Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 25 (21.6.1907)
- Date
- 1907-06-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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- Tunis 1× ep/1048155
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Nr. 25 m. Llocb's Mocvenscvnn. Sette 411 kam Redner auf die Zeit der Selbstemanzipation zu sprechen,uroglrch, daß sie von den tunesischen Juden abstammten, von die ihren markantesten Ausdruck im Zionismus fand, indem H welchen mehrere Hundert nach der Invasion der Vandalen in Tunis letzterer, die Ursache an der Wurzel fassend, klar und deutlich'M dorthin geflohen waren. Im Laufe der Zeit hatten sie ihre Religion die Lösung der Judenfrage erschaute. Doch diese noch vor L. vergessen und die Gewohnheiten der Eingeborenen angenommen. Sie kurzem so mächtige Bewegung der erwachten jüdischen Massen,^ unterschieden sich von den anderen Einwohnern nur durch die Vorführte der Referent aus, verlor mit dem Momente völlig ihre : nähme der Beschneidung am achten Tage und durch die Enthaltung Bedeutung, als der Zionismus seine Tätigkeit nur auf Palä- ' stina beschränkte. [/. Nach einer eingehenden Kritik der jüngsten Strömung im Zionismus, der Kleinkolonisation, führt der Referent den Nachweis, daß eine Kleinkolonisation in Palästina jeder gesunden Basis entbehrt. Die wahre vollständige Lösung der Judenfrage erblickt Dr. Jochelmann im T e r r i t o r i a l i s m u s, in der Erwerbung eines freien Territoriums mit autonomer Grundlage. Daß das Bestreben nach Erlangung eines Territoriums realisierbar sei, beweist die Tatsache, daß der Geographischen Kommission der „Jto" sechs Landanbote zur Ueberprüfung vorliegen. Daß Inden in der Wüste Sahara leben, dürfte wenig bekannt sein. Ein französischer Reisender berichtet, daß er vor einer Reihe von Jahren auf einer Tour von Tripoli nach Malta auf dem Schiffe die Bekanntschaft eines Muhammedaners machte, welcher sich Hassan Nazis nannte und ein Sohn des Kadi von Jkuka und Imam von Kenka war. Er befand sich schon achtzehn Monate unterwegs, um das Grab Muhammeds zu besuchen. Als er bemerkte, daß der Reisende Tefillin anlegte, erzählte er ihm, daß er auf seiner Wanderung durch die Wüste Sahara in Ghat, an der Westgrenze von Fezzan, welche Stadt von einem unabhängigen Scheikh regiert wird, Aufnahme im Hause eines Kaufmanns, namens Mustapha fand, wo er während einer Krankheit verpflegt wurde. Eines Tages sah er, wie sein Wirt in einem Buche las, dessen Zeichen ihm unbekannt waren. Er fragte ihn nach der Beschaffenheit des Buches, worauf Mustapha ihm einen Eid abnahm, daß er nicht verrate, was er ihm mitteilen wolle. Er sei nämlich kein Muselmann, sondern ein Jude und das Buch sei eine hebräische Bibel, welche er aber nur lesen, nicht verstehen könne. Er erzählte ihm ferner, daß seine Vorfahren sich in Ghat bald nach dem Tode des Königs Salomo niedergelassen hätten, da sie hier Goldminen entdeckten. Es leben noch mehrere Juden in der Stadt, welche sich gleich ihm aus Furcht vor der Bevöl kerung öffentlich zum Islam bekennen, aber im Geheimen die Religion ihrer Voreltern ausüben durch Gebet und Opfer im Namen Mosis und des Königs Salomo. So lange er in dem Orte war, habe er dieses Geheimnis bewahrt; jetzt aber sei er nicht mehr an seinen Eid gebunden und meine, den Leuten einen Dienst zu erweisen, wenn er dieses ihren Glaubensgenossen in anderen Ländern mitteile. Der Reisende schenkte dieser Erzählung wenig Glauben, aber in Malta angekommen, erzählte er es dem Rabbiner von Tripoli, welcher gerade dort anwesend war. Dieser war aber der Ansicht, daß viele der Einwohner von Ghat Abkömmlinge der „zehn Stämme" feien (?), welche sich vor der Zerstörung des ersten Tempels daselbst niedergelassen hätten. Einige Monate darauf traf der Reisende in Venedig einen in Tripoli wohnhaften italienischen Kaufmann, der in Ghat gewesen war und das Land genau kannte. Dieser erzählte ihm, es unterliege keinem Zweifel, daß ein großer Teil der Einwohner von Ghat jüdischen Ursprungs sei. Da diese sich aber in keiner Weise von der übrigen Bevölkerung unterscheiden, so könne man nur nach sehr langer und genauer Bekanntschaft einen charakteristischen Unterschied wahrnehmen. Auch die Muhammedaner wissen, daß viele unter ihnen von den alten Israeliten abstammen; da sie aber sämtlich sich zum Islam bekennen, so belästigen sie sie nicht. Was die Angabe Mustaphas über die geheime Ausübung der jüdischen Religion anbetrifft, so vermochte der Kaufmann dieselbe weder zu bestätigen, noch in Abrede zu stellen. Hinsichtlich ihrer Abstammung war er jedoch