Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 27 (5.7.1907)
- Date
- 1907-07-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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beite 446 Dr. LLocv's Mocdenscbritk. Nr. 37 K 227*24, ferner eine solche von K 500.— und eine von K 200.— von zwei Wohltätern, endlich das Rcinerträgnis der am 17. Jänner 1906 abgehaltenen Konzertakademie figurieren, welche Betrage teils an den Kultusvorstand in Kischinew (K 200.—) — s. Nr. 24 v. I. 1903 der „Österreichischen Wochenschrift" — teils an den österr.-russ. Hilfsverein in Wien K 2000.—. teils an die „Allia n z" — für Rumänien (K 879*46) gesandt wurden. Auch für die arme Mutter Hilsner's wurden £ 25 (in obiger Summe mitenchalten) gewidmet. Ein weiterer Betrag — für Rumänien — von über £ 700.— liegt bereit und wird demnächst abgeführt. Parallel, aber fich vollkommen deckend mit den Bestrebungen des Vereines vollzog sich ein ebenso edles wie energisches Eintreten für die unglücklichen jüdischen Opfer sowohl in Rußland wie in Rumänien seitens einer Dame, die wir alle bewundernd an der Spitze einer mächtigen Bewegung schreiten sehen, unsere allbekannte, allverehrte Baronin Bertha von Suttner, welche nicht nur in der Konzertakademie vom 17. Jänner fich mit der Reproduktion des von Baron Doblhosf gedichteten Prologs und der Deklamation eines von Fräulein P. Eisner eingesandten Gedichtes (s. Nr. 3 und 4, S. 61 der „Ocsterr. Wochenschrift" v. I. 1906) an die Spitze stellte, sondern auch später für diese armen Entrechteten und Vergewaltigten eine Lanze brach — für die russischen Pogrom- Opfer in der „Zeit" (f. Nr. 28 v. I. 1906 der „Oesterr. Wochenschrift"), für die rumänischen Leidensgenossen im „Neuen Wiener Tagblatt" vom 6. April 1907. Auf Grund dieser so fortgesetzten edlen Betätigung der Tendenzen des Vereins wurde die Baronin über Antrag des Vereinsvorstandes mit begeisterter Akklamation zur Ehrenpräfidentin des Vereins gewählt. — Noch einer freiwilligen Mitarbeit gedachte der Schriftführer in seinem Berichte, es ist die unermüdliche schriftstellerische Tätigkeit zweier Wiener Kaufleute, der Herren Elias Lehr und Eduard Trnka> welche fich keine Mühe und Kosten verdrießen lassen, rhre^ philanthropischen Ideen in Flug- und Denkschriften zu propagieren. Der Bericht verzeichnet ferner im Kalenderjahre 1906 an Einnahmen £ 4618*57, an Ausgaben dagegen £ 4196*81 ausschließlich der durch die Konzertakademie verursachten Geldbewegung. An der hierauf eröffnetcn Diskussion beteiligte fich zunächst Herr Dr. Arm. K a m i n k a als Sekretär der „Allianz", um in warmen Worten der Vereinsleitung für ihre Bemühung zu danken; Herr Dr. Neu da beantragte eine lebhaftere Betätigung, namentlich ein Hinaustretcn zur akademischen Jugend, welchem sich Dr. Em. von Hoffmannsthal anschloß und es wurde sodann folgende Resolution einhellig beschlossen: „Die am 22. Juni 1907 tagende Generalversammlung des „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" verurteilt auf's Schärfste die anläßlich der Reichsratswahlen so zahlreich gegen unsere jüdischen Mitbürger zum Ausdruck gelangten Feindseligkeiten, insbesonders aber gegen die seitens einer parlamentarischen Verbindung — lediglich aus dem Grunde der Zugehörigkeit zum Judentum, bezw. zur Sozialpolitik — vollzogene Ausschließung hochgebildeter Männer von hervorragender Intelligenz und bewährtem edlen Charakter aus ihrer Vereinigung. Sie kennzeichnet diese von niedrigster Gehässigkeit oder Feigheit eingegebene Handlungsweise geradezu als Schandfleck für jene Nation, der die Urheber angehören, und geeignet, ihr den Stempel der größten Rückständigkeit aufzudrücken. Allein nicht minder ist die Beschränktheit und Unkenntnis der Geschichte zu beklagen, welche durch das hiebei zu Grunde liegende Rassenvorutteil, sowie durch die stillschweigende Annahme der eigenen Rafsenreinheit eklatant an das Tageslicht gekommen ist — denn bekanntlich waren cs gerade die Juden, die stets die größte Förderung der genannten Nation angedeihen ließen und öfters noch in die Lage kommen dürften, sich ihr nützlich zu erweisen. Abgesehen von der hiedurch auferlegten Verpflichtung zur Dankbarkeit wird aber die über alles Wissen und Talent sich