Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 25 (21.6.1907)
- Date
- 1907-06-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 416 Dr. Liocb's Mocbenscbrttt. Nr. 25 fei «ochmals, daß der Kursus völlig kostenfrei ist und daß dieDSDann tritt ein Auflockerungsprozeß ein. Die Kinder werden Wahl der Vorlesungen jedem Einzelnen freisteht. Meiner erzieherischen Appretur unterworfen und lernen mit über- Weitere Meldungen zur Teilnahme d°n Lehrern nndM°sch°°der Geschwindigkeit, sich in dem fremden Lande zurecht. Lehrerinnen nimmt Kollege MoopS, Breslau, VII., Sadowa-K sustnden. S,° gehe» ,n am-rikantsch- Schulen über und sind I» straße 69, gern entgegen. kft wemgen Jahren so sehr amerikamsrert, daß sre ihre eigenen f' Eltern nicht mehr verstehen. Die Familien trennen sich. Die Professor Ludwig Traube, der hervorragende Philologe, ist in München im Alter von 46 Jahren gestorben. Er war ein Sohn des berühmten Klinikers Professor Dr. Ludwig Traube, ,1861 in Berlin geboren, und studierte seit 1878 in seiner Vaterstadt Philosophie und Geschichte. Dann unternahm er zu seiner weiteren Ausbildung größere Studienreisen nach Italien, wobei er namentlich in Rom mehrfach längeren Aufenthalt nahm. Im Jabre 1888 habilitierte er sich an der Universität München, wo er indessen erst 1901 eine außerordentliche und einige Jahre darauf eine ordentliche Professur erhielt, obwohl ihn die bayerische Akademie der Wissenschaften bereits einige Zeit vorher zu ihrem außerordentlichen (später zu ihrem ordentlichen) Mitgliede gewählt hatte. Traubes spezielles Arbeitsgebiet war die lateinische Paläographie und die lateinische Literatur des Mittelalters, um die er sich durch Anwendung gewissenhafter philologischer Kritik und strenger methodischer Grundsätze anerkannte Verdienste erworben hat. Der frühe Tod des hervorragenden Gelehrten, der als Paläograph und Kenner der lateinischen Literatur des Mittelalters eine der ersten Stellen unter seinen Fachgenossen einnahry, bedeutet für die wissenschaftliche Welt und vor allem für die Universität München einen schweren und nahezu unersetzlichen Verlust. Traube, der sich zu einer unbestrittenen Autorität auf seinem Spezialgebiet emporgearbeitet hatte und von Gelehrten der ganzen Welt in Zweifelsfällen um seinen Rat gefragt wurde, gehörte auch als Lehrer zu den Zierden der bayerischen Hochschule. Zu den Hörern, die sich bei seinem palaographischeu Privatissimum und bei sonstigen Uebungen um ihn zu versammeln pflegten, gehörten auch fast stets einige Klostergeistliche, die dem anregenden Lehrer aufrichtige Verehrung entgegenbrachten. Gleichwohl hat es dem trefflichen Manne, der auch als Mensch von herzgewinnender Liebenswürdigkeit und ein Charakter von unantastbarer Reinheit und Vornehmheit der Gesinnung war, zeitweise an Hemmungen und Widerständen aller Art nicht gefehlt. Jahrelang mußte er, obwohl die Münchener Akademie längst seine hohe wissenschaftliche Bedeutung durch Aufnahme in ihren Kreis offiziell anerkannt hatte, in der bescheidenen Stellung eines Privatdozenten ausharren, und erst als sich die bayerische Universitätsbehörde der Eventualität gegenüber sah, den ausgezeichneten Forscher an eine andere Hochschule zu verlieren, entschloß sich das Ministerium Crailsheim, in richtiger Würdigung der Sachlage, mit alten, verjährten Vorurteilen zu brechen und dem ebenso tiefgelehrten als persönlich anspruchslosen Manu, der Jude blieb, das längst verdient- Ordinariat nicht weiter vorzuenthalten. Obwohl seit längerer Zeit schwer leidend — er litt an Leukämie — hatte Traube doch mit seltener Energie und Geisteskraft fast bis zu seinem Ende fortgearbeitet; in den letzten Tagen aber trat eine entscheidende Wendung zum Schlimmen ein, die jede Hoffnung auf Wiederherstellung ausschloß. Die Beisetzung des so früh verstorbenen Gelehrten fand in Berlin auf dem alten Friedhof Schönhauser Allee statt. Von der Berliner Universität nahmen an der Trauerfeier die Professoren und die Geheimen Regierungsräte Dr. Freiherr von Wilamowitz-Möllendorff, Dr. Hirschfeld, Dr. Vahlen und Medizinalrat Prof. Dr. Hirsch berg teil. In der Friedhofskapelle hielt Prof, von Wilamowitz-Möllendorff. ein Lehrer des Dahingeschiedenen, eine Gedächtnisrede, worin er die Verdienste des Entschlafenen auf dem Gebiete der Philologie, namentlich in bezug auf die Vergleichung alter Pergamente, hervorhob. Die rituellen Gebete sprach der Kantor Joachim. Kränze hatten am Sarge niedergelegt die Universitär München, deren philosophische Fakultät, der LdcLaurua linguae latinae und die Akademie der