Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 26 (28.6.1907)
- Date
- 1907-06-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 432 Dr. Slocb’s MocbenscdrtN. Nr. 26 entsprechen würde. Der Brief der „Jto" an Herrn Alexander Marks, welcher zum größten Teile verstümmelt reproduziert wurde, trägt den Charakter eines Privatschreibens, durch welches der Adressat über die Bedürfnisse der „Jto" und über die einzunehmevde Haltung gegenüber den verschiedenen Australischen Regierungen unterrichtet wurde, vorausgesetzt, daß die versuchsweise eingeleiteten Unterhandlungen fortgesetzt werden sollten. Der Brief, in welchem übrigens nicht von einer, sondern von zehn Millionen Acres die. Rede ist, hat folgenden Wortlaut: „Geehrter Herr! Wir sind vollständig zufrieden mit einer lokalen Autonomie. Was wir tatsächlich brauchen, ist Ellbogen- Freiheit (elbow-room). Wir hegen nicht den Wunsch, das Problem für wenige Tausende zu lösen, sondern eine mögliche Zukunft für unser ganzes Volk aufzubauen. Ich bin mir dessen vollständig bewußt, daß Australien sich energisch dagegen wehren wird, irgend ein Territorium abzutreten oder unsere Abfichten in irgend einer Weise zu fördern. Aber Australien steht nun vor der Wahl zwischen einer schwarzen Bevölkerung und einer jüdischen weißen Bevölkerung. Australien ist nun aus seinen vergangenen Torheiten erwacht und muß an die Möglichkeit eines künftigen Zusammenbruches denken. Die Juden wären tatsächlich imstande, die Zukunft des Landes als eines „weißen Territoriums" zu retten. Hierdurch sind wir in der Lage, unsere Bedingungen zu diktieren. Der große Fehler des jüdischen Volkes war es stets, andere Völker von seiner Pionier-Arbeit profitieren zu lassen. Ich bin überzeugt, daß Australiens gegenwärtige Vogel-Strauß-Politik ein Ende nehmen müsse und daß dies dadurch wird herbeigeführt werden, daß die Juden mannhaft Stellung nehmen und es ablehnen werden, auch fernerhin ohne jeden politischen Vorteil ausgebeutet zu werden. Der Jude muß sich die pofitive Sicherheit verschaffen, daß er, nachdem er das Land zur Blüte gebracht hat, nicht wieder zu einem Parasiten und Blutsauger gestempelt werde. Ein bestimmt umschriebenes Gebiet des Territoriums muß ihm als eine öffentliche Anerkennung zu eigen werden. Die zehn Millionen Acres, von welchen Sie sprechen, würden — falls ihr Klima wirklich ein gesundes ist — der „Geographischen Kommission", von der ich Ihnen bereits erwähnte, sehr wahrscheinlich empfehlenswert erscheinen. Eine Option für eine bestimmte Zeit würde es uns möglich machen, eine Entscheidung zwischen diesem und den vorliegenden Projekten anderer Länder zu treffen. Pioniere zu finden würde nicht auf Schwierigkeiten stoßen. Sind wir einmal im Besitze des Landes mit dem Ausblick auf die See, wie Sie es erwähnen, und ist das Land entsprechend gesund und ausreichend groß, so macht mir das Weitere keine Sorge. Der Gewinn für Australien wäre nicht geringer, als derjenige für unser Volk. Wir brauchen kein heuchlerisches Mitleid, keine Toleranz, sondern ein klares Geschäft, welches beiden Teilen Nutzen bringen soll. Unsere Hoffnung liegt darin, daß wir in weiterer Zukunft in Australien eine jüdische Provinz besitzen werden. Vielleicht einen jüdischen Staat gar, als sicherlich nicht zu unterschätzendes Glied innerhalb der Australischen Föderation. Ihr aufrichtiger Israel Zangwill." Die Australische Presse, so besonders der „Daily Telegraph" in Sydney, hat diesen Brief, der vollinhaltlich reproduziert wurde, mit wohlwollenden Kommentaren ausgenommen und besonders hervorgehoben, daß die Australische Regierung, vorausgesetzt, daß die von Zangwill angedeuteten Bedingungen nur irgendwie akzeptabel wären, sich mit dem Projekt ernstlich befaffen müsse. Jüdische und christliche Wohltätigkeit. Der gewesene Advokat Moritz Widder in Kaschau hat eine Stiftung von 120.000 Kronen