Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 24 (14.6.1907)
- Date
- 1907-06-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 24 Dr. Llocd's Miocdenscvrirr. Seite sss Worten: „Josef Falk und Josef Tolkes, Ihr seid gänzlich befreit!" Auf meine Frage, warum er mich nicht dem Herrn Regierungskommissär vorführe, antwortete er: „Wozu denn? Ist nicht mehr nötig, Sie find nun gänzlich befreit." Geheimrat Dr. Jakob Freudenthal. Breslau, 3. Juni. Am Samstag starb unerwartet im Alter von 68 Jahren Herr Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Jakob Freudenthal, ein Gelehrter, der nicht nur eine Zierde unserer Universität war, sondern dessen Name in der wissenschaftlichen Welt überhaupt einen guten Klang hatte. Fast ein Vierteljahrhundert lang, von 1864 bis 1888 hat der Verstorbene am hiesigen jüdisch-theologischen Seminar gewirkt. Er hat sowohl hier als Lehrer wie als Professor an der Universität seine Zuhörerschaft in hervorragender Weise geistig angeregt und gefördert. I. Kostan widmet dem Verstorbenen in „Berliner Tageblatt" einen Nachruf, den wir folgende Stellen entnehmen: „Aus der Schar jugendlicher radikaler Brauseköpfe, die vor so und so viel Jahrzehnten an der schlesischen Hochschschule die Vorlesungen des dialektischen Spitzkünstlers Braniß, des grundgescheiten und grundehrlichen Philologen Friedrich Haase, des scharfsinnigen Jakob Bernays und des temperamentvollen Historikers Richard Roepell hörten, ragte der hochaufgeschossene, schon damals still in sich gekehrte Studiosus Freudenthal gar seltsam eigenartig hervor. Im Gegensätze zu den lebhaften und mitteilsamen Schlesiern und den aus den übrigen Nordostprovinzen Preußens stammenden Kommilitonen hatte der Hannoveraner etwas Gemessenes, vornehm Zurückhaltendes in seinem Wesen. Er galt darum unter seinen Studiengenossen für stolz. Allerdings mied er die lärmenden studentischen Zusammenkünfte und deren überschäumende Redeturniere. Er hatte zu derartigen Veranstaltungen schon damals keine Zeit, - denn er steckte stets ganz tief vergraben in seinen Büchern. Dafür war er aber auch trotz seiner Jugend ein „gelehrtes Haus" und wußte auf alle Fragen besser Bescheid als die meisten. Er war in den griechischen Tragikern ebenso gut beschlagen wie in den modernen Klassikern, und gar manchen unter uns hat er die Wege zu den Erkenntnisquellen Spinozas in unermüdlicher Geduld gewiesen. Er wußte sozusagen alles. Neben seinen ausgedehnten theologischen und philosophischen Studien las er mit Vorliebe geschichtliche Werke, besonders die Reden der großen englischen Parlamentarier, unter denen der feurige, witzige George Canning sein besonderer Liebling war. Sehr bald entschloß er sich, das rabbinische theologische Studium gegen das philologisch-philosophische zu vertauschen. Er mochte dabei wohl ebenso sehr seinen eigenen Neigungen als dem Einflüsse seines großen Lehrers Jakob Bernays gefolgt sein." Die irdischen Ueberreste Freudenthals find nach seiner hannoverschen Jugendheimat Bodenfelde überführt worden, wo er bei seinen Eltern und Vorfahren die ewige Schlummerstätte finden wird. Hunderte von Freunden, Verehrern und Schülern darunter der gesamte Lehrkörper der Universität, gaben ihm das Geleite nach dem Hauptbahnhof, wo noch ein letztes, flüchtiges Abschiednehmen erfolgte. Als Vertreter des Oberpräfidenten und Universitätskurators befand sich Oberregierungsrat Schimmelpfennig im Trauergefolge. Vorher hatte in der Wohnung des Verewigten, Körnerstraße 12, unter ungemein großer Beteiligung eine wehmütige Trauer- und Abschiedsfeier stattgefunden. Rabbiner Dr. Guttmann sprach aus tiefbewegtem Gemüt von dem reichen und ungewöhnlichen Leben Jakob Freudenthals, von dem Werdegange des ehmaligen Zöglings einer jüdischen Dorfschule in der Provinz Hannover zur hochangesehenen Stellung eines gefeierten Lehrers der Universität und zum Ruhme einer wissenschaftlichen Größerer sprach von dem wunderbar harmonischen Familienleben, das in dem Hause walte, aus dem nun der heißgeliebte Gatte und Vater scheide, und er schilderte