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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-07-12 · 28 (12.7.1907) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
28 (12.7.1907)
Date
1907-07-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 460 Dr. Lwco s mpcDenscDriru Nr. 28 mit dem Rutheneuklub. (Lebhafte Heiterkeit und Beifall.) Dazu gehört viel mehr flammende Liebe, um das Bündnis aufrecht zu erhalten. Warum haben Sie da nicht gewirkt? Das soll uus zur Last geschrieben werden? (Abgeordneter Messner: Ein reines Verhältnis ist das nicht!) Ich bitte, Herr Kollege, der dazwischen ruft, mengen Sie sich nicht in häusliche Verhältnisse ein. (Heiterkeit und Beifall. — Abgeordneter Dr. Straucher: Häusliche Verhältnisse trägt man aber nicht in die Aussenwelt hinaus!) Bitte, meine Herren, jetzt kommt Herr Dr. Straucher, der Präsident einer Partei ist, aus deren Wortführersmunde ein Wort gefallen ist, das ich nicht ohne Antwort lassen kann. Es muß einmal aufgeräumt werden mit den Fiktionen, welche hier herrschen, mit der Irreführung der öffentlichen Meinung im Lande, im Reiche und in Europa. (Beifall) Die Herren stellen sich als die einzigen Verfechter der jüdischen Demokratie hin. Sie haben das Monopol genommen. (Zustimmung) Die anderen Herren — ohne Rücksicht auf unsere nationale Zugehörigkeit, die freisinnigen Herren Abgeordneten aus Wien werden derselben Ansicht sein wie ich — find ebenso berechtigt, als Vertreter der Freiheit und der Demokratie aufzutretcn, wie Sie es sind. Und es geht darum nicht, meine Herren, daß Sie stets behaupten: Was Sie sagen, das ist irrig. Wenn Sie auf dem Standpunkte stehen, daß Sie nationale Juden find, so kann ich nichts dagegen haben, wenn sie Sie sich als nationale Juden fühlen. Wenn Sie weiter verlangen, daß wir die jüdische Individualität, die jüdische Eigenart schützen und ihr Gelegenheit geben, sich zu entfalten, kann kein vernünftiger und gerechter Mann etwas dagegen haben. Denn je mehr Individualität in der Menschheit ist, desto mehr Vorbedingungen für ihren geistigen Fortschritt. (Zustimmung) Wenn man aber, meine Herren, den Grundsatz der separaten. jüdischen Nationalität aufftellt, muß man auch die Konsequenzen ableiten. (Beifall.) Dann sagen Sie, meine Herren, was Sie wollen, ehrlich. und offen, wie es einer demokratischen Partei geziemt! Sagen Sie es, wie Sie es in Drohobycz, Stryj und überall gesagt haben, daß Sie eines haben wollen: Anerkennung und konsequente Durchführung des Grundsatzes der jüdischen Nationalität als einer besonderen. Sagen Sie, daß Sie den Jargon als Gerichtssprache einführen wollen, daß Sie separate Schulen haben wollen, sagen Sie, daß Sie einen Separatismus predigen, der die vorhandenen Gegensätze verbreitert und vertieft, und daß eine neue Kluft zwischen Bürgern und Bürgern geschaffen werden soll, entgegen dem modernen . Geiste, entgegen unseren bürgerlichen Bestrebungen, entgegen unserem rühmlichen Anteil an der westlichen Kultur im letzten Jahrhundert. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen. — Abgeordneter Dr. Gabel: Die hebräische Kultur ist noch älter! Das erzählen Sie nicht mir! Ich kann von hebräischer Kultur sprechen, nicht Sie, ich kann von der hebräischen Kultur sprechen, weil ich auf sie zurückblicke und aus ihr hervorgegangen bin. (Abgeordneter Dr. Gold : Was versteht ein ruthenischer Abgeordneter von jüdischer Kultur! — Lebh. Zwischenrufe.) Verehrtester Herr Kollege Dr. Gabel, Sie vielleicht und Ihr zweiter hier anwesender Herr Kollege wollen sich auf die Vertreter der jüdischen Bevölkerung herausspielen? (Abgeordneter Dr. Gabel: Ja!) Sind Sie es? Keine Spur? (Abg. Dr. Gabel: Ich habe alle jüdischen Stimmen gehabt!) Wenn jemand zufälligerweise beim Proportionalsystem 2000 Stimmen bekommt und in die engere Wahl mit dem Kandidaten der Minorität kommt, für den eigentlich gesetzmäßig das Mandat gedacht war, und wenn in der Erregung der Wahlagitation die großen nationalen Mafien der Majorität, die dem Kandidaten der Minorität gegenüberstehen, aus Feindschaft gegen