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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-06-28 · 26 (28.6.1907) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
26 (28.6.1907)
Date
1907-06-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 430 Vr. Dlocb's Mocoenscvrm. Nr. 26 Wahrlich, unsere Talmudweisen haben recht, wenn sie sagen: „Seitdem das Heiligtum in Jerusalem zerstört wurde, ward die Prophetie den — Narren verliehen — nämlich jenen, welche an solche Wahrsagereien und Traumgesichter glauben. (Lada batra 12 b.) Es gibt so viel Unbegreifliches, woran zu glauben die Religion uns verpflichtet, daß wir jene Dinge, welche vor dem Tribunale der Vernunft nicht bestehen können, nicht glauben sollen, wenn wir nicht müssen. Ich schließe diese anspruchslose Arbeit mit dem Worte des Propheten: „Die Träume verkünden Falsches". (Zecharja 10,2.) Korrespondenzen. Die „Israelitische Allianz zu Lvien". Aus dem Berichte der Allianz seien im nachfolgenden einige die Hilfsaktionen in Rußland und Rumänien betreffenden Stellen wiedergegeben: „Wie seit einer Reihe von Jahren müssen wir leider auch diesmal bei unserer Berichterstattung über die Vereinstätigkeit in erster Reihe auf allgemein bekannte, empörende Ereignisse Bezug nehmen, welche über viele tausende unserer osteuropäischen Glaubensgenossen Jammer und Elend gebracht haben. Die beiden Länder, welche seit Jahrzehnten der gesitteten Welt mit einem traurigen Rhythmus abwechselnd das Schauspiel barbarischer Judenverfolgungen gaben und die jüdischen Hilfsorganisationen im Europa und Amerika ununterbrochen in Atem halten, Rußland und Rumänien, haben auch im verflossenen Jahre die hauptsächlichen Gebiete dargestellt, wo wir unseren gehetzten, entrechteten und geplünderten Glaubensbrüdern hilfreichen Beistand zu leisten hatten. Seit einigen Wochen erst mußte wieder einmal für die Juden in Rumänien eine umfassende Hilfsaktion eingeleitet werden, deren gesamte Führung von den westeuropäischen und amerikanischen Organisationen unserer Allianz in Wien übertragen wurde. Gegenüber dem dusteren Bilde der Unduldsamkeit, des Menschenhaffes und der Brutalität, welches wir in unserer Generalversammlung immer wieder zu entrollen gezwungen sind, liegt das Erfreuliche in dem erneuten Mute, mit welchem die Bedrückten selbst für ihre politischen Rechte und ihre wirtschaftliche Aufrichtung kämpfen, in der nie versagenden Opferwilligkeit, mit der unsere Mitglieder und Freunde uns in den Stand setzen, helfend einzugreifen, uud in dem einmütigen Zusammenschluß der gleichstrebenden humanitären Korporationen in Europa und Amerika, durch welchen Aktionen großen Stiles erfolgreich durchgefühlt werden." In Ergänzung der zu Beginn dieses Jahres veröffentlichten russischen Pogrom-Statistik und der durch die vereinigten Organisationen geleisteten Hilfe wird im Berichte mitgeteilt, daß denselben bis zum 30. Dezember 1906 für die Unterstützungen in Rußland 474.391 Pfund Sterling zur Verfügung gestellt wurden. Einschließlich der in Rußland selbst gesammelten Beträge konnten (gegenüber einem Schaden, der auf 54,000.000 Rubel geschätzt wurde) Unterstützungen in der Höhe von 6,185.751 Rubel, also durchschnittlich um etwas mehr als 10 Prozent, gewährt werden. Die Gesamtausgaben der „Israel. Allianz zu Wien" für das russische Hilfswerk betrugen im Jahre 1906, einschließlich der Emigrationskosten, K 1,199.830*81. „Angesichts der noch dazu fortdauernden, von offiziösen Organen geförderten Hetze gegen die Juden und der beständigen Furcht vor neuen Pogromen ist es selbstverständlich, daß der Strom der Emigration nach überseeischen Ländern sich in fast ungeminderter Stärke ergießt. Dabei besteht allerdings das Hauptkontingent der Emigranten aus Personen, welche nach der Veräußerung ihrer letzten Habe die Mittel aufbringen, um selbständig nach den Vereinigten Staaten und anderen Ländern zu gelangen, wo sie Anhaltspunkte für eine neue Existenz haben. Die Zahl derer, die mit unvollständigen Mitteln nach Wien kommen und unseren Verein zur Fortsetzung der Reise in Anspruch nehmen müssen, ist eine im Verhältnis zur gesamten Auswanderung nur geringe. Es hat jedoch der Ankauf von Schiffskarten für die durch unsere Mitwirkung beförderten Personen im Jahre 1906 K 220.364 erfordert. Außerdem