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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-06-14 · 24 (14.6.1907) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
24 (14.6.1907)
Date
1907-06-14
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 24 Dr Llocv s imocDenscDuin, Sette 403 „Ja, das weiß ich," antwortete der Rabbi, aber auch diese Häuser genießen nicht den Rus frommer jüdischer Häuser, ja einzelne, so schreibt mir der Rabbiner der Gymnafialstadt, find geradezu ausgesprochen trefoh."^) „Ich gebe Ihnen drei Tage Zeit, Ihr Kind anderweitig unterzubringen; Sie find ja doch auch ein vermögender Mann und können für Ihr Kind in einem jüdischen Hause Kostgeld bezahlen." Der Rebbe soll mir mochel7 8) sein, aber das geht nicht an. Ich glaube, der Rebbe wünscht nicht, daß mein Sohn studiert, ich aber denke darüber anders." Sie wollen also Ihr Kind einem nichtjüdischen Lebenswandel preisgeben, dann verbiete ich Ihnen von dieser Stunde ab, den Chalif 9) zu ziehen. „So," antwortete Plaschkes und zog dabei sein Gesicht in Falten, „da bin ich doch neugierig, was die Gemeindevertretung dazu sagen wird." „Ueber die Zulässigkeit eines Schächters zu urteilen, bin ich allein kompetent," antwortete der Rabbi und ließ den arroganten Schächter stehen. Wenige Minuten später ging es wie ein Lauffeuer durch die Kehilloh 10), Plaschkes ist geaffert.") Der Vorsteher Moses Reich, auch Haman genannt, war wohl ein Verehrer des Rabbi, aber er schuldete Plaschkes eine größere Summe. Reich lief zum Rabbi und bat ihn himmelhoch, er möge doch sein Verbot aufheben; vergebens. Der Rabbi blieb standhaft, blieb sich treu. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Jüdischer Witz und Humor. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur zu Mannheim sprach Herr Dr. Moses, Redakteur aus Berlin, über „Jüdischen Witz und Humor". Der Redner bemerkte einleitend, er wolle die Rednerbühne, die sonst ernsten, wissenschaftlichen Zwecken diene, heute dazu benützen, um den Zuhörern eine heitere Stunde zu bereiten. Er biete keine philosophisch-psychologische Abhandlung, denn die Monographie des Jüdischen Witzes und Humors sei noch nicht geschrieben, ja man besitze noch nicht einmal die Vorarbeiten und Quellen zu einer solchen Studie. Er wolle also mehr eine Plauderei halten, eine skizzenhafte Betrachtung über den jüdischen Witz anstellen. Im Lachen und im Weinen zeigt sich die Volksseele. Jedes Volk hat seinen charakteristischen Witz. Er ist gleichsam ein Spiegel, in dem das Volk sich beschauen kann. Denn der Witz hat auch eine sittliche Wirkung, er legt den Finger auf die eigenen Schwächen. Es gibt allgemeine Eigenschaften eines guten Witzes; der jüdische Witz ist gerecht, sehr scharf und beißend, z. B. bei Heine, Börne, ja auch dem getauften Juden Maximilian Harden. Der jüdische Witz, besonders bei den östlichen Juden, hat etwas von der Dialektik und Sprache des Talmud an sich, daher kann ihn eigentlich vollkommen nur der verstehen, der in einer altjüdischen Gemeinde ausgewachsen ist, dem die jüdischen Sitten und Gebräuche vertraut find. Demgemäß ist vorwiegend die ältere Generation die Trägerin der alten echtjüdischen Witze (die sogenannten jüdischen Witze der deutschen Witzblätter wie Simplicissimus, Jugend, Lustige Blätter find nur antisemitische Witze, die mehr Ursache zur Betrübnis bieten; denn sie find vollkommen ungerecht und zum Teil geschmacklos). Es ist daher auch vom Standpunkt der kulturhistorischen Forschung wichtig, diese Witze zu sammeln. Wir finden manches bei Bernstein, Tendlau, den alten Predigten der Maggidim. Saphir und Stettenheim dagegen find keine jüdischen Humoristen, obwohl geborene Juden. Echte jüdische Witze, Anekdoten und humorvolle Gleichnisse finden wir z. B. beim berühmten Dubnoer Maggid, 7) nicht rituell. 