Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 26 (28.6.1907)
- Date
- 1907-06-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 26 L»r. LloLv s Mocoenscdrlll. sette 427 waren kleine Bemerkungen mit Bleistift angefügt, vor allem aber jeder Passus, der die Beschuldigung eines Verbrechens gegen die bezeichneten Beamten enthielt, dick mit Tinte unterstrichen und am Rand mit fortlaufenden Nummern versehen. 24 Verbrechen hat die Lemberger Statthalterei mit Tinte in unserem Artikel numeriert, aus 24 Gründen sollen und müssen uns die Helden von Belz, Rawaruska und Zolkiew anklagen. Wir haben den Beweis in der Hand, daß die Lemberger Statthalterei die Angriffe auf ihre hohen Beamten zur Kenntnis genommen hat! Auf denn zum Turnier der Ehre! Volles Licht durch die Fenster des Gerichtssaales. Die Lemberger Statthalterei muß die Konsequenzen aus der Unvorsichtigkeit ihres Beamten ziehen, der uns ein reines Exemplar schickte und ein numeriertes. Sie weiß, daß wir Smolen und Genossen schwere Verbrechen vorgeworfen haben. Wir erwarten die Klage und werden gewiß nicht dreimal draufschreiben wie die Lemberger Statthalterei auf die schwere Anklage gegen ihre Beamten: Nicht angenommen — retour! Der Traum in der jüdische« Kileratur?) Von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabiner in Komorn. (Schluß). Auffallend ist es, daß der sonst so frei denkende Maimonides in sein kodifikatorisches Werk „Jad hachzaka“ diesen Fasttag als obligat ausgenommen hat, indem er sagt *): „Wer einen bösen Traum hatte, m u ß am darauffolgenden Tage, selbst wenn er auf einen Sabbat fällt, fasten," — während der Talmud dieses Fasten nur fakultativ nimmt, es nur als wirksames Mittel empfiehlt. Aber auch in die Liturgie hat der Glaube an die Bedeutung der Träume Aufnahme gefunden. Auf Anordnung des Talmud (Tr. Berachot 556) wird während des Priestersegens an-ben-Feiertagen folgendes.-Gebet gesprochen r „Herr der Welt! Ich hatte einen Traum und weiß nicht, was er bedeutet. Möge es dein Wille sein, daß alle meine Träume, ob ich sie nun von mir oder von anderen geträumt habe, oder Andere von mir — zum Guten sein mögen. Wenn sie gute Träume find, so lasse sie in Erfüllung gehen wie die Träume Josefs; bedürfen sie aber der Heilung, so heile fie, wie du den König Chiskijahu geheilt hast, u. s. w." Bemerkenswert ist, daß Maimonides die Anordnung dieses Gebetes vollständig ignoriert. Es scheint demnach, daß er ein solches Gebet für keine genügende Panacee gegen die Wirkung böser Träume gehalten hat. Höchst interessant und oft rationell begründet ist die Deutung mancher Träume im Talmud: So heißt es (Traktat Berachot 56, 57): „Wer einen brodelnden Topf am Herde im Traume fieht, der hat Friede zu erwarten; ebenso auch derjenige, der Weizen oder einen Brunnen im Traume fieht." Der Sinn dieser Deutung dürfte der sein: Was Zank und Streit unter den Menschen stiftet, was die gährenden Leidenschaften auf dem tiefsten Grunde des Herzens auswühlt, daß die menschliche Gesellschaft einem wogenden, stürmischen Meere gleicht, dessen Wellen den Schlamm und den Bodensatz der Gesellschaft an die Oberfläche treiben — es ist die B r o tfrage, welche zur brennendsten aller sozialen Fragen geworden, mit deren Lösung der Staat und die Gesellschaft vergebens sich abmühen. Und darum sagt die heilige Schrift sehr richtig, indem sie den Segen Gottes verheißt: (III. Buch Mos. 36, 5) „Ihr werdet Euer Brot in Ueberfluß essen", Not und Elend werden schwinden, und dadurch „schaffe ich Frieden im Lande" daß die *) In ungarischer Sprache in dem von der „Israelitisch-Ungarischen Literaturgesellschaft" (I. M. I. T.) für 1906 herausgegebenen Jahrbuch erschienen. ') Hilchot Taanit Abschnitt l, 12, siehe keckem mischna