der Ansicht, daß sie Nachkommen der Gefangenen seien, welche nach der Zerstörung des zweiten Tempels von den Römern fortgeschleppt wurden. Es ist bekannt, daß 80.000 Juden damals nach Sardinien gebracht wurden, um in den Bergwerken zu arbeiten. So wäre es wahrscheinlich, daß zu dem gleichen Zwecke auch einige nach Ghat verschickt wurden. Es wäre von schwerer Arbeit am Sabbath. Sie bekennen sich auch selbst zu ihrer israelitischen Herkunft, auf welche sie stolz seien, und erkundigten sich bei den Reifenden nach den Juden anderer Länder. Viele von ihnen find Handwerker und Bauern, eine große Anzahl aber Krieger, welche an den früheren Streifzügen in benachbarten arabischen Staaten teilnahmen. Ein ungedrnckter Brief Pestalozzis, der auf den Charakter des berühmten Pädagogen ein interessantes Streiflicht wirft und zugleich in dessen Lebenslage Einblick gewährt, wird der „Vossischen Zeitung" zur Verfügung gestellt. Der Brief ist an den bekannten Tübinger Literatur-Professor Dr. Michaelis (geb. 1774 in Hammeln) gerichtet und stammt aus dem Jahre 1813. Mehrfach wurden um jene Zeit junge Pädagogen zu Pestalozzi nach Jverdon gesandt, um von ihm ihre weitere Ausbildung zu erhalten. Die israelitische Gemeinde Hammeln folgte diesem Zuge der Zeit und schickte ihren Lehrer nach Jverdon. Prof. Dr. Michaelis in Tübingen versah den Schützling feiner Vaterstadt mit einem Empfehlungsschreiben an Pestalozzi. Die Antwort darauf ist der folgende Brief: Jverdon, den 20. Aug. 1813. Herrn Profeßor Michaelis in Tübingen. Hochgeehrtester Herr Profeßor! Herr Gerber, ehedem Lehrer an einer Schule in Hammeln, ist vor zwei Tagen hier angekommen und hat mir Ihr Empfehlungsschreiben und ein anderes von Herrn von Wangenheim überbracht: es hat mir Freude gemacht, daß eine Nation, die unter so ungünstigen bürgerlichen Verhältnißen so viele Jahrhunderte lang ihren eigentümlichen Charakter erhalten hat und darin einen unzweydeutigen Beweis von vieler Kraft gegeben hat. sich für die Fortschritte der Erziehung interessiert, und ich bin sehr bereitwillig, zur Bildung einiger Lehrer der israelitischen Nation beyzutragen. lieber Herrn Gerber kann ich Ihnen natürlich in sokurzer Zeit kein durchaus begründetes Urteil schreiben, dazu gehört eine längere Zeit und vorzüglich eine genaue Beobachtung, wie er sich in den Lehrstunden, in seinen Studien und übrigen Verhältnißen benimmt; so viel scheint mir gewiß zu sein, daß es ihm nicht an Kopf und gutem Willen, sich zu unterrichten, gebricht, und ich bitte Sie. seinetwegen an Herrn Jacobsohn zu schreiben, damit ihm die nötige Unterstützung zugestanden werde, die sein hiesiger Aufenthalt erfordert. Meine ökonomischen Verhältniße gestatten mir nicht, ihn umsonst zu behalten, das fühlen Sie Selbst; alles, was ich thun kann ist, daß ich für 26 N. Louisdors und 20 Fr. Schweizerwährung jährlich, Kost, Logis und Unterricht und für Letztere ein Bett stelle, außerdem müßte für seine anderweitige Bedürfniße gesorgt werden Andere erwachsene Personen bezahlen 30 L'dor. wobei mein Hauswesen bey der großen Theuerung der Lebensmittel, die uns Schweitzer seit einigen Jahren drückt, kaum bestehen kann. Herr Gerber ist beinahe von allem Geld entblößt hier angelangt, da er, ich hoffe ohne Gefahr, einem Israeliten von Mühlhausen 4 L'dor geliehen hat, ich habe ihm die Kost angeboten, und seine Ausgaben werden also unbedeutend sehn, bis er Antwort über die Theilnahme wohlthätiger Menschenfreunde erhält, die sich für ihn und seine guten Zwecke verwenden wollen. Ich muß Sie aber sehr bitten, diese Entscheidung zu beschleunigen, damit Herr Gerber keine Hoffnungen sich macht, die nicht befriedigt werden, und von mir kein größeres Opfer verlangt wird, als meine ökonomische Umstände erlauben. Ich bin Gottlob gesund und wohl, ich fühle mich mit neuer Kraft für meine Zwecke der Erziehung belebt, Freund Niederer, der in diesem Augenblick verreist ist, ebenfalls, und wir hoffen, daß die Resultate unseres Bemühens für die Menschheit wohlthätig sein werden. Ihnen danke ich für Ihre freundschaftliche Theilnahme und empfehle mich Ihrem ferneren Andenken. Ihr ergebener Pestalozzi. Jüdische Abgeordnete im österreichischen Parlament. Das neue Abgeordnetenhaus zählt 17 Juden, und zwar die beiden Wiener Hofrat K u r a n d a und Dr. Ofner; die Jüdischnationalen: Dr. Straucher, Dr. Stand, Doktor Mahler und Dr. Gabel; die Mttglieder des Polenklubs: Dr. Löwenstein, Dr. Kolischer, Galt und Dr. Gold; die Sozialdemokraten: Dr. Ellenbogen, Dr. Di am and, Dr. Liebermann, Freundlich, Beer und Dr. Leo Winter und den Parteilosen Dr. Groß-aus Krakau.