hiuwegsetzcude Klassifizierung, d. h. vorgefaßte Minderwertung von Menschen, die förmlich zum Tierreich hinabsührende Gattungs-Manie als das schlimmste Armutszeugnis, und zwar nicht nur für die Rassenfanatiker allein hiemit gebrandmarkt, da hiedurch nur den rohen Instinkten der Massen und dem Dünkel einzelner Kasten Vorschub geleistet wird. Die Generalversammlung protestiert gegen diese fortgesetzte, allen Menschenrechten hohnsprechende und systematisch betriebene Verhetzung, wie sie nicht nur von den Majoritäten im Landtag und der Gemeindestube, sondern neuerdings von einzelnen frisch gewählten Reichsratsabgeordneten beliebt wurde, sie drückt ihre Entrüstung und ihr Schamgefühl über die krasse Charakterlosigkeit aus, die in der durch den gemeinsamen Judenhaß bewirkten Verbrüderung der sonst sich am stärksten befehdenden Parteien besteht, sie beklagt und, verdammt die allgemeine Kurzsichtigkeit, welche die demagogischen Wortführer immer noch in Stand setzt, ihre unselige Wühlarbeit der Absonderung nach Stämmen weiter fortzusetzen - jene Verhetzung, deren Endziel doch nur der Krieg mit all seiner Bestialität und Unmoral und die Rückkehr zur Gewaltherrschaft bilden muß!" Die hierauf vorgenommenen Wahlen ergaben per Akklamation die Wiederberufung auf ihre Posten der bisherigen Funktionäre: Osw. Hohensinner,Prof. Dr. Szeberiny, Dr. Kronawetter, Oberinspektor F. R. Engel, sowie die Neuwahl des Herrn Gemeinderates, Kommerzialrat Doktor Alex. R. v. Dorn und des Regierungsrates Heinr. Löhner, welche beide die Wahl anzunehmen sich bereit erklärt hatten. Bielitz. (Parteitag der Zionisten.) Während der beiden Feiertage hielten die österreichischen Zionisten unter Teilnahme der zionistischen Reichsratsabgcordneten hier ihren Parteitag ab, der aus allen Kronländern beschickt war. Den Jahresbericht des Landeskomitees erstattete dessen Obmann, Doktor S ch a l i t aus Wien, der auf die politischen Erfolge der Zionisten im letzten Jahre hinwies und betonte, daß die Vorgänge in Rußland der mittelbare, Anstoß für eine, selbständige. , jüdische Politik der österreichischen Juden wurden. Es wurde versucht, die Judenfrage auf die Tagsordnung der Haager Friedenskonferenz zu setzen. Trotz der Unterstützung Englands und Amerikas wurde bloß erreicht, daß in der nächsten Zeit im Haag eine Ausstellung eröffnet wird, in der einer Statistik der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Juden in der ganzen Welt eine Statistik der Judenmaffakres der letzten hundert Jahre und ihrer Folgen gegenübergestellt werde. Ueber Antrag des Abgeordneten Dr. Gabel wurde der Parteileitung das Vertrauen ausgesprochen. Einen großen Teil der Beratungen nahmen die Organisationsftagen ein. Es folgte eine Debatte über die Beteiligung der Zionisten an fremdnationalen Bestrebungen. Die Zionisten aus Böhmen traten für die Unterstützung der deutschen Schutzvereine ein. Der Antrag wurde nach stürmischer Debatte abgelehnt, wobei das Verhalten der deutschfreisinnigen Partei während der parlamentarischen Vorgänge der letzten Woche den Ausschlag gab und auch auf die Demonstrationen an der Prager Universität gegen den Abgeordneten Dozenten Dr Mahler hingewiesen wurde. Am Sonntag referierte Abg. Dr. Mahler über die jüdischen Ansiedlungen, in Palästina. An den Kongreß schloß sich ein Kommers, sowie eine Trauerfeier anläßlich des Todestages Dr. Theodor Herzls an. Budapest. Am 26. d. M. hielt der ungarische Landes- Rabbinerverein im Sitzungssaale der hiesigen Chewra-Kadischa seine erste ordentliche Generalversammlung ab. Der transdanubianische Rabbinerverein, der seit elf Jahren besteht, hat die Grenzen seiner Tätigkeit erweitert, indem aus demselben der Landesverein fich gebildet, ohne daß derselbe seine Existenz als Zweigverein aufgeben würde. Der Landesverein zählt bis nun 95 Mitglieder. Natürlich halten sich die Orthodoxen fern, obfchon die gleichen Interessen sie zum Anschluß an den Verein veranlassen sollten. Die Generalversammlung wurde mit einer von Dr. Armin Schnitzer (Komü-rom) als Vorsitzenden gehaltenen Rede eröffnet, in der er in einigen markanten Zügen die heilige Aufgabe des Verbandes zeichnete, den aber zwei Umstände an der vollen Entfaltung seiner Tätigkeit behindern.