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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-07-05 · 27 (5.7.1907) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
27 (5.7.1907)
Date
1907-07-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 27 Dr. Llocb's MocdenscvrtN. Sette 447 Das eine Hindernis ist der höchst bedauerliche Jndisferentismus eines Teiles der Rabbiner, der Mangel an Korpsgeist und Solidaritätsbewußtsein. Das andere Hindernis ist das unbesiegbare Mißtrauen der Gemeinden, mit dem sie jede freiere, selbständige Bewegung der Rabbiner begleiten. Der Präses wies darauf hin, daß in den jüdischen Gemeinden noch immer das Schreckgespenst der geistlichen Hierarchie im Judentum spukt und daß dieselben mit Aengstlichkeit darüber wachen, daß der Rabbiner die ohnehin enggezogenen Grenzen seines Wirkungskreises — Gott bewahre — ja nicht überschreite. Wie unbegründet diese Furcht sei, führte Dr. Schnitzer aus, beweise der Umstand, daß in den fünf Generalversammlungen des transdanubianischen Rabbinerverbandes nicht ein Antrag gestellt, nicht ein Beschluß gefaßt wurde, der die Wahrung und Förderung der eigenen Standesinteressen zum Gegenstände gehabt hätte. Schließlich gedachte der Vorsitzende der in letzter Zeit verstorbenen berühmten Kayserling, Pollak und Schreiber, denen er schöne Worte des Gedächtnisses widmet. Als erfreuliche Ereignisse begrüßte der Vorsitzende die Auszeichnung des Rabbiners Dr. M. Klein lNagybecskerek), die ihm zu seinem vierzigjährigen Amtsjubiläum durch die Verleihung des Franz Joseph-Ordens geworden, ferner die Auszeichnung, welche Seine Majestät dem verdienstvollen Oberrabbiner von Budapest, Dr. Samuel K o h n, „hakohen hagodaal meechow1* „dem unter seinen Brüdern hervorragenden Priester", durch den Titel eines königlichen Rates verliehen. Der erste Gegenstand der Tagesordnung waren die Wahlen. In geheimer Abstimmung wurden gewählt: zum Präses Doktor Armin Schnitzer (Komürom), zu Vizepräsidenten Dr. Julius Fischer (Budapest), Dr. Eduard Neumann (Nagy-Kanizsa); zu Schriftführern Dr. Franz Lövy (Maros-Bäsärhely) und Doktor Ludwig Venetianer (Ujpest); zum Kassier Dr. B. Edelstein (Buda); zum Kontrollor Dr. Simon Hevefi (Budapest); außerdem wurden zwanzig Mitglieoer in den Ausschuß und je gehn Mitglieder in die drei Fachkommissionen gewählt, welche für Kultusangelegenheiten, für Unterricht und für die Pensionsinstitution zugunsten sämtlicher Kultusbeamten eingesetzt wurden. Der zweite Gegenstand der Tagesordnung war ein Vortrag über wichtige rituelle Fragen, welche seit dem Jnslebentreten der kirchenpoliti'chen Gesetze aktuell geworden und die ein gleichförmiges Vorgehen erheischen. Referent war Dr. Schnitzer. Der dritte Gegenstand der Tagesordnung war der Bericht über den Lehrplan des Religionsunterrichts in allen Klassen. Referent: Dr. Eduard Neumann. Der vierte Gegenstand war ein Vortrag über die zu schaffende Pensionsinstitution für alle Kultusbeamten. Referent: Dr. Franz Lövy (Maros-Väsarhely). Endlich wurde über Anträge verhandelt, die den betreffenden Fachkommissionen zur Begutachtung übergeben wurden. Um 6 Uhr abends wurde die Sitzung, die einen sehr würdevollen Verlauf und mit kurzer Unterbrechung den ganzen Tag in Anspruch genommen, mit einem Gebet geschlossen. Hilfsverein der deutschen Jude». Ueber den vom Hilfsv.'rein der deutschen Juden unterhaltenen Kindergarten in Haifa (Palästina), der im April dieses Jahres eröffnet wurde, ist ein intereffanter Bericht eingegangen, dem wir folgendes entnehmen. Zur Zeit besuchen den Kindergarten bereits 44 Zöglinge. Es haben sich noch viele Kinder zur Aufnahme gemeldet, die aber augenblicklich wegen Haut- und Augenkrankheiten nicht zugelaffen werden konnten. Die Kinder — im Alter von 3 bis 6 Jahren stehend — werden in 2 Abteilungen von 2 Lehrerinnen unterrichtet. Die erste Abteilung zählt 30 Zöglinge, die zweite 14. Davon find 31 (15 Knaben und 16 Mädchen) Sephardim und 13 (8 Knaben und 5 Mädchen) Aschkenafim. Die sephardische Gemeinde ist in Haifa in starkem Uebergewicht, sie zählt 130 Seelen, während die Aschkenafim nur 3000 Seelen zählen. Die Mehrzahl der Einwohner Haifa's ist sehr arm, das Schulgeld muß daher sehr niedrig bemessen werden. Besonders bemerkenswert in Anbetracht der