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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-06-28 · 26 (28.6.1907) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
26 (28.6.1907)
Date
1907-06-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 436 Dr. Llocv s Mocvenscvrtrr. Nr. L6 Betrug, welch ein grandioser Schwindel, welch brutaler Gewaltstreich kaiserlicher Beamter die Wahl Starzynskis im Bezirke Zolkiew, Rawaruska, Belz gewesen ist. In einem absichtlich so. gewählten Ton und mit Ausdrücken, welche jeden Menschen mit nur einem Rest von Anstand zum Staatsanwalt gejagt hätten, damit dieser so schnell als möglich die schwerste Anklage erhebe, haben wir hundertfach geschrieben, daß Smoleu und seine obengenannten Kompagnons ins Kriminal gehören und haben jedesmal die zuständigen, Vorgesetzten Behörden davon verständigt. Wir haben gehofft, daß das Kaliber unserer Angriffe selbst die dicksten Schlachzizenfelle durchbohren wird, aber als ganz sicher haben wir erwartet, daß die höchste staatliche Behörde, daß die Statthaltern in Lemberg es doch nicht zulassen werde, daß man von ihren hohen politischen Beamten als von Kriminalverbrechern spricht. Wir haben geglaubt, daß Smolen und Genossen telegraphisch das Kommando erhalten werden, dieser frechen „Oesterreichischen Wochenschrift" zu zeigen, was ein in seiner persönlichen und amtlichen Ehre rabiat beleidigter k. t Staatsbeamter kann. Naive Torheit, da oben in Schlachzizien Jemanden bei seiner Ehre packen wollen! Von ihm verlangen, daß er sich nicht straflos beschimpfen lasse, daß er mit peinlicher Aeugstlichkeit auf dem vom Kaiser verliehenen Amtskleid auch nicht ein Staubkorn haften lasse. Dieser mit allen Titulatiouen von Verbrechern gezeichnete Smolen und seine Kumpane halten nach wie vor Vorsicht für den besseren Teil der Tapferkeit, sie fallen nicht wie beleidigte Götter über uns her, sie tun so, als lebten sie weitab von dieser Welt mit ihren Zeitungen, mit ihren Gerichten, mit ihren Ehrbegriffen, sie stecken ganz einfach den Kopf mit der noch immer fest darauf haftenden Amtskappe in den von ihnen aufgewühlten Schmutz, sie hören nichts, sie sehen nichts, sie nehmen uns nicht zur Kenntnis. Oh — nicht daß du glaubst, lieber Leser, daß Smolen und seine sauberen Genossen so gar nicht wissen, was sich für einen Ehrenmann und k. k. Beamten geziemt. Das geht wieder nicht, daß sie ganz einfach jedes Kind im Wahlkreis . straflos und ohneweiters als Verbrecher bezeichnen darf. Sie verschaffen sich schon die Möglichkeit, weiter in Amt und Macht bleiben zu können. An Stelle der wirklichen Ehre ließen sie sich nämlich eine Scheinehre oder einen Ehrenschein geben, wie man will — sie stellten sich der Untersuchung, einer lächerlichen Art gerichtlicher Erhebungen. Nicht einmal die Kourage hatten sie, sich von den gewöhnlichen am Tatorte ansässigen Richtern beurteilen zu lassen.' Denn diese Herren hatten ja solche Greuel mit eigenen Augen gesehen, daß es unmöglich schien, von ihnen einen Freispruch zu erhalten. Der Ehrenschein wurde also in der Weise erlangt, daß mau den Richter Seng aus Lemberg kommen ließ, Seng den berühmten, Seng den glorreichen Untersuchungsrichter gegen ruthenische Studenten. Wer um den Stoff für eine Posse mir Gesang verlegen ist, der beobachte, wie Seng, der polnische Richter aus Lemberg, den Schlachzizendieuer Smolen untersucht. Wir sehen ihn schon, wie er diesen armen, unschuldig verfolgten, äußerst braven Smolen für den ehrenhaftesten Beamten sämtlicher im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder erklärt. Nein, Smolen, mein Teuerer und Sie, Herr Bezirkshauptmauü von Zolkiew, und Sie, Herr Kogut, so war's nicht gemeint, daß Sie sich das beschmutzte Gesicht mit Lemberger Wasser reinigen, mit demselben Wasser, darin eine Schlachzizenhaud die andere wäscht, ohne daß eine rein wird davon. Nein, meine Herren mit dem dicken Fell! Kommt nur herein mit uns in den Gerichtssaal, klagt uns an, laßt uns mit Donner und Blitz verdammen, weil wir es gewagt haben, Euch die schwersten Vorwürfe zu machen, die es außer Diebstahl, Mord und dergleichen