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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-06-14 · 24 (14.6.1907) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
24 (14.6.1907)
Date
1907-06-14
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 402 Dr. JäiocD's Mlycvenscvrtll. Nr. 24 Männer seid, und stellet nackensteife Leute an die Spitze, die Juden im wahren Sinne des Wortes find und einem derartigen perfiden Vorgchen, wie es jetzt vorgekommen ist, die Spitze bieten köuuen. Mödritz bei Brünn. Herr Julius Schück, erste mährische Saueckaut-Fabrik und Oekonomiebesitzer in Mödritz, hat fich, um eine Kultussteuer von K 22 75 zu ersparen, konfefiionSlos erklärt. Laut Zahlungsauftrag der israelitischen Kultusgememde Kanitz ääo. 24. Dezember 1906 wurde Herrn Schück eine Kultussteuer von X 42'75 ausgeteilt. Schück ließ die vierzehutägige Reklamationsfrist verstreichen, retournierte am 31. Jauner 1907 den Zahlungsauftrag mit dem Bemerken, daß er eine freiwillige Kultussteuer von K 20 entrichten will, und drohte gleichzeitig, daß er fich konfessionslos (so heißt es wörtlich in diesem Schreiben) erklären will, wozu erbereits Schritte eingeleitet habe. Schück wurde abschlägig beschiüren, weil die Reklamationsfrist verstrichen war. Am 6. Februar 1907 retournierte er abermals Erlagschein und Zahlungsauftrag unter neuerlicher Androhung seines Austrittes aus der israelitischen Religion. Die Austrittsanzeige ist vom 6. Februar 1907 datiert. (T r a u u n g.) Dienstag den 25. Juni d. I. um 5 Uhr nachmittags findet in Dembica („Hotel Bornstein") die Trauung des Fräuleins Miriam Lewin, Tochter des Herrn Rabbiners Nathan Lew in, mit Herrn Simon Dym statt. Klattau. Im nächsten Schuljahre gelangt zum erstenmale die Salomon L o w y'iche Studentenstiftnng per 80 K für arme israel. Mittelschüler der Klattauer Kultusgemeinde zur Besetzung. Gesuche find -iS zum SO. September l. I. beim Kultusvorstande in Klattau ein-ubringen. Der letztere sorgt in jeder Beziehung allseitig für das Wohl der Gemeindet Gegenwärtig wird die gründliche Renovierung des im Jahre *876 erbauten Tempels in Angriff genommen. Zu diesem Zweck liefen zahlreiche freiwillige Spenden ein und sucht tatsächlich ei« Mitglied das andere zu überbieten. Heber Anregung dcs VorstarwSmitgliedeS Herrn Brauhausbesitzer Franz Lanner erhält die hefige israel., mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehene Volksschule emeu 'urUku Turnpävillon mit sämtlichen modernen Geräten, so daß nicht nur die Schuljugend, sondern auch die Kultusmitglieder sich an dem regelrechten Turnunterrichte werden beteiligen können. Schließlich babm wir einiger Jubiläen zu gedeuken. Herr Kantor Jakob Bene sch feierte am 30. Mai mit seiner Gattin das Fest der silbernen Hochzeit. Der Genannte steht seit einem Vierteljahrhundert in den Diensten der Gemeinde und hat sein Amt jederzeit gewissenhaft auSgefüllt; er genießt auch mit Recht den Ruf eines ausgezeichneten Korebs. Die gleiche Feier begeht am 22. Juni der Vorstandstellvertreter Herr Josef F e i g e l mit seiner Gattin Mathilde, der Präsidentin deS hiesigen israel. Frauenvereines. Dieses Ehepaar hat sich um die Kultusgemeinde große Verdienste erworben. An demselben Tage wird der jüngste Sohn des seligen Kultusvorstehers Josef Treichlinger, der die Klattauer Gemeinde durch sein rastloses Wirken auf eine feste Basis gestellt, der Gymnasiast Max Treichlinger, konfirmiert werden. Am 16. Juni feiert der langjährige Obmann nnserer Chewra Herr S. I. K r a u S ko p f fein siebzigjähriges Wiegenfest. Seine Leistungen sind in diesen Blättern bereits des öfteren gewürdigt worden. Allen Jubilanten gratuliert aus vollem Herzen ants und post festnm. A. B. Feuilleton. Chajim auf der Ieschibah. Von Dr. F. Rich. Heinfchel. (Fortsetzung.) Au dem Jome-depagre') wurde dem Karten- oder Schachspiel gehuldigt. Mlabend vor dem Maarivgebete, * 2) an Sabbat- und Festtagen, auch vor Muffaf3) und Minchah4) standen im Tempelhofe die sogenannten Rädloch5) und die Bachurim ') Belustigungstage; Halbfeiertage rc. *) Abendgebet. 