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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-06-28 · 26 (28.6.1907) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
26 (28.6.1907)
Date
1907-06-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 26 Dr. Lwcb's MocdenscbrM. Seite 4SI sich steigerte und eine Agrarrevolution in Sicht trat, immer mehr zu einem beliebten Mittel der antisemitischen Agitatoren, um den Haß der verzweifelten Bauern, namentlich in der Moldau, auf die Juden abzulenken. Die obersten Regierungskreise förderten durch ihr Wohlwollen die sich maßlos entfachende judenfeindliche Agitation. Die Professoren Cuza und Jorga reisten von Stadt zu Stadt und hielten haßerfüllte Vorträge über die Gefahr, welche die Juden für das Land bilden. Einer jüdischen Deputation, welche anläßlich des Jubiläums des Königs Carol eine Adresse überreichte, worin es hieß: „Die Größe dieses Landes, welches wir mit Stolz unter der Regierung Eurer Majestät als unsere Heimat betrachten, liegt auch uns am Herzen. Das Glück, welches die ruhmvolle und glorreiche Regierung unseres ersten Königs gebracht hat, wird von uns wie von allen treuen Söhnen des rumänischen Vaterlandes tief empfunden", hat der König in seiner Erwiderung nur zugegeben, daß „die Naturalisation für die Juden schwer zu erlangen ist". Der Minister des Innern, Cantacuzene, tat aber das Seinige, um die Juden, namentlich in den Dörfern, fühlen zu lassen, das sie als fremd und rechtlos im Lande betrachtet werden. Durch eine Instruktion an die Provinzbehörden wurden die strengsten Maßregeln für den Aufenthalt der Juden auf dem Lande angeordnet. Die Präfekten fingen an, sich in Grausamkeiten bei der Ausweisung jüdischer Familien aus den Dörfern zu überbieten. Mitten im strengsten Winter wurden, namentlich aus den Distrikten Dorohoi und Botosani zahlreiche Juden von Haus und Hof verjagt. Das hetzerische Blatt „Sentinela" schrieb am 3. Dezember 1906: „Um uns von den Juden, die uns überfluten, wie von einem verfluchten Aussatz zu befreien, haben wir beschlossen, alle erlaubten und nicht erlaubten Mittel zu gebrauchen. Um unser Land zu befreien, um unsere verletzten Rechte (!) wieder zu gewinnen, um uns von der verdammten Sklaverei der Juden frei zu machen, werden wir kein Geschoß, keinen Tod, keine Regierung, noch irgend eine Macht in der Welt fürchten." In dieser Weise vorbereitet und von rücksichtslosen Demagogen geleitet, wurden im März dieses Jahres Banden unwissender und verzweifelter, von den Bojaren ausgesogener Bauern zunächst in der Moldau zur Plünderung und Beraubung der Juden gereizt, welche als Urheber alles Unglückes dargestellt wurden. Die ausgestreute giftige- Saat gedieh wider Erwarten, ja zum eigenen Entsetzen der verblendeten Urheber." Der Bericht gibt hierauf eine kurze Darstellung der ersten Hilfsaktion, die seitens der Allianz zur Linderung der momentanen Not eingeleitet wurde, an welche sich dann unter Mitwirkung der internationalen Hilfsorganisationen eine weitere Organisation des Hilfswerkes anschloß. „So lange die Bauernunruhen einen rein antisemitischen Charakter behielten und die Opfer der brutalen Exzesse bis auf einige wohlhabende Pächter hauptsächlich die schwer um ihre Existenz kämpfenden Juden in den Städten und Marktplätzen der nördlichen Moldau waren, hatte die Regierung sich vollkommen passiv verhalten und nichts geschah, um den Vandalismus und der grausamen Ruinierung menschlicher Existenzen Einhalt zu tun. Der Präsident der „Allianz", Herr David Ritter von G u t m a n n, nahm Audienz bei Seiner Exzellenz dem Minister des Aeußern Freiherrn v. Aehrenthal und ersuchte um Schutz für unsere an Leben und Eigentum bedrohten Glaubensgenossen im Nachbarlande. Dieser Schutz wurde im vollen Maße für diejenigen Juden in Aussicht gestellt, welche österreichische Untertanen find. Zugunsten der eigentlichen, theoretisch unter dem Schutze des Berliner Vertrages stehenden rumänischen Juden fand leider keine der Großmächte sich, bereit, einen Finger zu rühren. Als jedoch die Unruhen in Rumänien einen bedrohlichen Charakter für die christlichen Gutsbesitzer annahmen, sich über die ganze Moldau ausdehnten und in der Walachei zur Niederbrennung und Verwüstung zahlreicher Bojarenschlösser und Gutshöfe führten, als bereits Bukarest vor marschierenden