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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-06-21 · 25 (21.6.1907) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
25 (21.6.1907)
Date
1907-06-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Nr. 25 Seite 408 Dr. Mocv's MlocdenscdrtN. Engel Gottes steigen auf und nieder auf derselben und oben steht Gott selber und versichert ihn seiner Gnade und seines Schutzes. Dieses Traumbild — ist es nicht das Bild des Traumes überhaupt, wie es sich im Geiste des erwähnten Talmudgelehrten abspiegett, daß nämlich im Schlafe die Seelen der Menschen gleichsam auf einer Himmelsleiter zu Gott auf- und dann wieder heruntersteigen, nachdem sie dort oben Kraft und Leben geschöpft haben? Sonderbar ist es, daß auch die oben angeführte Ansicht der Griechen, daß der Ort dazu beiträgt, dem Traume den Charakter einer höheren Eingebung zu -verleihen, bei dem Traume Jakobs in Erscheinung tritt; denn als Jakob erwachte, da rief er aus: „Wie furchtbar ist dieser Ort, fürwahr, Gott ist-an diesem Orte, und ich hatte es nicht gewußt." Es scheint also, daß diese Anschauung im Altertume allgemein verbreitet war. Aber auch der Ausspruch des Talmud, daß in den Traumen die Eindrücke, die Erlebnisse und der Gedankenkreis des Tages sich abspiegeln, — ein Satz, den die Erfahrung als richtig anerkennt — bewahrheitet sich in dem Traume Jakobs, der nichts anderes war, als der in ein Traumbild gekleidete Gedanke, der in der Tiefe seiner Seele lebte. Jakob, der fromme Zeltenbewohner, erzogen im Gottesglauben. als er einsam und allein auf der Straße wanderte, einer ungewissen Zukunft entgegenfehend, fühlte sich durchaus nicht verlaffen, der Gott seiner Väter war sein Schutz und Schirm, auch die finstere Nacht hatte keine Schrecknisse für ihn, denn seine Seele war erfüllt von dem Gedanken, daß da droben über dem sternbefäeten Nachthimmel ein Gott lebt, deffen Vaterauge auf die Menschen herabschaut, ihre Schritte leitet und sie bewacht und behütet. Was Wunder, daß dieser Gedanke, mit dem Jakob auf freiem Felde ruhigen Gemütes sich niederlegte, zu dem herrlichen Traumbilde sich verklärte, daß eine Leiter auf die Erde gestellt sei, deren Spitze bis zum Himmel reicht, auf der Schutzengel als Boten Gottes auf- und niedersteigen, daß es eine Verbindung gebe zwischen Himmel und Erde? Aber auch in den drei Doppelträumen, von denen das I. Buch Mosis uns erzähll, können wir die Eindrücke des Tages nicht verkennen. Da ist der Doppeltraum Josefs von den Garben seiner Brüder, die sich vor seiner Garbe huldigend beugten und vor Sonne, Mond und den elf Sternen, die sich vor ihm bückten. Daß in der Seele des vor allen seinen Brüdern Bevorzugten und auch durch seine besseren Kleider ausgezeichneten Josef der Gedanke Wurzel faßte, daß er berufen sei, über seine Brüder zu herrschen, ist natürlich und nicht minder, daß dieser Gedanke auch im Traume sich weitergesponnen hat. Der Traum des ägyptischen Oberschenkmeisters von den Trauben, deren Saft er dem König kredenzt, und des Oberbäckers von den drei Körben Backwerk, — sie sind doch offenbar Eindrücke des Tages; aber auch der Doppettraum des Königs Pharao von den sieben mageren Kühen, welche die sieben fetten verzehrten, und den sieben dünnen Aehren, welche die vollen verzehrten — war doch nichts anderes, als wovon Könige zu träumen pflegen — ich spreche natürlich von den Königen des Attertums — wie der eine den anderen verschlingt, ja wie es gerade die Schlechten sind, welche die Edelsten und Besten aufzehren. Bei diesen Träumen begegnen wir zum erstenmale der T r a n m d e u t u n g. Sowohl der König als auch die königlichen Beamten fühlten das Bedürfnis, ihre Träume sich deuten zu lassen. Die Deutung erst soll dem Traume seine Bedeutung und seine Wesenheit geben. Wir