Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 27 (5.7.1907)
- Date
- 1907-07-05
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 27 Sr. JSIöcD ö XR&ocben&corin. Seite 451 „Gekauften Kukurutz trägt man frei, aber nicht unter dem Hemd, und in welcher Montur steckst Du da," sprach der Rabbi zornig. Chajim schwieg. Jetzt nimmst Du den Kukuruz, trägst ihn auf das Feld zurück, von welchem Du ihn gestohlen, und versprichst mir, Dich nie wieder an fremdem Eigentum zu vergreifen. Mit Tränen im Auge gab Chajim das Versprechen ab, das er auch getreulich hielt,, und brachte den Kukuruz auf das Feld zurück. Mendel trieb sein Unwesen weiter, ging aber dabei recht vorsichtig zu Werke. Den Keller des Rabbi aber plünderte er gehörig aus. Löb, der Kellermeister, litt unter dem Verdachte, daß er die Unterschlagungen begehe, endlich kam er Mendel doch hinter seine Schliche. Löb kam auch dahinter, daß seine Schwester Cäcilie mit Mendel im Einvernehmen stand. Löbs Zorn und Erbitterung kannte keine Grenzen. Er wollte nur die Gelegenheit abwarten, um Mendel zu überführen od-r in üagrauti zu ertappen. Er begann auch an versteckten Orten mit Bleistift an die Wand zu kritzeln: „Cäcilie und Mendel N. empfehlen sich allen Freunden und Bekannten als Verlobte." Chajim bemerkte Löb's Gekritzel und machte Mendel aus die Gefahren, die seiner harren, aufmerksam. „Mendel," sprach Chajim, „wenn der Rabbi das erfährt, so bist Du ausgeschafft." *) Mendel sann darüber nach, wie er aus T. wegkommen könne. Das Glück war ihm hold. Sein Schwager wurde zum Rabbiner einer kleinen Gemeinde in Siebenbürgen erwählt und Mendel bildete seine Jeschibah. Chajim war froh, daß sein Freund Mendel mit heiler Haut davon kam. Einige Monate später vertauschte auch Jochanam Spitzer die T ... er Jeschibah mit der zu P. Fast ein Jahr war seit Chajims Besuch im Elternhause vergangen und die Tage begannen für Chajim einsam dahin zu fließen.. Auch die Beschränktheit seines Schülers bot ihm keine Abwechslung mehr; er hatte sich an dessen Albernheiten bereits gewöhnt. Mit umso größerem Fleiße warf sich Chajim auf das Talmudstudium. Dadurch gewann Chajim des Rabbi Vertrauen immer mehr und er betrachtete Chajim gewissermaßen als Familienmitglied, er wurde den Kindern gleich in alles eingeweiht, durfte auch über alle Familienangelegenheiten seine Meinung frei äußern. Es war an einem heißen Sommervormittage, der Rabbi und seine Schüler waren über ihre Folianten gebeugt; eine schwierige Talmudstelle nghm die Geister gefangen und weltverloren saßen alle in der stillen Klause. Ein schüchternes Klopfen ertönte an der Tür und verhallte ungehört. Die Rabbinerin, die im Nebenzimmer saß, ermutigte den greisen Mann, daß er ein „Herein" nicht abwarten müsse, und der Mann trat leise ins Lehrzimmer. Der Rabbi blickte von seinem Folianten auf und deutete dem Manne durch eine Handbewegung an, daß er Platz nehmen möge. Als der Lehrvortrag zu Ende war, begrüßte der Rabbi den Gast und fragte ihn, womit er ihm dienen könne. Der Fremde bat den Rabbi um eine kurze Unterredung und der Rabbi geleitete ihn in sein Zimmer. Die Unterredung dauerte sehr lange und inzwischen ergingen sich die Bochurim in Vermutungen. Der Fremde war ein kleiner, alter Mann mit glattem, bartlosem Gesichte, der trotz seines bescheidenen Auftretens recht distinguiert aussah. Chajim meinte im Hinblicke auf das bart- und schnurrbartlose Gesicht, es könnte ein alter Schauspieler sein, der seinem sündhaften Lebenswandel Valet sagen wolle und sich vom Rabbi eine Tschuwoh 8 9) auferlegen lassen will. (Fortsetzung folgt.) 8) infam kassiert. 