für Euch überhaupt gibt. Oberhaupt der Wahlhyänen haben wir Euch gesagt — schnöder Mißbrauch der Amtsgewalt haben wir Euch gesagt — laßt Euch erweichen, meine teueren Herren, kommt nach Wien und verklagt uns, wir können es nicht mit ansehen, daß man so wegwerfend, verächtlich von k. k. Beamten spricht, daß man sie so diffamierend beleidigt. Die Herren Smolen und saubere Genossen aber drehen die Daumen über den Bauch. Da wären sie schöne Narren, wenn sie ehrenhafter und rigoroser, wären als die k. k. Statthalterei in Lemberg. Die weiß nämlich genau, wie schwer ihre Beamten beleidigt worden sind, daß sie als Verbrecher bezeichnet wurden, aber es fällt ihr nicht einmal im Traume ein, darüber ein graues Härchen auf dem Kopfe des Grafen Potocki wachsen zu lassen, des musterhaften Statthalters, des Vorbildes von Gerechtigkeit und Unparteilichkeit. Wie ist es denn nur möglich, wird irgend ein vorwitziges Menschenkind mit einem gewöhnlichen, bürgerlichen Verstände fragen — wie ist es möglich, daß eine Statthalterei ihre hohen Beamten ohneweiters durch den Kot schleifen läßt? Hut denn dieser Dr. Bloch gar so viel Sehnsucht nach der Strafanstalt, daß er Bezirkshauptleute schwerer Verbrechen bezichtigt? Ich möchte so einen Bezirkshauptmann in Böhmen sehen, von dem man nur die Hälfte zu sagen wagte, wie über die im 30. galizischen Wahlkreis; ohne den Skalp des betreffenden Journalisten würde er sicher nicht in seinen Amtsbezirk zurückkehren und er könnte auch sonst nicht. Denn die Statthalterei würde ihm sagen: Fleckenreine Ehre oder Abschied mit Schimpf und Schande. Nicht so die galizische Statthalterei. Bezüglich der kleinen Gerichtsklagen von den kleinen Leuten im Wahlkreis schickt man dem Smolen den Seng mit der heimlichen Botschaft: Kochajme se! und die ehrenrührigsten Angriffe in unserem Blatte blieben unerwidert, wir haben das Recht, so lange und so oft zu sagen, als immer es uns beliebt, daß der Smolen, der Bezirkshauptmann von Zolkiew, und der Kogut Verbrecher sind und bleiben. Denn weder durch ihre Ehre, noch von der Statthalter« wurden sie zur Klage gezwungen. Von ihrer Ehre ist das selbstverständlich. Von einer solchen Ehre kann man nichts -anderes' erwarten. ' Aber Witz' entzog sich die Statthalterei in Lemberg der bitteren und zwingenden Notwendigkeit, Smolen und Genossen auf den fürchterlichen Klageweg zu jagen? Einfach großartig. Einfach genial. Die galizische Statthalterei erfand das Ei des Columbus. Sie nahm die Artikel in der „Oesterreichischen Wochenschrift" nicht zur Kenntnis. Was ich nicht weiß, macht mir nicht heiß. Was mich nicht brennt, das lösch' ich nicht. Also — die Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift" schickt einer löblichen Statthalterei in Lemberg das Blatt mit den wuchtigsten Angriffen auf Smolen und Genossen. Nun, und die Statthalterei schaut die Sendung lächelnd an und — nimmt sie nicht an. „Aber Herr, deine Beamten werden darin auf das Schwerste verunglimpft!" „So, dann nehm' ich sie noch weniger an. Nicht angenommen — refuse — zurückgewiesen." Seht ihr Brüderchen, so macht man das. Und wenn wir die Statthalter« zum Telephon gerufen hätten, um ihr die Smolen-Sachen mitzuteilen, so wäre sie schwerhörig geworden. Und wenn wir ihr die Sachen telegraphiert hätten, so wäre sie blind geworden. Sie will die Sachen nicht zur Kenntnis nehmen, sie kann sie nicht zur Kenntnis nehmen und wird sie nicht zur Kenntnis nehmen. Denn täte sie's, so müßte sie denn doch endlich die saubere Kompagnie aus dem 30. Wahlkreis zur Verantwortung ziehen, und das will sie nicht. Sie weiß von nichts, sagt sie, die Statthalterei. Nur ist ihr dabei etwas unsagbar Komisches passiert; etwas fürs Zwerchfell. Man soll und muß lachen. Ein Beamter der Statthalterei hat nämlich offenbar eineu Auftrag mißverstanden. Und so passierte es, daß wir die betreffende Nummer erst nach drei Wochen zurückerhalten haben mit dem Vermerk „nicht angenommen" auf unserer Originalschleife. In dieser aber steckten zwei Exemplare, davon war eines stark abgenützt und dem Smolen-Artikel

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