ibid. Menschen um des Bissen Brotes willen sich nicht bekriegen, sondern in Eintracht verbunden das Heil des Landes fördern. Und in diesem Sinne mag auch die Deutung des Talmud sein, daß, „wer einen Brunnen im Traume fieht, aus dem die Quellen des Erwerbes reichlich fließen, oder der im Traume Weizen, die nährende Brotfrucht, fieht, der kann auf Frieden rechnen, sowie es in den Psalmen heißt: (12 18) Er schafft Frieden auf deinem Gebiete, indem er dich mit dem Fett des Weizens versieht." Der Brotmangel ist aber auch oft die Quelle der ehelichen Zwistigkeiten. Wenn der Gatte die Bedürfnisse des Hauses nicht bestreiten, die Ansprüche der Frau, welche oft mit den Verhältnissen nicht zu rechnen versteht, nicht befriedigen kann, so hat der Arme nur zu oft Gelegenheit, von der bitteren Wahrheit des Spruches der heiligen Schrift (Sprüche Salomons 19, 24) sich zu überzeugen, der da lautet: „Die Zänkereien einer Frau find wie eine Dachtraufe", die mit ihrem unaufhörlichen, ewig gleichmäßigen Tröpfeln Steine und auch — Gehirne aushöhlen kann. Und darum befiehlt der weise Gesetzgeber (V. B. M. 15, 8). „Du sollst dem Armen geben, nach Maßgabe seines Bedarfes, was ihm fehlt." „Was ihm fehlt — sagt der Talmud — das ist die Frau". Natürlich versteht man darunter, daß wir die Pflicht haben, dem Armen auch eine Frau zu geben, wenn er keine hat. Ich aber sage, das kann der Sinn dieses Ausspruches der erfahrenen Weisen nicht sein. Das wäre eine unter Umständen sehr zweifelhafte Versorgung. Auch haben wir kaum die Pflicht, seinen Mühlstein — uns auf den Nacken zu nehmen, um auch noch sein Weib zu erhalten. Der Sinn dieser Stelle dürfte der sein: „Was ihm fehlt, ihm zu geben, — o das ist nicht genug, sagt der Talmud, was der Frau fehlt, was s i e verlangt, das gib dem Armen um Gotteswillen, — damit e r Ruhe habe. Und darum ist die Deutung im Talmud richtig: „Wer im Traume einen brodelnden Fleischtopf fieht, wo im Hause kein Mangel ist, der kann ayf Frieden rechnen, dessen häusliche Ruhe ist gesichert." Aber es gibt im Talmud Traumdeutungen, die durchaus nicht so rationell find als die angeführten. Das Hauptgewicht aber ward auf die Deutung gelegt; denn nach der Ansicht des Talmud ist nur die Deutung maßgebend für den Traum, was fie auch aus der heiligen Schrift begründen; denn als der Oberschenkmeister dem König Pharao davon erzählte, wie Josef seine und seines Kollegen Träume gedeutet hat, sagte er: „So wie er mir gedeutet hat, so war es auch" (I. B. M. 41, 13) denn nur die Deutung gibt dem Traume Wesenheit und Bedeutung. Auch in Palästina gab es zünftige Traumdeuter, in Jerusalem allein betreiben 24 dieses Gewerbe und R. Banae (ibid.) erzählt, er hatte einen Traum, den er allen 24 mitteilte und jeder von ihnen deutete ihn anders, und — wunderbar! alle die Deutungen trafen ein. Natürlich hing auch die Deutung von: dem größeren oder geringeren Honorar ab, das man dafür entrichtete. Und so war für den Armen nicht nur der Traum des Lebens ein trauriger, sondern auch die bösen Träume der Nacht schreckten ihn, da er kein Geld hatte, eine günstige Deutung derselben sich zu erkaufen. Doch dürfen wir nicht glauben, daß es unter den Meistern des Talmud nicht auch freidenkende Männer gegeben hat, welche den Glauben an Träume, diese aus Babylon importierte Waare von sehr zweifelhaftem Werte, verwarfen und klipp und klar erklärten: „Träume bedeuten nichts, nützen nicht und schaden nicht". An der Spitze dieser Männer stand Rabbi Meir, dessen Name schon Leuchte bedeutet. Der Talmud erzählt (Gittin 52 a): Ein Vormund, der das Vermögen von Waisen zu verwalten hatte, wollte für ihre Liegenschaften Sklaven einkaufen. R. M6ir, der in der Nachbarschaft wohnte, wehrte es ihm. „Damit wahrst du schlecht die