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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-06-21 · 25 (21.6.1907) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
25 (21.6.1907)
Date
1907-06-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 25 Dr Blocb’s Wochenschrift Seite 415 holt. Damit trat auch in Berlin lediglich derselbe Zustand ein, der auch in Breslau, Frankfurt a. M., Köln, Prag, Wien und anderen Orten besteht, in denen mehrere Rabbiner nebeneinander tätig find. Im übrigen beraten und beschließen die Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde nach wie vor über die verschiedensten gemeinsamen Angelegenheiten und haben hierzu ein besonderes Sitzungszimmer und einen vom Vorstand angestellten Boten zur Verfügung. Völlig unberührt von der getroffenen Aenderung ist das oben erwähnte Zusammenwirken von 3 Rabbinen (Bes-din) für einzelne religiöse Akte, wie rituelle Ehescheidungen u. dgl.; diese finden in der hiesigen jüdischen Gemeinde nach wie vor nach den religionsgesetzlichen Bestimmungen statt. 2. Die Aufsicht über die religiösen Institutionen der hiesigen jüdischen Gemeinde wird heute ebenso wie früher im Namen des Rabbinats der jüdischen Gemeinde von einem hiermit beauftragten Rabbiner und weiteren hierzu angestellten Beamten ausgeübt. An diesen, wie an jeden Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde kommen die verschiedensten Angelegenheiten religionsgesetzlicher Art zur Erledigung. 3. Niemals hat der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde es versucht, uns in unserer religiösen Ueberzeugung zu beeinträchtigen oder gar irgend etwas von uns zu verlangen, was ihr widerspricht. Die Unterstellung, daß wir solches uns hätten gefallen lassen, weisen wir mit Entrüstung zurück. Behauptungen wie die, daß die heutigen Rabbiner ihre Direktive vom Vorstande empfangen, und Phrasen noch niedrigerer Art, Männern gegenüber gebraucht, denen tatsächlich die wichtigsten religiösen Interessen der Gemeinde anvertraut sind und die in einer langjährigen Tätigkeit die Achtung ehrenwerter und wahrhaft religiöser Männer sich erworben haben, richten sich selbst. Berlin den 9. Juni 1907. Rabb. Dr. Stier, Rabb. Dr. Weiße, Rabb. Dr. Eschelbacher, Rabb. Dr. Blumenthal. ' Generalversammlung des Verbandes für Statistik der Juden. Am 15. Mai d. I. fand im Lokal des Zentralvereiiies deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu Berlin die vierte ordentliche Generalversammlung des Verbandes für Statistik der Juden statt. Aus dem vom Vorsitzenden des Verbandes Dr. Alfred R o s s i g erstatteten Berichte über die Tätigkeit des Kuratoriums, des Vorstandes und des Bureaus für Statistik der Juden ergab sich, daß der statistische Verband seit vorigem Jahre wieder einen bedeutenden Aufschwung genommen hat. Das Bureau stellte im Berichtsjahre eine Reihe statistischer Arbeiten her: Im Aufträge der Großloge des U. O. B. B. für Deutschland wurde eine im Wesentlichen auf Originalerhebungen beruhende Untersuchung über „Die sozialen Verhältnisse der Juden im Großherzogtnme Hessen" vollendet. Die von Dr. Arthur Ruppin, den: Leiter des Bureaus, verfaßte Arbeit wird voraussichtlich noch im Laufe des Jahres 1907 im Druck erscheinen. Mit Unterstützung der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" wurde eine vom