hinterlaffen, deren Zinsen zur Unterstützung der Armen der Stadt Kaschau, sowie als Stipendien für vier Schüler des dortigen Obergymnasiums, ohne Unterschied der Konfession verwendet werden sollen. Wie E . . . . g dagegen hervorhebt hat der hauptstädtische Mühlenbesitzer Herr Heinrich Haggenmacher, anläßlich seines achtzigsten Geburtstages, eine Reihe von Stiftungen und Wohltätigkeitsakte im Betrage von 50.000 Kronen inauguriert, die sämtlich ausschließlich konfessionellen Institutionen, mit Ausschluß der Juden, zufallen. * * * Das „Wiener Montags-Journal" schreibt in der letzten Nummer: „Wir übermitteln dem „Deutschen Volksblatt" die Daten zu einem Nachruf kostenlos. Dieser Tage ist der Gemeinderat Costenoble gestorben und hat 200.000 Kronen hinterlassen. Als Universalerben hat der Verstorbene seinen Neffen eingesetzt, den Nutzgenuß des Vermögens hat Costenobels Schwester. Sonstige Legate sind nicht vorhanden. Wie wäre es, wenn das „Deutsche Volksblatt" einmal eine Parallele ziehen würde zwischen dem arischen Gemeinde- und Stadtrat, der ein namhaftes Vermögen hinterläßt, den Armen Wiens aber keinen Heller zukommen läßt, und den vielen jüdischen Verstorbenen, die der Stadt Wien wirklich generöse Geschenke hinterlassen haben. Wir brauchen nur auf das jüdische Fräulein zu verweisen, das der Stadt gleich einen ganzen Park vermacht hat. Beileibe nicht, um zu sagen, daß die Juden keine Verpflichtung gegen die Stadt haben, die trotz aller ungerechten Verfolgungen durch die. Machthaber ihre Vaterstadt ist, der sie viele glückliche Stunden verdanken, sondern nur, um das genannte Blatt aufmerksam zu machen, daß die ominösen Rufzeichen, deren das Blatt soviele am Lager hat, auch hinter die Namen jener Stadt- und Gemeinderäte gehören, die der Stadt Ehren und Vermögen verdanken, nach ihrem Tode aber dieser Stadt nicht einmal ein Andenken hinterlassen." vermischtes. Jüdische Mitglieder des österreichischen Herrenhauses. Mit dem jüngsten Pairsschub gelangte unter den lebenslänglichen Herrenhausmitgliedern auch Hofrat und Professor an der Wiener Universität Dr. Josef Schey Freiherr von Koromla ins Herrenhaus. Professor von Schey ist einer der hervorragendsten Zivilrechtslehrer und ist auch Mitglied der Kommission zur Reform des bürgerlichen Gesetzbuches. Außer Hofrat von Schey gehören Hofrat Grünhut, Hofrat Theodor G o m p e r z, Kammerpräsident Julius Ritter von G o m p e r z (Brünn), Kammerpräsident N e u m a n n (Reichenberg) und Freiherr von Oppenheimer dem Herrenhause an. Abgeordneter Universitätsdozent Dr. Mahler. Gegenüber dem Haberfeldtreiben, welches deutschfortschrittliche und deutschradikale Studenten der Prager Universität gegen Dr. Mahler veranstalten, haben die zionistischen Studentenvereine nachstehende Eingabe an das Unterrichtsministerium geleitet: Die Unterzeichnete zionistische Studentenschaft Oesterreichs erhebt energischen Protest gegen die kulturwidrige Hetze, die von Prager Universitätshörern gegen die Dozentur des Reichsrats- Abgeordneten Dr. Arthur Mahler inszeniert wird. Die Protestbewegung, die von jüdischer Seite ausging und in erster Linie gegen die jüdischnationale Gesinnung Dr. Mahlers, nicht gegen seine akademische Stellung gerichtet ist, widerspricht allen Grundsätzen von akademischer Freiheit, von Lehrfreiheit und Achtung vor ehrlicher fremder Gesinnung. Die Universität ist Kulturträgerin, nicht politische Arena. Wenn daher gegen Dr. Mahler aus rein politischen Gründen Stellung genommen und seine Entfernung aus dem Lehrkörper verlangt wird, so entspricht dies weder den Kulturaufgaben einer Universität, noch den Bedürfnissen freier Wissenschaft. Wir weisen darauf hin, daß Andersnationale an fast allen deutschen Universitäten lehren und gelehrt haben, und weisen mit aller Entschiedenheit den absolut unwahren Vorwurf zurück, daß ein zionistischer Hochschullehrer die freie Wissenschaft