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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-07-05 · 27 (5.7.1907) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
27 (5.7.1907)
Date
1907-07-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 27 Dr. Llocb's TOocbenscbrtft. Seite 445 sammen und die sensiblen Zuleitungsbahnen find unterbrochen. Die Reaktion auf äußere Reize hört auf und der Schlaf ist da. (8.L'amoel)!8m6 des cellules nerveuses Rev.scient. 1898,Nr 11.) Der Schlaf entsteht also dadurch, daß die Zuleitungsbahnen unterbrochen, d. h. ertötet werden. Ist es nun zu viel gesagt. Der Schlaf istder sechzigste Teil des Todes. Daß die Talmudisten diese ganz neue moderne, durch die experimentelle Psychologie erkannten Theorien schon wußten, wollen wir nicht gesagt haben. Wir wollten nur zeigen, daß die Ahnung unserer Alten, die den Schlaf als eine Art Tod aufgefaßt, mit den Wahnvorstellungen der Griechen nichts zu tun hat. Ebenso erklärlich ist auch jene Behauptung, die im Traume den sechzigsten Teil der Prophetie erblickt. Träume, die einen prophetischen Charakter haben sollen, hören wir nicht selten und der Psychologe W. Robert findet das ganz natürlich. In seinem Buche „Der Traum als Naturnotwendigkeit erklärt (2. Aust., Hamburg Seipel 1888) lesen wir: „Tritt das, was nur instinktiv empfunden und erst durch Traumarbeit zum Bewußtsein gekommen ist, als Ereignis in das Leben eines Menschen, so kann der Traum Prophet, Warner oder sittlicher Beschützer für ihn sein." Der „dunkle Satz im Talmud" : „Wer sieben Nächte hindurch nicht träumt, ist ein böser Mensch", wurde schon vor 35 Jahren von einem Nichtjuden (der allerdings in seinem Buche „Die Juden unserer Zeit", Regensburg 1842 bei G. Manz mehr Verständnis für Juden und Judentum hat als viele, moderne, gebildete „Rabbiner" unserer Zeit) sehr richtig und wissenschaftlich erklärt. Den Beweis für die angeführte Ansicht finden die Talmudisten nämlich in den Sprüchen Salomos, und zwar dadurch, daß sie von der gewöhnlichen Uebersetzung der Stelle 19, 23 abweichen. Im Urtexte heißt sie also : in npS'-ba rsttn Die gewöhnliche Uebersetzung ist: „Wer weilt im Ueberflusse, wird nicht heimgesucht vom Uebel." Die Talmudisten sagen nun, man solle nicht V2V-, (sabhea), d. h. satt oder im Ueberflusse leben, sondern WBn (Schewa), d. h. sieben. Die Erklärung dieser Stelle bleibt aber ganz dieselbe, ob man nun das Wort satt beibehält, oder statt dessen „sieben" stellt. Die Talmudisten berufen sich sogar bei ihrer Erklärung auf diese doppelte Uebersetzung, indem sie das Wort in seiner doppelten Bedeutung gelten lassen und beide auch mit in ihre Uebersetzung bringen. Einen göttlichen, von oben stammenden Traum, sagen sie, kann bloß jener haben, welcher durch Mäßigkeit die natürliche Einwirkung des Verdauungsprozesses auf die geistigen Kräfte, so viel an ihm liegt, zu verhindern sucht. Dieser hat zwar nicht jederzeit göttliche Träume, wohl aber verginge selten eine Nacht, in der er gar nicht träumte, und zwar auch aus natürlichen Ursachen. Wer aber durch Unmäßigkeit seinen Magen und die natürlichen Kräfte des Körpers zu sehr affiziere, dessen Geist müsse infolge dieser körperlichen Ueberfüllung umnebelt und selbst gleichsam in denselben Zustand der Lethargie versetzt werden, in welchem der Körper sich befindet, wodurch aber nicht bloß jeder von oben gegebene Traum unmöglich gemacht, sondern selbst Träume, welche durch natürliche Ursachen entstehen, verhindert werden, sVgl- „Statistische Untersuchungen über Träume und Schlaf" von Fr. Heerwagen in den „Philos. Studien" 1888, S. 311, wo er zu dem Resultate kommt, daß „je leiser der Schlaf, desto häufiger der Traum", beim lethargischen Schlafen aber Träume überhaupt nicht denkbar find.) Weil aber eine einmalige Sättigung über das Maß auch den Frömmsten widerfahren könne, so habe sich die Bibel absichtlich des Wortes bedient, um anzuzeigen, daß nur jene als böse und durch und durch schlechte Leute zu betrachten seien, welche siebenmal, gleichsam die ganze Woche hintereinander, sich so