8) entschuldigen. 9) Schlachtmesser. 10) Gemeinde. ") verboten. bei den Schnorrern und jüdischen Spaßmachern. Welches find ihre Objekte? Der Parneß oder Vorsteher mit seiner Würde und Selbstgefälligkeit, der „Row" (Rabbiner) in seiner Weltabgekehrtheit, deffen Frau, die „Rebbezen", der alle schlimmen Eigenschaften beigelegt werden, der „Bocher" oder Talmudschüler in etyiger Armut, aber sie mit Humor ertragend. Juden in Spanien z« Beginn der christliche« Zeitrechnung. Ein archäologischer Mitarbeiter der „Frankfurter Zeitung" schreibt: In Spanien, das in Mischna und Talmud erwähnt wird, hat sich vor dem Jllibiteranischen Konzil zu Elvira (zwischen 300 und 309 n. Ehr.), das der Juden bestimmt Erwähnung tat, nur die Grabschrist eines jüdischen Kindes — . . . nia Salomonula Judaea — erhalten, die in den Anfang des 3. Jahrhunderts zu setzen ist. Nach den Akten dieses Konzils von Elvira, in denen die Beziehungen zwischen Christen und Juden stark eingeschränkt werden, muß es aber zahlreiche jüdische Gemeinden in Spanien gegeben haben; zu Mahon auf Minorca blühte im 5. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde, eine trilingue (hebräisch-lateinisch-griechische) Grabschrift aus Tortosa gehört nach Renan ins 6. Jahrhundert, oder wegen der griechischen doch in frühere Zeit. Zu diesen spärlichen Beweisen vom Aufenthalt der Juden in Spanien vor dem Beginn der drakonischen Gesetze des westgotischen Reiches gegen die Juden (586) ist nun ein neuer getreten. Bei Ausgrabungen in Elche — nahe dem Meere zwischen Alicante und Murcia — dem alten Jlick, das durch die herrliche daselbst gefundene, im Louvre befindliche Mädchenbüste „Das Mädchen von Elche" wohl bekannt ist, stieß man auf Gebäudereste und griechische Jnschriftfragmente, über die das zu Bordeaux erscheinende Bulletin Hispanique (Avril-Juin 1907) ausführlich berichtet. Die Trümmer lassen sich als zu einer jüdischen Synagoge gehörend teilweise bestimmen, wenn auch eine genaue Scheidung, da ein römischer Bau vorausgegangen ist und ein byzantinischer folgt, noch nicht geschehen konnte. Die in drei Stücken gefundene, wohl zusammengehörige griechische Mosaik-Inschrift spricht von den „Vorstehern und Aeltesten der Proseuche" (die allgemein übliche Bezeichnung für den Ort, an dem sich Juden zum Gebet vereinigen). Die Inschrift ist jedenfalls vor die westgotischen Gesetze zu datieren. Das Griechische ist fehlerhaft; nichtsdestoweniger scheint der Gebrauch dieser Sprache schon für eine frühere Zeit zu sprechen, als der Herausgeber Albertini annimmt, der ins 6. Jahrhundert datieren will. M. Nene Bücher. Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für modernes Judentum. Herausgegeben von Leo Winz. Verlag O st und W e st. Berlin W. 8. Organ der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Jsraelite Universelle. 7. Jahrgang. Heft 6. Juni 1907. Inhalt: Eine Erinnerung. Dr. S. Bernfeld: Kleinere jüdische Sprachgebiete. Dr. Ph. Leven: Benno Elkan (mit 9 Illustrationen). Samuel Meisels: Moderne Jargon-Lyrik. Jehuda Ha-Levi: Abschiedsverse (Gedicht). — Oi! Jofsel mit dem Fiedel (Jüd. BolkSmelodie). Scholem Alechem: Die Militär-Gestellung. Leon Steinhaus, Memel: Aus den alten Gemeinden. (II. Schluß.) — Jedide Jlmim (mit 5 Illustrationen). Mitteilungen aus dem Deutschen Bureau der „Alliance Jsraälite Universelle": I. Das rumänische Hilsswerk. II. Das Ackerbauwerk. (Spezialbericht an die A. I. U.) Hl. Ruffische Versuche in Bulgarien. (Spezialbericht an die A. I. U.) IV. Notizen. Dr. Wilhelm Münz, Rabbiner in Gteiwitz. Einsames Land. Erzählungen und Stimmungsbilder. Preis Mk. 2 50. Verlag von I. Kauff mann. Frankfurt a. M. 1907. Dr. Phil. A. Tänzer, Rabbiner. Die Geschichte der „Königswarter-Stiftuyg" in Meran 1&72—

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