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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-06-14 · 24 (14.6.1907) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
24 (14.6.1907)
Date
1907-06-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 24 Dr. Llocb's Mocbenscbrikk. Seite 391 Prof. Dr. Stanislaus Starzynski, der „Adgeordnete" des 30 Neichsratsivahldr;irkes im Königreich Galizien. Von vertrauenswürdiger Seite wird uns aus Lemberg vom 7. d. M. berichtet, daß der glücklich „Erwählte" des 30. Reichsratswahlbezirkes, Herr Professor Starzynski, die Verbrechen, welche der Bezirkshauptmann von Sokal, Szwedzicki, und der Regierungskommissär Smolen von Belz anläßlich seiner Wahl begangen haben, in herben Ausdrücken getadelt haben soll. Wiewohl diese Mitteilung uns von sehr vertrauenswürdiger Seite zukommt, möchten wir die Richtigkeit der Nachricht denn doch bezweifeln. Wie hält es Herr Professor Starzynski mit den primitivsten Begriffen von Ehre vereinbarlich, ein öffentliches Mandat zu übernehmen, welches ihm auf so eigentümliche Art übertragen worden? Daß der Bezirkshauptmann. Szwedzicki von Sokal ein notorischer Verbrecher ist, der ins Gefängnis gehört, kann durch gerichtliche Akten erwiesen werden. Sein Spießgeselle Herr S m o l e n in Belz ist ein elender Erpresser, welcher den österreichischen Beamtenstand schändet. Als Dr. Bloch in Belz den jüdischen Wählern sich vorstellte, hat dieser saubere Regierungskommissär Smolen, welcher unwürdig ist, des Kaisers Rock zu tragen, sechs jüdische Einwohner, welche russische Staatsangehörige sind, ausweisen und über die russische Grenze bringen lassen. Es waren dies: 1. S. Silberfisch, Schwiegersohn des österreichischen Staatsangehörigen Majer Schuster; 2. Marcus Bauer, Schwiegersohn der österreichischen Staatsangehörigen Ester Tauber; 3. Samuel Kulikowski, Schwiegersohn des österreichischen Staatsangehörigen Nuchim H i k; 4. Sender Ruf, Schwiegersohn des österreichischen Staatsangehörigen Jffer Taube; 5. Leib Lehrer, Schwiegersohn des österreichischen Staatsangehörigen Herz Schnapp; 6. ein Schwiegersohn des österreichischen Staatsangehörigen Hersch B o r e r. Die Ausgewiesenen waren ruhige Leute, welche im Hause ihrer Schwiegereltern ihrem Berufe nachgingen, ohne sich um Politik und um Wahlen zu kümmern. Zwei Bürger, Jankiel Taube und Schulim Lasser, gingen zu Smolen, um die Freilassung der verhafteten sechs Russen zu erwirken. Da antwortete der saubere Smolen: er werde die Verhafteten freigeben, wenn man erwirkt, daß der jüdische Reichsratskandidat Dr. Bloch die Stadt Belz sofort verläßt. So wurden Sie gewählt, Herr Prof. Starzynski! Und find diese Verbrechen bloß in Sokal, in Belz und in Rawaruska verübt worden? Was geschah denn in Zolkiew? Auf zirka zwanzig Schritte vor dem Wahllokale, an einem Orte, welchen jeder Wähler zum Wahllokale passieren mußte, errichtete der Magistrat ein Agitationslokal, in welchem ihr Amt bekleideten: der Bürgermeister, der Polizei-Inspektor Ri ch mann, der Magistratssekretär Mankorski u. dgl., während draußen quer durch die Straße vom Magistrat bezahlte Individuen aufgestellt waren, um jeden vorübergehenden Juden ins Agitationslokal zu bringen, wo man ihn aufforderte, den Wahlzettel vorzuzeigen. Sobald dieser mit dem Namen Bloch versehen war, wurde ihm derselbe abgenommen und ihm ein anderer mit dem Namen Starzynski eingehändigt. Bielen Leuten wurde in den Taschen herumgesucht, ob sie nicht einen Zettel mit dem Namen Bloch versteckt halten. Ein jüdischer Trafikant klagte vor einem Zeugen, daß ihm ein „Purez" vor dem Wahllokale auf der Straße in den Taschen herumsuchte, ob er nicht, da er ihm einen Zettel mit Starzynski vorzeigte, irgendwo dort einen zweiten Zettel mit dem Namen „Bloch" versteckt halte, und glücklicherweise hatte er den Zettel „Bloch" in der Westentasche, wo dieser Herr nicht suchte. Im Wahllokale des Magistrates rühmte man fich, zirka 350 Wahlzettel mit „Bloch" abgenommen und dafür mit „Starzynski" verabreicht zu haben. 