Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 28 (12.7.1907)
- Date
- 1907-07-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 462 Dr. Llocb's MocvenscbrlN. Nr. 28 SV.OVV Kronen Belohnung! Am 1. April 1899 ist im Brezinawalde bei Polna die Agnes Hruza aus Klein-Veznitz tot aufgefunden worden. Weiters wurde am 27. Oktober 1898 die Marie Klima aus Ober-Beznitz im „Herrschaftlichen Walde" bei Polna als Leiche aufgefunden. In beiden Fällen wurde behördlicherseits ein Mord konstatiert. Wegen dieser beiden Morde wurde Leopold H i l s n e r aus Polna als Mitschuldiger vom Schwurgerichte schuldig erkannt. Er beteuert aber bisher unausgesetzt seine Unschuld. Die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" sichert derjenigen einzelnen oder denjenigen mehreren Personen, welche dem Gerichte oder der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" oder dem Verteidiger Dr. Zdenko Auredniczek, Hof- und Gerichtsadvokat in Wien, innerhalb zweier Jahre, d. i. bis 10. Juli 1909, sokhe Angaben machen oder Beweismittel beibringen, die zur Entdeckung der Täter oder zur Erweisung der Unschuld Leopold Hilsner's und somit zur Wiederaufnahme des Strafprozesses führen, eine Prämie von 20.000 Kronen zu. Dieser Betrag erliegt zu obigem Zwecke bei dem k. k. Notar JUDr. Johann Janatka in Polna. „Oesterreichisch-Jsraelitifche Union." zu Wien, IX., Universitätsstraße Nr. 8. Der Schriftführer: Der Präsident: Julius Granichstädten. Siegmund Mayer. Jüdischer Antisemitismus. Wir erhalten folgende Zuschrift: Löbliche Redaktion! In einem Lokale vis-ä-vis dem Restaurant Eisvogel im Prater produziert sich eine jüdische Volkssänger-Gesellschast, welche von der Fruktifizierung des Lächerlichmachens der Juden lebt. Wenn auch dieser Umstand allein über den Charakter der Juden zum Nachdenken veranlaßt (kein anderes Volk der Erde würde sich bereit finden, sich über sich selbst derart lustig zu machen, um Geld von Feinden zu verdienen), so ist doch wenigstens kein Jude gehalten, diese Vorstellungen zu besuchen. Was aber der Sache die Krone aufsetzt, das ist, daß allabendlich vor dem Lokale zwei Gemälde (natürlich Kleksereien) aufgestellt sind, welche die ärgsten Karrikaturen der Juden beinhalten und welche jeder Passant nolens volens sehen muß. Ich war öfters Zeuge, wie sich die Passanten, Männer, Weiber und Kinder an den Bildern delektierten. Ich ftage nun, muß man sich als Jude selbst das, u. zw. von Juden selbst, gefallen lassen? und gibt es kein Mittel, * diese Leute zu verhalten, wenigstens die Bilder einzuziehen? Hochachtungsvoll Wien, 6. Juli 1907. Ein Jude. Beschimpfung der galizifchen Inden. In ihrer letzten Nummer wendet sich die „Allg. Jüd. Rundschau" gegen das jüdische Wochenblatt „Egyenlöseg", weil es die Juden Galiziens in verächtlicher und hämischer Weise charakterisiert hatte. Wir geben diese Ausführungen hiermit zum Teil wieder: „Wer je Gelegenheit hatte, diese jüdischen Bewohner in ihrer Heimat Galizien, in ihrem Familienleben als zärtliche, treue aufopfernde Gatten und Väter kennen zu lernen; wer da weiß, wie diese als Marktfahrer auf hochbeladenen Wagen, Tage und Nächte lang von Ort zu Ort herumziehend, sich abquälen, um mühsam einige wenige Gulden per Woche zu verdienen; wer diese tausende Handwerker sich abmühen steht, um in einer Woche so viel zu verdienen, als bei uns ein junger Kommis an einem Sonntag verbraucht; wer diese nüchternen, fleißigen, zu jeder Arbeit und Betätigung bereiten Menschen näher kennen lernt, muß diese „Galizier" bewundern und dmttiber staunen, daß diese Menschen inmitten einer korrupten, leichtfertigen und ein Lotterleben führenden Intelligenz, inmitten einer stumpfen, ungebildeten armen Landbevölkerung sich noch