Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 25 (21.6.1907)
- Date
- 1907-06-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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SÄLr 412 Dr. LloEs Wmtzenlchrif? Nr. 25 .Ueber „die älteste Palästiuakarte" schreibt Schulinspektor E. O p p e r m a n n im „Tag": Wieder und wieder geben viele aus dem Schutte ausgegrabene Tontafeln mit ihren Inschriften uns Kunde von einer längst entflohenen Zeit. Daß wir aber auch noch eine Landkarte, aus den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung stammend, in voller Originalität und Frische entdecken sehen könnten, hätte freilich niemand vermutet. Das Unerwartete ist geschehen: den Fußboden der griechischen Kirche in Madeba bildet eine kürzlich entdeckte, wunderbar schöne Mosaikkarte eines großen Teiles Palästinas und eines kleinen Gebietes Egyptens. Lange war sie durch den von Maurern aufgetragenen Anstrich den Augen verborgen gewesen. Soeben hat sie der „Deutsche Verein für Palästinakunde"' durch den Architekten Palmer in Jerusalem in einem Sechstel der Größe zeichnen und unter Anwendung von über 70 lithographischen Platten in getreuester Wiedergabe der Farbentöne des Mosaiks drucken lasien. Von Professor D. G u t h e in Leipzig haben nur in nächster Zeit auch eine Erläuterung der Kart' zu erwarten. Madeba ist ein schon im Buche Josua erwähnter moabitischer Ort im Ostjordanlande. Wenn wir an der Mündung des Jordan in's Tote Meer ostwärts acht Stunden weit reisen, an dem Mosesberge Nebo vorbei, so gelangen wir nach diesem seit 20 Jahren wieder von Christen besiedelten Ort. In den ersten Jahrhunderten war er ein Bischofssitz. Hier erhielt die Basilika jene herrliche Paläftinakarte, die jetzt mit verschiedener Verstümmelung den Bodenbelag der griechischen Kirche bildet. Ein Künstler und scharf beobachtender Geograph hat sie geschaffen. Ich kann hier aber nur auf das prächtige Stadtbild Jerusalems eingehen, das nach Guthe voraussichtlich den Wert, wird beanspruchen können, als sichere topographische Grundlage für die spätere Geschichte dieser Stadt zu gelten. Orientiert isi die Karte nach 0., nicht, wie gebräuchlich, nach N. Grundriß und Ansicht wurden hier zur Erreichung möglichster Deutlichkeit und Anschaulichkeit vereinigt. Breiten Raum nimmt von N. nach S. eine lange Säulenstraße ein, der Hauptmarkt des byzantinischen Jerusalems, das im sechsten Jahrhundert als eine reiche und sehr stark besuchte Stadt gedacht werden muß. Von diesen Säulen sind noch einige erhalten. Die Westseite der Säulenstraße unterbricht ein großes auffallendes Gebäude, die Basilika Konstantins mit der Rotunde über dem Heiligen Grabe. Es entspricht genau der Schilderung des Eusebius, daß dieser Bau an der mittelsten der drei Marktstraßen beginnt . . . Aber wir sehen ja nichts von dem alten Tempelplatze? Auch das hat seine Richtigkeit. Bereits Antonius Marthr kennt im sechsten Jahrhundert nur die ruinae templi Salomonis auf diesem Platze. Nach dem fehlgeschlagenen Versuche Julians hatte man eben nichts unternommen, um diesen Platz wiederherzustellen oder umzugestalten. Dem Deutschen Palästina-Verein gebührt aber Dank dafür, daß er durch getreue Wiedergabe der Karte in den Farben des Originals die älteste bekannt gewordene kartographische Darstellung des uns allen von Kindheit an vertrauten heiligen Landes für die Nachwelt erhält! Korrespondenzen. Die Generalversammlung der „Israelitischen Allianz zu Wien". Am 17. d. M. fand im Sitzungssaale der Wiener Kultusgemeinde die 34. ordentliche Generalversammlung der „Israelitischen Allianz" statt. Der Präsident der Wiener Kultusgemeinde, Herr Dr. Alfred Stern, eröffnet als Vizepräsident der „Allianz" die Generalversammlung, da der Präsident Herr David Ritter von Gutmann am Erscheinen verhindert war und sein Fernbleiben unter Ausdrücken des Bedauerns, an der Versammlung nicht teilnehmen zu können, entschuldigt hatte. Der Vorsitzende stellt zunächst fest, daß die Einladung zur Generalversammlung im Sinne der Statuten rechtzeitig publiziert wurde und beschlußfähig sei. Er fordert den Schriftführer auf, den Verwaltuugsbericht zu verlesen; auf Antrag des Vereinsmitgliedes Dr. I. S. Bloch wird jedoch von der Verlesung der Berichte, da dieselben diesmal rechtzeitig an die Mitglieder verschickt wurden und deren Inhalt allen bekannt sein dürfte, Abstand genommen. Der Vorsitzende widmet hierauf den im letzten Vereinsjahre verstorbenen Mitgliedern einen Nachruf, in dem er ausführte: „Leider hat der Tod auch im verfloffenen Jahre uns