Zustand ins Krankenhaus gebracht wurden. Die Sterblichkeit der Wiener Inden. Dr. Siegftied R o s e n f e l d behandelt im „Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie" die Ursachen der jüdischen Mindersterblichkeit. In Wien starben in den Jahren 1899 bis 1903 von der Zivilbevölkerung auf je 10.000 Katholiken 211 Personen, bei den Juden aber nur 129. In beiden Geschlechtern weisen die Juden die geringste, die Römisch-Katholischen die größte Sterblichkeit auf, während die Sterbeziffer der Evangelischen in der Regel die Mitte bildet zwischen der Sterblichkeit der Juden und der der Katholiken sowohl in Bezug auf die Todesursachen, die bei den Juden häufiger, wie auch auf die anderen, die bei den Juden seltener Vorkommen als bei den Katholiken. Die Juden haben die geringste Sterblichkeit an