Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1907)
- Issue
- 24 (14.6.1907)
- Date
- 1907-06-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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(bsite 392 Dr. Vlovr's WmtzerUchrM» Nr. 24 was ihm auch großartig gelang, da die Juden Kiese Grundlagen niemals angegriffen hatten. Der dritte Gesellschafter, den man wahrscheinlich mit einem Stück Zucker anlockte, war K. H. Wolf, derselbe Wolf,- der durch seine Taten bewiesen hatte, daß er der berufene Retter des deutschen Volkes sei. Denn er hatte es mit Hilfe der Tochter eines Gastfreundes vor der Entvölkerung bewahrt und mit Hilfe des Zuckerkartells vor der Verarmung. Derselbe Wolf, den vor einem halben Jahre die Christlich-Sozialen buchstäblich so zum Fressen liebten, daß man glaubte, es werde von ihm nichts übrig bleiben als ein Hoseuknopf; den seine heutigen Freunde gestern als einen Mann bezeichneten, dessen politische Schändlichkeit nur von der Schändlichkeit seines Charakters übertroffen werde und den kein anständiger Mensch die Hand reichen könne. Tatsächlich reichten ihm auch nur die Christlich-Sozialen die Hand. Warm und treu. Sie zogen einander bei den Stichwahlen aus den Wogen, als die sozialdemokratische Ueberschwemmung begann, aber sie gerieten noch tiefer in den Sumpf, in dem sie gedeihen. Der Römling fiel gerührt dem Preußenseuchler um denselben Hals, an dem er ihn gestern mit Vergnügen aufgehäugt hätte, und umgekehrt. Das Ganze heißt dann christliche Moral und ist eine Pateutmediziu zur Erhaltung des arischen Volkes. Als der Wolf glücklich im Parlamente war, tat er sehr stolz, richtete sich einen eigenen Betrieb ein und führte sich auf wie der erste Führer der Deutschen in Oesterreich. Das war natürlich ein Mumpitz, auf den heutzutage nur mehr ein Freisinniger hereinfliegt. Denn das alldeutsche Häufchen wird den christlichsozialen Gnaden- und Mandatspeudern weder jetzt noch in Zukunft ein Hindernis bilden, der Vorteil hat die beiden fest aneinandergekoppelt, und wenn man auf den Bänken der Pfistererpartei einen Antrag eiubriugen wird, so braucht man nur zur alldeutschen Partei, frei nach Lohengrin, herüberzuwinken: „Erhebe dich, Genossin meiner Schmach!" Das „Deutsche Volksblatt" aber girrt werbend weiter, wie ein Täuberich, schlägt Pfauenräder in den deutschen Farben, alles aus Liebe zur deutschen Volkspartei und die deutschen Agrarier. Die ganze christlichsoziale Presse akkompagniert die Verhandlungen ihrer Führer mit den deutschen Führern, ruft Donnar an, den Gott der Kraft, und Loki, den Gott der List, damit ja ein straffer Verband der deutschen Abgeordneten gebildet werde. Straff heißt nämlich unter dem straffen Kommando der Christlich-Sozialen, Verband heißt nämlich Stärkung der christlichsozialen Macht. Die Rechnung ist nicht schlecht. Es sollen gegen 180 Abgeordnete zusammengeschweißt werden, die größte Gruppe, die Christlich-Sozialen befehlen und verfügen so über mehr als ein Drittel des Parlaments, ein Drittel der Ministerbank rc. Die kleinen Unterschiede zwischen Klerikalismus und Los von Rom werden beseitigt, die Wähler als die Tölpel behandelt, als die sie von ihren Vertretern zwischen je zwei Wahltagen betrachtet werden, und die Staatsmaschinerie zu Erwerbszwecken benützt. Wahrscheinlich werden die umworbenen deutschen Parteien auch mit Geßmann in die Laube gehen und im Namen des Deutschtums die Macht der Ultramoutanen befestigen. Merkwürdigerweise will man für den Verband auch diejenigen Freisinnigen nicht, die gerne von einer Partei desertieren möchten, auf deren Minderzahl auch nicht der Schatten einer staatlichen Würde fällt. Denn was sollte aus dem christlichsozialen und dem alldeutschen Schimpfprogramm werden, wenn niemand da ist, gegen den man losziehen kann? Den Vorteil eines ohnmächtigen Gegners, den man unbedingt zum Spiegelfechter: braucht, kann man für einen geringen Vorteil nicht aufgeben. Das hätten erfahrene Politiker ahnen können