palästinensischen Verhältnisse ist im Verhältnis zu den Mädchen der große Prozentsatz Knaben, die in den Kindergarten, statt wie bisher üblich in den Cheder, geschickt werden, der, abgesehen von allen anderen Momenten, besonders in sanitärer Hiüficht zu den ernstesten Bedenken Anlaß gibt. Damit beginnt eine gesunde moderne Entwicklung der Kinderfürsorge und Kiüdererziehung in Palästina sich siegreich Bahn zu brechen. Das Fundament für diese sehr erfreuliche Entwicklung bietet der Kindergarten, deffen Werk alsdann durch die Schulen und andere höhere Anstalten eine Fortsetzung erfährt. Aus dem Berichte seien noch folgende Bemerkung« hervorgehoben, die beweisen, in wie hohem Maße die Bevölkerung des Ortes selbst die segensreiche Wirksamkeit, die der Kindergarten ausübt, zu schätzen weiß. Wir können uns schon über den guten Einfluß des Kindergartens freuen. Die jungen Zöglinge, welche ihres Gesundheitszustandes wegen nicht ausgenommen worden find, wollen nicht mehr in den Cheder gehen. Diejenigen, welche den Kindergatten besuchen, wollen nicht mehr zu Hause bleiben; sie erwarten des Morgens den Schuldiener mit Ungeduld, um mit ihm in die Schule zu gehen. Wir freuen, uns zu sehen, wie die Zöglinge von zarter Jugend an schon gelehtt werden, sich rein zu kleiden, sich anständig beim Effen zu verhalten rc. Wenn die Kinder einmal groß geworden find und gute Juden und anständige Menschen sein werden, so werden sie dies dem Hilfsverein der deutschen Juden zu verdanken haben. Wir hatten bis jetzt mehrere Besuche, darunter auch den di s Herrn Dr. Gaster aus London. Die Zöglinge haben ihm ein hebräisches Lied vorgesungen; derselbe war glücklich darüber und drückte seine Zufriedenheit über die Reinlichkeit und die gute Ordnung aus, die er bei uns getroffen. Da günstige Erfahrungen wie in Haifa auch an anderen Orten Palästinas gemacht worden find, wo der Hilssverein der Deutschen Juden Kindergätten zur Einführung brachte und insbesondere, da die einheitliche Vorerziehung durch die Kindergärten unschätzbare Dienste für die palästinensischen Schulen leistet, die es mit Schülern zu tun haben, in deren Familien die verschiedensten Idiome gesprochen werden, so sucht der Hilfsverein den an ihn aus immer neuen Plätzen herantretenden Gesuchen zur Begründung von Kindergätten im Rahmen seiner Mittel weiter zu entsprechen. So wurden in der letzten Sitzung des geschäftsführenden Ausschuffes wiederum. Mittel zur Eröffnung eines Kindergartens in Liberias zur Verfügung gestellt. Weitere Gesuche werden zur Zeit geprüft. Berlin. In den Räumen des D. I. G. B. tagte hier der Ausschuß der „Gesellschaft zur Förderung der Wiffenschast des Judentums". Vor Einttitt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken ihrer verstorbenen Mitglieder, der Herren Direktor Dr. Baerwald und Rabbiner Doktor Ziemlich, sowie des Heimgegangenen Profeffors Doktor Freudenthal durch Erhebung von den Sitzen. Der Geschäftsbericht konstatiette ein stettges Anwachsen der Mitglieder^ahl, die zur Zeit über 950 beträgt, und stellte das Erscheinen mehrerer Werke der Gesellschaft für die allernächste Zeit in Aussicht. Es find dies: 1. Sch aPiro, die haggadischen Elemente im erzählenden Teil des Koran; M. Philippson, Neuere Geschichte der Juden, Bd. 1; das Maimouides-Gedenkbuch Bd. 1 und der I. Band der von M. B r a n n gesammetten Auffätze von D. Kaufmann. Von den wissenschaftlichen Unternehmungen der Gesellschaft find außer dem Maimonides-Werk die Arbeiten für die Germania-Judaica soweit gediehen, daß der größere Teil des Arbeitsstoffes unter die Mitarbeiter vetteilt ist und mit der Ausarbeitung demnächst begonnen werden kann. Vom Corpus Tanaiticum wird der I. Band der Sisra vo« M. Friedmann -Wien demnächst dem Druck übergeben werden können. Der Ausschuß beschloß die wettere Ausgestaltung der Monatsschrift für Geschichte und Wiffenschast des Judentums, welche durch Heranziehung einer weiteren Reihe von Mitarbeitern in den Stand gesetzt werden soll, von Zeit zu Zeit Bettchte über den Stand der Wiffenschast des Judentums und der chr ^verwandten Gebiete zu geben. Es wurde ferner in Aussicht . genommen, die Generalversammlungen der Gesellschaft zuweilen * i-# V J‘ Z ' . i « . _t; | - 5 «!: s

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