3) Vormittagsgottesdienst. *) Vespergebet. s) Rudel Menschen. beteiligten sich an der Unterhaltung, hörten die Kehilloneuigkeiten°) und den Stadttratsch, was auch einige Abwechslung bot. Auch die Dienstmagd Hannah trug viel zur Belustigung bei. Das alternde Weib hatte Triefaugen, die immer entzündet waren, und konnte nicht ins Licht schauen; das Licht blendete sie. Hannah mußte am Tische bedienen und der Hausfrau verschiedenes zureichen, beim Nachtessen aber mußte sie ihre Dienste mit abgewandtem Gesichte verrichten. Bald stieß sie ein Glas Wasser um, bald griff sie mit ihren schmierigen Händen einem oder dem anderen in den Teller, und machte man ihr Vorwürfe, dann antwortete sie stets: „i bin jo eh nur driber g'fohren". Cäcilie hing mit besonderer Liebe an Hannah; Hannah war ihre Amme und hatte sie großgezogen. Diese beiden, sowie Perez und Chajim schliefen im Wohnzimmer. In diesem Zimmer schlief der Rabbi in seinem Lehnstuhle sitzend in den Winternächten bis nach Mitternacht, dort lernten Chajim und die zwei jüngeren Söhne des Rabbi, während die älteren Söhne und die fremden Bachurim im Lernzimmer studierten. Chajim stöberte gerne in allen Büchern herum. Einmal fand er in einem Büchlein verzeichnet, man könne mit einem Papiere, welches mit Oel bestrichen, hinter welchem eine Kerze gehalten wird, einen Schlafenden entführen. Man brauchte dem Schläfer nur auf die Schulter zu klopfen und ihm mit der Hand zu winken und das Medium folgt willig. „Weißt Du", so sprach Chajim zu Perez, „wir könnten Hannah und Cäcilie in der Nacht auf die Straße führen und dort stehen lassen. Hannah und Cäcilie hörten diese Unterredung mit an und wagten es wochenlang nicht, eher als Chajim zu Bett zu gehen; erst wenn dieser schlief, krochen sie in ihre Betten. So lange Chajim wach war, saßen sie auf dem Bettrande und schliefen, sitzend, so daß sie beim leisesten Geräusch erwachten. Kaum daß Chajim einen Schritt machte, als wollte er fich ihnen nähern, schon fuhren sie erschreckt in die Hände. Endlich schloß Chajim Frieden. Cäcilie gab Chajim ihre Frühstücksemmel und er gab das feierliche Versprechen ab, daß er über sie und Hannah wachen werde und wehe dem, der es wagen wird, bei ihnen das Experiment mit dem geölten Papiere zu versuchen. Ich, so sprach Chajim zu Cäcilie, werde dich beim Namen anrufen und wenn du dann dem Entführer nur einen leichten Streich versetzest — so heißt es in dem bewußten Buche — ist er maustot. Fast 5 Jahre stand Chajim im Genüsse dieses Benefiziums seitens der Cäcilie. Hannah versprach Chajim alle nur denkbare Gefälligkeiten, und sie hielt getreulich ihr Wort. Zwei Jahre lebte Chajim in T. und ein Tag glich dem andern; da brach ein Ereignis herein, wodurch das Haus des Rabbi und die ganze Jeschibah in eine langwierige Erregung versetzt wurde. Boruch Plaschkes, der Schächter und Sekretär der Gemeinde, ein Heuchler und Frömmler, dem der fromme Rabbi niemals großes Vertrauen entgegenbrachte, der es aber verstand, die Sympathien der Gemeindegewaltigen zu erringen, riß fich eines Tages die Maske vom Gesichte. Sein ältester Sohn war Arzt in einer Gymnasialstadt in der Nähe von T. und führte einen ganz unjüdischen Lebenswandel. Dessen Gattin kaufte ganz öffentlich Schweinefleisch, und bei diesem Sohne brachte er seinen Jüngsten, einen Knaben von 10 Jahren unter, damit er dort das Gymnasium absolviere; böse Zungen behaupteten sogar, Boruch Plaschkes hätte bei seinem Sohne gespeist. Der Rabbi ließ den Schächter Plaschkes holen und sagte ihm, wie er es wagen könne, ein unschuldiges Kind, dessen jüdische Erziehung ja seine heiligste Pflicht ist, in einem solchen Hause unterzubringen. 1 „Mein Kind," so antwortete Plaschkes, „wohnt nur bei meinem ältesten Sohne, speist aber in religiösen Häusern, er steht im Genuffe von Kosttagen." °) Gemeinde.

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