wurden Bahnbeförderungskosten und sonstige Unterstützungen an Emigranten in der Höhe von K 214.637 bewilligt. In diesen Zahlen find aber nicht die Ausgaben für die Schiffskarten enthalten. welche über Basel nach Kanada und Argentinien gelöst wurden und für welche die „Jewish Colonization Association" in Paris die Kosten ab Basel direkt bezahlt hat. Auch für die übrigen überseeischen Emigranten hat die genannte Gesellschaft mit gewohnter Hochherzigkeit die von uns aus den russischen Fonds bewilligten Zuschüsse zurückerstattet; sie hat uns dadurch in den Stand gesetzt, aus diesen Fonds außer den für Unterstützungen an Opfer der Exzesse direkt und durch das „Russo Jewish Committee" überwiesenen K 641.476 87, in größerem Maße diejenigen zahlreichen und besonders bedauernswerten Auswanderer zu unterstützen, welche in Ermanglung der Erwerbsfähigkeit oder vollkommener Gesundheit von der überseeischen Beförderung ausgeschlossen wurden und in europäischen Ländern untergebracht, oder über ihr Ansuchen in die Heimat zurückgeschickt werden mußten. Die statistischen Zahlen über sämtliche im Jahre 1906 von der Wiener Allianz beförderten Personen sind bereits früher bekannt gegeben worden. In den Monaten Jänner bis April 1907 wurden ab Wien insgesamt 424 russische Emigranten expediert, und zwar wurden nach den Vereinigten Staaten 130. nach Kanada 49, nach Argentinien 32, nach Westeuropa 32, nach Palästina 6 weiterbefördert und 175 zur Rückreise unterstützt." „Abgesehen von der Judennot in Rußland wurde die „Israel. Allianz zu Wien" zu Beginn des heurigen Jahres durch die traurigen Ereignisse in Rumänien stark in Anspruch genommen. In Rumänien, wo infolge der Duldung seitens der Signatarmächte des Berliner Vertrages sich die permanente Rechtlosigkeit unserer Glaubensgenossen für die Regierung zu einer selbstverständlichen Institution -und-- Mr^ditz.'-PolMchey'-. Parteien zu einer unantastbaren nationalen Ueberlieferung gestaltete, hat sich während des verflossenen Jahres eine verstärkte antisemitische Agitation bemerkbar gemacht. Bezeichnend für den enragierten Judenhaß ist, daß selbst der amtliche „Führer" für die im vorigen Jahre anläßlich des 40jährigen Jubiläums der Thronbesteigung des Königs veranstaltete Ausstellung, durch welche die Aufmerksamkeit Europas auf die äußerlich glänzenden Kulturverhältnisse dieses angeblich fortgeschrittensten Balkanstaates gelenkt werden sollte, in gehässigster Weise gegen die jüdische Bevölkerung des Landes hetzte. In dieser unter Patronanz des General-Kommissärs Dr. Jstrati herausgegebenen Schrift, welche den — so vielfach unter hervorragender Mitwirkung der Juden herbeigeführten — Aufschwung Rumäniens zeigen will, heißt es u. a. bei einer Besprechung der ethnographischen Verhältnisse des Landes: „Am meisten beunruhigend ist die Invasion von Juden aus Polen, Galizien und Rußland Mit einer beispiellosen Toleranz (l) haben die Rumänen seit den ältesten Zeiten alle Bekenntnisse in ihrer Mitte zugelassen, aber jetzt ist eine große Gefahr für das Land entstanden. Die Juden, welche an anderen Orten verfolgt werden, überschwemmen den rumänischen Boden." Es werden dann die jüdischen religiösen Gebräuche verhöhnt und dann heißt cs weiter: „Alle diese Eigentümlichkeiten in ihrem täglichen Leben haben die Rumänen zu dem Urteil gebracht, daß es sich hier nicht um eine religiöse, sondern um eine Rassenfrage handelt. Dieses fremde Element, das sich nicht assimilieren kann und auch ohne geistige Verwandtschaft mit uns bleibt, bildet ein schweres Problem für die organische Entwicklung des rumänischen Staates, dies um so mehr, als der konfessionelle Partikularismus in einem ökonomischen Wettkampf übergegangen ist, wo nicht wie sonst in Europa Individuum gegen Individuum, sofern Rasse gegen Rasse steht. Bevor man auf wirtschaftlichem Gebiete von den Trusts jenseits des Ozeans Kenntnis hatte, haben wir derartige Trusts von Juden hier in Rumänien gegen den Handel und das Gewerbe der Rumänen gerichtet gesehen. Jetzt befinden wir uns gegenüber großen landwirtschaftlichen Trusts." Dieser verlogene Hinweis auf die Kartelle großer Pächter, unter welchen sich nur sehr wenige Juden befinden, wurde im Laufe des Jahres, da die Not der Bauern im ganzen Lande

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