Mitglieds des Bureaus Dr. Jakob Thon verfaßte Schrift „Die jüdischen Gemeinden und Vereine in Deutschland" mit einem wertvollen Beitrag von Paul Dreh in München veröffentlicht. „Die Entwicklung Her jüdischen Bevölkerung in Oesterreich" wird sich ein drittes statistisches Werk betiteln, dessen Druck bereits begonnen und das ebenfalls Dr. Thon zum Verfasser hat. Demnächst erscheinen auch „Die sozialen Verhältnisse der Juden in Rumänien" und „Tabellarische Uebersichten über die Verhältnisse der Juden in Deutschland". Neben diesen Publikationen ließ das Bureau wie im Vorjahre die „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" erscheinen, die eine Reihe neuer Mitarbeiter aufweist und im „Statistischen Archiv" wertvolle Materialien für eine künftige Gesamtstatistik aufstapelt. Das Kuratorium, dessen Vorsitzende Sanitätsrat Dr. M a r e tz k i und Geheimer Sanitätsrat Dr B l u m e n t d a l waren, setzte einen Arbeitsausschuß ein. dem neben dem ersten Vorsitzenden der Schatzmeister Herr Benno Braun und Dr. N o s s i g angehörten. Auf Grund der neuen Satzungen des Kuratoriums, die den subventionierenden Körperschaften die Entsendung eines Vertreters anheimstellen, traten zwei hervorragende jüdische Organisationen dem Verbände mit namhaften Subventionen bei: die deutsche Konferenzgemeinschaft der A. I. U., die im Kuratorium durch Geh. Kommerzienrat M. L. Goldberger, und der Hilfsverein der deutschen Juden, der durch Herrn Oskar Berlin vertreten wird. Der Vorstand des Verbandes teilte sich in eine wissenschaftliche Kommission (Vorsitzender Dr. I. Rotholz) und eine Propagandakommission (Vorsitzender Herr Richard Cassel). Die wissenschaftliche Kommission beriet das Arbeitsprogramm für das Bureau und bemühte sich um Gewinnung und Heranbildung neuer Mitarbeiter. Als erfreuliche Erscheinung ist der Ausbau der statistischen Organisationen im Auslande zu verzeichnen. Zu den bereits bestehende» Vereinen ist jüngst eine „Vereenigung voor Statistik en Demographie der Joden in Nedeland" hinzugetreten, die sich dem gemeinsamen Verband für Statistik der Juden angeschloffen hat. Die finanziellen Grundlagen des Verbandes haben sich bedeutend gebessert. Im Vorjahre subventionierten ihn nur nachstehende Gemeinden und Organisationen: Der Zentralverein Deutscher Staatsbürger j. Gl. die Großloge des U. O. B. B.. der Deutsch-Israelitische Gemeindebund und die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums; die Gemeinden Berlin, Breslau, Frankfurt a. M., Hamburg, Köln, Mainz, Posen, Stettin, Wiesbaden. Im Laufe des Berichtsjahres traten hinzu: Die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft der A. I. U., der Hilfsverein der Deutschen Juden, die Baronin Cohn-Oppenheim-Stiftung, die Gemeinde Adaß- Jisroel in Berlin, die Synagogengemeinden Danzig, Kassel, Hannover, Beuthen, Elberfeld, Kattowitz. Straßburg, Gleiwitz, Hohensalza, Erfurt, Königsberg, Hildesheim, Konstanz. Dresden, Tilsit, Thorn. Von auswärtigen Gemeinden: Wien, Prag. Lemberg, Warschau. Im ganzen subventionierten den Verband 3l Gemeinden und 8 Organisationen mit Beiträgen bis 1000 Mark. Dank der regen Beteiligung der jüdischen Körperschaften ist das Bureau gegenwärtig in der Lage, ein umfassenderes Arbeitsprogramm durchzuführen und insbesondere das Material zu einer Weltstatistik der Juden systematisch zu