zahlreiche bewährte und opferwillige Freunde und Förderer unseres Vereines entriffen. Wir beklagen vor allem den Verlust unseres Vorstandsmitgliedes und stets hilfsbereiten Gönners Herrn Leopold Trebitsch, der noch im vorigen Jahre trotz seiner Krankheit unsere ruffische Aktion nicht nur durch seine persönliche Freigebigkeit, sondern auch durch die Einsetzung seines ganzen Einflusses mit unvergleichlichem Eifer gefördert hat; ferner unseres Beirates Herrn Dr. Arnold R a p o p o r t Edlen v. Porada; unserer korrespondierenden Mitglieder Herrn Rabbiner Dr. S. Mühsam in Graz und Herrn Rabbiner Doktor S. Pollak in Trebitsch; des Herrn kais. Rates Salomon B u b e r in Lemberg, eines der hervorragendsten Kenner der hebräischen Literatur und Begründers der Raschi-Stiftung, sowie der Herren Maurizio C r a m e r, Isidor Reis, und Samuel R o t t e r in Triest. Ein großer Verlust für die Wissenschaft des Judentums ist der Tod des größten jüdischen Bibliographen Prof. Dr. Moriz Steinschneider in Berlin. Das Andenken aller dieser trefflichen Männer wird in unserer Mitte stets in Ehren gehalten werden." Der Nachruf wurde von den Anwesenden zum Zeichen der Trauer stehend angehört. Zum Berichte selbst ergreift das VermnZmitglied Herr M. Baum das Wort. Er bemängelt zunächst die auffallend geringe Zahl der Anwesenden, welche er dem Umstande zuschreibt, daß die Generalversammlung heuer zu so vorgerückter Jahreszeit ausgeschrieben wurde, in welcher jede Vereinstätigkeit bereits ruht und die meisten Mitglieder von Wien abwesend sind. Er sieht sehr viele — die nicht hier sind, und besonders auffallend sei es, daß von den Wiener Rabbinern nur ein einziger, Herr Rabbiner Mayersohn, in der Versammlung erschienen ist. Dies sei umsomehr zu bedauern, weil die Herren Rabbinen schon infolge ihrer Stellung im Judentum berufen seien, an den wichtigen humanitären und kulturellen Arbeiten der „Allianz" mitzuarbeiten, und auch die „Allianz" dürfe auf die Mitarbeit dieser hervorragenden Kräfte nicht verzichten. Er erblickt die Ursache dieser Erscheinung in der in unserem Gemeindeleben auch sonst zu beobachtenden Tatsache, daß das Wiener jüdische Leben sich schon seit Jahren in zwei Saisons teile, die eine werde in Wien und die zweite in Baden verbracht. Während der letzteren ruhe in Wien sozusagen das ganze jüdische Leben, und diejenigen, welche es sich nicht verdrießen lassen, auch während des Sommers sich dem jüdischen' Gerüeindeleben zu ' widmen, entbehren jeder Führung. Der Vorstand der „Allianz" hat auch in dem verflossenen, so traurigen und ereignisreichen Vereinsjahre seine Aufgabe voll und ganz erfüllt, wofür ihm die Anerkennung nicht versagt werden dürfe. Redner wiederholt seine schon in früheren Jahren vorgebrachte Anregung, daß der Beirat der „Allianz", deren Aufgaben von Jahr zu Jahr steigen, in entsprechendem Maße vergrößert werde, da die vier Beiräte den Anforderungen, welche an diese bedeutendste jüdische Organisation des Reiches gestellt werden, nicht gut gewachsen sein können. Er ist auch der Ansicht, daß die Agenden des Vorstandes einer Erweiterung bedürfen; es müsse ein Preßkomitee, ein Organisations- und ein Gemeindekomitee geschaffen werden. Die Aufgaben des letztgenannten Komitees sollte wohl der „Gemeindebund" erfüllen, doch gebe dieser schon seit geraumer Zeit kein Lebenszeichen von sich. Zum Schluffe stellt Redner folgende Anfrage an das Vereinspräsidium: Aus dem Jahresberichte gehe hervor, daß die „Allianz" anläßlich der jüngsten Judenverfolgungen in Rumänien von sämtlichen jüdischen Organisationen mit der Hauptleitung der Hilfsaktion betraut wurde und daß die „Allianz" selbst 150.000 Francs zur Hilfssumme beisteuerte. Wie kommt es nun, daß laut dem Berichte eines Wiener jüdischen Blattes das Bukarester Komitee in einem an den „Hilfsverein der deutschen Juden" gerichteten Schreiben den Berliner, Pariser und Londoner Organisationen für die gebotene Hilfeleistung den Dank abstattet, während der „Allianz", welcher doch der schwerste Teil der Arbeit zufiel, nicht einmal Erwähnung getan wird? (Beifall.) Der Vorsitzende nimmt hierauf selbst das Wort, um auf sämtliche Ausführungen des Herrn Baum zu erwidern. Der Vorstand der „Allianz" dränge selbst darauf, daß die Generalversammlung stets rechtzeitig abgehalten werde. Die diesmalige ganz abnorme Verspätung habe ihren Grund darin, daß der Vorstand in der letzten Zeit mit den russischen und besonders rumänischen Aktionen vollauf zu tun gehabt habe und es im Interesse der „Allianz" gelegen sei, daß die Mitglieder schon in