diesen jenem ihre Stimmen geben, dann ist er nicht der Vertreter der jüdischen Bevölkerung, sondern der Vertreter des nationalen Haffes. (Beifall und Händeklatschen) Jetzt will ich Ihnen sagen, was der Unterschied zwischen uns ist, was wir wollen. Wir stehen auf dem Standpunkte, daß wir einem Volke angehören, das eine Jahrtausende alte Kultur hinter sich hat, das der Menschheit das Höchste gegeben hat, was sie besitzt, den Glauben an den einen Gott. Wir sind stolz darauf, von Ahnen abzustammen, welche die Leuchte des Wissens ihrem Volke vorangetragen haben. Aber wir leben heute hier. Wir wollen volle bürgerliche Gleichberechtigung in der Gegenwart und in ihr ehrlich unsere Bürgerspflicht erfüllen; wir wollen ebenbürtig gleich und gemeinsam mit unseren andersgläubigen Mitbürgern mitschaffen am großen Werke sozialer Reformarbeit; wir wollen unsere volle Bürgerqualität nicht schmälern lassen und auch nicht den Schein der Berechtigung hiezu wecken durch politisch und sozial separatistische Aktionenauch nicht Znkunftsträumen zuliebe, welche die Phantasie gefangen nehmen, weil sie an eine uralte ruhmreiche Vergangen, heit anknüpfen. Wir wollen gleichberechtigte und gleichverpflichtete Bürger sein jetzt und immerdar. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen) Das ist unser Programm. Wir werden uns nicht ausschließen lassen von dem großen Anteil an der westlichen Kultur, an der wir mitgewirkt haben. Wir werden uns nicht absprechen lassen unsere nationale Zugehörigkeit, nicht von den Extremen unter uns und nicht von den Extremen wider uns. (Lebhafter Beifall) Und Sie werden uns, meine Herren, vielleicht wieder sagen: Hausjuden! (Zwischenrufe seitens des Abgeordneten Dr. Gabel.) Nun, Herr Dr. Gabel, wenn „Hausjude" zu bedeuten hat, daß man abhängig ist von dem Willen eines anderen, daß man ihn untertan ist und ihm gehorchen muß, dann können Sie Lakaiendienste leisten, nicht ich und nicht wir. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen) — Zwischenrufe.) Wenn aber, meine Herren, „Hausjude" heißt . . . (Zwischen» rufe seitens der Abgeordneten Dr. Kolischer und Dr. Straucher. — Unterbrechungen, Lärm.) Wenn aber, meine Herren, ... ich bitte um Ruhe, . . . (Lebhafte Zwischenruf und Lärm.) Präsident (das Glockenzeichen gebend): Ich bitte um Ruhe! Abgeordneter Doktor Loewenstein (fortfahrend): .„Hausjude" heißen soll ein Jude, welcher sein Haus liebt, welcher an seinem Heim hängt, dem die Scholle teuer ist, in der der Staub seiner Ahnen ruht, dann wollen wir mit Stolz den Namen eines „Hausjuden", tragen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Und nun, meine Herren, gestatten Sie mir noch ein Wort öffentlich .... Präsident: Ich bitte, von den Bänken herabzusteigen (Lärm), das gehört sich doch nickt. (Lärm.) Ich bitte den Herrn Abgeordneten Dr. L o e w e n st e i n, fortzufahren. (Lärm.) Abgeordneter Dr. Loewenstein (fortfahrend): Vor dem gesamten Hause und vor der gesamten Außenwelt richte ich jetzt ein Wort an alleHerren. . (Zwischenrufe.) Präsident : Ich bitte, Herr Abgeordneter R a t a j, herabzusteigen. Auch Herrn Abgeordneten Wolf ersuche ich, herunterzusteigen. (Abgeordneter Wolf: Steht das in der Geschäftsordnung?) Das steht in der ungeschriebenen Geschäftsordnung des Anstandes; es ist ganz ungehörig, aus die Tische und Bänke zu steigen! Abgeordneter Dr. Loewenstein (fortfahrend): Meine Herren: Ich richte jetzt einen ganz besonderen Appell, wie ich sagte, an alle meine Kollegen und Glaubensgenossen, welche vor mir gesprochen haben. Wir sind nicht hiehergekommen, um hier miteinander Disputationen durchzuführen, wir sind nicht dazu hergeschickt worden, sondern zu gemeinschaftlicher Arbeit. (Lebhafter Beifall.) Sie haben einen Dringlichkeitsantrag wegen der Wahlmißbräuche eingebracht und ich fordere Sie auf, zu einer anderen dringlichen Arbeit, die Mißbräuche betrifft ohne Wahl, Mißbräuche, welche nicht dem Lande entstammen, aus dem wir kommen, und nicht auf das' Land' allein begrenzt sind. Treten

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