ihn als einen ausgezeichneten, hervorragenden Menschen, als eine edle, maßvolle, in sich selbst ruhende Persönlichkeit, als einen Mann von wohlwollendem Entgegenkommen und freundlichster Bescheidrnheit, als einen Lehrer, der durch seine Charaktereigenschaften einen tiefgehenden Einfluß auf die akademische Jugend ausgeübt und somit im besten Sinne erzieherisch gewirkt hat. — Professor Dr. Baumgartner nahm das Wort im Namen der Universität und insbesondere auch im Namen der philosophischen Fakultät. In ausfübrlicher Rede zeichnete er ein Charakterbild des Heimgegangenen Freundes, Kollegen, philosophischen Forschers und Schriftstellers. Aus den einfachsten Verhältnissen sei Jakob Freudenthal hervorgegangen. Einfachheit und Schlichtheit sei der Grundzug seines Wesens geblieben. Ein edler Mensch, ein vollendeter Charakter, ein großer Gelehrter — so stehe das treue Bild des Entschlafenen vor uns. Seine Pflichttreue hatte keine Grenzen gekannt; als Lehrer sei er in jeder Hinsicht vorbildlich gewesen. Klarheit im Vortrag und im Lehren habe ihm als seih höchstes Ideal gegolten; alle seine Arbeiten seien mustergültige Proben wissenschaftlicher Darstellung. Er dürfe nichts nur als ein hochbedeutender Forscher — er müsse auch als eist Meister der Stilistik gefeiert werden. Sein Stil sei klassisch, sei herrlich; hier sei etwas von dem Glanze seines berühmten Lehrers Lotze auf ihn gefallen. — Der Sarg war fast ganz in Kränzen und Blumen verborgen, und das geräumige Totenzimmer.vermochte kaum die Ueberfülle dieser blühenden und duftendes Spenden der Liebe, der Zuneigung und der Verehrung zu fassen. Vollzählig waren die studentischen Korporationen durch ihre Chargierten und mit ihren Fahnen vertreten. Auf dem Wege zum Bahnhof fuhren sie in Wagen dem Trauerzuge voran. Der Magistrat und die Stadtverordneten hatten Vertreter entsandt, und auch Mitglieder anderer Behörden erschienen am Sarge und drückten der Familie ihr Beileid aus. Am Bahnhof wartete das Trauergeleit, bis sich der Sarg im Eisenbahnwagen befand und in allen Gemütern erklang ein letztes, stilles „Fahr wohl!" Berlin. Aus dem Deutsche» Bureau der „^Hiunes Israslite Universelle“ erhalten wir folgende Mitteilung: „Bukarest 7. Juni. Am gestrigen Tage haben die vereinigten Senate des Kassationshofes in Bukarest aus einem Einzelanlaß durch Urteil festgestellt, daß die im Lande geborenen Fremden oder die Söhne von Eltern, die im Lande geboren find, aus Rumänien ausgewiesen werden können, selbst wenn sie dem Militärdienst genügt haben. — Dieses Urteil hebt die gesamte frühere Judikatur auf, die sich auf ein Verdikt des zweiten Senats des Kaffationshofes gestützt hatte. In Zukunft kann in Rumänien jeder Jude des Landes verwiesen werden, ohne daß ihm das Recht der Beschwerde zustünde." Aus der territorialiftischen Bewegung. Brüssel. Sonntag den 26. Mai fand hier eine Massenversammlung der hiesigen Territorial i st e n statt, der die Herren R o s e n t h a l und H. Baron präsidierten und der auch Vertreter der Antwerpner Organisation beiwohnten. Das Referat über die „Jto" erstattete Herr H. Rubinstein aus Zürich. Seine trefflichen Ausführungen hatten den Beitritt von 40 neuen Mitgliedern zum Resultat. Antwerpen. In einer am 27. Mai im hiesigen „Diam ante n-Klub" stattgehabten Territorialisten- Versammlung, bei der etwa tausend Personen zugegen waren, hielt der Präsident des Schweizerischen territorialiftischen Landes-Verbandes, Herr H. Rubinstein aus Zürich, einen glänzenden Vortrag über die Bestrebungen der „Jto". In großartiger Weise verstand es Redner, alle von den anwesenden Zionisten versuchten Einwände zu widerlegen. Paris. In Montmartre konstituierte sich ein neuer Zweigverein der „Jto". Zum Ehrenpräsidenten wurde Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Salomon Kahn, zum Präsidenten Herr I. Schäffer gewählt. B r e st-L i t o w s k. Die Herren U. r i a s ch s o n aus Grodno und Novinson aus Bialystok begründeten hier eine neue „Jto"-Ortsgruppe. Pruzhany. Hier konstituierte sich eine territorialistische Ortsgruppe.