stehen eben auf dem klasiischen Boden der Traumdeuterei, in Egypten, der Wiege der Traumdeutung. Wie Josef, auf Gottes Eingebung hinweisend, die Träume der Hofbeamten und des Königs richtig deutete und dadurch feine eigenen Träumen in Erfüllung gingen, ist bekannt. Noch einen Traum erwähnt die Bibel, und zwar den des babylonischen Königs Nebukadnezar, der an seine Zeichendeuter und Zauberer eine gar schwere Zumutung stellte. Er forderte von ihnen nicht nur, daß sie seinen Traum ihm deuten, sondern ihm auch mitteilen sollen, was ihm geträumt hat. Sonst würden sie alle in Stücke gehauen und ihre Häuser zu Trümmerhaufen werden. Aber selbst diese Drohung konnte das Unmögliche nicht möglich machen. „O mächtiger König!" sagten sie, „es gibt keinen Menschen auf Erden, welcher deinen Wunsch erfüllen könnte, weshalb auch kein König an irgend einen Zeichendeuter oder Zauberer eine solche Frage je gestellt hat. Sage uns den Traum und wir werden die Deutung finden." Der König aber wollte die Kunst dieser Laufendkünstler auf die Probe stellen und ließ nicht ab von seinem Begehr. Und es erging der Befehl und all diese „Weisen" wurden hingerichtet und man suchte auch Daniel und feine Genossen, die in babylonischer Gefangenschaft lebenden gelehrten Juden, um sie umzubringen. Da ging Daniel zum König und erbat sich Zeit, um dessen Wunsch zu erfüllen. Hierauf beteten er und seine Genossen inbrünstig zu Gott, daß Er sie erleuchten möge und in einem Nachtgefichte ward Daniel das Geheimnis offenbart. Er trat vor den König hin, der ihn fragte: „Hast Du die Fähigkeit, mir kundzutun den Traum, den ich gesehen,. und auch seine Deutung?" Und Daniel antwortete und sprach: „Das Geheimnis, welches der König fordert, nicht Weise, Zeichendeuter oder Wahrsager vermögen es dem Könige mitzuteilen, jedoch gibt es einen Gott im Himmel, der offenbart Geheimnisse und der hat es dem Könige kundgetan, was geschehen wird in späteren Tagen." „Du, o König, schautest ein großes, gewaltiges Standbild. Dieses Bild — fein Haupt war von feinem Gold, feine Brust und seine Arme von Silber, sein Leib und seine Lenden von Kupfer; seine Schenkel von Eisen, feine Füße zum Teil aus Eisen und zum Teil aus Ton." „Du schautest, daß sich loslöste ein Stein, nicht durch Hände, und er schlug das Standbild auf seine Füße von Eisen und Ton und zermalmte sie. Darauf wurde zermalmt das Eisen, der Ton, das Kupfer, das Silber und das Gold und sie wurden wie Spreu in der Tonne und es führte sie fort der Wind; der Stein aber, der das Standbild zertrümmert, er wurde zu einem gewaltigen Berge und füllte die ganze Erde." Dies der Traum und seine Deutung will ich Dir nun sagen: „Du, o König! König der Könige! bist das Haupt von Gold und nach dir wird erstehen ein anderes Reich, -geringer als deines, das ist das Silber und ein drittes Reich nachher von Kupfer, welches über die ganze Erde herrschen wird. Und ein viertes Reich wird hart sein wie Eisen '— es wird fein ein geteiltes Reich und das Eisen wird durchmischt sein von lehmigem Ton." Und in den Tagen dieser Könige wird aufrichten der Gott des Himmels ein Reich, das in Ewigkeit nicht wird zerstört, und seine Herrschaft wird keinem anderen Volke überlassen werden; es. wird zermalmen und vernichten alle jene Reiche, selbst aber bestehen bis in Ewigkeit. „Deshalb schautest du, daß von einem Berge sich loslöste ein Stein, nicht durch Hände, und er zermalmte das Eisen, das Kupfer, den Ton, das Silber und das Gold. Der große Gott hat dem Könige kundgetan, was sein wird, denn gewiß ist der Traum und wahr seine Deutung." * * Dr. Julius Fürst in seinem Bibelkommentar bemüht sich, auch diese auf göttliche Inspiration zurückgeführte Lösung der schweren Aufgabe Dämels auf natürlichem Wege zu' erklären.

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