Bauernmassen zitterte und das königliche Palais nicht mehr ganz sicher war, wurde bald mit Hilfe des Militärs durch drakonische Maßnahmen, durch Niederschießung hunderter von Bauern, die Ruhe wiederhergestellt. Es konnten dann auch die Flüchtlinge aus den österreichischen Grenzorten noch zu den Pessachfeiertagen nach der Heimat zurückkehren. Wir ließen den repatriierten Familien durch unsere Filiale in Czernowitz Barunterstützungen für die erste Zeit bis zur genauen Feststellung der erlittenen Schäden und des Umfanges der notwendigen definitiven Hilfe zukommen. Ebenso sandten wir nach Bukarest einen größeren Betrag für die momentane Hilfe in den von der österreichischen Grenze entfernteren Orten. Wir setzten uns dann mit den befreundeten Organisationen in Deutschland, Frankreich und England in Verbindung, um gemeinschaftlich eine Aktion für die Wiederherstellung der ruinierten Existenzen einzuleiten. Unser Sekretär begab sich am 3. April noch einmal nach Rumänien, um mit den Komitees in Bukarest, in Jassy und an der österreichischen Grenze die Grundsätze und die Modalitäten einer zweckentsprechenden Hilfeleistung zu besprechen. Das Ergebnis einer umfassenden telegraphischen und schriftlichen Korrespondenz mit den anderen westeuropäischen Komitees, sowie der Besprechungen mit den rumänischen Vertrauensmännern war, daß wir mit der Zentralisierung der gesamten Aktion und mit der Leitung derselben namens aller europäischen und amerikanischen Hilfskomitees betraut wurden. Wir hatten bereits vorher an unsere Vertrauensmänner in Rumänien Fragebogen zum Zwecke der Eintragung sämtlicher durch die Exzeffe in Not geratenen Familien und der Feststellung der Höhe des Schadens gesandt. Nach den eingelaufenen ausführlichen Listen waren, allerdings nach einer bezüglich des Maßes der zu leistenden Hilfe noch zu überprüfenden Schätzung der Verluste, insgesamt 3231 Familien zu berücksichtigen, deren Schaden mit 4,888.042 Francs beziffert wurde. Danach würde der für die Hilfsaktion präliminierte Betrag von 500.000 Francs ähnlich wie bei der Aktion in Rußland durchschnittlich eine Entschädigung von nur etwa 10 Perzent des Verlustes gestatten, wobei selbstverständlich die armen Geschädigten eine bedeutend höhere Quote, die bester Situierten eine verhältnismäßig geringere oder gar keine Unterstützung erhalten würden. Der für das Minimum der Hilfe präliminierte Betrag von 500.000 Francs dürfte sich leider schon deshalb als zu gering erweisen, weil in den Schätzungen nur die direkten Opfer der Plünderungen und Verwüstungen berücksichtigt find, während die ganze Kategorie der Juden, die sich kümmerlich in den Dörfern und Marktflecken ernährt hatten und nicht durch Ueberfall seitens der Bauern, sondern durch behördliche Maßregeln, infolge Vertreibung aus den Dörfern ihrer Existenz beraubt wurden, noch nicht in Betracht gezogen war. Diese nach Tausenden zählenden ferneren Opfer der rumänischen Vergewaltigung werden zur Gründung einer neuen Existenz voraussichtlich besonderer Hilfe seitens der vereinigten Organisationen bedürfen. Jüdischterritorialistische Organisation. Gegenüber den Meldungen einer Anzahl von Journalen aller Weltteile, betreffend ein jüdisches Kolonial-Projekt in Australien, hält es die Jüdisch-territorialistische Organisation für notwendig, festzustellen, daß in diesem Weltteile keine Auswahl für ein Betätigungsgebiet der „Jto" gettoffen wurde, wie überhaupt noch keine Wahl hat getroffen werden können, da ein Entschluß der „Geographischen Kommiffion" noch aussteht. Der Rat der „Jto" ist bloß mit der Vorbereitung des vorliegenden Materials für die genannte Kommiffion beschäftigt, indem sie in den verschiedenen in Betracht kommenden Gegenden die Grundverhältniffe eingehend studiert. Das Ansuchen um Ueberlassung einer Million Acres war ein rein persönliches des Herrn Alexander Marks, welcher es in der Absicht stellte, eine größere jüdische Einwanderung einzuleiten. Dieses Ansuchen wurde nicht zurückgewiesen, sondern bildet auch jetzt noch Gegenstand der Beratung mit der Westaustralischen Regierung. Die Jüdisch-territorialistische Organisation hat jedoch die Regierung über die Bedingungen informiert, welche es unwahrscheinlich machen, daß diese Sondergarantie den Anforderungen der „Jto"

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