übersättigt zur Ruhe begaben, daß, in dumpfen Schlaf versunken, ihr Geist kein Traumbild sehen kann. Daß die Juden auf Träume ein besonderes Gewicht gelegt hätten, wie Herr Dr. Schnitzer behauptet, ist uns überhaupt unbekannt. Die Talmudisten selbst sagen sUvi pnep -rapn jkö *6 n'Bp. Also, wer auf Träume nichts gibt, hat sich vor Träumen nicht zu fürchten. Die ganze Traumdeutung hat bei ihnen einen subjektiven Charakter, nSn nnx jo^in ma-6rn *». Dieser Satz ist durch die modernen Theorien über Suggestion leicht begreiflich. Ausführlicheres über die Auffassung der Träume bei den Talmudisten in meiner demnächst erscheinenden Schrift: „Die Psychologie im Talmud". Luzern, am 24. Juni 1907. BenJhudah. Korrespondenzen. Verein zur Abwehr des Antisemitismus. In der am 22. Juni a. c. stattgefundenen Generalversammlung dieses Vereines wies nach der Begrüßung der Vizepräsident Herr Oswald Hohensinner zunächst darauf hin, daß die innerpolitischen Ereignisse nicht ohne Wirkung auf die Vereinstätigkeit geblieben find. Leider war das abgelaufene Jahr 1906 wieder durch 2 schwere Verluste gekennzeichnet. Sowohl der langjährige verdiente Präsident Dr. Josef Freiherr von S e i l l e r wurde durch den Tod entrissen — 3. Dezember 1906 — s. Nr. 50 der „Oesterr. Wochenschrift" v. I. 1906; wie auch der geniale Vizepräsident Dr. Heinrich Graf Coudenhove-Kalergi (14. Mai 1906). Angesichts der hohen ethischen und wissenschaftlichen Bedeutung des verblichenen Vizepräsidenten trage der Vorstand nur eine Ehrenschuld ab, wenn er eine besondere Würdigung dem Andenken desselben zuteil werden lasse. Der bekannte Bibliothekar Herr Dr. Bernhard Münz entledigte sich dieser Aufgabe in einer ebenso gehaltvollen wie tiefempfundenen Gedenkrede*), welche den lebhaftesten Beifall erweckte. Aus dem hierauf vom Schriftführer Oberinspektor Engel vorgetragenen Verwaltungsberichte ist zu entnehmen, daß seit der vorausgegangenen Generalversammlung 3 Vorträge gehalten wurden: am 26. Mai 1906 durch Dr. Friedrich Elbogen über den Prozeß H i l s n e r (s. Nr. 22 v. I. 1906 der „Oesterr. Wochenschrift", außerdem in einer bei Löwit verlegten Brochure), am 1. März 1907 durch Dr. Franz Oppenh e i m e r aus Berlin über das „Rassenvorurteil", (Nr. 18—21 der „Oesterr. Wochenschrift"), am 3. April 1907 durch Dr. I. Taglicht: „Sind die Wurzeln des Judenhaffes religiöser oder wirtschaftlicher Natur?", welcher demnächst erscheinen wird. Jede dieser 3 Darbietungen war in ihrer Art ein Meisterwerk, wofür der Verein zu ganz besonderem Danke verpflichtet sei. Nebenher liefen kleinere Aktionen, so ein Beglückwünschungsschreiben an Major Dreyfus anläßlich deffen vollkommener Rehabilitierung (Nr. 30 1906 der „Oesterr. Wochenschrift"), eine Dankadresse an die Königin von Rumänien anläßlich der von ihr dem Judentum und den erhabenen Lehren Mosis in Form von „Erinnerungen" gezollten Verehrung, eine Eingabe an das k. k. Ministerium des Innern um Einschreiten gegen die von einzelnen Reichsratskandidaten in ihren Reden beliebten rohen und niedrigen Anwürfe gegen unsere jüdischen Mitbürger, endlich ein Glückwunschschreiben an Baron Hock aus Anlaß seiner erfolgten Reichsratswahl (Nr. 23 v. I. 1907 der „Oesterr. Wochenschrift). Diese offenen Schreiben an Dreyfus und Baron Hock lösten eine Flut von Schimpfreden im „Deutschen Volksblatt" aus — ein Beweis, wie richtig sie angebracht waren. Die furchtbaren Judenschlächtereien in Rußland und neuerdings in Rumänien beschäftigten ebenfalls den Verein, wiewohl sich hiebei die Aktion nur auf die Linderung der materiellen Not beschränken konnte; es wurden Sammlungen eingeleitet; der hiebei für die russischen Opfer bestimmte Auftuf erschien in Nr. 25 1906 der „Oesterr. Wochenschrift", jener für die rumänischen in mehreren Tagesblättern vom 27. März a. c. Das Ergebnis aller der seit den Maffakres von Kischenew (1903) eingeleiteten Sammlungen beläuft sich auf K 3104 46, worunter eine Spende des Vereins selbst per X 500.— und *) Diese wird in einer der nächsten Nummern erscheinen.

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