so viel Sittlichkeit, eine solche Tatkraft und eine bewunderungswürdige Bildungsfähigkeit und Anpassungsvermögen bewahrt haben." Halbasiatisches aus einem rumänischen Regiment. Die „Voss. Ztg." veröffentlicht einen Bericht über eine skandalöse Judenfolterung, die von einem rumänischen Regimentskommandanten an jüdischen Soldaten öffentlich verübt wurde und geeignet ist, die Zustände in diesem Lande, in dem es erst vor nicht langer Zeit zu den grausamsten Massakres kam, grell zu beleuchten. Der Bericht aus Doroboi lautet: Freitag am 5. Mai befahl der Kommandierende des 8. Infanterie-Regiments Drogosch Nr. 29, Oberst Maresch, begleitet von seinem Gehilfen Oberstleutnant Minkulesku, das ganze Regiment, Offiziere, untere Chargen und Soldaten, möge ausrücken und vor den Kasernen unweit der großen Chaussee ein Karree unter freiem Himmel bilden, als ob er eine Ansprache an das Regiment halten oder einen Tagesbefehl au dasselbe verlesen wollte. Zur größten Ueberraschung befahl aber der Kommandant, die jüdischen Soldaten möchten aus der Front vortreten und sich entkleiden. Die jüdischen Soldaten standen nun nackt da. Ein Feldwebel, der einen Knüppel schwang, erschien plötzlich vor der Truppe. Darauf erhielten sechs christliche Soldaten den Befehl, aus der Front zu treten. Auf ein Zeichen des Obersten ergriffen diese christlichen Soldaten einen der jüdischen und warfen ihn zur Erde. Drei hielten ihm den Kopf, drei die Füße, und der Feldwebel bearbeitete ihn mit dem Knüppel. Vergeblich schrie und flehte der mißhandelte Soldat; vergeblich schrieen auch die anderen jüdischen Soldaten, welche ein gleiches Schicksal erwartete, vergeblich alarmierten sie die vorübergehenden Zivilisten, die gerade des Weges kamen .... Das Blut floß in Strömen aus den Körpern von acht unglücklichen jüdischen Soldaten. Sie werden ohnmächtig, aber die Mißhandlung wurde fortgesetzt, bis sie halbtot in die Kaserne oder in den Arrest getragen wurden. Alles dies wurde unter dem Vorwände gemacht, die Juden leisteten nicht den richtigen militärischen Dienst. Nachdem die geschilderte Szene zu Ende war, wurde befohlen, daß alle christlichen Soldaten, welche sich kräftig spüren, vortreten sollen. Diese traten in großer Anzahl vor und es wurde ihnen befohlen, jeder solle die Überwachung von drei Juden übernehmen, sie in den Kasernen und außerhalb derselben beobachten, und wenn einer von ihnen auch nur das kleinste Vergehen sich zuschulden kommen ließe, solle er aufs Haupt geschlagen, getötet oder erschossen werden. Zum Bielitzer Parteitag. Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrte Redaktion! Sie haben über den Bielitzer Parteitag einen Bericht veröffentlicht, der, aus der gleichen Quelle stammend wie die in den Tagesblättern abgedruckte Notiz, zur Richtigstellung herausfordert. Auf Ihre Loyalität bauend ersuche ich Sie höflichst um Aufnahme nachfolgender Zeilen: In dem Bericht heißt es: „Es folgte eine Debatte über die Beteiligung der Zionisten an fremdnationalen Bestrebungen. Die Zionisten aus Böhmen traten für die Unterstützung der deutschen Schutzvereine ein. Der Antrag wurde nach stürmischer Debatte abgelehnt." An dieser Darstellung ist folgendes unrichtig. 1. Es handelte sich bei dieser Debatte nicht um einen Antrag, der die Beteiligung an fremdnationalen Bestrebungen oder Vereinen oder Parteien gebot oder wünschte oder auch nur „ausdrücklich" freigab — sondern um ein in Antrag gebrachtes „Verbot" der Teilnahme an ftemdnationalen Vereinen und Parteien. 2, Wir böhmischen Zionisten traten denn auch nicht für die Beteiligung an ftemdnationalen Bestrebungen ein, sondern nur gegen das allgemeine Verbot einer solchen Beteiligung, weil wir zwar eine solche Beteiligung nicht