9) Buße. Srirfkastrrr. „Sem." Nach glaubwürdiger Mitteilung find nachstehende Institute „judenrein" — somit antisemitisch: die Böhmische Sparkasse, die Prager Städtische Sparkasse, die Böhmische Landesbank, Böhmische Hypothekenbank. Zentralbank deutscher Sparkaffen, Usttedni banka Ossk^ch spofitelen, Landwirtschaftliche Kreditbank, Böhmische Industrial bank, Prager Kreditbank und natürlich auch die Zivnostenska banka. Einige dieser Anstalten haben in ihren Provinz-Filialen Paradejuden sitzen. B. L. Auf das Gesuch von zehn jüdischen Damen, welche in London zum Empfang bei Hofe am Freitag Abend eingeladen waren und des Sabbaths wegen am Erscheinen gehindert gewesen wären, hat der König angeordnet, den Empfang auf einen Donnerstag-Abend zu verlegen. Auch im vorigen Jahre ist aus dem gleichen Grunde ein Levee von Freitag ans einen anderen Tag verschoben worden. S. New-Aork besitzt in dem jungen Juden Joseph Lazarus einen Helden, der innerhalb der letzten beiden Jahre nicht weniger als neun Personen aus dem East-River gerettet hat. Seine letzte Heldentat vollbrachte er vor wenigen Tagen, indem er ein jüdisches Mädchen aus der Strömung herausholte. P. Der Großkordou des Grobherrlich türkischen Chefakatordens ist der Frau Dora Bier, geb. Frenkel, hier, Gattin des Leibarztes des Sultans, Professor Dr. med. Bier in Konstantinopel, verliehen und die Erlaubnis zur Annahme ist vom Kaiser erteilt worden. Die Behauptung eines jüdischen Blattes, als sei Professor Bier kein Jude, ist falsch. Bier ist übrigens ein Enkel des sel. Rabbiners Heidenheim in Sondershausen. „Haschoel." Wir haben Ihnen ganz deutlich die Antwort erteilt : Von jedem Rabbiner verlangt das österreichische Gesetz ein gewisses Mab weltlicher Bildung, ohne welches die Bestellung von der Regierung nicht bestätigt wird. In Ober- und Rtederösterreich, Mähren, Schlesien und Steiermark ist die Vorlage eines Maturitätszeugnisses obligat. _ Wir ersuchen unsere geschätzten Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der lausenden Jftbannementsgebübr, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Zur Einsendung der Beträge wolle man fick der in letzter Nummer beigeleglen Posterlaq» scheine bedienen. Die AdminUrstian der ..OeSerr Wochenschrift*. Widmung Heinrich Klinger 1902. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien gibt hiemit bekannt, dass am 1. Oktober d. J. die Jahreszinsen im Betrage von K 400.— der obengenannten, von dem gewesenen Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Wien, Herrn kais. Rat Heinrich Klinger, anlässlich seines am 1. Oktober 1902 stattgehabten 70. Geburtsfestes gegründeten Widmung an zwei der Unterstützung würdige Handels- oder Gewerbetreibende jüdischer Konfession mit je K 200.— zur Verleihung gelangen werden. Die mit dem Nachweise über den Betrieb eines Handels¬ oder Gewerbeunternehmens, dem Armutszeugnisse und dem Geburtsscheine belegten Gesuche sind bis 31. Juli 1907 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, woselbst auch Gesuchsblankette unentgeltlich behoben werden können, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Auszüge ans den Matrikeu der israelitischen Kultusgemeinde Wien sind als Gesuchshelege nicht erforderlich und genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Nicht entsprechend belegte oder verspätet überreichte Gesuche werden nicht berücksichtigt. Ignaz Klepetasch Heirats-Ausstattungs-Stiftung. Vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde in Wien wird hiemit bekauntgegeben, dass die Zinsen obiger Stiftung im' Betrage von K 200.— für arme verwaiste Mädchen jüdischer Konfession, die sich zu verehelichen im Begriffe sind, als Ausstattungsbeitrag znr Verleihung gelangen. Die mit einem Geburts-, Armuts- und Sittenzeugnisse wie auch mit einem Verwaiauhgs- und Brautstands-Nachweise versehenen Gesuche sind bis 3t. Juli 1907 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I.. Seitenstettengasse 4, I. Stock, woselbst auch in den Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags Gesuchsblankette unentgeltlich behoben werden können, einzureichen. Auszüge aus den Metriken der israelitischen Kultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich und genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Nicht entsprechend belegte oder verspätet überreichte Gesuche werden nicht berücksichtigt.