Wissenschaften. Der Verstorbene fand seine Ruhestätte zu den Füßen seiner ihm in den Tod voraufgegangenen Eltern. Die Juden in Amerika. Herr Dr. Theodor Barth schreibt in der „Frankfurter Zeitung" vom 15. Juni: „Allein in der Stadt New-Aork leben heute Hunderttausende ruffischer Juden. Jerusalem war in seiner höchsten Blüte eine jüdische Kleinstadt, verglichen mit dem heutigen Groß- New-Aork, das alles in allem heute eine jüdische Bevölkerung von mehr als dreiviertel Millionen Einwohnern umfaßt. Nichts ist interessanter und lehrreicher als die Entwicklungsgeschichte einwanderuder ruffischer Juden. Sie bleiben mit Vorliebe in New-Hork, wo sie Verwandte, Freunde, Bekannte aus der ruffischen Heimat treffen. So finden sich gelegentlich halbe russische Ortschaften in einzelnen Stadtteilen New-Iorks wieder. Diese Gruppen halten zunächst eng zusammen, teilen sich die Nachrichten aus der Heimat mit, unterstützen sich gegenseitig. jüngeren Mitglieder paffen sich den amerikanischen Sitten, den neuen Lebensgewohnheiten, den veränderten wirtschaftlichen Bedingungen an, werden selbst ihrer alten Religion vielfach entftemdet. Diese Entwicklung bedeutet für die Jugend der russischen Einwanderung nicht selten den Verlust jedes Ideals. Sie haben die alten Götter zerschlagen und noch keine neuen wiedergefünden.. Ihre Intelligenz ist regsam geblieben, aber ihr Gefühlsleben degeneriert. Hier liegt, wie es scheint, der schwierigste Teil, des russisch-jüdischen Einwanderungsproblems: in dieser staunenswerten Anpassungsfähigkeit des jüngeren Elements an die neuen Lebensbedingungen, nicht in der Sprödigkeit der älteren Einwanderer, sich in das amerikanische Leben einzufügen. Ich habe Gelegenheit gehabt, einem Festakt in einer Schule der Läucational Alliance beizuwohnen, in der die Kinder eben, eingewanderter russischer Juden unterrichtet werden. Mehrere Hundert jüdischer Knaben und Mädchen waren in einem schlichten Saal versammelt. Keines der Kinder war länger als ein Jahr im Lande, viele erst wenige Wochen. Jedes Kind trug als Abzeichen eine kleine amerikanische Flagge. Es wurden Lieder gesungen zum Preise amerikanischer Freiheit und schließlich Medaillen an die verteilt, die in der verflossenen Woche besonders fleißig und brav gewesen waren. Der Festakt war äußerst eindrucksvoll. Alle Kinder sauber und nett gekleidet, die Gesichtszüge ernst, die Haltung vielfach noch gedrückt. Kinder, die erst vor wenigen Monaten den amerikanischen Boden betreten hatten, wußten sich schon recht gut in englischer Sprache auszudrücken. Der Leiter der Anstalt ließ die prämiierten Kinder vortreten, fragte sie nach ihrer früheren Heimat und nach ihrem Schicksal. Die meisten von ihnen waren grausigem Elend entronnen. Sie betrachten Amerika als das Land der Freiheit, als Land der Erlösung von unerträglichem Druck. Schließlich hielt eine junge, verheiratete Frau, die dem Festakt als Zuhörerin beiwohnte, eine kurze Ansprache, die in ihrer schlichten Beredsamkeit so ergreifend war, daß kein Auge trocken blieb. Sie erzählte, wie sie, vor zwölf Jahren aus der alten russischen Heimat vertrieben, auf denselben Schulbänken gesessen habe, was sie dort gelernt und wie sie allmählich Amerikanerin geworden sei. Nun gehe es ihr gut, sie ist verheiratet, habe eine glückliche Häuslichkeit, das alles verdanke sie diesem großen, freien Gemeinwesen, das sie und die Ihrigen gastlich ausgenommen habe. Nie werde sie die Dankbarkeit vergessen, die sie ihrem neuen Heimatland schulde. Zwischen diesen Einwandererkindern aus dem fernen Osten Europas, die den ersten Leitfaden in die Hand bekommen, um sich in dem verwirrenden amerikanischen Getriebe zurechtzufinden. und jener Konferenz in Mohonk. auf der sich Vertreter der ältesten und reifsten Kultur zusammenfanden, breitet sich das öffentliche Leben der Vereinigten Staaten mit seinen tausendfältigen Kontrasten aus. Alles ist noch im Werden, nichts erscheint völlig fertig. Die größten Probleme des staatlichen Lebens liegen vor uns. Kaum eines dieser Probleme erscheint endgiltig gelöst. Die Entwicklung ist alles, das Endziel nichts. Die Energie, mit der man an alles herangeht, die Hoffnungsfreudigkeit, die an nichts verzweifelt, die Schaffenslust, die kein Hindernis für unüberwindlich hält, mit einem Wort die Willenskraft dieses gewaltigen Staatskörpers ist imponierend. Und wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Dieses Wort ist nicht auf amerikanischem Boden entstanden, aber es gibt kein Land, in dem der Satz tiefer in das Bewußtsein der Bevölkerung eingedrungen wäre."