40 Stimmen wurden annulliert, weil fie mit Pickzetteln mit dem Namen „Bloch" versehen waren. Die meisten jüdischen Wähler aber fühlten, daß sie nicht den Mut hätten, fich den Zettel mit „Bloch" nicht abnehmen zu lassen, und gingen überhaupt nicht wählen. Am Abend nach der Wahl fand in der Stadt ein Fackelzug statt zu Ehren des Dr. Starzynski und dabei schrieen viele „nazrali Warn, zydzi“ „man hat euch angepfiffen Juden, angepfiffen". Das geschah in einem Wahlbezirk mit 65 Perzent jüdischer Bevölkerung und 20 Perzent ruthenischer. Schon diese statistischen Ziffern zeigen, daß nur mit Hilfe der ärgsten Verbrechen ein national-polnischer Kandidat als Abgeordneter dieses Reichsratswahlkreises — ernannt werden kann, ernannt, aber nicht gewählt. Die Ausübung eines solchen Mandates widerstreitet den primitivsten Begriffen von Ehre und Gerechtigkeit. Herr Starzynski kann nicht seine Hände in Unschuld waschen und die lustige Melodie pfeifen: „Das geht das mich an?" „Mich geht das gar nichts an!" Er ist der Führer der Partei, z« deren Gunsten «nd in deren Dieniten die Szwedzicki, Smolen und Kogut das Verbreche» des Mißbrauches der Amtsgewalt begangen habe»; diese Verbrechen wurden verübt, um ihm, dem Führer, die Pforten des Parlamentes zn öffnen. Damm ist er selber für alle Geschehnisse mit verantwortlich! Kein geradlinig denkender Mensch kann überhaupt verstehen, worauf der plötzlich moralische Univerfitätsprofeffor und Klubführer Starzynski mit seiner Kundgebung der Entrüstung gegen die eigenen Wahlmacher eigentlich hinaus will. Entweder ist er überzeugt, wie jeder andere, daß seine Wahl das Ergebnis ungeheuerer Mogeleien war, dann soll er den Ehrenmann nicht mit Worten markieren, sondern durch Taten zeigen und ein durch Schwindel erworbenes Mandat mit Abscheu zurückweisen. Oder er will mit ein paar billigen Bemerkungen, die weiter nichts bedeuten als eine höchst überflüssige Schwingung der Stimmbänder, fich auf einen Gentleman hinausspielen, dann mag er unter die Humoristen gehen, wenn er auf guten Glauben reflektiert. Er will seine Wahlmacher und die Art seiner Wahl von fich abschütteln, aber es wird ihm nicht gelingen. Wollte er etwa als bekannter Antisemit in einem Bezirk auf ehrliche Weise gewählt werden, in welchem 65 Perzent Juden nebst 20 Perzent oppositioneller Ruthenen zuhause find? Also keine komische Entrüstung, Herr Professor, die Komödie könnte einen Durchfall erleben. Behalten Sie, wenn Sie wollen, Ihr Mandat, aber dazu das unzerstörbare Bewußtsein, daß Ihr Triumph am Wahltag nichts war als ein Triumph der Verbrecher Szwedzicki, Smolen und Kogut, aus deren unsauberen Händen Sie das Mandat übernehmen. Knegrr, Wolf «. Go. Die parlamentarische Handelsgesellschaft mit gegenseitiger Haftung findet sich schön langsam zusammen. Die einen kriegen Ministerposten, die anderen die Stellen des Präsidiums, die dritten gesicherte Mandate, ein ganzes Warenhaus wird verteilt. Lueger, der mehrfache Gesinnungsbesitzer, wurde rechtzeitig gesund, um das schöne Geschäft nicht verstümpern zu lassen. Zuerst fing er den Ebrnhoch ein, den politischen Stieglitz, der auf die Welt kam, als schon alle Programme fertig waren; da nahm er denn von dem einen ein bischen römisch-gelb, vom anderen schwarz-- rot-gold, vom dritten schwarz-gelb, salbte seinen Schnabel und zog aus, um die Grundlagen des christlichen Staates und des wirtschaftlichen Lebens vor dem Judentum zu retten, J' i; ■ i'- ' "l -! I .r

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