bearbeiten. Es wird dies teils in Form der bisherigen Veröffentlichungen, teils in der von kürzeren tabellarischen Zusammenstellungen erfolgen. Aus dem Berichte des Schatzmeisters Herrn Benno Staun geht bervor, daß der Etat im Jahre 1906—7 9331*83 Mark betrug, im Jahre 1905—6 9685-75 Mark. Auf Antrag der Revisionskommission (Herr Richard Cassel und Ingenieur S. E l i a s b e r g) wurde für die Finanzgebarung Decharge erteilt. Bei den hierauf folgenden Wahlen entsandte die Generalversammlung statutengemäß fünf Mitglieder in das Kuratorium, und zwar die Herren: Sanitätsrat Dr. M a r e tz k i. Geheimrat Professor B l u m e n t h al, Professor P h i l i p p s o n, Justizrat Dr. F u ch s, Benno Braun, (i. Fa. I o e l s o h n u. Brünn). In den Vorstand der Verbandes wurden gewählt: Dr. Bruno Blau, Benno Braun, Dr. Bernhard Kahn. Dr. H. G. H e y m a n n, Dr. Walter Munk, Dr. A'fred N o s s i g, Dr. Julius R o t h o l z, Dr. Theodor Z l o c i st i. Zu Revisoren wurden die Herren Richard Cassel und Leopold Domnauer bestellt. An der regen Debatte, die sich über die ferneren Arbeiten des Verbandes und seine finanzielle Ausgestaltung entwickelte, beteiligten sich die Herren Benno Braun, Richard Cassel, Dr. N o s s i g, Dr. H e y m a n n und Dr. Blau. In einer am 27. Mai stattgefundenen Hauptversammlung wurden die vom Justizrat Dr. Max Horwitz neu redigierten Satzungen nach eingehender Diskussion einstimmig angenommen. Diese Satzungen gelten nur für den deutschen „Verein für Statistik der Juden", der zugleich die Zentralstelle des „Verbandes für Statistik der Juden" bildet. Die Satzungen des Verbandes sollen im Einverständnis mit den dem Verbände angehörenden auswärtigen Vereinen entworfen werden. Mit einem Dank an Herrn Justizrat Dr. Horwitz schloß die Versammlung. Breslauer Ferienkurse in Religionswissenschafte» für jüdische Lehrer. Im Anschlüsse an unsere Mitteilung über die Einrichtung des Ferienkurses in Religionswissenschaften für jüdische Lehrer geben wir nachstehend folgenden Studienplan zur allgemeinen Kenntnis: Es wird lesen: 1. Mischna: Seminarrabb. Prof. Dr. Lewy Traktat Rosch haschonoh (8 Vorles.). — 2. Exegese s Genefis Kap. 5 —11): Doz. Dr. Brunn (6 Vorles.) — 3. Religionsphilosophie (Bachja Jbn Pakuda: „Herzenspflichten") : Doz. Dr. Horovitz (4 Vorles.) — 4. Geschichte: Geschichte der deutschen Juden von 1350 —1500: Doz. Dr. Brann (4 Vorles.) — 5. Methodik und Didaktik des hebräischen Unterrichtes: Ueber die Auswahl der biblischen Stoffe für den hebräischen Unterricht: Doz: Dr. Brann (2 Vorles.) — 6. Halacha des Achtzehngebetes: Rabbiner Dr. Zuckermandel (6 Vorles.) — 7. Apologetik: Abwehr von Angriffen gegen das Judentum: Rabbiner Dr. Deutsch (4 Vorles.) — Für Kantoren: Stimmbildung, in noch festzusetzenden Stunden (Chordirigent Elsner). Die Art der Zusammenstellung der Vorlesungen dürfte wohl den weitesten Ansprüchen der jüdischen Lehrerschaft genügen. Im Beginne dürfte wohl eine kleine Verschiebung eintreten, da vielfach der Wunsch geäußert worden ist, die Vorlesungen erst Montag den 8. Juli beginnen zu lassen. Der endgiltige Termin wird den Beteiligten rechtzeitig zur Kenntnis gebracht werden. Kollege Karlsberg-Reichenbach hat in dankenswerter Weise die Mitleitung des Kursus übernommen. Bemerkt

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