und deshalb war der unfreisinnige Fußtritt an die Wiener Juden, den man nachher von den Alldeutschen selbst empfing, ein kolossaler Eselstritt. Abgesehen von der Klugheit war das Anbiederu an die christlich soziale Partei gerade von den Freisinnigen die ärgste Felonie, weil die das beste Gedächtnis dafür haben sollten, wie die Christlich- Sozialen in ihrem Hauptsitz Wien jeden Deutschnationalen als Hochverräter mit Feuer und Schwert verfolgen, daß sie die ärgsten Zutreiber der Klerikalen, die Meister der Volksverdummung, des Wahlschwindels, der Lumperei in der Gesinnung sind, daß sie das Ritualmordmärchen ins zwanzigste Jahrhundert schleppten und in der Verwaltung die ärgste Günstlingswirtschaft treiben. Unbelastet durch solche Bedenken werden Luegers Kompagnons mit ihm ihre kleinen und seine großen Geschäfte treiben. Schon ist wenigstens der deutsche Rüttlischwur geschworen, in nationalen und antisemitischen Fragen ein einig Volk von Brüdern zu sein. Zittere jüdische Moral vor der äußerst moralischen Verbindung deiner Gegner! Leider ist das kein leerer Angstruf. Die jüdische Moral, eine der wenigen, die in Oesterreich nicht nur dem Namen nach existieren, wird sich wie ein anständiger Mensch behandeln lassen müssen, der in eine Verbrecherhöhle gerät. Angreifer sind genug da, aber Verteidiger wenig. Die sozialdemokratische Partei, deren zukünftige Machtfrage mit Nein beantwortet werden muß, wie im Deutschen Reiche, weil sie stark ist, aber nicht stark genug, um etwas durchzusetzen, wird ebensowenig wie eine andere Partei ihre Stellung durch ausgesprochene Judenfreundschaft schwächen. Ein paar Freisinnige und ein paar Demokraten werden Reden halten, die man in der liberalen Presse als Taten des Liberalismus preisen, in der antisemitischen Presse als Witze verhöhnen wird. Aber inzwischen werden die wirklichen Machthaber den Staat, die Moral, das Gewerbe, das Volk und noch andere Kleinigkeiten auf Kosten der Juden retten, wozu Lueger, Wolf & Co. in allen bürgerlichen Lagern verständnisvolle Mitarbeiter finden werden. So schaut die messiauische Zeit aus, von der viele Juden träumten. Eine messianische Zeit für den germanischklerikalen-radikalen Block, der im gegenseitigen Geschäftsinteresse für lange Jahre geschmiedet wird. Nicht die eigene Moral, auf die man nötigenfalls pfeift, ist für diese Herren ein Politikum, sondern die fremde, die man angreift. Der Freisinn ist im kommenden Parlament stark, aber für Erfolge zu schwach vertreten. Er wird erfahrungsgemäß schwach und ohnmächtig durch die Belastung mit der Judenfrage. Letztere gehört in die Behandlung von Judenvertretern ohne Partei- und Nebenrücksichten, die durch unausgesetztes Betonen des Judenpunktes ihren Freisinn nicht kompromittiert fühlen, die nicht müde würden, Lueger, Wolf & Co. das Geschäft zu stören, ihnen scharfe Wahrheiten zu sagen und die antisemitische Moral klar zu beleuchten. Wir hätten Gelegenheit gehabt, ebensoviel solcher unermüdlicher scharfer Kämpfer aufzubringen, als die Zahl der Alldeutschen beträgt, deren ganzer Erfolg auf ihrem Losgehen beruht. Wir haben mit unseren Mandaten Präsente an verschiedene Parteien gemacht, die wir hoffentlich bei nächster Gelegenheit zurückziehen werden. Denn eigentlich waren es Schädigungen des Freisinns, den wir brauchen und meinen, waren es Präsente an Lueger, Wolf & Co., der schmutzigen Vereinigung zugunsten politischer Geschäfte und gegen die Juden. — y. Kehandlnng österreichischer Juden in Preußen. Wie allbekannt, schloß die österreichisch-ungarische Monarchie im Jahre 1879 mit dem Deutschen Reiche ein Schutzbündnis, aus dem später durch Hinzutritt Italiens der Dreibund entstand. Jedes unbefangene Gemüt würde aus dieser Tatsache den Schluß ziehen, daß dieses Bündnis, das uns stets alseine Lebensfrage für den ruhigen Bestand der Monarchie, als ein Hort des europäischen Friedens dargestellt wird, zumindest bewirken sollte, daß österreichische Staatsbürger als Angehörige